Weißkohl - Brassica oleracea L. Lilie der Wüste
Jun 02

„Es ist zum Verzweifeln. Ich habe ständig Magenschmerzen. Bisher sind alle möglichen Untersuchungen gemacht worden, aber die Ärzte finden keine Ursache.“

Frau Krieger wirkte blass und erschöpft und schien wirklich am Ende ihrer Kräfte. Sie war längere Zeit wegen der Magenbeschwerden in Behandlung gewesen. Anfangs hatten sie sich gebessert, waren dann aber in gewohnter Stärke zurückgekehrt.
Aus dem Untersuchungsbericht des behandelnden Arztes wurde sichtbar, dass Läsionen, d.h. Beschädigungen der Magenschleimhaut, an vielen Stellen vorhanden waren. Eine Entzündung durch bakteriellen Befall, Autoimmunerkrankungen oder chemische Einflüsse konnten jedoch ausgeschlossen werden. Der Arzt hatte Frau Krieger versichert, dass organisch alles in Ordnung sei. Kaum etwas wies auf die Herkunft der Läsionen und der zeitweise sehr unangenehmen Schmerzen hin.


Wenn in so einem Fall körperliche Erkrankungen nicht nachweisbar sind, geht man medizinisch von einem Reizmagen aus

Der Reizmagen
Als Auslöser der tatsächlich vorhandenen Beschwerden vermutet man Unverträglichkeit von bestimmten Nahrungsmitteln, schlechte Essgewohnheiten und psychische Belastungen. Die Beschwerden gleichen denen anderer Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, wie brennende, drückende oder krampfartige Schmerzen; Druck im Oberbauch; Berührungs- oder Druckempfindlichkeit; Völlegefühl, Aufstoßen, Sodbrennen; Übelkeit und Erbrechen.

Bei meiner Patientin zeigte schon die Anamnese (Ursachenermittlung durch Untersuchung und Befragung), dass es sich um einen solchen Reizmagen oder treffender bezeichnet, um einen nervösen Magen handelte.
Begonnen hatte das ganze bereits in der Schulzeit. Wenn Klassenarbeiten nur angekündigt waren oder sie ein Gedicht vor der Klasse rezitieren sollte, wurde ihr schon flau im Magen. Sie konnte dann entweder gar nichts mehr essen oder mit Süßigkeiten nicht aufhören.

Wenn ihre Leistungen kritisiert wurden, schlug ihr das derart auf den Magen, dass sie manchmal Krämpfe bekam

Diese Art, auf emotionale Belastungen oder Stress zu reagieren, hatte sie bis heute beibehalten. Zu einem Dauerproblem wurde ihre Magenempfindlichkeit jedoch erst, als sie einen neuen Chef bekam. In der Firma, in der Frau Krieger seit ihrer Ausbildung arbeitete, wurde zwar schon immer viel verlangt, wie sie betonte, aber es herrschte ein kollegialer Ton und Leistungen wurden anerkannt. „Aber seit dieser Überflieger bei uns das Sagen hat“, klagte sie, „ ist nichts mehr so wie vorher. Ich leiste wirklich viel, gebe mir die größte Mühe und liefere perfekte Ergebnisse ab. Aber dieser Mann hat nicht nur keine Ahnung von dem was er machen sollte, er ist auch nicht in der Lage, unsere Arbeit anzuerkennen. Mich kritisiert er ständig wegen Nichtigkeiten. Vielleicht weil ich manches weiß, was ihm fehlt. Aber dieser Kleinkrieg macht mich kaputt. Seitdem habe ich fast täglich Magenkrämpfe.“

Stress macht krank
Der Wissenschaftler Hans Selye erkannte bereits 1936 diesen Zusammenhang zwischen Stressbelastungen und Magenkrankheiten. Eigentlich untersuchte er Hinweise, die das allgemeine Kranksein charakterisieren, also Beschwerden, die bei jeder Erkrankung präsent sind. In Laborversuchen setzte er Ratten unterschiedlichsten Belastungen aus und stellte erstaunt fest, dass sie dennoch jedes Mal die gleichen Symptome und Schädigungen zeigten. Jedes Mal war die Nebennierenrinde übermäßig beansprucht; jedes Mal war das Immunsystem geschwächt und jedes Mal entstanden Schleimhautläsionen oder auch Geschwüre im Magen-Darm-Trakt.

