Ich platze gleich vor Neid Wunschträume, schlummernde Möglichkeiten
Dez 02

Claudia wischt sich den Schweiß von der Stirn. Sie ist mitten im Hausputz, die Kinder quengeln unzufrieden. Besuch hat sich angemeldet, drei Personen für eine Woche. Oh Gott, und sie muß noch die Fenster putzen, das Obergeschoß saugen, abstauben, den Einkauf planen, Kuchen backen, sich um die Kinder kümmern und, und, und. Wie soll sie das bloß alles schaffen? Jedes Bauklötzchen, das ihr im Weg herumliegt, ärgert sie. Gestreßt faucht Claudia ihren Mann an, weil er mit Straßenschuhen das gewienerte Wohnzimmer betritt. Als der Besuch endlich eintrifft, ist Claudia fix und fertig und zudem noch schlecht gelaunt.


Auch Sylvia erwartet Besuch. Ebenfalls drei Personen für eine Woche. Doch sie sitzt mit ihren Kindern am Tisch und bastelt. Ihre Wohnung ist einigermaßen aufgeräumt, den Kuchen will Sylvia frisch vom Bäcker holen und einkaufen geht sie mit ihrem Besuch gemeinsam. Spontan und nach Bedarf. Sylvia ist ausgeglichen und freut sich auf ihre Gäste.

Die Frage, wer von beiden das Leben leichter und gelassener nimmt, erübrigt sich sicherlich. Was aber unterscheidet die beiden, was macht für Claudia das Leben so schwer, so hektisch und kompliziert? Nun, sie unterliegt dem Zwang der Perfektion, dem Zwang der übertriebenen Genauigkeit. Niemals käme sie auf den Gedanken, daß sich ihr Besuch auch ohne geputzte Fenster wohl fühlen würde.

Sylvia dagegen nimmt das Leben so, wie das Leben im urtypischen Sinne nun einmal ist: etwas chaotisch, etwas spontan und etwas kreativ. Sie läßt die Sieben auch mal gerade sein und macht ihren Seelenfrieden unabhängig von den banalen Äußerlichkeiten des Lebens. Sylvia hat ihren Halt in sich selbst.

Auch wir sind oftmals solche Claudia-Typen und glauben, unserem Leben ungerechtfertigte Perfektion aufzwingen zu müssen. Doch gerade diese Perfektion ist es, die uns unnötig viel Nerven, unnötig viel Zeit und unnötig viel Lebensenergie kostet. Wir sollten all den Dingen um uns herum weniger Bedeutung beimessen. Sie sind so unbeachtet, so vergänglich. Ist es nicht viel wichtiger, unsere kostbare Zeit und Lebensenergie für die wesentlichen Dinge des Lebens aufzusparen? Denn welch ein wunderbarer Friede entsteht, wenn wir die freigesetzte Lebensenergie für unsere persönliche Weiterentwicklung verwenden.


Wäre es nicht herrlich, die geschenkte Zeit für die Dinge zu nutzen, die das Leben bereichern und uns Freude machen? Welch ein Glücksgefühl erwächst, wenn wir die gesparte Zeit und Kraft in eine harmonische Partnerschaft einbringen. Und welch einen sicheren Halt schafft es, wenn wir diese freie Lebensenergie in eine glückliche Familie investieren. Als Geschenk erhalten wir zusätzlich noch innere Ruhe, Gelöstheit und ein zufriedeneres Leben. Machen wir es so wie Sylvia.

C’est la vie! Das ist das Leben!

Artikel: Bioline-Magazin (Cornelia Häfner)


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