Die Lebenskraft Unsere Körperhaltung
Jan 15

Die ganze Pflanze, Blüten, Stengel, Blätter und Wurzeln also, sind ein unverzichtbares Heilmittel in der Naturmedizin

Große Kinderscharen freuen sich über Pusteblumen-Weitflug-Wettbewerbe, während entnervte Gärtner die Krise kriegen, wenn sie die langen Pfahlwurzeln aus dem Englischen Rasen mühselig herausstechen müssen. Tja, „was des einen Freud ist oft des anderen Leid“. Das wird ganz besonders klar beim Löwenzahn, der in den Monaten April bis Juni leuchtend gelb blüht und danach zur Pusteblume wird. Es gibt über 140 verschiedene Arten und viele volkstümliche Namen, wie Bitterblume, Butterblume, Mönchskopf oder Wiesenlattich.
Schon vor langer Zeit nutzten arabische Ärzte Löwenzahn zur Behandlung von Verdauungsbeschwerden, die alten Griechen kauten die Blätter nach zu üppigen Mahlzeiten, und seit dem 16. Jahrhundert sind seine heilkräftigen Wirkungen, besonders auf Leber, Galle, Magen, Darm, Niere und Gehirn, auch in Nordeuropa bekannt.


Die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten kannte zu meiner Kinderzeit schon meine Tante Renate. Zu jedem Spaziergang im Frühling nahmen wir einen Weidenkorb mit, der sich nach und nach mit frischen Löwenzahnblättern füllte. Tante Renate knabberte die kleinen Blätter schon beim Sammeln, aber mein Lieblingsgericht war löwenzahngrüner Nudelauflauf mit Spinat, Kürbiskernen und Käse.

So paßt der Löwenzahn auf den Speiseplan
Wie bei vielen Kräutern werden die Wirkstoffe beim Kochen allerdings leicht vermindert. Deshalb ißt man die feinen Blätter möglichst roh, zum Beispiel in einer Quark- oder Joghurtspeise, aufs Butter- oder Käsebrot gelegt, gehackt und über die Suppe gestreut, im Salat oder einfach unter den Kartoffelbrei gerührt.
Löwenzahn paßt übrigens auch zu Reissalat mit tropischen Früchten wie Ananas oder Banane. Das gibt einen farblichen Kontrast, sieht appetitlich aus, schmeckt lecker und ist obendrein noch urgesund.

Löwenzahn selbst sammeln
Löwenzahn wächst das ganze Jahr über auf Wiesen und Grünflächen. Vergewissern sollte man sich allerdings, ob die Wiesen nicht gedüngt wurden.
Die kleinen hellgrünen Blätter sind im Frühjahr vor der Blüte am zartesten und wirkungsvollsten. Dabei sind gezackte Löwenzahnblätter bitterer und haben mehr Inhaltsstoffe. Die abgerundeten Blätter schmecken sanfter, eher leicht nußig.
Das Schöne ist, daß die ganze Pflanze gesammelt und verwendet werden kann, die Blätter und Wurzeln im zeitigen Frühjahr, die Blüten, wenn sie leuchtend gelb blühen, und die Wurzeln noch einmal im Herbst.

Nebenwirkungen
Als Nebenwirkungen können bei besonders empfindlichen Menschen Magenbeschwerden auftreten, die jedoch meist sofort nach dem Absetzen oder Verminderung der Dosis wieder vergehen. Bei einem Verschluß der Gallenwege sollte kein Löwenzahn gegessen werden. Kinder sollten die rohen Stengel nicht essen, da dies zu Vergiftungserscheinungen führen kann!

Erfahrungsbeispiele aus meinem Kräuterschatz

Klare, reine Haut
Die drei Teenagerkinder einer meiner Nachbarn, zwei Töchter und ein Sohn, litten an schrecklich entstellender Akne. Alle gängigen Salben waren schon ausprobiert. Auch Schälkuren und Bestrahlungen brachten immer nur Kurzzeit-Ergebnisse. Als letzten Strohhalm dann griffen meine Nachbarn zu meinen Ratschlägen. Da der Löwenzahn gerade begonnen hatte zu blühen, nahmen wir ihn für die Behandlung der dicken Pusteln, die zum Teil schon eitrig waren, zur Hilfe.
Dazu wurde für die Verwendung von innen folgendes verordnet:
Aus frischen Blättern und Blüten mußte ein Tee aufgegossen, 5 Minuten ziehen gelassen und 5 mal täglich, erwärmt, in kleinen Schlucken getrunken werden. Jeden Tag sollten 10 frische Löwenzahnstiele sorgfältig gekaut werden. Tierisches Fett mußte gänzlich, Fleisch und Wurst weitgehend vermieden werden.
Die Anwendung von außen:
Mit dem Teeaufguß wurde die Haut abends und morgens gewaschen. Danach die einzelnen Pusteln mit den frisch geschnittenen Stengeln (weiße Milch) betupft. Auf das Eincremen verzichteten die Nachbarskinder vorerst.
Nach nur 10 Tagen konnte beobachtet werden, wie die Akne im Abheilen begriffen war. Nach 6 Wochen war kaum noch etwas zu sehen.
Die Waschungen mit Tee wurden beibehalten, da sich das Hautbild zusehens klärte.
Mit diesem Rat übrigens konnte ich auch schon vielen Leuten helfen, die eine großporige und fette Haut haben und zu Mitessern neigen

Magenbeschwerden endlich weg
Ich halte die Löwenzahnwurzel für eines der besten Magenmittel überhaupt. Einfach so gekaut oder in den Salat geschnitten, lindert sie oft überraschend schnell Magenbeschwerden, oft sogar dann, wenn vorher keine Medizin geholfen hatte. Das konnte auch ein Ratsuchender feststellen, der zwar ständig Magenschmerzen hatte, bei dem jedoch kein organischer Befund festzustellen war. Seit er regelmäßig Löwenzahnwurzel nimmt, sind keine Beschwerden mehr aufgetreten.

