Platzen vor Wut Über das Mitleid
Aug 20

Es war einmal eine ruhige Reihenhaussiedlung. Dort lebten seit Jahren fast nebeneinander Frau Immerdick und Frau Wiederschlank.
An einem schönen Morgen strahlte die Sonne besonders hell ins Badezimmer. Beide Frauen traten fast zur gleichen Zeit auf die Waage. Natürlich nicht auf die gleiche, sondern jede auf ihre.
Aber die Entsetzensschreie beider hatten mindestens die gleiche Intensität. Fünfzehn Kilo zu viel, und das drei Monate vor dem 40. Geburtstag bei der einen und der Silberhochzeit bei der anderen. Beide Frauen kamen im Laufe des Vormittags zu ähnlichen Überzeugungen, nämlich dass unbedingt etwas geschehen musste, um so schnell wie möglich wenigstens zehn Kilo weniger zu haben.


Das Fett von Hüften und Bauch sollte verschwinden, und zwar wirkungsvoll und dauerhaft

Da beide schon einige Diätversuche unternommen hatten, war die Bereitschaft groß, etwas zu finden, was wirklich schnell und auf Dauer hilft. Folgerichtig stießen sie auf die Trennkost und eine Gruppe, von der sie sich ein kleines Wunder erhofften.
Frau Wiederschlank ging die Sache sehr gelassen an, sie kannte ihre Schwäche, nur schwer an einem duftenden Bäckerladen vorbei zu kommen. Aber sie nahm sich vor, die Hinweise aus der Gruppe ernst zu nehmen und sie auch einzuhalten. Optimistisch, wie sie alles betrachtete, war sie sich fast sicher, es zu schaffen.

Frau Immerdick dagegen erinnerte sich ständig daran, wie oft sie schon Diäten begonnen und wieder abgebrochen hatte. Sie befürchtete insgeheim, ein hoffnungsloser Fall zu sein.

Sie hoffte, etwas zu finden, das ihr ungeliebtes Fett einfach wegzaubern könnte

Allerdings sollte ihr auch niemand nachsagen können, sie habe sich keine Mühe gegeben. Natürlich änderte sie hier und da etwas an ihrem Ernährungsplan. Schließlich wusste sie doch am ehesten, was ihr gut tat und was sie brauchte!
Nach drei Wochen hatten beide 3 kg abgenommen. Frau Wiederschlank war hoch erfreut und fühlte sich vor allem durch die Tatsache, dass ihr Rockbund viel lockerer saß, hoch motiviert, so weiter zu machen. Außerdem hatte sie begonnen, zweimal wöchentlich am Morgen durch die Siedlung zu joggen und mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. Manchmal schaffte sie es sogar, die Familie am Wochenende zum Wandern zu überreden.
Frau Immerdick sah sich bei 3 kg in ihrer pessimistischen Sicht bestätigt. Nach so einer langen Zeit der Entbehrung hatte sie erwartet, mindestens 10 kg abzunehmen. Alles, was darunter lag, war für sie inakzeptabel. Sie beklagte sich bei ihrem Mann:

„Warum habe ich das nur mitgemacht. Das wird sowieso nichts. Ich hätte mir gleich das Fett absaugen lassen sollen!“

Nachdem ihr Mann versucht hatte, sie zu beruhigen, lenkte sie ein: „Na gut, schließlich soll mir keiner nachsagen, ich würde mir zu wenig Mühe geben. Ich werde es noch mal versuchen. Aber ich weiß, dass es sowieso wieder schief geht.“
Während Frau Immerdick mit dem Bus zwei Stationen zu ihrer Arbeitsstelle fuhr, grollte sie wieder vor sich hin: „Was für eine blöde Idee, von mir zu erwarten, dass ich wie eine Wahnsinnige durch die Gegend renne. Was sollen denn die Nachbarn denken. Und in ein Fitness-Studio gehe ich auch nicht. Dort hüpfen nur diese jungen Dinger mit viel zu engen Gymnastikanzügen herum. Da bringen mich keine zehn Pferde hin!“

Nach sechs Wochen, an einem Freitagabend, bereitete Frau Wiederschlank einen deftigen Gemüseeintopf für die Familie vor. Ihr Mann war anfangs nicht gerade begeistert, aber seiner Frau zuliebe hatte er sich auf das Experiment Trennkost eingelassen. Inzwischen war er es, der die meisten Soja-Buletten aus dem Kühlschrank verschwinden und sich sogar zu tollen Komplimenten für das Essen hinreißen ließ.
Auch die Kinder Pit und Jenny fanden es jetzt cool, in der Pause ein viel interessanteres Frühstück zu haben als andere. Außerdem fühlten sie sich im Unterricht munterer und weniger schlecht gelaunt. Natürlich brauchten sie eine Weile, bis sie sich an das viele Gemüse gewöhnt hatten, sie freuten sich aber auch, dass ihre Mutter immer schlanker, hübscher und aktiver wurde.

