Grüner Tee Die Handform
Okt 13

Eigentlich bin ich kein Vegetarier. Fleisch schmeckt mir gar so gut. Aber weil ich weiß, wie ungesund ein Übermaß an Wurst und Fleisch für den menschlichen Körper sein kann, bemühe ich mich um Ausgleich.
Der Nichtwissende, so wie ich einer bin, sucht sein Heil in mehr Obst, Gemüse, Salat und Getreide.
Allerdings ist mir bekannt, daß es besonders die tierischen Proteine und die tierischen Fette sind, die einer bekömmlicheren Alternative bedürfen. So habe ich es früher schon mal halbherzig mit Tofu probiert, dem absolut “geschmacksfreien” Sojakäse. Aber Scheiben daraus verbrutzelten mir unansehnlich zu zähen Teilen, die von einem leckeren Gericht weit entfernt waren.

Wie machen das bloß die Vegetarier?
Müßte man sie bewundern, daß sie den Genüssen auf dem Teller so ganz entsagen?

Bei meinen gelegentlichen Besuchen im Seminarhaus Hoher Vogelsberg, anläßlich verschiedener Reportagen, wurde ich jedoch  früher schon eines besseren belehrt. Dort hatte ich bereits öfter himmlische „Fleischgerichte“ verspeist. Vom Fleisch, das auf dem Felde wächst natürlich. Ich spreche von Soja.
Da gab es Frikassees, Aufläufe, Sahnegeschnetzeltes, Sauerkrautsuppe –  ach, einfach herrliche Sachen.
Ich konnte bei den einzelnen Rezepten, auch beim genaueren Hinschmecken, keinen wesentlichen Unterschied zum Fleischgeschmack entdecken.
Dafür prägte die Köchin des Seminarhauses einen flotten Spruch:

„Bei Fleisch kommt es darauf an, ob man gut kochen kann. Das ist bei Soja nicht anders!“

Bei aller Begeisterung über das, was jedesmal an leckeren Sachen aufgetischt wurde, konnte ich mich jedoch noch nicht entschließen, meine Junggesellenküche um solche gesunden Schlemmereien zu bereichern. Der Hauptgrund dafür war bisher eigentlich, daß ich nicht die geringste Ahnung hatte, wie das bräunliche Sojagranulat, das es in verschiedenen Sorten und Größen gibt, zu Gerichten verarbeitet werden kann.

Jetzt aber wollte ich genau wissen, wie Soja zubereitet wird

Da kam mir die Einladung zum Soja-Kochkurs recht gelegen.
So reiste ich also, gewappnet mit Kamera, Stift und Papier an und wollte für die BIOLINE und für mich selbst festhalten, wie man mit Soja kocht.
Schnell stellte ich fest, daß meine 12 Mitstreiter mit ganz ähnlicher Neugierde gekommen waren wie ich selbst.
Am Freitagnachmittag eingetroffen, wollten wir zwei ganze Tage miteinander kochen und vor allem schlemmen. Nach dem freundlichen Empfang und der Quartierverteilung wurde es gleich ernst. Die Ernährungswissenschaftlerin Eva Meininger, die den Workshop leitete, hielt einen informativen Vortrag über den gesundheitlichen Wert von Soja in der Ernährung.
Danach erwartete uns ein schönes Dinner, das die Seminarhausköchin Inge Auth liebevoll vorbereitet hatte. Sie hatte auch Eiweißbrot (ganz ohne Mehl) gebacken. Das duftete durchs ganze Haus. Leider war es erst zum Frühstück für den Folgetag vorgesehen.

Das Begrüßungsdinner

  • Spinat-Cremesuppe mit Schafskäse
  • Feldsalat in Schnittlauchschmand
  • Kichermehlspätzle abgeschmelzt, dazu Erbsen-Sahneragout von Soja
  • Frischer Fruchtsalat mit Schlagsahne

Beim Speisen schon wurde diskutiert und gemutmaßt.
Wie wohl sind die Spätzle entstanden, wie das Ragout zubereitet?
Am nächsten Tag sollten wir dann gemeinsam zur Tat schreiten. Morgens schon erwartete uns eine Überraschung. Es gab zum Frühstück weder ein Quarkmüsli, noch die obligatorischen Brötchen. Nein, wir wurden von einem leckeren Eiweißfrühstück empfangen. Das war ein Trennkost-Frühstück ganz ohne komplexe Kohlenhydrate. Das Brot aus Kichererbsenmehl, Ballaststoffen, Leinsamen und Sesam hielt jedem Vergleich mit einem guten Vollkornbrot aus Mehl stand. Das Rezept stammt von der Trennkost-Seminarleiterin Sylvia Ophoven aus Marktoberdorf-Obergünzburg.