Die Stress-Mechanismen funktionieren beim Menschen ähnlich wie es bei Studien an Ratten festgestellt wurde. Immer, wenn sich Frau Krieger, sicher zu Recht, über ihren Chef empörte, begann die Nebenniere übermäßig das Stresshormon Adrenalin auszustoßen. Der gesamte Organismus geriet dabei in Aktionsbereitschaft und bereitete sich nach dem genetischen Muster darauf vor, mit einem Gegner zu kämpfen oder sich in Sicherheit zu bringen. Während dieser Zeit dürfte im Magen eigentlich keine Magensäure produziert werden, weil niemand in einem solchen Moment essen würde. Durch den Dauerstress funktionierte die körpereigene Regulation nicht mehr so gut, so dass dennoch Säure ausgeschüttet wurde.

Magensäure ist so ätzend, dass sie Löcher in einen Teppich brennen könnte

Wenn dann in der Schleimhaut nicht ausreichend von dem schützenden Schleim produziert wird, entstehen solche Löcher oder Läsionen, die sich bis in die Magenwände durchfressen. Dazu kam bei Frau Krieger noch die Neigung, bei emotionalem Stress so ziemlich alles zu essen, was süß und erreichbar war. Damit wurde die Magensäure zusätzlich regelrecht hervorgelockt. Die Folge war, dass es bereits zu Schädigungen der Schleimhaut kam, wenn sie nur an die Quelle ihres Ärgers dachte. Häufig steht dann zu den Mahlzeiten nicht mehr genügend Säure zur Verfügung und die Vorverdauung von Eiweiß kann empfindlich gestört werden. Das führt möglicherweise nach den Mahlzeiten zu einem Druck auf dem Magen.
Frau Krieger konnte diese Zusammenhänge, die ich ihr erläuterte, gut nachvollziehen und war deshalb motiviert, einiges zu verändern.
Um die körperlichen und seelischen Beschwerden deutlich zu lindern, verordnete ich das homöopathische Mittel Ignatia amara. Dieses Medikament erweist sich besonders hilfreich bei Menschen, denen Nervosität auf den Magen schlägt, die bei allem um Perfektion bemüht sind und auf Enttäuschungen oft mit krampfartigen Magenschmerzen reagieren. Unter Stressbelastungen entwickeln sie einen besonderen Heißhunger und versuchen, Ärger oder Kummer weg zu essen.
Dieses Mittel half Frau Krieger, innerlich ruhiger zu werden, damit konnte die Magenschleimhaut ausheilen.
Außerdem konzentrierten wir uns auf sechs Wege und Möglichkeiten, die generell bei nervösem Magen hilfreich sein können:

Umstellung auf magenfreundliche Kost
Besonders die Trennkost entlastet nachweislich den vorgeschädigten Magen-Darm-Trakt und hilft, die Säureproduktion zu normalisieren. Da sich in der Trennkost schon auf einen häufigen Verzehr von mineralstoffreichen Basenbildnern wie Gemüse, Blattsalate und mildes Obst orientiert wird, kann Frau Krieger damit auch ihrem Magen eine Freude machen. Ich empfahl ihr außerdem zweimal wöchentlich eine rein basische Mahlzeit wie die Basensuppe oder eine Minestrone zu essen und sie musste zunächst ganz auf ihre süßen Tröster verzichten. Das war nicht so einfach, aber das Klopfen der Augenpunkte aus der Mentalfeldtechnik half ihr, bei Frust standhaft zu bleiben.


Vitamin A für eine gut funktionierende Magenschleimhaut
Damit die Schleimhautzellen nicht austrocknen, sondern genügend schützenden Schleim bilden, brauchen sie viel Vitamin A aus Obst und Gemüse in den Ampelfarben Rot, Gelb, Grün.

B-Vitamine für starke Nerven
Der gesamte B-Komplex, z. B. aus Bananen, Nüssen, Soja, Vollkornprodukten, Spinat, grünen Erbsen, unterstützt die Funktion der Magenschleimhaut und macht Nerven stark gegen Stress.

