Ofenpfanne mit Mungbohnen, Kürbis und Backpflaumen Meerrettich das scharfe Heilmittel
Mai 12

Viele Menschen sind stolz darauf, daß sie anderen immer ehrlich ihre Meinung sagen
Kritik üben dürfte das nachteiligste Mißverständnis unserer Gesellschaft sein

„Du verträgst aber auch gar keine Kritik!
Jedermann hat wohl hat diesen, oder einen ähnlichen Ausspruch in seinem Leben schon gehört.
Wie wichtig aber ist es, Kritik zu üben und Kritik anzunehmen?

Auch ich war oftmals tief betroffen, wenn mir unterstellt wurde, ich reagiere unangebracht empfindlich darauf, wenn mein Verhalten, meine Leistungen, meine Entscheidungen oder gar mein Geschmack in Frage gestellt wurden.
Mehr als einmal habe ich darüber nachgedacht, weshalb es mir so unangenehm ist, wenn mir unverblümt die Meinung gesagt wird.
Nein, es geht mir hier nicht um Debatten, die kontrovers geführt werden. Es versteht sich, daß in einem solchen Fall jeder Beteiligte seine Auffassung vertreten darf, ja geradezu muß. Nur auf diese Weise schließlich kann die Gegenpartei verstanden werden, kann es zu Kompromissen kommen, die einen gemeinsamen Weg erst ermöglichen.


Fruchtbare Streitgespräche sind schließlich die Grundlage der Demokratie

Ich rede hier vielmehr von Kritik am Handeln anderer Menschen. Vor allem dann, wenn die Ansicht darüber nicht erbeten wurde, diese sogar schlichtweg unerwünscht ist

Nach reichlichen Überlegungen, Beobachtungen, besonders aber durch viele, oft schmerzliche eigene Erfahrungen, bin ich zu dem Schluß gekommen, daß die Menschen im Umgang miteinander durchaus ohne Kritik auskommen können.

Bloße Kritik ist nach meiner Auffassung weder hilfreich, noch aufbauend. Vielmehr ist sie in den meisten Fällen eher destruktiv und sogar dann verletzend, wenn sie freundlich angebracht wurde

Manchmal ist Kritik sogar regelrecht verboten
Eine meiner Auftraggeberinnen, sie ist eine erfolgreiche Unternehmerin, sagt frank und frei: „Kritik verbitte ich mir. Verbesserungsvorschläge dagegen sind mir hochwillkommen. Aber dann erst, wenn Bestehendes bereits ausgiebig angewandt wurde. Zeigen sich aber am bestehenden Konzept Schwachpunkte und es hat jemand einen guten Vorschlag für eine Verbesserung, so bin ich gerne offen dafür. Diese neue Idee muß dann allerdings bestens durchdacht sein.“
Diese Unternehmerin, übrigens eine Selfmadefrau, die ihre Firma aus gänzlich eigener Kraft zu einem in vielerlei Ansicht vorbildli-chen Wirtschaftsunternehmen geführt hat, erklärte mir ihre rigorose Haltung als Ergebnis reichlicher Erfahrungen. Sie hatte sich in früheren Zeiten oftmals von „guten Ratschlägen“, Meinungen und Kritik beeindrucken lassen. Mit der Verteidigung ihrer eigenen Ansicht hat sie viel Zeit vertrödelt. Bis ihr endlich klar wurde, daß es sie vom Ziel abbringt und daß es schwächt, läßt sie sich auf die Bedenken und Besserwissereien der Leute ein, die jedoch keinesfalls bereit sind die Verantwortung für das Unternehmen mit ihr zu teilen. So faßte sie eines Tages den Entschluß, sich selbst auch Fehler zuzugestehen. Denn sie mußte und muß die Folgen ihres Handels ohnehin alleine tragen.
Das hält sie nicht davon ab, gelegentlich den Rat von kompetenten Menschen einzuholen. In einem solchen Fall will sie durchaus gerne die Erfahrungen anderer nutzen.
Lachend erzählte mir meine Kundin noch, wie oftmals sogar Bewerber für einen Posten in ihrer Firma ihr längere Vorträge darüber halten, wie man etwas verbessern, oder aber alles völlig anders machen könnte. Merkwürdig ist das schon. Ein Arbeitsuchender hofft auf die Anstellung in einer namhaften Firma und will dem Unternehmer gleich seine Fehler aufzeigen. Sicherlich möchte er damit dokumentieren, wie beschlagen und kreativ er ist. Selten dürfte ihm klar sein, daß er besonders deshalb eine Absage erhält.
Ganz anders sieht es natürlich aus, wenn für Probleme in einer Firma ein Krisenmanager eingestellt wird. Dann ist die Aufdeckung der Firmenschwachpunkte geradezu erwünscht.