Köstliches Eiweißfrühstück
Dazu wurde selbstgemachtes Fruchtmus mit Birnette gesüßt, als köstliche Marmelade gereicht. Harte Eier, verschiedene Käsesorten, angemachter Quark und ein absolut wunderbarer Pfirsichquark rundeten das Verwöhnfrühstück ab. Dazu gab es Eiweißbrot.

Rezept für Eiweißbrot

Zutaten:

  • 100 g Kichermehl
  • 50 g Weizenkeime
  • 25 g Leinsamen
  • 175 g Wasser
  • 1 kleines Ei
  • 5 bis 6 g Salz
  • 50 g Weizenkleie
  • 25 g Sesam
  • 12,5 g Hefe
  • 75 g Buttermilch
  • 25 g Quark


Zubereitung:

  • Das lauwarme Wasser und die Hefe verrühren
  • Das Kichermehl dazugeben und alles gut verrühren
  • Salz, Buttermilch, Quark und das Ei dazugeben und ebenfalls verrühren
  • Die Weizenkeime, Weizenkleie, Leinsamen und Sesam unterheben
  • Das ganze ca. 20 Minuten an einem warmen Ort gehen lassen
  • Dann in eine gefettete Backform füllen und nochmals 15 Minuten gehen lassen
  • Bei 180 bis 200° C Heißluft ca. 40 bis 45 Minuten backen


Extra-Tip:
Das Brot vor dem Einfrieren in Scheiben schneiden

Danach begann die Kocherei
Erst einmal wieder etwas Theorie. Soja quellen lassen war die Vorbedingung. Aber in wieviel Wasser? Wie heiß muß es sein? Und wie lange? Wie wird es angebraten und in welchem Fett? Womit darf gewürzt werden? Was bindet? Wie entsteht der fleischige Geschmack?

Ja, die Handhabung ist überraschend einfach. Aber man muß eben genau wissen, wie…!

Jeder Teilnehmer erhielt nun für das Mittagessen, aber auch schon für den Nachmittagskuchen ein Rezept, das er/sie unter den liebevoll nachsichtigen Augen von Eva Meininger bereitete. Die Überraschung war: jedes Gericht gelang auf Anhieb.
So konnte bereits zum ersten gemeinsamen Mittagessen aus einem üppigen Büffet ausgewählt werden.

Das Mittagsbüffet

  • scharfe Sauerkrautsuppe mit Sojaragouteinlage
  • Soja-Gyros mit Tsatsiki und Krautsalat
  • Chili con Azuki, sowie grüne Bohnen mit vegetarischem Schmalz
  • Sojakruste über dem Ratatouilletopf
  • Melone in Birnencognac

Kuchenschlemmerei
Am Nachmittag durfte süß geschlemmt werden. Ohne Getreidemehl wurde eine feine Erdbeertorte gebacken. Auch die knusprigen Kichererbsenmehl-Waffeln mit Sauerkirschen schmeckten toll. Die dazu gereichte Vanillesoße war nicht so mein Fall. Im Nachhinein habe ich erfahren, daß wir vergessen hatten, dafür das Kichererbsenmehl in etwas Butter anzuschwitzen.
Ich sage ja: „Gewußt wie!“

Mutig geworden durch die bisherigen guten Ergebnisse unserer „Kochkunst“ legten wir für das geplante festliche Abendessen so richtig los. Alles ging nun flott von der Hand. Man wußte schließlich jetzt, wie es geht.
So wurde geschnitten, gebacken, gebraten, gekocht, gerührt und abgeschmeckt, was das Zeug hielt.
Inge Auth als erfahrene Sojaköchin des Seminarhauses kostete hier und würzte da noch ein wenig nach. So entstand ein üppiges Schlemmer-Menü, das einem guten Restaurant alle Ehre gemacht hätte.

