Alkohol, eine Sucht Kürbisrösti mit Ingwer-Mango-Ragout
Feb 02

Legenden gibt es viele, die über den Salbei erzählt werden, aber diese hier ist für mich am schönsten: „Auf der Flucht vor Herodes bat Maria nach und nach alle Feldblumen um Unterschlupf für sich und das Jesuskind – doch leider vergeblich. Nur eine Pflanze half in dieser aussichtslosen Lage, öffnete ihre Blätter weit, um die beiden unterkriechen zu lassen und schloß dann den dichten Blättermantel wie zum Schutz.  Herodes und seine Männer konnten die Gottesmutter so nicht finden, und sie und das Kind waren gerettet. Zum Dank schenkte Maria der Pflanze große Heilkräfte, um damit für alle Zeit die Menschen von Krankheit, Siechtum und Tod zu erretten.“

Daß dem Salbei wohl große Kräfte innewohnen, davon zeugen sowohl die Volksnamen Königssalbei, Göttersalbei oder Edelsalbei, aber auch der lateinische Namensursprung: „salvare“ bedeutet retten oder heilen.

Studenten in der Antike
Schon in der Antike wußten die Schüler der großen Philosophen von den vielfältigen Wirkungen. Sie kauten während der langen Vorträge ihrer Lehrer Salbeiblätter, retteten sich so vor Müdigkeit und Konzentrationsschwäche und erhofften sich dadurch Weisheit und ein gutes Gedächtnis.

Überlieferungen
Im Mittelalter half Salbei sowohl gegen den bösen Blick, als auch bei Erkältungen, Fieber, allgemeinen Verdauungsstörungen und Cholera. Neben Hildegard von Bingen, die Salbei unter anderem bei Harninkontinenz anwendete, verordnete der englische Arzt Nicholas Culpeper 1653 Salbei als Frauenkraut gegen Fehlgeburten und zur besseren Regeneration der Gebärmutter nach der Geburt. Bei Unfruchtbarkeit empfahl er den Frauen folgendes: „ … ehe ihr Gatte ihnen beiwohnt, vier Tage lang Salbeisaft mit etwas Salz einzunehmen. Dies wird ihnen nicht nur helfen zu empfangen, sondern auch die Leibesfrucht zu behalten.“

Im Kräutergarten
Der immergrüne Salbei gehört zur Familie der Lippenblütler, wie z.B. auch Basilikum oder Majoran. Er kam im 8. Jahrhundert aus Kleinasien über die Alpen nach Europa und wurde damals besonders in den Klöstern angebaut. Salbei bevorzugt einen eher sonnigen und warmen Standort auf nährstoffarmem, trockenem und kalkreichem Boden. Sind diese Voraussetzungen gegeben, dann wächst die Pflanze zu einer stattlichen Größe heran und benötigt durchaus 1 qm Platz im Kräuterbeet. Die Sorte „Extrakta” (im guten Fachhandel) mit ihren dunkelgrünen, wollartigen Blättern und dem hohen Anteil an ätherischen Ölen ist zum Würzen und zu Heilzwecken am besten geeignet. Salbei sollte auf jeden Fall im Kräutergarten einen festen Platz haben, denn das vielseitige Zauberkraut kann manche andere bittere Medizin ersparen.

Salbei – das Frauenkraut
Salbei enthält östrogenartige Substanzen. Deshalb hat es sehr lange Tradition als Frauenkraut. Auch heute sollte es in keiner Hausapotheke fehlen. Es leistet gute Dienste bei Hitzewallungen und Schweißausbrüchen vor und während der Wechseljahre und verhindert das Austrocknen der in dieser Zeit empfindlicheren Schleimhäute. Meine alte französische Freundin Madame Buness verriet mir vor einigen Jahren folgendes Geheimrezept gegen Wechseljahrsbeschwerden: In eine klare Glasflasche werden frische Salbeiblätter gegeben und das Ganze mit einem guten Bordeauxwein aufgefüllt. An einem hellen Fenster läßt man sie vier Wochen ziehen, gießt die Flüssigkeit dann ab in eine dunkle Flasche und trinkt täglich ein kleines Schnapsglas davon. Freuen Sie sich nicht zu früh, das schmeckt trotz des edlen Bordeauxtropfens eher scheußlich. Durch seine regulierende Wirkung bei Menstruationsstörungen und seine durchblutungsfördernde Wirkung auf den Unterleib kann Salbei durchaus auch eine Empfängnis erleichtern. Fördernd wirkt es bei der Geburt und Nachgeburt und erleichtert Müttern das Abstillen, da es die Milchsekretion hemmt. Sollte zuviel Milch einschießen, kann das vorübergehende Trinken des vorsichtig dosierten Salbeitees die Milchproduktion drosseln.

