Der Blumenkohl Das Salz der Erde
Mrz 11

Für unsere Ahnen stellte der Wegerich, besonders der Spitzwegerich, ein wichtiges Alltagsmedikament dar.
Der Name Spitzwegerich oder der seines Bruders, des Breitwegerichs, paßt ausgezeichnet. Dieses unscheinbare „Wild-“ Kraut ist an vielen Weges- und Wiesenrändern zu finden. Auch auf den meisten Natur- oder Weidewiesen kann man seine Bekanntschaft ma-chen.
Erstaunlich finde ich immer wieder, daß die meisten Menschen diese Pflanze mit den nervigen, leicht gezähnten, schmalen oder beim Breitwegerich ovalen, Blättern schon oft gesehen haben. Sie kennen die unbeblätterten Stengel mit den schmutzig weißen ährenförmigen Blütenständen. Von der einzigartigen Heilwirkung dieser als „Unkraut“ verrufenen Pflanze, die einem förmlich auf Schritt und Tritt begegnet, ahnen sie oft nichts.

Wie so häufig im Garten der Schöpfung sind es besonders die unauffälligen, die ganz und gar bescheidenen Pflanzen, die ein so großes Wirkspektrum haben.
Nicht nur war in früheren Zeiten die nächste Apotheke deutlich weiter als die heimische Wiese, man schwor damals auch auf die zig-fach ausprobierte und durch ihre Erfolge bewiesene Heilkraft der Natur.

Der Spitzwegerich eignet sich erstklassig für verschiedene Erste-Hilfe- Maßnahmen

Der Spitzwegerich wirkt antiseptisch
Ich erinnere mich noch gut an einen Familienurlaub in den Pyrenäen. Der Gastgeber humpelte den Berg hinunter und mußte dabei von zwei Helfern gestützt werden. Diese hatten ihm den rechten Fuß dick verbunden. Der Verletzte hatte an diesem Tag genug Holz gehackt und dabei leider auch woanders hin getroffen. Nun war guter Rat teuer, denn das Auto war einen Kilometer, der Arzt gar vier Kilometer entfernt. Glücklicherweise erinnerte sich einer der Helfer an die Heilwirkung von Spitzwegerich und legte ihre Blät-ter sogleich auf die frische Wunde. Als dann endlich der Arzt die Bescherung zu Gesicht bekam, war er nicht sonderlich erstaunt über das gute Aussehen der Verletzung. Er kannte den Brauch, gleich Spitzwegerich einzusetzen, da er aus der gleichen bäuerlichen Gegend stammte. So empfahl er seinem Patienten sogar, weiterhin Auflagen mit gereinigtem, gewalktem Spitzwegerich zu machen. Im weiteren Verlauf gab es weder Eiter noch Entzündungen. Trotz der stattlichen Verletzung verblieb keine deutliche Narbe.

Spitzwegerich gegen Wespenstiche

Auf einer benachbarten Baustelle mußte vom alten Dachboden, der ausgebaut werden sollte, ein Wespennest entfernt werden. Ob-wohl dies mit größter Vorsicht geschah und unter Einhaltung diverser Schutzmaßnahmen, wurden die Arbeiter jedoch von einigen wütenden Wespen umschwirrt. Einer dieser Arbeiter erhielt jeweils einen Wespenstich gerade unterhalb beider Augen. In Windesei-le schwollen diese zu. Meine Nachbarin rief mich aufgeregt an und bat um Hilfe. Rasch pflückte ich eine Handvoll Spitzwegerich, zerstampfte sie und legte sie in eine Schüssel mit kaltem Wasser. Mit einem Handtuch machte ich dem Gemarterten, der Panik hatte, sein Augenlicht zu verlieren, damit kühlende Umschläge. In der Zwischenzeit hatte meine Nachbarin aus der nahen Kleinstadt einen Arzt herbei telefoniert. Als dieser nach mehr als einer Stunde nach dem Unfall eintraf, war die Schwellung schon deutlich zurückgegangen. Da der Patient auch keine allergische Reaktion zeigte, fand er selbst, daß eine ärztliche Behandlung sich also erüb-rige. Er wollte lieber wieder an seine Arbeit gehen.

Spitzwegerich gegen Insektenstiche

Die dreijährige Tochter einer Bekannten wird unaufhörlich von Insekten gestochen. Meine Bekannte sagte deshalb scherzhaft: „Ich brauche die Kleine nur dabeizuhaben, schon werde ich von Insekten verschont.“ Nur lustig ist es für das Mädchen nicht, wenn sie ständig übersät ist von Quaddeln, die jucken und brennen. So riet ich dazu, im Bedarfsfall künftig Spitzwegerich anzuwenden Die Blätter zwischen den Fingern zerreiben und den Saft auf den Stich tupfen, bald ist der Juckreiz verschwunden, die Schwellung klingt ab. Dazu fertigte ich für das kleine Mädchen eine Sommersalbe mit Ringelblume, Spitzwegerich, Teebaumöl und Lavendel an. Ein Hauch davon aufgetragen und die „stechende Fraktion“ hat keinen Appetit mehr auf die Lütte. Die Mutter des Mädels bestä-tigte mir später die gute Wirkung dieser Naturmedizin.

