Sep 04

Die „liebe“ Sonne?
Plädoyer für einen guten Stern
Karl Steinweiser hatte sich zurückgelegt und war auf seinem Liegestuhl ein wenig eingedöst, als ihn ein spitzer Schrei aufschreckte. Denn dieser Schrei stammte von seiner kleinen Tochter - das hört man als Vater - die nicht weit von seiner Veranda am Strand spielte. Mit einem Satz sprang er über die Brüstung und rannte zum Wasser. Er sah sie in der Hocke sitzen, die Arme über dem Kopf verschränkt, während ihre Schreie immer leiser wurden. Und plötzlich tat sich der Himmel über ihr auf. Ein riesiges Loch öffnete sich und ein Feuerwerk von gleißenden Sonnenstrahlen zuckte hernieder, so, als wenn sie gezielt auf seine Tochter abgefeuert würden. Er erstarrte und mußte mit ansehen, wie sie im Feuerball völlig aufgelöst wurde und nichts von ihr auf dem Strand zurückblieb, bis auf einen kleinen schwarzen Fleck im gesinterten Sand.
„Karl, Karl!“ rief eine Stimme und schweißnaß richtete er sich auf. Er war zu Hause in seinem Bett. Neben ihm, im Dunkel, seine Frau, die ihn zu beruhigen versuchte und Licht machte. Er war in Deutschland und nicht in Neuseeland, wohin er nächsten Monat mit seiner Familie auswandern wollte.
Als er am Morgen ins Büro kam, ließ er sich mit seiner Agentur verbinden und machte das gesamte Projekt „Auswandern nach Neuseeland“ rückgängig, so sehr wirkte sein Alptraum nach, der ihn verunsichert und in drastischer Weise die Gefahren des Ozonlochs über dem fünften Kontinent vor seine träumenden Augen geführt hatte.

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