Obstsalat Jünger werden jünger fühlen
Mrz 20

Pro und Contra zum fleischlosen Leben
Der innere Kampf zwischen Tierliebe, gesundem Menschenverstand, ernährungsphysiologischen Notwendigkeiten und der „Lust“ auf Fleisch.
Zu den fanatischen Vegetariern gehöre ich nicht. Genauso wenig, wie ich eine militante Nichtraucherin bin. So will ich mit meinen Ausführungen auch niemanden missionieren. Vielmehr möchte ich Anregungen geben für eine Diskussion um dieses aktuelle Thema.


Konsequent esse ich das Fleisch von Tieren, dazu gehören für mich auch die Fische, schon lange nicht mehr.
Nur ist das mit der Konsequenz so eine Sache, wie ich immer wieder finde.
Ich habe es bis heute problemlos geschafft, keine Ledertaschen oder Portemonnaies mehr zu benutzen. Es versteht sich, daß ein Pelzmantel oder eine Lederjacke für mich ebenfalls absolut nicht mehr in Betracht kommen.
Aber (mit schlechtem Gewissen): ich trage noch immer Lederschuhe.
Es müßte doch eigentlich ganz klar heißen: „Entweder-Oder“.
Aber so einfach ist es häufig nicht mit den Standpunkten.

Es ist jetzt etwa 15 Jahre her seit meinem Entschluß, keine Tiere mehr zu essen. Vorher hatte ich überaus gerne und nicht selten lustvoll einen knusprige Hühnerschenkel abgenagt. Ein zartes und saftiges Steak gehörte für mich zu einem schönen Menü. Und an einem duftenden, mit Kräutern zubereiteten Fisch konnte ich mich geradezu delektieren.
Nie, absolut nie vorher war ich auf den Gedanken gekommen, Fleisch, Wurst und Fisch von meiner Speisekarte zu streichen.
Ein kleines, an sich belangloses Erlebnis sollte jedoch alles verändern. Wie das im Leben so ist. Es sind oft die ganz kleinen Dinge, die große Wirkung mit sich bringen und alles Gewohnte auf den Kopf stellen.
Freilich hatte ich aus Zeitung und Fernsehen schon oft von Tiertransporten und von unwürdiger Tierzucht gehört. Entsprechend war jedesmal meine Empörung. Doch eine solche Gemütsbewegung war dann schnell wieder vergessen.
Der Mensch reagiert oft nicht, wenn er nicht selbst hautnah erlebt. Die Dinge spielen sich in entsprechender Entfernung ab und das alles betrifft uns nicht wirklich.
Weiter wird dann mit Genuß geschlemmt. Mit keinem Gedanken an die gequälten Tiere.
Ein kluger Mensch hat einmal gesagt:

„Müßten die Menschen die Tiere selbst schlachten, die sie verzehren, würden die meisten Menschen Vegetarier sein“

Zu meinem eigenen Erlebnis also, das für mich alles veränderte:
Als Beifahrer in einem PKW fuhr ich vor Jahren einmal auf der Autobahn. Ich hatte ein wenig gelesen und blickte unversehens aus dem Seitenfenster. Direkt neben mir fuhr, in gleichem Tempo wie wir, ein LKW. Er war voll beladen mit unzähligen Käfigen. Immer einer über dem anderen. In jedem der kleinen Käfige befand sich eine Pute. Diese Pute paßte jeweils kaum in ihr Verlies. In dem Fahrtwind flatterten die Federn aus den Gitterstäben. Man sah, daß die Tiere erbärmlich froren. Sie waren angstvoll gänzlich in sich zusammengezogen. Aber mir kam auch schaudernd in den Sinn, wie erst den Vögeln zumute sein mußte, die ganz im Inneren dieses Käfigstapels verfrachtet waren.
Es treibt mir noch heute die Tränen in die Augen, wenn ich an diesen erbarmungswürdigen Anblick denke. Blitzartig ging es mir damals durch den Kopf: “Wie kommen wir Menschen eigentlich dazu, so mit anderen Lebewesen umzugehen?“

Wer einen solchen Wahnsinn einmal gesehen hat weiß, daß er sich schuldig macht. Und an dieser Schuld wollte ich mich nicht mehr beteiligen.

Es stand in diesem Moment für mich hundertprozentig fest: Ich esse ab sofort kein Fleisch mehr. Das genau halte ich nun schon seit 15 Jahren ein.

Zugeben möchte ich, daß die ersten Jahre mir nicht so ganz leicht gefallen waren. Besonders dann, wenn Hähnchen gebraten wurde. Oder ich selbst bereitete für meine Familie einen deftigen Braten oder ein würziges Gulasch zu. Ich schnupperte oft bedauernd dem Duft des Fleisches nach. Heute hat dieser Geruch für mich nichts Verlockendes mehr. Im Gegenteil. Kochen und braten mit Fleisch kann ich schon lange nicht mehr. Den Geruch von Blut ertrage ich einfach nicht mehr.
Dennoch, ich will gerecht sein. Meine Position als Vegetarier ist gar nicht so stabil, wie ich sie für mich selbst lebe.
Es sprechen nicht nur Argumente für das fleischlose Leben, und wie ich bedauernd finde, die Tierliebe hat auch verschiedene Seiten.

  • Ich weiß durchaus, daß es viele Tierarten wie Gänse, Schafe, Schweine, viele Rindersorten und Ziegen heute nicht mehr gäbe, würden sie nicht ausschließlich zum Verzehr gezüchtet. Wer hielt sich schon Ziergänse, Zierputen oder gar einen Stier, nur zum Anschauen. Aber auch Schafherden gäbe es nicht, weil Schafe hierzulande kaum noch ihrer Wolle wegen gehalten werden.
  • Unsere Wiesen würden nicht mehr abgegrast und somit gepflegt werden, dienten sie nicht auch als Viehfutter.
  • Unzählige Tiere hätten kein Leben. Sie wären gar nicht geboren oder ausgebrütet worden.

