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Mrz 31

Würzen, heilen und der Liebe förderlich, das ist das Hexenkraut mit den vielen Namen

Anregende Wirkung
Die Krieger Athens durften in kriegerischen Zeiten keine Petersilie essen, denn man glaubte fest daran, daß sie sexuelle Energien wecken würde.
Die Insel der Nymphe Kalypso war mit einem Teppich aus Petersilie bedeckt, als sie Odysseus verführte.

Eines der beliebtesten und konventionellsten Küchenkräuter gilt also als aphrodisisch wirkende Pflanze, und das war schon immer bekannt – nur mir nicht.
Erst später lernte ich die Petersilie als wertvolle Würz- und Heilpflanze zu schätzen.
Ich kannte allerdings den Spruch „jemandem ist die Petersilie verhagelt“ – was heißen soll, daß jemand mißmutig oder deprimiert ist. Dieser Spruch wiederum wird darauf zurückgeführt, daß Petersilie als anregend angesehen wird. Im Mittelalter galt sie wohl deshalb als Hexenkraut.

Wie, wo, woher?
Dieses Hexenkraut ist ein Doldengewächs (wie der Sellerie, dem man auch aphrodisische Wirkung nachsagt: „Freu Dich Fritzchen, morgen gibt’s Selleriesalat“). Es hat glänzend grüne, dreifach gefiederte Blätter, die mit dreispaltigen, lanzettförmigen Zipfelchen versehen sind. Die Blüten bestehen aus grünlich-gelben Doppeldolden. Die Pflanze kann bis zu einem Meter hoch werden. Sie kommt aus dem südöstlichen Mittelmeerraum, wo sie wild wächst. Im Mittelalter wurde sie in den mitteleuropäischen Klostergärten angepflanzt; inzwischen fehlt sie in kaum einem Garten, kann aber auch im Blumentopf auf dem Küchenfensterbrett oder auf dem Balkon gezogen werden.

Peterlein, Bittersilche, Petersöll, Petersillig, Suppenkraut, Suppensilk, Eppich, Bockskraut, Stehsalat, Felswurzel – die Petersilie hat viele Namen. Das erste Element des lateinischen Namens Petroselinum (das in fast allen heutigen europäischen Sprachen Eingang fand) soll vom griechischen petros „Felsen, Stein“ abstammen. Selinum war ein lateinischer Name für Sellerie, Petroselinum heißt also „Felsensellerie“, obwohl die Petersilie in feuchtem, humusreichen Boden am besten gedeiht. Im April wird sie ausgesät, ihre Blütezeit ist im Juni und Juli. Die stärksten Stiele können ganzjährig gepflückt werden, die Herzblätter sollte man stehen lassen.

Die Heilwirkung
Die Petersilie enthält vor allem das ätherische Öl Apiol, Mineralstoffe sowie die Vitamine C und E.
In einem alten Lexikon heißt es: „Es hat der Peterlein die Krafft und Eygenschaft zu eröffnen/zu stärcken/und zu erwärmen/er erwärmet und stärcket die Leber/die Nieren und Blasen/er kochet den kalten zähen Schleim/er öffnet die Verstopffung aller innerlichen Glieder. Er ist fast gut und heilsam in der Wassersucht. Item denen so Bauchwürm haben/so den Weibspersonen so jhres natürlichen Monatsblumens beraubet seindt/oder zu ungebührlicher Zeit haben/deßgleichen den unfruchtbaren Weibern/auch denen die mit Colick/Krimmen/Leibwehe und Därmgegicht beladen seindt.“
Petersilie ist also harntreibend, verdauungsfördernd, krampflösend und appetitanregend. Sie hilft bei Gallenkoliken, Darmkrämpfen und Menstruationsbeschwerden. Zerquetschte Petersilie soll die Haut vor Mückenstichen schützen; man legte sie auch auf Geschwüre und Milchknoten in der Brust, die durch Stillen entstehen.

Was Sagen sagen…
Überliefert ist, daß in Ägypten die Toten mit Kränzen aus Sellerie und Petersilie bestattet wurden. Herkules ließ sich mit Petersilie bekränzen. Im Volksglauben ranken sich zahlreiche Geschichten um die Petersilie: So trägt in Galizien die Braut auf dem Weg zur Kirche Brot und Petersilie unter dem Arm, um die bösen Geister fernzuhalten. In Slowenien legt man den Wöchnerinnen die Pflanze unter das Leinentuch, um sie vor Zauberei und dem Teufel zu schützen.
Beim Säen mußte man lachen oder zornig sein, damit die Pflanze gut gedeiht. Wenn man aber die Pflanze versetzte, mußte derjenige sterben, an den man gerade dachte.

