Azuki-Gemüsepfanne Rosenkohlpfanne
Mai 05

Gestern saß ich mit ein paar Frauen auf der Terrasse in der Sonne. Eine der Frauen ist Kartenlegerin und erzählte von einer ihrer Klientinnen. „Diese Frau wird immer viele Probleme mit den Männern haben“, fachsimpelte sie, „denn sie ist zu stark. Das erzeugt Ärger in den Beziehungen von Mann und Frau.“ Sofort stimmten ihr alle anderen Frauen zu, während in mir ein heftiger Protest aufwallte. Diese Einstellung, daß die Männer mit starken Frauen nicht zurechtkommen, ist nicht nur ein Mythos, sondern sie manifestiert auch eine weibliche Opferrolle

Wenn wir Frauen gewillt sind zu glauben, daß unsere Stärke beziehungsverhindernd wirkt, müssen wir entweder aufhören stark zu sein, um eine glückliche Beziehung leben zu können, oder auf Beziehung verzichten.
Zum Glück ist dieser Glauben aber falsch.
Männer lieben starke Frauen, und für die starken Männer gilt das insbesondere.
Wir sollten uns auf keinen Fall kleiner machen. Wenn wir bisher Beziehungsschwierigkeiten hatten, so liegt das nur daran, daß wir eben dies getan haben. Wir haben uns unter Preis verkauft, haben geschwiegen, wo wir hätten sprechen sollen, haben uns klein gemacht, wo unsere wahre Größe gefragt war.

Wir haben unsere Ängste und Schwächen hinter unserer Stärke verborgen und getarnt, anstatt sie offen zu zeigen


Wir haben nachgegeben an der falschen Stelle, aus Angst vor dem Verlust der Beziehung, haben also in den entscheidenden Augenblicken unsere Bedürftigkeit ausgelebt und nicht unsere Stärke.
Gerade heute wurde mir von einem Mann erzählt, der eine volle Stunde lang über seine neue Jacke gesprochen hat, ohne auch nur im geringsten auf die Bedürfnisse seiner gelangweilten Gesprächspartnerin einzugehen.
Wo ist da die starke Frau an seiner Seite, mit der er Kommunikation üben kann? Warum hat sie es so weit kommen lassen?
Am Ende zeigt es sich doch immer wieder, daß die angeblich starke Frau im entscheidenden Moment eben nicht ihre Kraft, sondern ihre Schwächen auslebt.
Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, ich will das nicht verurteilen. Nur in der Anerkennung unserer Schwächen liegt eine Chance auf echte Kraft. Aber es ist doch höchst unfair, wenn wir zulassen, daß unsere Beziehungen an unseren Schwächen scheitern und dann später behaupten, wir wären für den jeweiligen Mann zu stark gewesen.
Dafür kenne ich unzählige Beispiele aus meiner Praxis als Lebensberaterin.
Eine Klientin, die ich selbst als starke Frau beschreiben würde, berichtete mir folgendes:
Sie fühlte sich von ihrem Partner nie so richtig geliebt. Wenn er krank war, sorgte sie immer sehr liebevoll für ihn, wenn sie selbst jedoch einmal das Bett hüten mußte, kam von ihm höchstens eine SMS mit einem Gruß, mehr nicht.
„Ich habe meinen ganzen Einkauf selbst gemacht, und er hat mir die Sachen noch nicht einmal die Treppe hoch getragen“, beschwerte sie sich. Als ich ihn danach fragte, erzählte er mir aber, sie hätte ihn gar nicht helfen lassen. Er hätte ihr seine Hilfe mehrfach angeboten, sie jedoch hatte ihn weggeschickt und gesagt, sie wolle lieber allein sein.
Diese Frau ist offensichtlich stark, aber das schadet ihrer Beziehung nicht. Was hier ein wenig Schaden angerichtet hat, ist ihre Schwäche in Sachen Selbstliebe, nicht wahr?

Die angebotene Hilfe kann sie nicht annehmen. Gleichzeitig fühlt sie sich aber vernachlässigt. In Wahrheit ist sie nicht vernachlässigt, außer von sich selbst

Am Ende gibt sie dem Mann dafür die Schuld. So entsteht nicht nur ein unfaires Bild von den Männern, sondern schlimmer noch, es entsteht eine Vorstellung, die uns in die Irre führt.
Wir wünschen uns doch schöne Beziehungen. Dafür ist es wichtig für uns, daß wir die Wahrheit erkennen, um die vorhandenen Probleme lösen zu können.
Wenn wir also diesen Mythos von der zu starken Frau einfach einmal in den Mülleimer werfen und noch einmal hinschauen, was wirklich passiert, sehen wir, daß es nie die Kraft war, sondern immer die Schwäche, die Schwierigkeiten erzeugt hat
(Natürlich nicht immer nur bei uns Frauen, das ist klar, aber heute betrachten wir einmal unsere Seite.)


Ich selbst war immer eine sehr starke Persönlichkeit, und ich hatte früher große Schwierigkeiten mit der Männerwelt.
Wie ich jedoch heute weiß, lag es daran, daß ich nicht wirklich stark war, sondern eher verhärtet. Ich war hart, wo ich hätte weich sein sollen. Weichheit, Sensibilität und auch Flexibilität sind Stärken, die ich früher nicht aufweisen konnte.