Lob bringt uns weiter
Ein Beispiel aus eigenem Erleben werde ich wohl nie vergessen. Während meiner Ausbildung zur Unternehmensberaterin assistierte ich einer versierten Schulungsleiterin bei einem Seminar für Erfolgstraining. In einer Diskussionsrunde wurden die einzelnen An-wesenden jeweils danach gefragt, wie sie bestimmte Argumente formulieren würden. Abschließend wurde dann auch ich ebenfalls zu einem Kommentar aufgefordert. Wortgewandt wie ich nun mal bin, setzte ich dann zu immer trefflicheren Argumenten an. Es war ganz klar, ich beherrschte das System, ich stellte alle Seminarteilnehmer in den Schatten.
In der ersten Pause dann nahm mich die Dozentin zur Seite und gratulierte mir zu meinem Einfallsreichtum und meiner raschen Auffassungsgabe. Sie appellierte jedoch gleichzeitig an unsere gemeinsame Verantwortung den Seminarteilnehmern gegenüber, die ja erst auf dem Wege waren zu notwendiger Erkenntnis und dem Mut, diese zu formulieren. Und dazu benötigten sie durchaus Mut. Meine perfekten Vorträge allerdings führten jedem der Anwesenden deutlich sein Unwissen vor Augen. Sie würden auf ihn wirken wie eine deutliche Kritik an den eigenen Aussagen.
Unsere Aufgabe wäre es vielmehr zu motivieren. Auch dann, wenn die Richtung lediglich im Ansatz erkennbar wäre.

Sie forderte mich auf, lobend zu lenken!

Diese Formulierung habe ich mir fest ins Gedächtnis notiert.
Imponierend fand ich auch die Form der „Kritik“ an meinem Verhalten. Die Seminarleiterin stellte meine Fähigkeiten in den Vordergrund und „erwähnte am Rande“, was wünschenswert wäre. Die Folge war meine absolute Einsicht. Dies ohne jede Betroffen-heit. Ganz im Gegenteil, ich fühlte mich sogar bereichert.


Bei der Weiterführung des Seminars dann nahm ich mich zurück. Ich beobachtete genau das Verhalten meiner Lehrmeisterin. Sie ließ nahezu jede Antwort aus der Gruppe gelten und ergänzte sie notfalls behutsam. Aber auch nur dann, wenn dies wirklich nötig war und der Sprecher mit seiner Aussage völlig “daneben” lag. Immer aber lobte sie die Überlegung und jeden Anflug einer Idee, die in die richtige Richtung wies.
Ich versetzte mich in die Rolle der Teilnehmer.
Ich spürte regelrecht ihre wachsende Zuversicht in die eigenen Überlegungen.

Urplötzlich war mir klar, daß Kritik nichts anderes ist, als Zurechtweisung. Der Gemaßregelte muß sich ja betroffen fühlen

Dagegen konnte ich beobachten, daß im Verlauf der Seminarwoche die Anwesenden über sich selbst hinauswuchsen. Die Referentin hatte es verstanden viel Vertrauen zu erwecken und das Gefühl zu vermitteln, daß es gar keine Fehler gibt, sondern nur kleine Unebenheiten, die sich ganz leicht glätten lassen.

Wäre ich bei meiner Methode geblieben, die den Lernenden nur den eigenen Mangel bewußt gemacht hätte, wären die Gruppenziele nie so perfekt erreicht worden. Die Teilnehmer hätten es nicht geschafft, ihre Ansicht nun voller Selbstvertrauen vorzutragen, wie das durch unter den Schutz der Referentin dann allerdings in hohem Maße gelungen war.

Diese Lektion hat viel in meinem Denken und demzufolge in meinem Handeln geändert.

Ich frage mich nun immer: „Muß ich jetzt wirklich kritisieren? Was passiert, wenn ich nicht verbessernd eingreife? Kann ich das Gesagte, Getane vielleicht so stehen lassen?“

In den allermeisten Fällen komme ich zu dem Schluß, daß mein Zutun nicht unbedingt erforderlich ist.

Auch in der Kindererziehung hilft mir diese Erkenntnis sehr.
Kinder können sich eindeutig besser ent-wickeln, wenn sie nicht ständig korrigiert werden. So können sie eigene Erfahrungen machen und lernen die Konsequenz ihres Handels besser, vor allem früher, kennen. So wachsen Mut, Selbstbewußtsein und Stärke.
Es genügt, wenn ein tragfähiges Geländer zur Orientierung vorhanden ist.

Die Menschen in meiner Umgebung sind froh, wenn sie sich gefühlsmäßig bei mir sicher fühlen können. Das weiß ich heute.
Den kritischen Blick habe ich mir deshalb völlig abgewöhnt. Statt dessen bemühe ich mich um Verständnis und erkenne viel besser bereits lobenswerte Ansätze.

Und genau mit diesem Lob gehe ich sehr großzügig um

Es ist eine Freude zu erleben, wie dies auf fruchtbaren Boden fällt und wie hilfreich es für jeden ist, der gelobt und somit gestützt wird. Er wächst regelrecht über sich selbst hinaus.
Ganz im Gegensatz zu seinem Verhalten, wenn harsche Kritik geübt würde.
Kritik, den Verdacht habe ich, dagegen soll in erster Linie dem Kritisierenden das Gefühl verschaffen, im Recht zu sein. Der andere aber wird in seinem Tun, in seinem Wort dadurch unnötig herabgesetzt. Kränkung ist die Folge.

Auf Kritik können wir also (in den meisten Fällen) getrost verzichten!

Artikel: Bioline-Magazin (Birgit Klüber)


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