Der Mensch braucht Sicherheit Die Kunst, ein Egoist zu sein
Apr 10

Traditionell hergestellte Seife duftet anders, sieht anders aus und ist ein richtiges, echtes Stück Natur.
Im November letzten Jahres schenkte mir eine Freundin 5 Stück Seife.
Erstaunt guckte ich mir die sehr unterschiedlichen Sorten an. Sie unterschieden sich nicht nur in Farbe und Duft, sondern variierten in ihrer Größe auch ziemlich.
Interessiert betrachtete ich mir die Banderole, die ein bezauberndes Logo aufwies und statt eines Etikettes die Seife umschloß.
Neugierig fragte ich nach der Herkunft dieser interessanten Seifen, denen man die Herstellung per Hand und die Zutaten aus der Natur regelrecht ansah.
Meine Freundin erzählte von einer beeindruckenden Frau, die sie gerade kennengelernt hatte und die eben diese Seifenstücke nach uralten Rezepten fertigt.

Da macht also jemand Seife wie unsere Vorfahren. Das war es wert, ausprobiert zu werden

Schon die erste Bekanntschaft mit der Reinigungskraft und Pflegewirkung dieser außergewöhnlichen Seifen überzeugte mich. Zugegeben, die etwas grobe Struktur mit samt den Einschlüssen von Blüten oder Früchten war etwas gewöhnungsbedürftig. Aber der feine Schaum legte sich beim Einseifen direkt schützend über die Haut. Man spürte, hier wird nicht ausgelaugt, sondern tatsächlich gepflegt. Die guten Öle, die dem Vernehmen nach verwandt werden, zeigten deutlich ihre Wirkung.
Drei Stücke von den kostbaren Geschenken verteilte ich zum Weihnachtsfest gleich an meine Kinder.
Die Rückmeldungen von ihnen waren mir besonders wichtig.
Meine ganze Familie, samt den Enkelkindern, ist zwischenzeitlich so hingerissen von „unserer“ Naturseife, daß nichts anderes mehr in die Seifenschalen kommt.
Derart überzeugt, wollte ich natürlich unbedingt die Herstellerin kennenlernen.
Meine Freundin vermittelte mir die Telefonnummer. Bei meinem Anruf verabredete ich mich also mit der netten Stimme zum Treff in einem Café. Damit wir uns nicht versäumten, beschrieb ich meine Person.
Als wir uns dann trafen, stellten wir beide fest, daß wir uns vom Sehen her schon kannten und die Seifenfrau hatte schon am Telefon geahnt, daß ich es sei, die sie da gleich treffen würde.
Ich ließ mir also alles über ihr Seifenprojekt erzählen und fragte, ob ich darüber nicht in unserer BIOLINE schreiben könne.
Gerne wolle ich das mit einer Home-Story verbinden und auch Fotos für unsere Leser  machen.
Allerdings wußte ich noch nicht, auf welches Abenteuer ich mich einlassen würde, als der Besuch in ihrer Finca verabredet wurde.
Meine Gesprächspartnerin, Frau Trudi, schlug mir vor, mich an einem bestimmten Treffpunkt abzuholen. Auf keinen Fall würde ich auf eigene Faust ihre Finca, hoch in den Bergen bei Andratx, im Süden Mallorcas finden, so warnte sie mich.
Also fuhr ich denn ein ganzes Stückchen hinter ihr her und parkte mein Auto auf ihr Geheiß.
Weiter ging es dann mit ihrem Landrover. Schon nach den ersten Metern sah ich, daß ich diese Strecke mit meinem Pkw nie und nimmer hätte bewältigen können. Es ging tatsächlich über Stock und Stein.
Auf eigene Faust würde ich diesen Holperweg mit Sicherheit niemals hinter mich bringen können.

Wenn ich jemals vorher über Schlaglöcher nachgedacht hatte, so wurde ich hier eines besseren belehrt. Diese Straße bestand ja aus abgrundtiefen Kratern.

Frau Trudi lachte über mein Entsetzen und sagte, sie würde diesen Weg oftmals zwei- bis dreimal am Tag zurücklegen. Tatsächlich waren nur 1 1/2 km zu überwinden. Mir erschien der Weg wie eine Ewigkeit.
Aber, und diesem Argument konnte ich durchaus folgen, die Unwegbarkeit dieses Geländes garantierte, daß weitere Ansiedler sich vor dem Bauen in solchem Gelände scheuten. Die Einsamkeit der eigenen Finca blieb also gesichert.
Und dann kamen wir an.
Vor uns eröffnete sich ein Platz mit einem wunderschönen, spanischen Herrenhaus, von dem aus man eine atemberaubende Sicht in die Bergwelt hatte.
Etwas tiefer schimmerte hinter Büschen und Bäumen das türkisfarbene Wasser eines Swimmingpools, der umsäumt war von Natursteinen.
Überall wuchsen würzige Kräuter, der Duft von Lavendel und Rosmarien stieg in die Nase.
Ein wahrhaft idyllischer Platz. Das riesige Haus wird von Frau Trudi und ihrem englischen Mann, einem Baumeister, und ihren vier Kindern bewohnt.