Das Candlelight-Dinner

  • Eiweißbrötchen
  • Tomatencremesuppe mit Ginsahne und frischem Basilikum
  • Pilz-Sahneragout mit Brokkoli in vegetarischem Schmalz
  • Paprikagulasch mit Kichererbsenspätzle
  • Blattsalat mit Sojafrikadellen
  • Gebratene Pilze
  • Tomaten mit Parmesan überbacken
  • Himbeereis mit Minzeblättern

War das ein schönes Abendessen! Bei Kerzenschein wurde geschlemmt, gelacht, gescherzt. Von allem wurde probiert.
Und ich? Ich konnte nicht genug auf meinen Teller bekommen von dem Fleisch, das auf dem Felde wächst.
Ich fürchte nur, daß ich auch in Zukunft noch ein wenig Nachhilfeunterricht im Soja-Kochen brauche. Denn viel habe ich zum Gelingen des Wochenendes nicht beigetragen.
Ich durfte essen und fotografierte und befragte die Teilnehmer nach ihren Motiven für die Teilnahme an diesem Wochenende und wie sie künftig Soja in ihrem persönlichen Speiseplan einbauen würden.

Gesundheitlicher Gewinn durch Sojakonsum

  1. Soja verfügt im Gegensatz zu Fleisch über Ballaststoffe, die der Verdauung dienen. Die Darmtätigkeit wird unterstützt. Der Stuhl ggf. wieder geformt, Giftstoffe gebunden.
  2. Soja enthält kein Cholesterin. Damit eignet es sich in idealer Weise als Nahrung bei Leber- und Gallenschädigung. Es werden die Gefäße geschont, es kann nicht mehr zu Ablagerungen (Arteriosklerose) kommen.
  3. Soja enthält pro 100 g etwa genauso viel Purine wie Fleisch. Da jedoch 25g für eine sättigende Mahlzeit reichen, bei Fleisch dagegen ca. 150g benötigt werden, schlägt der Purin-Anteil bei einer Soja-Portion nur mit dem sechsten Teil davon zu Buche.
  4. Soja ist besonders reich an Vitaminen, enthält besonders auch das so seltene Vitamin B12. Der hohe Anteil an Mineralstoffen sorgt für ein günstiges Säure/Basen-Gleichgewicht im Körper und damit für deutlich mehr Energie.
  5. Die Proteine der Sojabohne sind für den menschlichen Körper gut verfügbar und decken den Eiweißbedarf.
  6. Verschiedene Pflanzensekundärstoffe machen Soja zu einem idealen Nährmittel. Zu nennen wären z.B. Phytohormone wie pflanzliches Östrogen. Durch Soja-Konsum kennen beispielsweise die Japanerinnen weder Wechseljahrsbeschwerden, noch erkranken sie oft an Gebärmutter- oder Brustkrebs.
  7. Wer sich für Soja auf seinem Speiseplan entscheidet, betreibt aktiven Tierschutz und bewahrt lebende Geschöpfe vor Massentierhaltung und unsäglichen Qualen.

Ja, ich bin überzeugt von der Notwendigkeit der Soja-Küche. Schließlich marschiere ich auch schon heftig auf die 40 zu. Für meine Gesundheit werde ich nun auch öfter den Soja-Kochlöffel schwingen.

Die Überraschung an dem Soja-Wochenende war die Erkenntnis für mich, daß ich künftig auf die leiblichen Genüsse keineswegs verzichten muß

Mit Soja kann man genauso vorzüglich kochen wie mit Fleisch, und es ist wirklich ganz einfach!

So ein Schlemmerwochenende ist ein schönes Erlebnis. Neben dem Austausch, dem Erlebnis des gemeinsamen Schaffens, bleibt genügend Zeit für Spaziergänge und das Betrachten der herrlichen Natur im Naturschutzgebiet Hoher Vogelsberg.

Ich freue mich schon auf das nächste Mal!

Artikel: Bioline-Magazin (Jack Lösch)

Buchtipps zu diesem Artikel:
Kochbuch zur Trennkost
Soja, Tofu und Co


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