Spitzwegerich bei Bronchitis

Eine Referentin rief mich einmal an und schilderte mir ihre Not. Sie hatte eine Woche später einen Vortrag zu halten, auf den sie lange vorbereitet war. Nun hatte sie sich urplötzlich eine schlimme Bronchitis „eingefangen“. Sie hatte Schmerzen in der Brust und konnte nicht abhusten. Sie keuchte auch in den Hörer, als sie mit mir telefonierte, immer unterbrochen von Hustenanfällen. Außer-dem fühlte sie sich sehr schlapp und krank. Ich riet ihr dazu, sich sofort geriebenen Meerrettich (notfalls aus dem Glas) auf die Brust zu streichen, mit Folie und dann mit einem Handtuch zu bedecken, darüber eine wärmende Decke und 15 Minuten einwirken lassen. Warm abwaschen. Die gleiche Prozedur sollten sie für den Rücken (oberer Rücken, zwischen den Schulterblättern) wiederholen.
Danach empfahl ich ihr einen heißen Tee in kleinen Schlucken den Tag über zu trinken, bestehend aus: ½ Spitzwegerich, ½ Thymi-an, gesüßt mit Honig.
Übrigens: Meine Referentin konnte ihren Vortrag halten.

Spitzwegerich als Hustensaft

Oft schon konnte ich Eltern von kleinen Kindern davon überzeugen, sich diesen preiswerten und überaus wirkungsvollen aber ne-benwirkungsfreien Saft anzusetzen. Gute Ergebnisse stellten sich in der Regel prompt ein.


Spitzwegerich Ernte

Von März bis Oktober ist dieses Heilkraut zu pflücken. Heilwirkung sitzt in den Blättern, den Stielen, den Blüten und den Samen. Zu finden ist es am Wegesrand, Feldrand, auf Wiesen und Weiden. Es sollte darauf geachtet werden, daß es möglichst von Pestizi-den unbelastet ist, wenn es als Heilmittel genutzt wird. Übrigens gibt es diese Pflanze praktisch überall auf der Welt.

So wird Spitzwegerich angewandt

  • Teeaufguß: 1 gehäufter EL frisch geschnittene Blätter oder 1 TL getrocknete Blätter – ¼ l kochendes Wasser, 5 Minuten ziehen lassen
  • Blattauflage: Frisch gepflückte Blätter werden gewaschen und zu einem Blattbrei mit dem Nudelholz oder Stamper gewalkt
  • Frischpflanzenbrei: Die Blätter können auch durch einen Fleischwolf gedreht werden
  • Umschläge: Ein Küchentuch wird in kaltes Wasser getaucht, in das Spitzwegerichbrei der gesamten Pflanze gerührt wurde
  • Saft: Die gesamte gewaschene Pflanzen wird durch eine Saftzentrifuge gegeben
  • Sirup: Vier Hände Blätter werden mit einem Küchenmixer zerkleinert und in ¼ l. Wasser mit 250 gr. Honig bei kleiner Flamme solange geköchelt, bis ein dicker Sirup entsteht. Dann durch ein Sieb geben
  • Hustensaft: 1 EL Sirup wird mit 2 EL heißem Thymiantee verrührt (1 Portion)

Spitzwegerich: deshalb hilft er bei der Heilung

  • Er enthält Schleimstoffe; die reizlindernd wirken
  • Er enthält Gerbstoffe; die antibakteriell wirken
  • Er enthält Kieselsäure; die gewebestärkend wirkt
  • Er enthält Vitamin C, das die Abwehrkräfte stärkt

Weitere Wirkstoffe sind:

  • Ancubin
  • Kieselsäure
  • Kaliumsalze
  • Zitronensäure
  • Enzyme Intervertin
  • Emulsin


Bei folgenden Erkrankungen wird Spitzwegerich nach der Kräuterheilkunde angewandt

  • Atemwegserkrankungen und Bronchialasthma: Teeaufgüsse gemischt zu gleichen Teilen mit Thymian. Fünf Tassen auf den Tag verteilt in kleinen Schlucken.
  • Leberleiden: Teeaufgüsse ungesüßt und Leberauflagen als Umschlag.
  • Nieren- und Blasenleiden: Teeaufgüsse.
  • Wundheilmittel: Auflagen aus gewalkten Blättern oder Pflanzenbrei.
  • Insektenstiche: zerriebenes Blatt.
  • Wespenstiche: zerriebenes Blatt als Erste Hilfe, sonst Umschläge mit Pflanzenbreiwasser.
  • Risse und Schnitte: zerriebenes Blatt als erste Hilfe, sonst Pflanzenbrei.
  • Bisse von Tieren und Menschen: Auflagen von Pflanzenbrei.
  • Drüsenerkrankungen: Breiauflagen.
  • Kropfleiden: frischer Pflanzenbrei mit 1 TL Meersalz gemischt auflegen (täglich 2 Stunden).
  • Geschwülste: Breiauflagen.
  • Offene Beine: gewaschene, frisch gewalkte Blätter auflegen.
  • Offene Stellen bei Amputationen oder Operationswunden, die sich nicht schließen wollen: gewaschene, frisch gewalkte Blätter auflegen.
  • Thrombosen: gewaschene, frisch gewalkte Blätter mit einem Verband auflegen.
  • Blasen durch Scheuern der Schuhe: Blätter in die Schuhe auf die betroffenen Stellen legen, sonst Breiauflage.

Autorin: Hildegard Kita
Krauterfrau

Weiterführende Links hierzu:
Ausbildung zum Phytotherapeuten


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