Aus meinem Erfahrungsschatz

Salbei bei Schweißfüßen
Es ist ein Problem vieler Männer, daß die Schweißdrüsen an den Füßen besonders gut funktionieren. Für solche Fälle habe ich auch in meiner Familie die geruchsverhindernde Wirkung von Salbei schätzen gelernt. Dazu habe ich für meinen Mann regelmäßig Fußbäder bereitet und kurmäßig Tee serviert. Mein Gatte hat sich über solche Verwöhnaktionen gefreut und ich konnte wieder einmal erleben, welche guten Ergebnisse durch so kleine Anwendungen zu erzielen sind.

Wechseljahre auch bei Männern
Ein Freund unserer Familie litt extrem unter den gleichen Beschwerden, wie sie auch Frauen ab 50 Jahren zu beklagen haben. Er hatte Hitzewallungen und litt extrem an Nachtschweiß, so daß er nachts oftmals mehrfach den Schlafanzug, manchmal sogar die Bettwäsche, wechseln mußte. Bei einem Gespräch erwähnte ich einmal, er solle es doch mal mit dem regelmäßigen Trinken von Salbeitee versuchen. Längst hatte ich diesen Rat vergessen, bis mich unser Freund lange Zeit danach darauf ansprach. Er war tatsächlich meiner Empfehlung gefolgt. Erst war keine Veränderung zu spüren, jedoch nach 2 Monaten stellte sich eine deutliche Besserung ein. Unser Freund schwört auf seinen Salbeitee und trinkt ihn bis zum heutigen Tage. Über Schweißausbrüche muß er seither nicht mehr klagen.

Salbei bei Halsschmerzen
Für mich und meine Familie ist Salbei unverzichtbar. Verspüre ich nur ein leichtes Kratzen im Hals, kaue ich mehrmals am Tag ein Salbeiblatt. Bei Angina wird bei uns mit Salbeitee gegurgelt. Dafür die Blätter überbrühen und 3 Minuten ziehen lassen. So können die ätherischen Öle besser wirken. Mehrfach am Tag wiederholen.

Salbei ist für mich ein selbstverständliches Heilmittel, das ich immer im Haushalt habe.

Die Inhaltsstoffe des Salbei
Ätherische Öle machen ihn zu einem der besten natürlichen Entzündungshemmer und zu einem der wirkungsvollsten Schweißhemmer überhaupt (bis zu 52%!). Die Flavonoide sind verantwortlich für die krampflösende Wirkung, und der Bitterstoff  Salvin hat antibiotische Wirkung sogar gegen Escherichia Coli und Staphylococcus aureus. Gerbstoffe stärken die Schleimhäute und lindern Durchfälle und Rosmarinsäure hemmt u.a. oxidative Vorgänge im Blut.

Wirkungen auf die Gesundheit

  • Durch die Vielzahl an unterschiedlichsten Wirkstoffen ergibt sich eine große Bandbreite
  • Salbei wirkt entzündungshemmend, desinfizierend, antibiotisch, harntreibend, krampflösend, schweißhemmend, schleimlösend, antioxidativ, gerbend, milchsekretionshemmend, blutreinigend, appetitanregend, verdauungsfördernd, abwehrstärkend, schleimhautbefeuchtend und östrogenartig

Bei folgenden Beschwerden kann Salbei hilfreich sein:

  • Nervosität, Neurasthenie: 4 Wochen lang abends 1 Tasse Tee trinken
  • Magenbeschwerden, Völlegefühl, Unwohlsein, Darmentzündungen, Verdauungsstörungen, Durchfall: 3 x täglich bis zur Besserung 1 Tasse Tee trinken
  • Hautabszesse, Karbunkel, Furunkel, Hautentzündungen, Wunden: mehrmals täglich mit Tee betupfen oder nach Anweisung des Heilpraktikers
  • Krämpfe (Darm oder Gallenblase): 3 x täglich bis zur Besserung 1 Tasse Tee trinken
  • Husten, Bronchitis, Tuberkulose: homöopathisches Mittel nach Anweisung
  • Nierenkolik, Harnsteine, Blasenentzündung, Harnwegsentzündungen: 3 x täglich bis zur Besserung 1 Tasse Tee trinken, dazu evtl. noch homöopathisches Mittel
  • Diabetes: homöopathisches Mittel nach Anweisung des Naturarztes einnehmen
  • Entzündungen im Mund-, Kehlkopf- und Rachenraum, Heiserkeit: Gurgeln mit Tee
  • bei Übergewicht: 6 Wochen Teekur, zu jeder Mahlzeit 1 Tasse Tee trinken
  • Achselschweiß, Fußschweiß: homöopathisches Mittel und Fußbäder, bzw. Abtupfen mit Tee oder Extrakt nach Anweisung
  • Wechseljahrsbeschwerden: homöopathisches Mittel nach Verordnung, Teekur über 6 – 8 Wochen, 3 x täglich eine Tasse Tee trinken, bei Scheidenbeschwerden 1 – 3 Sitzbäder pro Woche
  • Menstruationsstörungen: je nach Schwere der Beschwerden eine Kombination aus homöopathischer Verordnung und Sitzbädern
  • Erschöpfungszustände während oder nach einer Erkrankung, Bettlägerigkeit: Abreibungen mit Salbeiessig zum Erfrischen und Beleben nach Bedarf



Zubereitungsarten
Vorweg noch ein wichtiger Hinweis: Die antibiotisch wirkenden Substanzen sind in diesem Heilkraut wasserlöslich und können so als wirksames alkoholfreies Mittel auch besonders gut Kindern gegeben werden.

  • Tee: zum Gurgeln 1 TL Salbei mit 1/4 l kochendem Wasser übergießen, 3 Minuten ziehen lassen und dann abgießen; zum Trinken 3 Minuten kochen lassen und dann abgießen. Frischer Salbei ist immer wirkstoffreicher als getrocknete Blätter und deshalb unbedingt vorzuziehen
  • Extrakt: aus der Natur-Apotheke nach Anweisung zubereiten
  • Homöopathie (Salvia officinalis): als Urtinktur oder D-Potenzen bitte nach Anweisung anwenden, besonders die D2-Potenz hat sich zur Schweißhemmung bewährt
  • Sitzbad: zwei Handvoll Salbeiblätter werden in 1 l kaltem Wasser über Nacht angesetzt, dann zum Kochen gebracht und zum Badewasser gegossen, leichter und genau so gut geht es mit Salbeiextrakt
  • Essig: in eine saubere Glasflasche füllt man Salbeiblüten, gießt diese mit Naturessig aus dem Bioladen auf und läßt die Flasche nun ca. 2 Wochen an einem sonnigen Platz durchziehen
  • Anwendung äußerlich: Erfrischung, Belebung und Reinigung der Haut (Ganzwaschung)
  • Anwendung innerlich: Salbeiblütenessig, Estragon und Thymian zum Salat ist eine vitalstoffreiche Delikatesse

Salbei als Gewürzkraut
Natürlich darf das verdauungsfördernde Salbei auch in der Küche nicht fehlen. Probieren Sie es einmal zu fettem Käse, Gemüse, Eintopf, Gewürzsaucen, Quarkspeisen oder Nudelgerichten. Die Blätter lassen sich knusprig in Pfannkuchenteig als verdauungsfördernde Vorspeise ausbacken.

Nebenwirkungen
Aufgrund seines Gehaltes an nervenschädigendem Thujon sollte Salbei, besonders als alkoholhaltiges Destillat, nicht dauerhaft angewendet werden.. Andere Zubereitungsarten führen bei sachgemäßer Anwendung nicht zu Nebenwirkungen. Bei manchen Menschen treten Magen-Darm-Reizungen auf, die jedoch bei Absetzen des Tees wieder verschwinden. Da Salbei milchflußhemmend ist, sollten es Mütter, die stillen wollen, nicht therapeutisch anwenden. Sie können es jedoch durchaus dann und wann als Gewürz benutzen.

Das Salbei-Orakel
Im Mittelalter versprach ein gut wachsender Salbeistrauch dem Besitzer erfolgreiche Geschäfte und Wohlstand. Wäre das nicht ein guter Grund, mehr Salbei selbst im Garten zu ziehen?

Ernte
Die beste Zeit für die Ernte sind die Monate Mai und Juni, bevor der Salbei zu blühen beginnt. An trockenen Tagen, um die sonnige Mittagszeit gesammelt, ist der Gehalt an ätherischen Ölen am höchsten.
Als Liebestrank genossen soll es übrigens aphrodisierende Wirkung haben, wer weiß, vielleicht funktioniert ja auch das.

Artikel: Bioline-Magazin (Hildegard Kita)


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