Stein für Stein ist es aus ausschließlich authentischem Material mit eigenen Händen von der Familie errichtet worden und zählt nun stolze 500 qm Wohnfläche (!). Dabei sieht es aus, als hätte es schon Jahrhunderte dort gestanden, wäre direkt aus dem Boden gewachsen.

Beim Aussteigen aus dem Auto wurden wir gleich von einem zutraulichen Hund und einem einsamen Huhn begrüßt, auch ein Esel stand in der Idylle.
Unser Weg führte geradewegs in eine riesige Küche. Mit dem Steinfußboden, den antiken Fliesen an den Wänden und dem großen mallorquinischen Herd hatte man so richtig den Eindruck, ins alte Spanien einzutreten.
Und da waren sie, die Seifen.
Verschiedene Sorten waren zum Trocknen auf einem Tisch ausgebreitet und boten ein farbenprächtiges Bild in verschiedenen Pastelltönen.
Die einfache, aber überaus zeitaufwendige Herstellung wurde mir genau erläutert.
Man fühlte sich tatsächlich um 100 Jahre zurückversetzt.

Und so hatte alles begonnen
Zu meiner Überraschung erfuhr ich, daß die Initiatorin des ganzen Projektes keineswegs Frau Trudi war, sondern ihre 16-jährige Tochter Georgia.
Da die Kinder des Ehepaares zum größten Teil bis zum Abitur von ihren Eltern oder Privatlehrern unterrichtet wurden und öffentliche Schulen nur gelegentlich besuchten, hatte die Familie daheim chemische Versuche angestellt. Dabei sollte der Alkali- und Säure-Gehalt verschiedener Substanzen bestimmt werden.
Also beschäftigte man sich auch mit der Substanz Asche. Und diese ist schließlich die Grundlage aller Naturseifen.
So kam man auf Seife.
Da die Eltern darauf bedacht sind, ihren Kindern neben dem Schulwissen auch praktische Erfahrungen zu vermitteln, wurde Tochter Georgia darin unterstützt, neben ihrem Schulwissen ein Projekt zu beginnen, mit dem das Geldverdienen gleich geübt werden könne.
Georgia und ihre Mutter experimentierten von da an also begeistert mit diversen Ölen und pflegenden Zutaten.
Nachdem die Herstellung der ersten sehr schönen Seifen gelungen war, entwarf Georgia ein passendes Logo. Statt eines Etikettes wurde für die Seife damit eine Banderole aus Naturpapier mit traditionell angefertigten Stempeln bedruckt.

Die Vermarktung, oh je …
Das Produkt war nun fertig. Es war einfach bezaubernd ausgefallen.
Aber, ohne Werbung kein Verkauf.
Also begaben sich Mutter und Tochter auf den Weg und stellten die Verbindung her zu verschiedenen Naturkostläden auf der Insel, mehreren Geschäften, die mit exklusiven Geschenken handelten, und sogar zu Versendern von erlesenen Artikeln in England.
Siehe da! Das Interesse war groß.
Die Erklärung dafür ist, daß die Menschen wieder auf der Suche nach ihren Wurzeln sind. Dazu gehört wohl auch die Abkehr von industriell gefertigten Produkten.
Und die Nachfrage steigt weiter. Die Küchenproduktion von Georgia und ihrer Mutter läuft auf vollen Touren. Man hat jetzt keine geringe Mühe, sich auf die Nachfrage einzustellen. Dies, zumal sich nun auch der Kontakt zu Deutschland ergeben hat.

Seifenherstellung wie in alten Zeiten
Alte Menschen hier in den mediterranen Ländern können sich noch gut daran erinnern, daß hinter ihrem Haus eine Tonne mit Regenwasser stand. Da das Haus im Winter über den riesigen Küchen-Kamin beheizt wurde, in dem man auch kochte, fiel reichlich Asche an. Diese schüttete man in diese Wassertonne.  Außerdem wurden alle Fette, die im Haushalt übrig waren, auch die verdorbenen, dazu gekippt.
Wenn im Laufe der Jahreszeiten das Mischungsverhältnis und auch die Temperaturen einmal „stimmten“, kam es zu einer chemischen Reaktion, die als Ergebnis eine einfache Seife hatte.
Diese wurde als Schmierseife zum Putzen und Waschen eingesetzt, war aber sehr scharf.
Oftmals jedoch kam es zu gar keinem Ergebnis und die Mühe war umsonst, weil diese Art der Seifenherstellung tatsächlich ein Produkt des Zufalls war. Denn wirklich nur bei dieser bestimmten Temperatur und dann, wenn die Mischung gerade richtig war, gab es Seife. Sonst mußte der ganze Tonneninhalt weggeschüttet werden.
Im übrigen stellten auch die Pioniere in Amerika ihre Seife auf diese Weise her.

