Viel zu viel Getreide Soja-Schnetzel
Jun 22

Das Leben mit Tinnitus muss keine Qual sein
Tinnitus hat sich zu einer Volkskrankheit entwickelt. Rund 10 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter dem lästigen Brummen, Hämmern, Zischen und Klingeln im Ohr. Doch mit seinem Schicksal braucht sich niemand abzufinden. Es gibt durchaus Möglichkeiten, den Tinnitus zu beseitigen. Und noch mehr Maßnahmen, die helfen, besser mit den Ohrgeräuschen zu leben, wenn eine gänzliche Heilung nicht mehr möglich ist.

„Es begann ganz plötzlich. Mitten bei der Arbeit hörte ich auf einmal einen sehr hohen Pfeifton auf dem rechten Ohr“, erinnert sich Heinz Rosebrock aus Schwanewede bei Bremen. Natürlich ging er sofort zum Arzt. Hörsturz diagnostizierte dieser und gab ein Medikament. Heinz Rosebrock war überzeugt, damit wäre die Sache erledigt. „Ich dachte, das Geräusch verschwindet wieder von allein.“ Doch das war leider ein Trugschluss: Denn dieses Pfeifen im Jahr 1977 war der Beginn einer sehr belastenden und langwierigen Krankheit: Tinnitus, ein krankhaftes Ohrgeräusch. Es kann sich anhören wie ein Pfeifen, Hämmern, Klingeln oder aber auch Brummen.

Eine schwere Belastung
Für Außenstehende ist es oft kaum nachvollziehbar, wie es Tinnitus-Patienten geht. Wenn man nicht selbst betroffen ist. Stellen Sie sich einfach einmal vor, es würde ständig ein LKW vor der Tür vorbeidüsen. Selbst wenn man sich ein Kissen auf die Ohren legt, verschwindet der nervtötende Lärm nicht. Auch Ohrstöpsel bringen nichts. Und dieser Lärm ist von morgens bis abends, Tag für Tag, Woche für Woche – im schlimmsten Fall Jahr für Jahr zu hören.

In den letzten 25 Jahren hat Heinz Rosebrock derart viele Ärzte konsultiert, so viele Behandlungen über sich ergehen lassen, dass er oft nahe am Verzweifeln war. „Es gab Momente, da dachte ich, ich werde verrückt“, gesteht der heute 57-Jährige. Das Schlimmste für ihn war: „Noch nicht mal die Ärzte nahmen mich richtig ernst, fanden erst recht keine schlüssige Erklärung für meine Ohrgeräusche.“

Ursachen für die Krankheitsentstehung
Das Problem bei Tinnitus ist, dass es nicht eine einzige Erklärung für den Ausbruch der Krankheit gibt, sondern ausgesprochen viele.

So entsteht der Tinnitus
Mögliche Ursachen sind ein Hörsturz, eine Durchblutungsstörung des Innenohrs, zu hoher oder zu niedriger Blutdruck, Lärm, Medikamente oder Umweltgifte. Auch Stress und Schlafstörungen spielen eine Rolle.

Tatsächlich war das Berufsleben von Heinz Rosebrock immer sehr stressig gewesen: „Ich war leitender Angestellter in einem Kraftwerk, habe sehr, sehr viele Überstunden gemacht! Außerdem haben wir im Schichtdienst gearbeitet. Meistens auch nachts. So war der Schlaf häufig gestört.“
Auf seine Gesundheit hat er kaum geachtet: „Ich bin immer ein Arbeitsmensch gewesen und sehr perfektionistisch. Ich wollte im Beruf immer alles geben und immer alles richtig machen.“

