Kritik üben Hartnäckige Kopfschuppen
Mai 12

„Die Bierschläuche essen den Meerrettich deswegen nicht gern, weil das beste Bier darauf nicht gut schmecket“
So sagte man schon in früheren Zeiten. Diese schlichte Feststellung leuchtet mir sofort ein: Meerrettich ist dermaßen scharf, daß neben ihm kein anderes Geschmacksempfinden möglich ist, jedenfalls nicht neben dem frisch geriebenen.
Denn dessen Geruch und Geschmack reizt auch zu Tränen.
Vor Jahren, in einem Wiener Restaurant, fühlte ich den Meerrettich hinter meinem Rücken nahen, denn ich fing an zu weinen, noch bevor er auf dem Tisch stand. Der frisch geriebene Kren, so heißt der Meerrettich in Österreich, ist mit gekochtem Schinken ein österreichisches Ostergericht.
Die unvermeidlichen Tränen, manchmal auch ein Brennen in den Augen, werden durch das scharfe Senföl verursacht, das im Meerrettich enthalten ist, neben Glucosinolaten und dem Vitamin C.
Meerrettich ist reicher an scharfem, flüchtigen Öl als alle übrigen Kreuzblütler, wie z.B. Rettich, Radieschen, Kresse oder Senf.


Ich muß zugeben, daß ich den Meerrettich auch aus der Tube oder aus dem Glas verwende. Die Zubereitung von eigener Hand ist mir meistens einfach zu anstrengend. Und ich möchte für den Meerrettich nicht mehr Tränen vergießen als ich ohnehin muß, wenn ich ihn schmecken möchte.
Tafelmeerrettich aus dem Reformhaus oder Bioladen hat übrigens einen noch kräftigeren Geschmack. Er ist pur, ungeschwefelt und hat seine natürliche Farbe und Schärfe.
Wer ihn aber selbst bereiten will, wäscht die braunen, unscheinbaren Wurzeln unter fließendem Wasser und schält sie möglichst mit einem Sparschäler. Da die harte braune Schale das Fleisch vor dem Austrocknen schützt, sollte man von der Wurzel nicht mehr abschneiden als nötig ist und den Rest im Kühlschrank aufbewahren.

Meerrettich schmeckt nicht nur gut…

Meerrettich (Cochlearia Armoracia L.) wird auch Kren, Maressig oder Fleischkraut genannt.

So vielfältig wie seine Namen ist auch seine Heilwirkung

Frisch gerieben wird er innerlich bei Skorbut, Wassersucht und Gicht angewendet.
Äußerlich wirkt er als Pflaster aus Meerrettichteig. Er ist eines der am schnellsten helfenden Mittel bei Kopf- und Zahnschmerzen, Schwindel, Ohrensausen, Brust- und Magenkrämpfen, Leib- und Rückenschmerzen und sogar bei Erstickungsanfällen.
Wie geht man vor? Man streicht den geriebenen Meerrettich auf ein Stück Leinwand und legt dieses Pflaster auf den Oberarm, auf die Fußsohlen, auf die Waden, in den Nacken, auf Brust oder Rücken. Dann muß man es allerdings liegen lassen, bis das Brennen fast nicht mehr auszuhalten ist.
Meerrettichessig ist auch ein bewährtes Mittel zur Beseitigung von Sommersprossen und Leberflecken! Der Wurzelstock wird dafür gerieben, mit Weinessig übergossen und die Mischung geschüttelt. 14 Tage läßt man sie ziehen. Durchsieben und dann kühlstellen.
Bäder mit geriebenem Meerrettich sollen gegen Frostbeulen helfen.
Besonders rasche Heilwirkung allerdings entwickelt er bei Bronchitis: Wenn er gleich für 10-15 Minuten erst als eine Auflage auf die Brust, dann auf den Rücken gemacht wird, setzt sich der gefürchtete Husten gar nicht erst fest. Der Kranke kann gleich abhusten.


Wie kam die Pflanze zu ihrem Namen? Wahrscheinlich, weil sie an der Küste besonders gut gedeiht, aber auch an Seeküsten, Bach- und Flußufern, an Gräben, Wiesenrändern und feuchten Zäunen wächst sie wild. Die Pflanze hat lange Blätter und einen Meter hohe Stengel, deren schlanke Äste blattlos sind. An den weißen, langtraubigen Blüten hängt eine kleine eiförmige Schote. Die Teile der überirdisch wachsenden Pflanze verwenden wir nicht.
Die Saison der Wurzel beginnt im September und dauert den Winter über an, ihre Zeit sind also alle Monate, die ein „r“ enthalten.

Die intensive Schärfe des Meerrettich kann man mit Sahne, Butter oder Äpfeln mildern. Beim Kochen verflüchtigt sich das Aroma, deshalb gibt man den Meerrettich erst ganz zum Schluß zu dem Gericht.

Eine Vorschrift aus Mähren:
„Nimm eine Meerrettichwurzel, reinige sie, schneide 72 Stücke davon ab, fädle sie auf einen Faden und hänge sie dem Kranken auf den nackten Körper um den Hals; wenn es eintrocknet, kann man frisches anmachen; das Fieber verschwindet.“
Aus: „ Hausrezepte aus der Naturapotheke. Bewährte Heilmittel für die ganze Familie.“ Lechner Verlag.

Artikel: Bioline-Magazin (Camilla Goldhahn)


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