Das Küchenkraut
Ob glatt oder kraus, die Petersilie wird wegen ihres aromatischen Geschmacks allen möglichen Speisen beigefügt – frisch oder getrocknet.
Gekocht gehen Geschmack und Geruch der Petersilienblätter weitgehend verloren.
Die Wurzelpetersilie wird jedoch als Teil des Suppengrüns mitgekocht.

Ein mediterraner Tip: Petersilie und gehackter Knoblauch in Ölivenöl zu gegrilltem Fisch. Frische Petersilie vertreibt übrigens den Knoblauchgeruch! (Na gut – nicht ganz…!)

Fallbeispiele:
Leckerer Herzwein
Ich hatte für eine alte Dame aus meinem Bekanntenkreis einen guten Petersilien-Wein hergestellt.
Dazu hatte ich besonders guten Weißwein aus kontrolliert biologischem Anbau besorgt und eine extra schöne, weithalsige Flasche gekauft. Diese habe ich mit frischen Petersilienblättern bis zum Rande gefüllt und Wein darüber gegossen. Die geschlossene Flasche zierte für drei Wochen meine sonnige Küchenfensterbank. Nachdem ich den Wein sorgfältig durchgefiltert und zurückgefüllt hatte, versah ich die Flasche noch mit einer hübschen Bastschleife und überreichte sie der bewußten alten Dame. Der Wein sollte ihr etwas schwaches Herz stärken. Woran ich nicht gedacht hatte war, daß die Dame mit einem Alkoholiker verheiratet war. So berichtete sie mir bereits am Folgetage, daß dieser sich hinter ihrem Rücken voller Begeisterung über den guten Wein hergemacht hatte. So mußte ich mich wieder an die Arbeit begeben und einen neuen Herzwein herstellen. Diesmal jedoch gingen wir schlauer ans Werk und deponierten die Flasche so geschickt, daß sie dem Zugriff des Räubers entzogen war.


Wasser Marsch…
Der erwachsene Sohn einer Freundin hatte Schwierigkeiten beim Wasserlassen. Dadurch fühlte er sich nicht wohl und litt auch an Wasseransammlungen in den Beinen und in den Händen. Nachdem er regelmäßig Petersilientee getrunken hatte, waren die Beschwerden verschwunden.

Menstruation
Eine junge Dame, die ich kannte, litt an unregelmäßigen Monatsblutungen, die auch oft für lange Zeit ausblieben. Nachdem sie regelmäßig Petersilientee getrunken hatte, trat die Menstruation wieder pünktlich ein.

Gut fürs Liebesleben
Es ist ratsam, das Liebesleben durch den Genuß von viel frischer Petersilie zu beleben. Auch ein Tee hin und wieder, vermag da Wunder zu bewirken.

Stärkt Blasen und Nieren
Eine Dame mittleren Alters, die über sehr empfindliche Nieren klagte und auch dazu neigte, oftmals eine Blasenentzündung zu bekommen, half sich selbst mit regelmäßigen Petersilie-Sitzbädern. Sie äußerte mir gegenüber, daß sie nun diesbezüglich viel stabiler wäre und weder Blasen- noch Nierenbeschwerden bekommen habe, seitdem sie diese Sitzbäder auch häufig durchgeführt hatte.

Achtung - Nebenwirkungen
Die Petersilie ist zwar ein sehr gutes Heilkraut, jedoch von aggressiver Wirkung. So ist Nierenkranken von ihrem übermäßigen Gebrauch abzuraten.
Bei entzündlichen Nierenerkrankungen und Ödemen aufgrund von Herz- und Nierenschwäche darf Petersilie nicht kurmäßig zur Durchspülungs-Therapie eingesetzt werden. Schwangere und stillende Frauen sowie Kinder unter 12 Jahren sollen Petersilie nur gelegentlich als Gewürz essen und nicht gezielt als Kurmittel einsetzen. Große Mengen von Petersilie können möglicherweise zu Fehlgeburten führen.

Die Nährstoffe und Wirkungen
Petersilie enthält das ätherische Öl Apiol und den Stoff Apigenin, der wahrscheinlich Darmkrebs vorbeugen hilft. Weiterhin noch Mineralstoffe, die Antioxidant-Vitamine A, C und E und den grünen Pflanzenfarbstoff Chlorophyll.
Petersilie wirkt entwässernd, schmerz- und krampflösend, sowie verdauungsfördernd.

