WarnZeichen, die wir überhören Der trennköstliche Weg
Jun 09

Genau dafür haben wir von der Schöpfung unsere 5 Sinne erhalten
Sicherlich geht es Ihnen auch manchmal so wie mir heute. Die Zeit drängt, die Bahn wartet nicht, die Telefonrechnung muß heute bezahlt werden, die Katze kriegt ihre letzte Impfung, der Chef will mich sprechen, jetzt sofort… Hetze vom Aufstehen bis zum Schlafengehen.
Wo bleibe ich, wer hört meinen Magen verärgert knurren, was ist mit meinem Hunger???
Jetzt nicht, keine Zeit, später, nachher, vielleicht in einer Stunde,…


Zwischen zwei Stockwerken schiebe ich mir schnell einen Apfel zwischen die Zähne. Später frage ich mich: „Hat er süß oder sauer geschmeckt, saftig oder mehlig?“  Keine Ahnung! „War er grün oder rot?“ Ich habe ihn nicht einmal angesehen!

Seuffz – kurz hänge ich sentimentalen Gedanken nach. Wo ist die gemütliche Kaffeestunde mit Brigitte geblieben, wo das herrliche Picknick mit Randall, wo der stundenlange Sonntags-Brunch mit meinen Freunden?
Plötzlich erinnere ich mich an einen Spruch: Liebe geht durch den Magen – und sofort ist mir klar, daß es so nicht mehr weiter gehen kann.

Bin ich mir nicht eine Essenspause wert, liebe ich mich nicht genug, um wenigstens 10 Minuten irgendwo gemütlich zu sitzen und genüßlich meinen Apfel zu verschmausen?

Keine Frage, ich muß mir die Zeit dafür nehmen! Früher ging das doch auch, also, was läuft hier schief?

Erinnern Sie sich noch an Ihre Kinderzeiten?

Riechen
Sie kamen nach Hause und es duftete im ganzen Haus nach frischem Apfelkuchen.
Schließen Sie kurz die Augen, können Sie es riechen?

Schmecken
Sie durften die Schlagsahnereste mit dem Finger aus der Schüssel schlecken.
Wann haben Sie das letzte Mal genüßlich ein Eis geleckt?

Sehen
Allein der Anblick von Omas Kartoffelsalat ließ Ihnen das Wasser im Munde zusammenlaufen.
Welcher Anblick läßt Sie heute schmachtend seufzen?

Hören
Das selbstgemachte Popcorn knallte nur so im Topf und manchmal flog es sogar durch die ganze Küche.
Hören Sie die Bratkartoffeln in der Pfanne brutzeln?

Fühlen
Das frische Brot.
Sie schneiden es und fühlen wie weich und gleichzeitig knusprig es ist.

Ja als Kind, da hatte man noch Zeit, weil einem alles vorgesetzt wurde. Ich persönlich fand es aber auch oft stressig (meine kleine Schwester übrigens auch), wenn ich pünktlich am Tisch sitzen mußte. Wenn ich gemahnt wurde langsam zu essen, gründlich zu kauen, nicht zu sprechen bei der Mahlzeit. Wir sollten auch manierlich essen, nicht rummatschen, mit dem was so schön auf dem Teller dekoriert war.
Heute denke ich manchmal mit Wehmut zurück an diese Kindheitserlebnisse. Wir hatten Zeit und hatten es schön. Leider wußten wir das wenig zu würdigen. Von Genießen sogar, konnte keine Rede sein. Dringend warteten wir darauf, daß der Zwang endlich ein Ende haben würde. Später, ja später wollten wir uns von allen Regeln befreien.
Und genau das ist uns ausführlich gelungen. Heute sehnt man sich genau nach der Muße und dem bewußten Genießen, wie das als Kind von uns mißachtet wurde.
Unversehens aber sind wir in stressige Situationen geraten. Genau da, wo eigentlich Zeit angewendet werden sollte.
Genuß beim Essen ist eine wichtige Verdauungshilfe.


Nur wenn wir uns Zeit nehmen beim Essen, werden vom Körper alle nötigen Verdauungssäfte in ausreichender Menge gebildet

Heute wieder bin ich bestrebt, das zu befolgen und Sie können das auch!
Vielleicht wird die Veränderung am Anfang etwas schwierig sein und wir fallen das ein oder andere Mal wieder zurück in die Hektik und das schnelle Herunterschlingen. Aber ich bin sicher: Wir schaffen es und werden unsere Sinne beim Essen – aber auch in den anderen Dingen des Lebens – wieder voll mit einbeziehen.