Traditionsseife auf Mallorca
Die Überlieferungen erzählen, daß man zwischen Andratx und Puerto Andratx die Olivenbäume ausschließlich für die Herstellung hochwertiger Seifen erntete.
Diese wurden jedoch von der Regierung unerwartet derartig hoch besteuert, daß die Mallorquiner, die für ihren Dickkopf bekannt waren, aus Protest alle dort gewachsenen Olivenbäume abgeholzt hatten. Deshalb wird hierzulande keine traditionell gefertigte Seife mehr angeboten.
Nur noch in Marseille gibt es Riesenstücke aus einer ähnlichen Seifenfertigung zu kaufen.

Brennendes Interesse der Mallorquiner

Immer mehr Mallorquiner zeigen ein brennendes Interesse an dem Aufleben ihrer alten Traditionen. Besonders ältere Leute interessieren sich für die Seifenherstellung der Familie. Sie kommen sogar mühsam den Berg heraufgepilgert, um sich anzuschauen, wie eine Ausländerin diese wunderschöne Seife nach den alten, fast vergessenen Rezepten herstellt.
Eine Apothekerin des Ortes hatte zu Weihnachten in einem neu gegründeten Fraueninstitut, das sich nennt: „Donnas Progressives“, diese Seife vorgestellt. Jeder hatte nun etwas dazu zu erzählen. Viele Großmütter und Mütter hatten ja noch Erfahrungen mit eigener Seifenherstellung in der Familie gemacht.

Das Besondere
In früheren Zeiten wurden für die Seifenherstellung in erster Linie Tierfette verwendet. Die Seife dieser Familie jedoch besteht aus rein pflanzlichen Ölen.
Georgia und ihre Mutter sind der Überzeugung, daß zur Seifenherstellung immer die Öle der Region Verwendung finden sollen. So sind hier hauptsächlich Olivenöl und Mandelöl zum Einsatz gekommen.
Das Ergebnis ist eine ausgesprochene Luxusseife. Sie ist mehr als eine pflegende Reinigung. Vielmehr stellt sie auch ein Symbol dar für eine Haltung, die wir der Natur gegenüber einnehmen wollen.
Freilich, es gibt glatte und duftende Seifen, die durch entsprechende chemische Zutaten „geschönt“ sind. Jeder natürliche Geruch ist daraus verbannt und sie hat keine Ecken und Kanten mehr.
Entschließen wir uns jedoch wieder zur Natur, erfreuen wir uns auch an der echten, kernigen Konsistenz und können den schneeweißen, sehr feinen und pflegenden Schaum auf unserer Haut so richtig genießen.
Mit einem solchen Seifenstück gönnt man sich etwas Besonderes. Gerade dann, wenn man sie kombiniert mit einer schönen Flasche Süßmandelöl,  die mit passendem Duft versehen ist. Dieses empfiehlt sich hervorragend  als Massageöl, oder als pflegendes Öl, das besonders nach dem Sonnenbaden oder einem Pflegebad dabei hilft, die Haut an Gesicht und Körper zu regenerieren.

Die Seifenzutaten
Die Seifen gibt es in verschiedenen Duftrichtungen. Diese werden aus folgenden Auszügen und ätherischen Ölen hergestellt:
Lavendel, Calendula, Rosmarin, Limetten, Orangen, Pampelmusen, Erdbeeren, Blaubeeren
Zimt, Nelken, Muskat, Aloe Vera.
Die ätherischen Öle sind es, die für die Haltbarkeit der Seifen sorgen. Sie würden sonst nur etwa drei Monate verwandt werden können, weil sie ranzig werden. Lagert man die Seife allerdings sehr lange, verliert sich der schöne Duft.

Heilung und Pflege
Lavendel verträgt sich übrigens mit vielen anderen Duftnoten. Bei Hautproblemen wähle man eine Seife, in der Zimt, Nelken oder Muskat enthalten ist.
Alle diese Zutaten wirken antiseptisch und unterstützen Hautheilung und Pflege.
Im übrigen wird das Gel aus frischen Aloe Vera-Blättern verwandt.

Ein sehr persönliches Geschenk
Ja, das ist diese Seife. Man ist so stolz auf dieses duftende Stück Natur, als hätte man es selbst gefertigt. Der Beschenkte kann das Gefühl genießen, daß für ihn etwas ausgesucht wurde, das mit Liebe gewählt ist.

Autorin: Ingrid Schlieske


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