Krebs vermeiden Gebratener Chinakohl
Feb 05

„Können Sie mir helfen, meinen Mann zum Reden zu bringen. Ich weiß mir keinen Rat mehr.“
Die junge Frau, die in meiner Praxis anrief, war den Tränen nahe. „Mein Mann und ich haben schon seit längerem Probleme miteinander und nun meint der Hausarzt, dass auch seine starken Rückenschmerzen damit zusammenhängen können. Aber ich kann mit meinem Mann einfach nicht darüber sprechen. Er weigert sich, solche Zusammenhänge zu sehen Unser ganzes Familienleben leidet inzwischen darunter. Sie bieten in Ihrer Praxis doch beides an, die physische und psychische Behandlung. Gibt es vielleicht irgendwelche naturheilkundlichen Therapien, die uns weiterhelfen können?“


Im Laufe des Telefonats stellte sich heraus, dass in der neunjährigen Ehe der beiden seit geraumer Zeit einiges in Unordnung geraten war. Inzwischen zog die junge Frau, trotz der noch kleinen gemeinsamen Kinder und eines wunderschönen alten Hauses am Stadtrand, eine Scheidung in Betracht und nun sollte ich den rettenden Strohhalm liefern, um dem Ganzen eine glücklichere Wendung zu geben.
Verliebt, verlobt, verheiratet … und nun ein hoffnungsloser Fall?
Die junge Frau hatte mir ja auch von den schweren Rückenproblemen ihres Mannes berichtet. Ich riet ihr, ihrem Mann Shiatsu zu empfehlen, das ich in meiner Praxis anbiete. Das ist eine asiatische ganzheitliche Massagetechnik, so dass für ihn die körperliche Behandlung bei mir seinem Wunsch entsprechend im Vordergrund stünde und ein Gespräch, auf das er sich nur schwer einlassen wollte, ganz am Rande stattfände.
Nach der dritten Shiatsu-Sitzung aber war das Eis gebrochen.

Entspannt lächelnd äußerte der junge Mann, dass er die etwas schmerzhaften Druckübungen viel leichter ertrage als den familiären Druck mit Baustelle und viel Kinderlärm

In den nächsten Massagesitzungen nutzte er die Zeit, mir seinen Traum von Familie zu beschreiben und mir zu verdeutlichen, warum dieses Leben für ihn trotz aller Liebe zu Frau und Kindern so belastend war.
Im nunmehr fälligen gemeinsamen Gespräch stellte sich bald heraus, dass die jeweiligen Vorzüge der Partner, die damals zur Verliebtheit geführt hatten, nun für beide Seiten eher als belastend und störend empfunden wurden.

Ihre Gründe …
Die junge Frau fand anfangs ihren Mann besonders anziehend, weil er ein lieber und stiller Mensch war. Ganz anders als die „draufgängerischen Kerle“ ihres sonstigen Bekanntenkreises und vor allem, genau das Gegenteil ihres dominanten Vaters, der  als ´Patriarch der Familie´ Mutter und Geschwister immer noch durch seinen Jähzorn in Angst und Schrecken versetze.
So wie in manchen Märchen die Prinzessin den sanften Gärtnerburschen vielen starken und mutigen Rittern vorzieht, war es auch in diesem Fall.
Auch heute würde ihr Mann alles tun, worum sie ihn bäte, egal ob es sich um den Abwasch handle, die Restaurationsarbeiten im ihrem alten Bauernhaus oder um die Erstellung der Reiseroute für die geplanten Ferien.

Aber aus dem stillen Träumer sei im Laufe der Ehejahre ein müder Pantoffelheld geworden

Nie täte er Dinge von sich alleine, aus eigener Verantwortung. Immer müsse sie alles organisieren und er sei nur ausführendes Organ.

Seine Gründe …
Niemanden wird es wundern, dass genau diese Fähigkeiten der Grund des Ehemannes waren, sich damals für seine Frau zu entscheiden. Ihr Organisationstalent und ihre Durchsetzungskraft hatten ihn für sie eingenommen. „Die besitzt genügend Kraft für uns beide“, hatte er damals gedacht, doch heute litt er nur noch unter ihrem Druck.

Solch unglückliche Entwicklung einer Partnerschaft kenne ich zur Genüge aus diversen Ehe- und Paarberatungen.

Wie aber kann es passieren, dass die ursprünglich so sehr geschätzten Besonderheiten des Partners sich im Laufe des Beziehungsalltags ins Gegenteil verkehren?

Die Ursachen kamen schnell ans Licht. Und wie so oft im Leben waren es auch hier nicht dramatische Ereignisse, die ein zufriedenstellendes gemeinsames Leben inzwischen unmöglich machten.