Wieder mehr Energie
Eine Frühjahrskur mit Stielen oder Wurzeln und das Jahr über regelmäßig einen Teeaufguß getrunken, macht das Blut fließfähiger. Mehrere meiner Schützlinge finden, daß dies ein wunderbares Mittel ist, um der Energielosigkeit und Müdigkeit zu begegnen. Auch ich selbst greife gerne zu dieser Medizin unserer Großmütter. Danach dann habe ich immer das Gefühl, wieder mit neuen Lebensgeistern versehen zu sein.


Nährstoffe und Wirkungen
Löwenzahn ist ein Jungbrunnen für unser Blut, da er stark basisch ist und so überschüssige Säuren im Blut ausgleicht. Dies aber ist eine wichtige Voraussetzung für die Gesundheit. Löwenzahn enthält Pflanzenfarbstoffe, Flavonoide genannt, und reichlich Mineralstoffe. Besonders reich ist er an Kalium und hochwertigem Eisen. Die Vitamine sind A, B, C und E. Ätherische Öle, Chlorophyll und enzymartige Substanzen machen ihn zu einer Bereicherung auf dem Speiseplan. Seine Bitter- und Schleimstoffe fördern die Magensaftabgabe, aktivieren den Stoffwechsel und wirken außerdem noch entwässernd,sowie sanft abführend. Die blutreinigende Wirkung hilft gut bei Arthrose und Bluthochdruck. Während die Blätter stärker auf die Nieren wirken, harntreibend sind, Nierensteinen vorbeugen und Ödeme abbauen, regt die Wurzel mehr die Funktion von Bauchspeicheldrüse, Leber und die Darmtätigkeit an.
Das fördert die Verdauung und wirkt Blähungen entgegen. Außerdem wirkt Löwenzahnwurzel reinigend und heilend bei unreiner juckender Haut. Von Februar bis April ist übrigens die Leber besonders empfänglich und dankbar für bittere Pflanzen. Jetzt ist auch die richtige Zeit dafür, um Gallensteinen vorzubeugen.

Anwendung

  • Blasenentzündung, Nierensteine, Ödeme – 1 Liter Löwenzahnblätter-Tee trinken, im Wechsel dazu zum Beispiel mit Bärentraubenblättertee und Brennessel. Wenn Besserung eintritt, noch einige Tage weitertrinken
  • Schuppen – Nach dem Haarewaschen eine Haarspülung aus Löwenzahnblüttentee bis zum vollständigen Verschwinden
  • Akne/Ekzeme – 3 mal täglich die betroffenen Stellen mit dem Blütenaufguß oder mit dem Milchsaft der Stengel betupfen, im Frühjahr möglichst viel Löwenzahnwurzel frisch essen und den Blütentee 3 mal täglich trinken
  • Diabetes – Die Wurzel im Frühjahr und Herbst möglichst frisch essen. Die restliche Zeit den Wurzeltee 4 bis 6 Wochen trinken im Wechsel zum Beispiel mit Heidelbeerblättern und Wegwarte-Wurzel. (Zuckerspiegel regelmäßig überprüfen!, ärztliche Anweisungen weiter durchführen)
  • Rheuma, Gicht, Arthrose – Besonders im Frühjahr die ganze Pflanze frisch essen (im Salat, aufs Brot, und die Stiele kauen) und dazu den Tee aus der ganzen Pflanze 3 mal täglich für 4 bis 6 Wochen als Frühjahrskur trinken. Alle Vierteljahr eine Teekur über 3 Wochen mit Löwenzahnwurzelabsud
  • Verdauungsstörungen, Leberdruck, Gallensteine – 3 mal täglich den Wurzelabsud trinken, bis Besserung eintritt
  • Für alle Beschwerden gilt als Frühjahrskur möglichst oft die frischen jungen Blätter zu essen.

Zubereitung

Löwenzahnblättertee
Zwei TL der getrockneten Blätter mit einer Tasse kochendem Wasser aufbrühen und 10 Minuten ziehen lassen, durchsieben und schluckweise trinken
Löwenzahnblütentee
Von den großen Blüten die Blütenblätter abzupfen. Eine Hand voll davon mit kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen
Frischpflanzentee
Eine frische Pflanze (Löwenzahnwurzeln und Kraut) gründlich reinigen und in kleine Stücke schneiden. Die Pflanzenteile mit kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen. Je nach Geschmack mit heißem Wasser auffüllen. Ein Pfefferminzblatt dazu verfeinert den Geschmack
Löwenzahnwurzelabsud
Einen gehäuften TL getrocknete, geschnittene Wurzeln über Nacht in einem viertel Liter kaltem Wasser ziehen lassen, dann erhitzen und aufkochen lassen. Abgießen und warm je 30 Minuten vor und nach dem Frühstück trinken.

Artikel: Bioline-Magazin (Hildegard Kita)


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