Hinter meiner Härte steckte Angst vor Zurückweisung. So habe ich viele nette Männer vor den Kopf gestoßen

Erst heute habe ich es geschafft, so mutig mit meinen Gefühlen umzugehen, daß ich sie nicht mehr hinter einer künstlichen Mauer aus angeblicher Stärke verbergen muß.
Das ist sehr schön für mich und schwächt meine Position in keiner Weise.

Es ist Schwäche, wenn wir uns nicht getrauen, unsere Mitmenschen wissen zu lassen, wie wir uns mit ihnen fühlen

Natürlich meine ich hier nicht, daß wir andere mit unseren Tränen manipulieren sollten, diese Variante sehe ich auch als Schwäche an.
Ich spreche hier vom Mut, sich zu zeigen, vom Mut zur Wahrheit der Gefühle. Das ist etwas anderes.
Ich habe es am eigenen Leib erfahren, wie mein Mythos von der starken Kim, die zu stark war für die „schwachen“ Männer, zerbrochen ist und einer ganz neuen Wahrheit Platz gemacht hat.
Die Wahrheit ist, daß die Männer sich zutiefst nach starken Frauen sehnen. All die Frauen, die sich für zu stark halten, wie ich früher auch, sind einfach noch lange nicht stark genug.

…sonst kann ich Deine Partnerin nicht sein
Folgenden Fall habe ich einmal erlebt. Wir hatten in unserer Studenten-WG einen jungen Mann, der immer sehr rüde und respektlos mit allen anderen umging. Eines Tages zog eine neue Studentin bei uns ein und begann eine Beziehung mit ihm. Sie war eine wirklich starke Frau.
Als er ihr zum ersten Mal sagte, sie solle den Mund halten, tat er dies im Beisein eines älteren Ehepaares, das bei uns zu Besuch war.
Das junge Mädchen wartete gelassen, bis der Besuch wieder gegangen war. Als er sich danach der Tagesordnung zuwenden wollte, sagte sie zu ihm: „Einen Moment. Da ist etwas, das ich mit Dir bereden will. Du hast mich vorhin angeschrien, ich solle den Mund halten. Diesen Ton und diese Aufforderung finde ich nicht witzig. Wenn Du willst, daß ich die Frau an Deiner Seite bin, dann mußt Du mich sprechen lassen, was immer und wann immer ich will. Und Du mußt mich respektvoll behandeln in einem freundlichen Ton. Sonst kann ich nicht Deine Partnerin sein.“ Das sagte sie in ruhigem, aber gnadenlos konsequentem Ton. Es war deutlich, daß sie diesbezüglich zu keinerlei Verhandlungen bereit sein würde.
Er hatte nur die Wahl, ihre Position zu respektieren oder sich eine neue Partnerin zu suchen. Der Mann entschuldigte sich sofort bei ihr und versprach, sie in Zukunft besser zu ehren.
Ich habe von dieser jungen Frau gelernt, wie sich eine starke Frau wirklich verhält. Sie pöbelt nicht, diskutiert nicht, rechtfertigt sich nicht und sie verhandelt auch nicht. Sie besitzt die Kraft zu schweigen, bis der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Sie wirft immer die ganze Beziehung in die Waagschale. Das kann sie tun, weil sie keine Bedürftigkeiten und Verlustängste hat, die sie in so einem Moment zur Schwäche oder zur Nachgiebigkeit an der falschen Stelle zwingen.

Einer starken Frau gegenüber wird kein Mann ausfallend. Im Gegenteil. Die Männer verehren diese Frauen und legen ihnen gern die Welt zu Füßen

Aber was war denn eigentlich mit diesem jungen Studenten los? Weshalb wurde er seiner Freundin gegenüber so ausfallend? Ihn hat zuviel Nachgiebigkeit seiner früheren Partnerinnen in die falsche Richtung gelenkt.

Wenn sich so viele Frauen immer wieder bevormunden und beschimpfen lassen, müssen die Männer ja denken, das sei in Ordnung. Sie sind damit immer durchgekommen, weil die Frauen immer an dieser Stelle nachgegeben haben.
Unsere Beharrlichkeit und Unnachgiebigkeit ist durchaus eine Stärke, aber wir verwenden sie oft an der falschen Stelle.
Wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, nützt es uns gar nichts, beharrlich darüber zu schimpfen. Dann schadet das unserer Beziehung nur.
Wir müssen schon vorher unnachgiebig sein, wenn unsere Würde, unsere Kraft und unsere Selbstliebe angegriffen werden sollen.
Wann immer unser Gegenüber etwas tut, das uns die Kraft nehmen soll, oder es auch nur versucht, dann müssen wir das konsequent zurückweisen. Ganz so, wie diese kluge Studentin es getan hat.