Tötet der Alltag die Liebe?
Im Alltag mit all seinen Kleinigkeiten und der Aufteilung der anstehenden Arbeit lag der Grund allen Übels. Kinderlärm, Einkäufe, Planungen und die notwendige Arbeit am Eigenheim standen dem Wunsch des Ehemannes nach Erholung von der Arbeit durch fröhliche Beschäftigung mit der Familie und nach einem geruhsamen Abend ebenso entgegen wie das Bedürfnis seiner Frau, die nach dem Tag mit drei kleinen Kindern zwischen 2 und 7 Jahren abends geradezu ausgehungert war nach anregenden Erlebnissen und gedanklichem Austausch.

Ein müder Ehemann, der im Gespräch nur ein gelegentliches „ Hmm, wie du meinst, Schatz“ einwarf, entsprach wahrhaftig nicht ihrer Vorstellung von glücklichem Ehealltag

Hier mag sich so manches Ehepaar wiedererkennen.
Doch was ist zu tun, um sich dem damals erträumten Märchenglück zu nähern und es wieder zu erlangen?
Als nächster Schritt in der Beratung ist hier ein kurzer Rückblick angesagt, wie ursprünglich das gemeinsame Leben beider Partner erträumt wurde.
Meine jungen Klienten hatten sich die Anerkennung ihrer Beziehung bei Familie und Freundeskreis fast erkämpfen müssen, da alle meinten, solche gegensätzlichen Persönlichkeiten würden nicht zusammen passen. Und auch ihre eigenen Vorstellungen von einem gemütlichen alten Bauernhaus, das sie selbst renovieren wollten und einer kleinen Kinderschar hatte bei den meisten Freunden nur ein irritiertes Kopfschütteln zur Folge.


Ist das Ende aller Märchen die große Langeweile?
Jetzt jedoch, wo ein Großteil dieser Ziele Wirklichkeit geworden war, hatten die beiden vergessen, wie ihre Liebe ursprünglich begonnen hatte. Und sicher dachten sie, wie die meisten Ehepaare, dass nun, endlich am Ziel, alles eigentlich so weitergehen müsse wie geplant. Und damit ist es ihnen ein bisschen so ergangen wie viele Märchen enden. Endlich haben die beiden Liebenden sich gefunden, alle Abenteuer und Herausforderungen sind bestanden. Und nun? Geht das Märchen etwa weiter? Nein, es schließt mit den Worten „ Und so lebten sie fröhlich bis an ihr seliges Ende.“
Wie das Leben der Liebenden dann aber genau weiterging, wird leider nicht mehr beschrieben. Bedeutet das Ende aller Märchen vielleicht, dass es danach nicht mehr märchenhaft weitergeht, sondern auch hier der Alltag einkehrt? Sitzt der Prinz abends in Pantoffeln am Kaminfeuer und entspricht, inzwischen behäbig geworden, nicht im Geringsten mehr dem strahlenden jungen Helden, der die Prinzessin vor langer Zeit bezaubert hatte?
Denkt die junge Frau wehmütig an die vergangenen Erlebnisse, während sie gemeinsam mit ihren Hofdamen gelangweilt eine Tischdecke nach der anderen bestickt und die Kinder draußen im Schlossgarten spielen hört?
Kehrt am Ende aller Märchen die heute in so vielen Beziehungen herrschende große Langeweile ein, da nun alle Abenteuer bestanden waren?

Weshalb die Träume verloren gehen
Aus Erfahrung weiß ich, dass es im tatsächlichen Leben nicht genügt, darauf zu vertrauen, dass die Zeit schon alles richten wird oder dass ein Ehe- und Familienalltag sich automatisch und ohne eigenen Einsatz weiter glücklich gestaltet.
An dieser Stelle empfehle ich in meinen Paartherapien einen gemeinsamen Blick in die Bilder der Vergangenheit. Wie sah denn vor Jahren der Alltag der beiden aus, als sie noch ein frisch verliebtes Paar waren? Was hatten meine Klienten sich damals für den Ehealltag an gemeinsamen Träumen und Plänen alles ausgemalt? Bei den beiden jungen Leuten, von denen ich jetzt berichte, konnte ich zusehen, wie der alte Zauber wieder zu wirken begann. Denn das gemütliche Bauernhaus war ja nicht um des reinen Besitzes willen das Ziel der beiden gewesen. Nein, vielmehr verband sie damit damals eine innenarchitektonische Herausforderung, ein gemeinsames Planen und Arbeiten im Bauschutt, um langgehegte Wohn-Träume zu verwirklichen und natürlich eine besondere Art der Ruhe und Beschaulichkeit an langen Abenden.

Diese gemeinsame Vorstellung von Familienglück hatte die beiden zusammengebracht und die jeweiligen Stärken in besonders positivem Licht erscheinen lassen

Für beide bedeutete der andere Mensch damit natürlich die Erfüllung aller Träume.
Doch der Alltag mit seinen Belastungen hatte kaum Raum und Zeit dafür gelassen und schließlich waren romantische Vorstellungen in Vergessenheit geraten.
Dieser Rückblick in die eigene Geschichte machte dem jungen Ehepaar deutlich, ab welchem Zeitraum die persönlichen Wünsche unerfüllt geblieben waren. Nach dem Kindersegen hatte sich die Eigenwilligkeit und Besonderheit jeder der beiden Partner in Rauch aufgelöst. Beide hatten sich ohne miteinander darüber zu sprechen in eine Rolle gefügt, in der die persönlichen Fähigkeiten und Wünsche keinen Platz mehr fanden.