Welche Position ist also zu beziehen?
Das wirkliche Problem scheint mir in erster Linie in den heutigen Mast-Gepflogenheiten zu liegen.
Wer Tiere hält, die Milch und Eier geben sollen oder für den Verzehr bestimmt sind, oder aber sie als Haustier will, übernimmt Verantwortung für andere Lebewesen. Er ist verpflichtet, ihnen ein würdiges, tiergerechtes und ausreichend langes Leben zu ermöglichen.

In früheren Zeiten gab es einen gesunden Kreislauf
Ein Huhn wanderte dann in den Kochtopf, wenn es ein langes Leben mit Eierlegen hinter sich hatte. Genauso verhielt es sich mit den Kühen. Erst wenn sie keine Milch mehr gaben, wurden sie geschlachtet. Aber auch Schweine durften erwachsen werden. Gänseeier waren ebenfalls gefragt, wie auch die von Enten und Hühnern. Später brachten die Federn Nutzen. Schafe gaben erst einmal viele Jahre lang Milch und Wolle, bevor sie als Braten endeten, usw., und so fort.
Es verstand sich auch, daß generell alle Tiere von frühestem Frühjahr bis zum späten Herbst im Freien verbrachten. Auch die Schweine.
Alle Tierprodukte wurden ausschließlich vor Ort oder in der Nähe vermarktet.
Es erübrigte sich die Diskussion um heutzutage wohl übliche und weitverbreitete unmenschliche Tierhaltung und -Transporte, deren Grausamkeit sprachlos macht.

Zu dieser „modernen Handhabung von Tieren“ kommt auch noch der gesundheitlich bedenkliche Verzehr ihrer Produkte


Eine Horrormeldung jagt die andere

  • Von Hormonmast ist die Rede
  • In den Fleischfabriken wird generell alles verarbeitet (auch die „eitrigen Backentaschen“, wie mir ein Großmetzger einmal sagte)
  • Behandlung mit Antibiotika macht den Verbraucher möglicherweise resistent gegen Medikamente
  • Hormongaben bedeuten eine gesundheitliche Veränderung des Hormonhaushaltes auch beim Menschen
  • Maul- und Klauenseuche: man weiß noch nichts Genaues über die Auswirkung bei Menschen
  • Histamingehalt in Schweinefleisch fördert Allergien
  • Krankheiten der Tiere sind in ihrer Gefährlichkeit für den Menschen noch gänzlich unerforscht
  • BSE: bereits Hunderttausende sollen betroffen sein und enden elendig.

Es scheint mir auch unwahrscheinlich, daß alle negativen Hormonauschüttungen, die durch Angst und Streß der Tiere deren Fleisch beeinträchtigen, auf uns und unsere Psyche ohne Wirkung bleiben.
Hier geht es um Energien der negativsten Sorte.

Da in der Natur nichts verloren geht, ist anzunehmen, daß unser Organismus schwer damit belastet wird. Gesundheitliche Folgen können nicht ausbleiben

Was ist zu tun?
Auf Fleisch ganz verzichten?

Wie immer scheint mir die Mitte die gesunde Empfehlung zu sein.
Das liegt in der Entscheidung gedes einzelnen.
Weniger Fleisch sollte auf jeden Fall die Devise sein. Viel weniger tierische Fette gehören zu diesem Hinweis.
Wenn es denn also gelegentlich Produkte vom Tier sein sollen, dann bitte von allerbester Qualität.

Bei den heutigen Zivilisationskrankheiten, wie zu hoher Blutdruck, zu hohe Cholesterinwerte, zu hohe Blutfettwerte und damit verbundene Gefäßkrankheiten, bis hin zu drohendem Herzinfarkt und Schlaganfall, lohnt es sich, über pflanzliche Alternativen ausführlich nachzudenken.

Die heutige Gemüseküche ist sehr abwechslungsreich und kann durch pflanzliches Eiweiß sinnvoll ergänzt werden

Dafür bieten sich vor allen Dingen Soja, Mungbohnen, Azukibohnen und Kichererbsen an.
Bei meiner ersten Begegnung mit diesen pflanzlichen Proteinen habe ich erfahren dürfen, daß sich daraus genauso schmackhafte Gerichte bereiten lassen, wie ich sie früher nur mit Fleisch gekannt hatte.
Die „Lust auf Fleisch“ erübrigt sich für mich aus diesen Gründen.

Gelegentlich fangfrischer Fisch (besonders im Urlaub) und wenig Fleisch auf dem Teller sollten künftig also eine Entscheidung und ein seltener Genuß für jeden Bürger bleiben. Die Gesundheit wird es danken.

Für Sie sollte allerdings nur Fleisch auf der Speisekarte stehen, von dessen Herkunft Sie sich durch genaues Hinterfragen überzeugt haben.

Lassen Sie uns gemeinsam „Nein danke“ zur Qualhaltung sagen!
Das sollten wir uns selbst wert sein, und das sind wir auf alle Fälle den Tieren schuldig!

Autorin: Ingrid Schlieske


Verwandte Beiträge:
  • Die Erbsen
  • Was zeichnet eine gesunde Ernährung eigentlich aus?
  • Der Brottrunk
  • Chicorée – das feine Gemüse
  • Zimt-Apfeltorte mit weihnachtlicher Zimt-Sahne

  • \\ tags: , ,

    Kommentar abgeben

    Bitte Einloggen um einen Kommentar abzugeben.