Frau Immerdick war ebenfalls bei der Zubereitung des Essens, klapperte heftig mit den Töpfen und grollte schon wieder:

„Wieso sollte ich mir eigentlich alles versagen, was ich gerne esse. Es ist so ungerecht, mein Mann kann zulangen und bleibt schlank. Ich quäle mich mit meinem Salat. Aber wenn das vorbei ist, dann  gönne ich mir wieder mein Leberwurstbrot.“


Am nächsten Morgen stand Frau Wiederschlank vor ihrem Kleiderschrank und betrachtete ihr Lieblingskleid in einem wunderschönen Blau. Das wollte sie unbedingt wieder tragen, weil ihr Mann ihr oft versichert hatte, es habe genau die Farbe ihrer Augen. Schon deshalb sah sie es jeden Tag an und stellte sich vor, wie sie darin aussehen würde. Mit 4 kg leichter war es nur noch ein ganz klein wenig zu eng. Aber sie freute sich jetzt schon auf das überraschte Gesicht ihres Mannes, wenn er das Kleid an ihr sehen würde. Während sie sich noch im Spiegel betrachtete, schaute Jenny um die Ecke. „Toll Mami, du wirst beim Tanzen die Schönste sein. Ich weiß schon lange Bescheid. Daddy will mit dir am Geburtstag groß ausgehen und er hat auch heimlich Tanzen geübt.“
Frau Wiederschlank lächelte überrascht und fühlte sich gleich noch ein paar Kilo leichter.

Frau Immerdick stand ein paar Häuser weiter vor ihrer Garderobe und jammerte: „Die schönen Kleider muss ich alle wegwerfen! Ich nehme doch sowieso nicht ab. Und immer muss ich mich einschränken.

Meine Schwägerin Lieselotte kann jeden Tag zwei Tortenstücke essen und nimmt nie zu. Ich dagegen scheine die Kalorien schon anzuziehen, wenn ich nur am Kühlschrank vorbei gehe

Womit habe ich das verdient. Ich quäle mich nun schon fast zwei Monate und alles, was ich erreicht habe, sind lächerliche 4 kg weniger. Dafür hätte ich eigentlich etwas Trost verdient.“
Eilig begann sie im Schrank zu kramen und richtig, da stand die Schachtel Pralinen vom letzten Geburtstag. Obwohl sie eigentlich nur ein wenig naschen wollte, war die Schachtel irgendwann halb leer. Frau Immerdick bekam ein schlechtes Gewissen: „Wieso habe ich das nur gemacht? Ich wollte doch eigentlich nichts Süßes mehr essen. Wieso passiert das immer nur mir?“ Während sie auf die Schachtel starrte, entschied sie sich trotzig: „Jetzt habe ich sowieso schon gesündigt, dann kann ich auch den Rest essen. Kaufe ich mir eben zur Silberhochzeit ein neues Kleid.“

Am folgenden Wochenende wurden bei Familie Wiederschlank Vorbereitungen für ein Picknick getroffen. Herr Wiederschlank brachte frisches Brot vom Bäcker mit, für das seine Frau schon seit ihrer Kindheit schwärmte. Als sie allein in der Küche stand, der Duft des Brotes lockte und sie sich an früher erinnerte, da wurde auch Frau Wiederschlank schwach. Obwohl ihre Essenszeit noch nicht heran war, aß sie eine Scheibe von dem knusprigen Brot. Sie aß es ohne Gewissensbisse und mit viel Genuss, weil sie sich zum Glück an die Hinweise ihrer Trennkost-Gruppe erinnerte:

„Kleine Sünden müssen auch mal sein,“ beruhigte sie sich, „aber dafür mache ich morgen mit dem Hund einen langen Spaziergang außer der Reihe. Dann gleicht es sich wieder aus.“

Danach verlebte sie unbelastet einen fröhlichen Tag mit ihrer Familie.

Frau Immerdick hatte sich inzwischen von den regelmäßigen Trennkost-Treffen zurückgezogen und aß wieder wie vorher. „Ich wusste doch von Anfang an, dass diese Gruppe nicht das Richtige für mich ist“, erklärte sie ihrer Nachbarin, „in meinem Alter noch abnehmen zu wollen, das ist einfach zu schwer.“

Nach 12 Wochen fiel es sogar einigen im Büro auf, dass Frau Wiederschlank attraktiver aussah und sich viel leichtfüßiger bewegte. Sie kannte kaum noch Müdigkeit, und wenn sich andere morgens gähnend Richtung Kaffeemaschine schleppten, lächelte sie nur. Sie passte inzwischen locker in ihr Lieblingskleid, war 10 kg leichter, rundherum glücklich und sonnte sich nicht nur am Geburtstag in den Komplimenten ihres Mannes.
Weil alles so gut funktionierte, hatte sie gemeinsam mit der Familie beschlossen, bei dieser Ernährung zu bleiben.

Und wenn sich daran nichts ändert, wird es immer, wenn der Mond abends  in die Schlafzimmer der beiden Frauen hinein scheint, eine geben, die noch immer dick und eine die wieder schlank ist.

Artikel: Bioline-Magazin (Elfi Sinn)


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