Mollige Wärme zur Entspannung
Wenn Wärme auf dem Oberbauch als angenehm empfunden wird, hilft eine Wärmflasche den Solarplexus, das für den Magen zuständige Nervengeflecht, wirksam zu entkrampfen.

Entspannteres Essverhalten
Gerade beim nervösen Magen ist es wichtig, in Ruhe, ohne Störungen oder Terminabsprachen zu essen und ausreichend zu kauen. Wenn gründlich gekaut wird, wirkt Speichel  wie ein natürlicher Säureblocker. Kleine basische Knabbereien tagsüber, wie eine Möhre, eine Kohlrabischeibe, oder Radieschen, unterstützen das.

Wirksamer Stressabbau
Um den angestauten Ärger schneller abzubauen, zeigte ich Frau Krieger eine Klopfsequenz aus der Mentalfeldtechnik gegen Stress, die sie mehrfach täglich auch im Büro einsetzen kann. Da sie nicht sonderlich sportbegeistert ist, suchte ich gemeinsam mit ihr nach passenden Möglichkeiten, den Druck auch physisch zu reduzieren. Bisher spürte sie am ehesten Erleichterung, wenn sie nach einer Auseinandersetzung erst mal eine Runde ums Karree laufen konnte. Also kam regelmäßiges Walking, zweimal wöchentlich, auf ihr „Rezept“. Bei schlechtem Wetter wollte sie den Sandsack im Zimmer ihres Sohnes nutzen, um Wut und Enttäuschung durch heftige Schläge loszuwerden. Außerdem übte ich mit ihr, die am meisten störenden Probleme mit ihrem Chef auf einer Werte-Skala von 1 bis 10 einzuordnen und mit anderen Katastrophen zu vergleichen. Schon wenn es gelingt, die Sichtweise auf die Quelle des Stresses zu ändern, fällt es leichter, das Ganze nicht mehr überzubewerten, nicht ständig zu grübeln oder sich ärgern zu lassen.

Inzwischen fühlt sich Frau Krieger mit der magenfreundlichen Trennkost und dem Walking sichtlich besser und kann gelassener mit ihren Problemen umgehen. Sie hat jetzt am eigenen Leib erfahren, wie ernsthaft ungelöste Konflikte und Dauerstress ihren nervösen Magen gefährden können, vor allem, wenn sie nichts dagegen unternimmt. Mittlerweile hat sie erreicht, dass Auseinandersetzungen mit dem „Überflieger“ zumindest auf sachlicher Ebene geführt werden. Die Läsionen in der Magenschleimhaut sind ausgeheilt, aber Frau Krieger muss sich auf ihre Veranlagung einstellen und sich bemühen, ihren Frust früher abzubauen. Sie weiß, es kann immer wieder Ärger geben, aber jetzt sorgt sie dafür, dass ihr nicht mehr so viel auf den Magen schlägt.

Basensuppe
1 Bund Suppengrün, 2 bis 3 Kartoffeln, 1 große Zwiebel, 1 bis 2 Knoblauchzehen, 2 TL Öl, Gemüseconsommé, Salz, Pfeffer, frische Petersilie

Das Suppengrün und die Kartoffeln waschen, schälen und in feine Scheiben hobeln. Die Zwiebel würfeln und in einem Topf in Öl anschwitzen lassen. Nachdem die Zwiebel etwas gebräunt ist, mit 1/4 Liter heißem Wasser auffüllen, mit Salz, Pfeffer und Gemüseconsommé abschmecken. Dann das Gemüse und die Kartoffeln in die kochende Brühe geben und weich dünsten. Die Knoblauchzehen auspressen und den Saft mit den gehackten Kräutern zur Suppe geben.

Artikel: Bioline-Magazin (Elfi Sinn)


Verwandte Beiträge:
  • Entspannung
  • Was zeichnet eine gesunde Ernährung eigentlich aus?
  • Übersäuerung
  • Afa-Alge
  • Nimm das Leben nicht so schwer

  • \\ tags: , ,

    Kommentar abgeben

    Bitte Einloggen um einen Kommentar abzugeben.