Es ist durchaus auch so, daß die Männer gelegentlich versuchen, ihre Grenzen neu einzurichten

Aber Achtung! Keine voreiligen Schlüsse. Wenn der Mann anderer Ansicht ist, hat er die Kraft seiner Frau noch nicht angegriffen. Jeder Mensch hat das Recht auf seine eigenen Ansichten.
Zu einem Angriff wird es erst, wenn er auch versucht, ihr ihre Meinung oder gar ihr Handeln zu verbieten. Wenn er sagt: „Ich mag Dein rotes Kleid nicht“ ist das kein Angriff. Er muß das Kleid nicht mögen, sie kann es trotzdem anziehen. Es ist ihr Kleid und ihr Körper, den sie schmücken kann, wie immer sie will.
Wenn er allerdings anfängt, sie zu beleidigen und abfällige Bemerkungen zu machen, dann ist das ein Angriff, und zwar nicht gegen das Kleid oder gegen ihren Geschmack, sondern es ist ein Angriff gegen ihren Mut, zu tragen, was ihr gefällt und sich auf diese Weise in der Welt auszudrücken.
Dieser Mut aber stellt eine weibliche Kraft dar, die nicht angegriffen werden darf. Dann ist der Zeitpunkt gekommen, ihre Stärke wirklich einzusetzen. Dann ist es für die starke Frau an der Zeit, eine unüberschreitbare Grenze zu setzen. Wenn sie das in der richtigen Form macht, werden die meisten Männer sich entschuldigen und diese Grenze in Zukunft respektieren.
Wenn er das nicht tut, ist er der falsche Mann.

Wenn sie aber an dieser Stelle Angst vor dem Verlust der Beziehung bekommt, dann geht sie in ihre Schwäche. Sie läßt einen Partner an ihrer Seite zu, der gegen ihre Kraft arbeitet

Das ist nicht das Verhalten einer wirklich starken Frau. Für die Männer gilt das natürlich ebenso. Ein Mann sollte auch nicht akzeptieren, daß seine Partnerin seine Stärke angreift. So etwas tun schwache Menschen, weil sie sich vor der Kraft des anderen fürchten. Daher sehnen sich starke Männer auch nach starken Frauen.

Ich dachte früher, ich sei einfach nicht gut im Umgang mit Männern, jetzt, wo ich meine Kraft konsequent lebe, erkenne ich, daß ich eine Meisterin bin

Ich leite in meinem Hause eine Ausbildungsgruppe, in der Männer, und zwar ausschließlich Männer, zu Schamanen ausgebildet werden. Und diese Gruppe ist ganz wundervoll. Jeder einzelne von den Männern in dieser Gruppe ist begeistert und fasziniert von wahrer weiblicher Kraft. Gleichzeitig sind diese Männer hochgradig interessiert an ihrer eigenen Stärke. Und so muß es auch sein. Starke Männer wünschen sich starke Frauen.
Wir Frauen müssen wieder lernen, unseren Gefühlen und intuitiven Impulsen zu vertrauen. Ich möchte sehr gern alle starken Frauen, die Schwierigkeiten mit den Männern haben, trösten. Der Grund für Schwierigkeiten ist nicht Eure Stärke. Die Männer lieben starke Frauen. Es ist niemals die Kraft, die Probleme erzeugt, sondern immer die Schwäche.
Habt Mut zur Größe. Betrachtet Euch einmal ganz ehrlich und ohne jede Selbstverurteilung. Welche Schwäche versteckt sich hinter der angeblichen Stärke? Welche Angst wird durch die Wut beschützt? Welches Gefühl wollte sich in Wirklichkeit zeigen, als es statt dessen wieder zum Wutausbruch gekommen ist? Welche Bedürftigkeit verbirgt sich hinter all den Konzepten von Treue und den Überlegungen darüber, wie viel ein Mann mit seiner Frau zusammen zu machen hat und wie viel Zeit er für sich allein verbringen darf?

Welche Ängste sind die wirklichen Erzeuger unserer verpaßten Chancen? Was haben wir nicht gesagt?
Was haben wir unterlassen zu tun?
Was haben wir uns nicht getraut?

Es ist wahr, wir sind starke Frauen. Aber wir verstecken auch unsere Schwäche hinter der starken Fassade. Ich meine, wir sollten uns einmal etwas Gutes und Liebes tun, indem wir mutig hinter diese Fassade bei uns selbst schauen und mit den dortigen Schwächen liebevoll und verständnisvoll arbeiten.
Die wirklich starke Frau kann auch weich und flexibel sein. Wer seine Schwächen nicht akzeptiert, wird auch nie wirklich stark sein, sondern eher erstarrt oder verhärtet.

Da wir nun erwachsen sind, kann uns niemand mehr etwas tun. Wir brauchen einfach nur „nein“ zu sagen. Da können wir es uns doch leisten, die Rüstung abzulegen und uns gemeinsam mit den Männern zu entspannen.

Autorin: Kim Barkmann
Lebensberaterin, Altensalzwedel
Bücher von Kim Barkmann


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    Ein Kommentar zu “Starke Männer brauchen starke Frauen”

    1. Stark frauen | Selfbuildusa schreibt:

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      Starke Männer brauchen starke Frauen. Männer lieben starke Frauen, und für die starken Männer gilt das insbesondere. [...]

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