Die Behandlung
Da es so viele, sehr verschiedene Ursachen für Tinnitus gibt, muss die Behandlung auch perfekt auf den Patienten zugeschnitten sein. Es muss genau geschaut werden, woher das Problem kommt. Es ist also super wichtig, sich im Bedarfsfall einen Arzt zu suchen, der sich die nötige Zeit nimmt, der berät und alles ganz genau erklärt.
Anlaufstelle bei Hörgeräuschen ist zunächst immer der Hals-Nasen-Ohrenarzt. Bei einem gründlichen Hörtest mit dem Patienten kann man feststellen, welcher Teil des Ohres überhaupt betroffen ist. Dazu erklärt Dr. Gerhard Hesse, Chefarzt der Tinnitus-Klinik im hessischen Bad Arolsen: „Erstaunlich, oft ist das Ergebnis, dass der Patient einfach nicht mehr so gut hört wie früher – völlig unabhängig von dem Tinnitus-Geräusch.

Die Therapien

  • Bei verminderter Hörfähigkeit hilft oft ein Hörgerät. Im besten Fall verschwindet das Tinnitus-Geräusch dann, bzw. wird als nicht mehr so stark wahrgenommen.“
  • Bei einem akuten Tinnitus, das ist innerhalb der ersten zwei bis drei Wochen nach Auftreten des Geräusches, empfehlen sich Infusionen mit blutverdünnenden Mitteln, denn häufig wird der Tinnitus durch eine Durchblutungsstörung im Innenohr ausgelöst. Durch die Infusionen können selbst kleinste Gefäße besser mit Blut versorgt werden
  • Zusätzlich zur Infusion sollte Kortison gegeben werden, denn neue Studien zeigen, dass nur dann die Infusionen abschwellend und entzündungshemmend wirken
  • Ebenfalls gut kann bei akutem Tinnitus eine Sauerstoff-Therapie helfen. Dazu werden in einer Überdruckkammer die Patienten mit konzentriertem Sauerstoff versorgt. Das verbessert die Versorgung des Innenohrs.

Arrangieren mit dem Tinnitus
Bei chronisch gewordenem Tinnitus geht es in erster Linie darum, dass der Patient lernt, mit den Ohrgeräuschen zu leben. „Eine Heilung ist bei Tinnitus, hat er sich erst einmal etabliert, kaum möglich. Wer das verspricht, ist unseriös“, sagt Dr. Hesse. Problematisch für die Patienten ist, damit klar zu kommen, dass sie eine Krankheit haben, mit der man sich irgendwie arrangieren muss.

Auch Heinz Rosebrock fiel das anfangs schwer: „Ich habe immer gehofft, dass ich doch geheilt werden kann. Deshalb habe ich ja so viele Ärzte konsultiert, mich sogar operieren lassen. Das hat mich auch sehr viel Geld gekostet, weil ich viele Behandlungen privat zahlen musste.“ Zum Glück hielt seine Familie in dieser schwierigen Zeit immer zu ihm. In der Öffentlichkeit jedoch verschwieg er sein Ohrenrauschen. Mit traurigen Konsequenzen: Da er Unterhaltungen schwer folgen konnte und sogar beim Einkaufen nicht immer verstand, was die Verkäuferin sagte, ging er nur noch selten aus dem Haus. Heinz Rosebrock: „Ich wurde auch zunehmend misstrauisch. Hinter jedem Lächeln oder Schmunzeln vermutete ich was Böses. Ich dachte: ´Was habe ich jetzt wieder falsch verstanden, dass der andere so grinst?“