Der junge Mann konnte sich bei den vorherigen Träumen und Plänen ein Leben als Vater und Hausmann anstelle seines derzeitigen harten Berufsalltags sehr gut vorstellen. Und beiden Parteien war im Grunde bewusst, dass die Fähigkeiten seiner Partnerin in der Hausfrauen- und Mutterrolle nicht genügend gefordert wurden.
Sie, als treibende Kraft der Beziehung wäre gerne zumindest halbtags weiter berufstätig geblieben. Um das gemütliche Zuhause aber zu verwirklichen, hätte sie es vorgezogen, die Restaurations- und Ausbauarbeiten im Eigenheim statt der Kinderbetreuung zu übernehmen.

Die Tradition hemmt
Aber die Wünsche der beiden bezüglich Arbeit und Familie waren nicht so leicht in die Realität umzusetzen. Denn oft stehen uns die Erwartungshaltungen von Eltern und Freunden und auch traditionelle Vorstellungen von Mutterglück und ´Frauen- bzw. Männerarbeit dabei im Wege.
Bei dieser Gelegenheit ist es notwendig, die hinderlichen Denk- und Glaubensmuster einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Denn als die junge Frau sich anpasste und brav ihr Betätigungsfeld auf Haushalt und Kinder beschränkte, konnte sich ihr Organisationstalent nur noch in Arbeitsaufträgen an ihren Ehemann äußern. So kam zu dessen beruflicher Belastung also bald der Druck, das Haus endlich fertig zu stellen. Seine eigenen Wünsche, wie er seine Freizeit gemeinsam mit Frau und Kindern gestalten wollte, spürte er nur noch in dem schlechten Gewissen, ihnen nicht gerecht zu werden.

In der Ehetherapie wurden beide Partner bestärkt, ihre eigenen Interessen und die des anderen klar zu erkennen, und in die Realität umzusetzen sowie die jeweiligen Stärken zu fördern

So konnten die eingefahrenen Lebens- und Verhaltensmuster durchbrochen und die ursprünglichen gemeinsamen Lebensträume wieder in Erinnerung gebracht werden.
Die junge Frau nutzte ihr Organisationstalent und gründete im nahegelegenen Kinder- und Jugendzentrum eine Elterninitiative, von der auch die zweijährige Tochter vormittags betreut wurde. So konnte sie wieder halbtags in ihr früheres Beschäftigungsverhältnis zurückkehren. Und da es ihrem Mann dadurch möglich wurde, seine Arbeitszeit auf 30 Stunden zu reduzieren, freute er sich, die nachmittägliche Kinderbetreuung zu übernehmen.
Die Renovierung des Hauses ließ sich durch die neue Planung nun gemeinsam ausführen, da beide Partner jetzt mehr Zeit dafür hatten.
So kamen weder der berufliche Bereich, noch Familie und Wohnideen zu kurz und die Erfüllung des früheren Lebenstraums rückte wieder in greifbare Nähe.

Vielen Paaren täte ein solcher Rückblick in die eigene erlebte Geschichte gut. Die gemeinsamen Träume, die zusammen bestandenen Herausforderungen des Lebens, die Erinnerungen an schöne Zeiten mit Kindern und Freunden oder auch an das kleine Lokal, in dem man mit einem köstlichen Essen und einer guten Flasche Wein den ersten Hochzeitstag in aller Stille gefeiert hatte, weckt ja nicht nur das damals empfundene Glück über einander, sondern motiviert nebenbei auch dazu, diese schönen gemeinsamen Dinge ab und an zu wiederholen, um diese Freude erneut empfinden zu können.

Wenn beide Partner sich eine Liste wichtiger Lebenssituationen zusammenstellen und miteinander vergleichen, erkennen sie sehr schnell, warum die ganz speziellen Besonderheiten des anderen für sie persönlich so wichtig waren und sind

Jedes Paar, das sich vom Alltag auffressen lässt oder dem hinderliche Denk- und Glaubensmuster im Weg stehen, kann sein persönliches „immerwährendes Märchenglück“ wieder finden.
Durch einen Rückblick in die gemeinsame Geschichte erkennt man die fälschlich eingefahrenen Lebens- und Verhaltensmuster und erinnert sich wieder sowohl an die eigenen Besonderheiten und Stärken, wie auch an die des Partners.

Wer den alten Zauber wieder entdeckt und fördert, wer sich also auf den Weg macht, das Märchenglück wieder zu erobern, dem ergeht es, wie dem jungen Paar in meiner Therapie, dass inzwischen seinen gemeinsamen Lebenstraum in die Wirklichkeit umgesetzt hat.

Artikel: Bioline-Magazin (Margot Sistig-Kummer)


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