Am Anfang steht der gute Vorsatz
Ich habe übrigens schon damit begonnen, ihn in die Tat umzusetzen.
Da ich mich und meine alten Gewohnheiten jedoch nur zu gut kenne, habe ich mir drei Erinner-Dich-Bilder gebastelt. Sie hängen neben dem Badezimmerspiegel, über meinen Eßtisch und am Kühlschrank. Sie erinnern mich jeden Tag mehrmals an meine 5 Sinne.
Aus ein paar Zeitungen habe ich mir dazu passende Fotos ausgeschnitten und diese witzig zusammengeklebt.

Meine Freunde fanden die Idee übrigens klasse und bestellten sich ebenfalls entsprechende „Erinnerungs-Objekte“.
Als wir so unsere Erfahrungen der ersten Tage austauschten, hatten wir eine prima Idee: Wir treffen uns zu einem Oster-Erlebnis-Buffet und jeder übernimmt einen Sinnes-Bereich:

Osterbuffet zum Trainieren der Sinne

  • Heike wird etwas vorbereiten zum Riechen und Schnuppern,
  • Petra etwas zum Schlecken und Schmecken,
  • Helga ist zuständig fürs Fühlen und Berühren,
  • Ralf wird uns beglücken und unsere Augen zum Staunen bringen und
  • ich werde mir etwas ausdenken was unsere Ohren zum Lauschen auffordert.

Ich bin fest davon überzeugt, daß die kommende Osterfeier für uns alle etwas ganz Besonderes sein wird. Die Kinder machen übrigens für uns Erwachsene das gleiche. Sie sind zuständig für den Nachtisch.
Ich bin schon ganz gespannt was die sich für uns einfallen lassen.

Na, haben Sie Lust bekommen Ihre Sinne wieder voll zu aktivieren?
Sprechen Sie doch einfach mit Ihren Nachbarn oder Freunden, vielleicht wird ja Ostern für uns alle: Das Erlebnis-Fest der Sinne

Unsere Sinne
Kennen Sie die Frage eines besorgten Mitmenschen: Bist Du noch bei Sinnen?
Oder die Frage: Was macht das eigentlich für einen Sinn?
Oft handeln wir automatisch, gewohnheitsmäßig und ohne viel darüber nachzudenken. Dagegen gibt es auch nichts einzuwenden, denn wir würden viel Zeit verlieren, wenn wir grundsätzlich über jede Handlung lange und genau nachdenken und alles abwägen würden, bevor wir in Aktion treten. Durch die gewohnte Automation jedoch gehen uns aber auch viele Eindrücke verloren.

Der Einsatz der Sinne ermöglicht erst das wahre erleben

  • Das Auge kann z.B. aufnehmen ob etwas fern oder nah bei uns ist, groß oder klein, grün, gelb, rot oder blau
  • Unsere Riechzellen viele verschiedene Gerüche unterscheiden, wie den Duft einer Rose, brennendes Kaminholz, die frischen Brötchen im Ofen,…
  • Die menschliche Haut kann spüren und unterscheiden, ob das Badewasser heiß, kalt oder warm ist, der neue Pullover kratzt oder flauschig weich ist, sich etwas gut anfühlt
  • Die Geschmacksnerven unterscheiden, ob eine Speise z.B. süß oder salzig, sauer oder bitter fad oder frisch schmeckt
  • Das Ohr kann Töne unterscheiden, das Zwitschern des Vogels, das Geräusch einer vorbeifahrenden Eisenbahn oder das Rauschen der Wellen

Geben wir uns selbst wieder ein bißchen mehr Aufmerksamkeit und Zeit. Unsere persönliche kleine Welt kann dadurch wieder sehr bereichert werden. Auf die Nahrung bezogen ist so gewährleistet, daß die Verdauung besser funktioniert und eine Mahlzeit tatsächlich ein einzigartiges Geschmackserlebnis ist, das mit allen Sinnen genossen wird.

Artikel: Bioline-Magazin


Verwandte Beiträge:
  • Hör doch mal…

  • \\ tags: , , , , ,

    Kommentar abgeben

    Bitte Einloggen um einen Kommentar abzugeben.