Die Psyche ist wichtig
So steht bei einer effizienten Tinnitus-Behandlung die Psyche des Patienten im Mittelpunkt. „Viele dieser Patienten leiden unter Depressionen, denn sie denken an nichts anderes mehr als an ihre Krankheit“, weiß Dr. Hesse. „Der Patient muss lernen, den Tinnitus zu akzeptieren. Die Betroffenen schenken dem Tinnitus schlichtweg zuviel Aufmerksamkeit, wodurch sich das Problem selbst verstärkt.“
Es gibt viele Möglichkeiten, wie man den Patienten dauerhaft von den Ohrgeräuschen ablenken kann: Bei der Hörtherapie soll die Konzentration des Patienten auf Außengeräusche wie Vogelgezwitscher, Musik oder Gespräche gelenkt werden.
Bei dem Tinnitus-Retraining (TRT) lernt das Gehirn mit einem so genannten Noiser, das ist ein Gerät, das ein angenehmes Hintergrundrauschen im Ohr erzeugt, die Tinnitusgeräusche zu ignorieren. „Durch solche Behandlungen rückt das Tinnitusgeräusch immer mehr in den Hintergrund. Es ist zwar am Ende immer noch da, verliert aber seine Bedeutung“, erklärt Dr. Hesse.

Naturheilkunde
Auch mit Hilfe der Homöopathie, den Meridian-Energie-Techniken und Entspannungstechniken sind gute Heilergebnisse möglich, gelindert werden können die Beschwerden fast immer.

Der Faktor „Stress“
Es ist sehr wichtig, Stress zu vermeiden.
Heinz Rosebrock hat – nachdem das Ohrrauschen nicht besser, sondern immer schlimmer wurde – nach vielen Jahren das einzig richtige getan: Er hat seinen stressigen Beruf aufgegeben. „Freiwillig hätte ich das allerdings nicht gekonnt. Dazu war ich gar nicht der Typ“, erzählt er heute schmunzelnd. „Der Betrieb wollte einige Leute in Frührente schicken. Ich wurde auch gefragt. Angesichts meiner Krankheit habe ich das Angebot dann angenommen.“

Alternative Maßnahmen
Sehr erfolgreich sind bei Tinnitus auch begleitende alternative Maßnahmen, wie die Muskelentspannung nach Jacobsen oder Autogenes Training.

Heinz Rosebrock hat sein Tinnitus-Problem nicht nur mit mehr Ruhe durch das Rentnerdasein in den Griff bekommen, sondern vor allem auch durch Qi Gong. Das ist eine chinesische Methode, durch die Energieblockaden, die sich im Körper gebildet haben, gelöst werden sollen. Heinz Rosebrock hat die Übungen während eines Seminars in Berlin gelernt und macht sie jetzt täglich. „Ich habe seither meine innere Ruhe wieder gefunden, akzeptiere das Ohrgeräusch und kann damit sehr gut leben“, freut er sich. Er geht jetzt ziemlich selbstbewusst mit seiner Krankheit um: „Wenn ich heute etwas nicht verstehe, sage ich: Können Sie das bitte noch einmal sagen. Ich habe etwas Probleme beim Hören.“

Vorbeugen ist ratsam
Besser ist es natürlich, es gar nicht so weit kommen zu lassen. Das weiß auch Heinz Rosebrock heute: „Mein Job war einfach zu stressig. Ich habe meinen Körper zu sehr vernachlässigt. Heute weiß ich, dass das ein Fehler war. Denn meinen übermäßigen Arbeitseifer habe ich sehr teuer bezahlt.“

Gönnen Sie sich also rechtzeitig genug Ruhepausen bevor es irgendwann zu spät ist. Das gilt nicht nur für Ihren Körper, sondern ganz besonders auch für Ihre Ohren. Auch die „Lauscher“ brauchen Ruhe. Schalten Sie nach einem anstrengenden Tag also nicht gleich Fernseher oder Radio an, sondern genießen Sie mal die Stille. Sie werden schnell merken, wie gut Ihnen das tut.

Eile geboten!
Bei auftretenden Geräuschen im Ohr muss sofort ein Arzt aufgesucht werden. Dieser sollte den Patienten/die Patientin zu einem Spezialisten überweisen. Innerhalb der ersten Wochen besteht gute Aussicht, erfolgreich zu behandeln. Hat sich der Tinnitus erst einmal etabliert, ist es schwer, die störenden Geräusche wieder loszuwerden.

Artikel: Bioline-Magazin (Gabriele Hellwig)


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