Bloß keinen STREIT vermeiden Schicksalsschläge zum Lernen
Feb 24

Für die Lösung ihrer Probleme erhielt Hanna zuerst die homöopathische Arznei Pulsatilla, die sehr harmoniebedürftige Frauen konstitutionelle stärken kann. Zusätzlich arbeiteten wir unter Hypnose an ihrem Selbstbewusstsein, damit sie in den unumgänglichen Streitgesprächen besser in der Lage ist, ihren Standpunkt zu vertreten, ohne zu nörgeln.
Außerdem stellten wir gemeinsam „Regeln für ein faires Streiten“ auf und beschäftigten uns mit den Verhaltensweisen, die echte Beziehungskiller sind.
Denn wenn es eine Gebrauchsanweisung für den Umgang miteinander gäbe, dann stünde unter der Rubrik „Bloß nicht“:


… Gedankenlesen voraussetzen
Wir alle wissen, dass das unmöglich ist und trotzdem setzen wir manchmal voraus, wir wüssten, was andere über uns denken oder setzen auch voraus, der andere müsste automatisch wissen, was wir wollen. Wenn Hanna die Wohnung sauber macht, schimpft sie innerlich vor sich hin:
„Wieso hilft er mir nicht? Er müsste doch wissen, dass es gemeinsam schneller geht.“
Pitt, der in seinem Tonstudio sitzt, weiß weder davon etwas, noch, was er wirklich tun könnte. Er ist aus dem „Hotel Mama“ einfach in die Ehe umgezogen. Wenn also Hanna nichts zu ihm sagt, bleibt alles wie gehabt. Deshalb planten wir als erste Veränderung, die Zuständigkeit im Haushalt klar zu regeln. Kein Mann möchte einfach nur „mithelfen“, wird aber sicher die volle Verantwortung für abgegrenzte Bereiche übernehmen.

… mit dem Urschleim anfangen
Wenn jemand Ungerechtigkeiten oder Vorwürfe zu lange erträgt, ohne zu reagieren, staut sich etwas an, das die Wucht eines Vulkans kurz vor dem Ausbruch hat. Das setzt nicht nur den Verstand, sondern auch den Respekt und die Gefühle für den Partner außer Kraft.
Was dann dem anderen an den Kopf geworfen wird, sind vor allem alte Kränkungen, die manchmal Jahrzehnte zurückliegen.
Der, der die Flutwelle abkriegt, hat kaum noch eine Chance, den Zusammenhang zu verstehen. Damit Hanna so etwas nicht wieder passiert, nahm sie sich vor, künftig die Kleinigkeiten, die sie stören so schnell wie möglich anzusprechen. Dazu benutzt sie für ihren auditiven Partner ein altes Diktiergerät, auf das sie ihre Wünsche spricht. Und nach der Bitte: „Ich wünsche mir, dass …“, kommt noch ein nettes Kompliment, das die Erfolgschancen erhöht. Er wiederum könnte ihr kleine Liebesbriefe schreiben.

… ständig neue Einwände vorbringen
Die Wendung „Ja, aber …“ hat schon ganze Völkerstämme in den Wahnsinn getrieben, weil sie eine Einigung fast unmöglich macht. Pitt war offensichtlich auch so ein Fall, denn er hatte die bisherigen Vorschläge von Hanna, sich an der Hausarbeit zu beteiligen, zwar angehört, dann jedoch abgeschmettert mit: „Ja, aber das kann ich doch nicht!“


… personalisieren
Wenn jemand ständig ganz normale Fragen, Kommentare oder Reaktionen des Partners auf sich bezieht und als Angriff oder Vorwurf wertet, dann erschwert das die Verständigung ungemein. Als Pitt seine Hanna von der Arbeit abholte und sagte: „Deine Kollegin hat abgenommen“, hörte Hanna sofort heraus: „Du bist zu fett!“. Sie muss deshalb weiter an ihrem Selbstwertgefühl arbeiten, damit der Ich-Scanner nicht unnötig oft reagiert.

Inzwischen ist Hanna stolz auf die Fortschritte, die sie erreicht hat. Sie hat psychologisch sehr geschickt eine Doppelbindung eingesetzt, damit es für den „Ja, aber …-Verfechter“ nicht mehr darum ging, ob er etwas im Haushalt macht, sondern nur noch was und wann. „Ich habe, wie im Krankenhaus, einen Plan gemacht, wann, was im Haushalt zu machen ist und habe ihm Zeit gelassen, sich auszuwählen, was ihm liegt und was er davon übernehmen möchte. Und es funktioniert gut“, berichtet Hanna. „Ohne, dass ich ihn erinnern muss. Dadurch haben wir mehr Zeit für uns und wir telefonieren wieder lange, immer vor der Nachtschicht nehme ich mir dafür Zeit. Wenn wir jetzt noch streiten, dann höchstens über die Telefonkosten.“

Regeln für faires Streiten
1. Wenn Ihnen etwas grundsätzlich nicht gefällt und Sie etwas ändern wollen, werden Sie sich erst darüber klar, was genau Sie wollen und was Sie von Ihrem Partner erwarten.
2. Überfallen Sie ihn nicht mit Ihrem Anliegen, sondern gewöhnen Sie sich feste Zeiten für eine solche „Familienkonferenz“ an. Besprechen Sie immer nur ein Problem nach dem anderen.
3. Formulieren Sie Ihren Wunsch klar und deutlich, aber immer aus Ihrer Sicht („Ich habe ein Problem damit, wenn Du …“). Mit Vorwürfen erreichen Sie nur, dass der andere dicht macht.
4. Vereinbaren Sie, wenn einer spricht, hört der andere  zu und sammelt nicht in dieser Zeit Gegenvorwürfe.
5. Wenn der Partner spricht, hören Sie ihm zugewandt zu. Stellen Sie nicht nebenbei das Geschirr in die Spülmaschine oder die Teller auf den Tisch. Hören Sie nur zu. Bitten Sie ihn, das genauso zu tun.
6. Klären Sie, ob Sie wirklich verstanden haben, was der jeweils andere will.
7. Unterschiedliche Meinungen sind erlaubt, Schuldzuweisungen und Schimpfwörter nicht.
8. Schreiben Sie Lösungsideen auf, reden Sie über Vor- und Nachteile und suchen Sie nach dem kleinsten, gemeinsamen Nenner. Damit schaffen Sie einen Kompromiss, bei dem beide gewinnen.

Artikel: Bioline-Magazin (Elfi Sinn)


Verwandte Beiträge:
  • Bloß keinen STREIT vermeiden
  • Streiten ist gesund?

  • \\ tags: , ,

    Kommentar abgeben

    Bitte Einloggen um einen Kommentar abzugeben.