Zubereitung
Preßsaft
(Reformhaus, z. B. von Schoenberger, Herbaria) nach Anweisung einnehmen oder selbst im Entsafter pressen
Tee aus Samen
1 Teelöffel Petersiliensamen in eine Tasse geben, mit kochendem Wasser aufgießen und 10 Minuten ziehen lassen. Abgießen und lauwarm trinken
Tee aus Wurzeln
2 Teelöffel zerkleinerte getrocknete Petersilienwurzel mit kochendem Wasser übergießen und 10 Minuten ziehen lassen. Abgießen und 2 Tassen am Tag davon trinken
Tee aus Blättern
Frische Petersilie mit den Stengeln in kleine Stücke schneiden und einen gehäuften Eßlöffel voll mit einer Tasse Wasser erhitzen. Kurz aufkochen lassen und noch 5 Minuten ziehen lassen, dann abgießen und in kleinen Schlückchen trinken
Auflage
Dazu werden frische Petersilienblätter im Holzmörser zerquetscht oder in der Kräutermühle gemahlen. Man gibt etwas Quellwasser oder stilles Mineralwasser dazu und trägt die Paste direkt auf die Haut auf und deckt sie mit etwas Mull oder Leintüchlein ab
Petersilienöl (aus der Natur-Apotheke)
Zur Anwendung als Einreibemittel und in der Küche als Gewürz
Sitzbad
100 g zerkleinerte Petersilie werden in ca. 2 Liter Wasser 15 Minuten gekocht.
Ab und zu umrühren, anschließend durch ein Sieb filtern und auf Badetemperatur abkühlen lassen. Die Dauer des Sitzbades beträgt 15 – 20 Minuten
Herzwein
7-10 Stengel Petersilie grob zerkleinern und in eine Flasche füllen. Naturreinen, guten Weißwein darübergießen. Die verschlossene Flasche 14 Tage in der Sonne stehen lassen, ab und zu schütteln, sorgfältig durchfiltern und kühl aufbewahren. 3 EL oder 1-2 Schnapsgläser pro Tag trinken.

Anwendung

  • Blasenentzündung, Nierenbeschwerden –  7 Tage lang abends ein Sitzbad in lauwarmem Wasser 10-15 Minuten und 3-5 Tassen Tee täglich trinken. Nach dem Abklingen der Beschwerden noch 1 mal pro Woche ein Sitzbad nehmen, insgesamt 4 Wochen lang
  • Verdauungsstörungen, Gallenkoliken, Darmkrämpfe – frische Petersilie als Beilage zu allen Gerichten und eine Woche lang Samen-Tee, 1 Tasse täglich trinken. Bei örtlichen Beschwerden die Auflage mit feuchtem Leintuch abdecken und Wärmflasche darüberlegen
  • Magenbeschwerden, Blähungen, Mundgeruch – etwas frische Petersilie intensiv kauen oder eine Teekur mit frischer Petersilie über 4 bis 6 Wochen, 3 x täglich eine Tasse
  • Gicht, Arthritis, Rheuma, Hexenschuß – schmerzende Stellen mit Petersilienölmischung (1 Teil Petersilienöl auf 3 Teile Sesamöl) abends einreiben. 4 bis 6 Wochen Teekur mit frischer Petersilie
  • entzündete, schmerzende oder müde Augen – für diese Auflage Baumwollpads in die Flüssigkeit tauchen und vor dem Zubettgehen ca. 15 Minuten auflegen (siehe Auflage)
  • Milchknoten, Erleichterung des Abstillens – Auflage aus frischer Petersilie, 3 x täglich (siehe Auflage)
  • Migräne – morgens auf nüchternen Magen oder bei den ersten Anzeichen ein Likörglas Preßsaft trinken

Brauchtum
Wenn ein Paar 12 1/2 Jahre verheiratet ist, so nennt man dies Petersilien-Hochzeit.
An diesem Tag wird über deren Haustür von den Trauzeugen ein geflochtener Bogen aus Stroh befestigt, an dem Petersiliensträußchen hängen. Die sollen Ehesegen für die nächsten Ehejahre bringen und das Liebesglück erhöhen.

Hinweise zur Anwendung in der Küche
Petersilie schmeckt am besten frisch: aufs Butterbrot, in die Suppe oder über den Salat gestreut, zu Pellkartoffeln genauso gut wie auch zu Fisch oder Käse. Petersilie nach Möglichkeit nicht mitkochen, denn das Ergebnis ist ein Verlust an Geschmack und Vitaminen, und das wäre schade. Lecker ist Petersilie allerdings auch, wenn sie kurz in Fett gebraten oder auf dem Grill geröstet wird.
Besonders die krause Petersilie läßt sich, auch in großen Mengen, hervorragend einfrieren. Bei Bedarf kann die benötigte Menge dann leicht entnommen werden (vor dem Einfrieren gut abtrocknen).

Aus Überlieferungen
Der zerstoßene Petersilien-Samen wurde früher mit Fett vermischt und als Packung gegen Kopfläuse aufgetragen.

Artikel: Bioline-Magazin (Hildegard Kita)


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