Für immer jung? Abnehmen ohne Aufwand
Okt 07

Homöopathische Mittel wirken oft innerhalb kürzester Zeit auf grundlegende Weise
Um die große Kraft der kleinen Kugeln (gemeint sind homöopathische Globuli) zu verstehen, greife ich am besten auf ein Fallbeispiel aus meiner Praxis zurück:
Vor ca. zwei  Jahren stellte sich eine junge Mutter mit ihrer damals zweijährigen Tochter vor. Das Kind litt schon wieder an einem Erkältungsinfekt mit laufender Nase, trüben Äuglein und einem locker klingenden Husten, der es im Schlaf störte. Die Mutter bestätigte mir, daß die Tochter derzeit von einer Erkältung in die nächste schlitterte. Immer fing es mit Ohrenschmerzen an, dann kamen Halsweh hinzu und später die Laufnase mit richtig grüngelbem Schnupfen. Ob die Bronchitis neu oder noch vom letzten Infekt sei, wisse sie nicht. Das Kind habe auch zu Anfang gefiebert, wobei aufgefallen war, daß nur eine Wange gerötet war. Schon aufgrund dieser Symptombeschreibung zeichnete sich für mich Pulsatilla (Küchenschelle) als homöopathisches Mittel ab, das ich dem Kind als Hochpotenz einmalig verabreichte.


Zur Geschichte der Kleinen indes war zu sagen, daß es schon seit seiner Geburt von Hautproblemen geplagt war. Erst hatte es Milchschorf, dann Neurodermitis, welche sehr auf Kuhmilch reagierte. Die bisherigen Erkältungen waren sehr oft mit Antibiotika behandelt worden, was jedesmal einen Schub der Neurodermitis auslöste. Aus dieser Anamnese (Vorgeschichte) konnte ich schließen, daß das Mädchen höchstwahrscheinlich noch mal ein homöopathisches Folgemittel brauchte, um diese Erkältungsneigung und die Hautprobleme in den Griff zu bekommen.

Die körperliche Konstitution des Mädchens war eher zart. Es verhielt sich mir gegenüber nicht nur zurückhaltend, es wollte schlichtweg gar keinen Kontakt zu mir aufnehmen. Ständig bemühte es sich um die Aufmerksamkeit seiner Mama: Erst verlangte es etwas zu essen, dann etwas zu trinken, dann zeigte es der Mama etwas an ihrem Spielzeug. Reagierte die Mutter nicht, wurde es schnell zornig, wurde es ermahnt, traten sofort Tränen in die Augen. An dieser schnell wechselnden Gemütslage und dem Fixiertsein auf die Mama sah ich das homöopathische Mittel Pulsatilla bestätigt.

Die Mittel haben nämlich neben der körperlichen Seite auch eine geistige, und so etwas wie eine Seele
Alle drei Anteile sollten zwischen dem Mittel und dem Patienten so übereinstimmen, als ob sie in einen Spiegel schauten. Je besser die Übereinstimmung, desto besser die Wirkung. Meine Aufgabe als Homöopathin ist es, zu beobachten, nicht einzugreifen und passiv zu bleiben, lediglich durch Zwischenfragen Feinheiten herauszuarbeiten

Auch die Mutter brauchte Hilfe
Bei meiner Beobachtung der jungen Frau fiel mir am meisten auf, daß sie durch das ständige Kranksein des Kindes ziemlich entnervt war. Sie zeigte vegetative Überlastungszeichen wie Kreuzschmerzen, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit. Sie gab an, morgens nur schwer aus dem Bett zu kommen. Kein Wunder, wenn sie nachts mehrfach von einem hustenden, weinerlichen Kind geweckt wird, das Trost und Zuwendung braucht.

Die „Sepia-Frau“ hat resigniert
Diese Art von Ausgelaugtsein und Erschöpfung finden wir bei dem homöopathischen Mittel Sepia, der Tinte des Tintenfisches. Die meisten Sepia-Patienten sind weiblich und tragen Doppelbelastungen wie Job und Familie. Anfangs sind sie eher Powerfrauen, die versuchen, durch ihr Engagement beidem gerecht zu werden, später wirken sie frustriert, zynisch, fast abgehärmt. Die ehemals attraktive „Sepia-Frau“ geht über in ein Stadium der Erschöpfung, Resignation und Gleichgültigkeit. Von ihrem Charme bleibt nicht viel, bestenfalls zynische Seitenhiebe. Die Sepia-Frau fühlt sich ständig unfrei, immerzu will irgendwer etwas von ihr; die Kinder, der Mann. Nie kann sie das tun, was sie eigentlich will, sie ist fremdbestimmt durch den Beruf und die Familie. Die Sepia-Frau liebt ihre Unabhängigkeit und will aus dieser Position Mann und Kinder glücklich machen. Hat sie keine Möglichkeit, ihr Eigenleben zu pflegen, erlischt ihre Dynamik, sie zieht sich in sich selbst zurück und läßt niemanden mehr an sich heran.


Allein durch ein paar Bemerkungen der Patientin zu ihrer familiären Situation hatte ich ihren Sepiazustand erkannt. Viele Frauen mit kleinen Kindern werden mir zustimmen: Die ständige Verfügbarkeit und das Verantwortlichsein solange bis der Papa nach Hause kommt oder eine andere Ablösung in Sicht ist, ist ein enormer Streßfaktor für die Mamas.

So behandelte ich also die kleine und auch die große Patientin.

Nach einer Woche bestellte ich meine beiden Patientinnen wieder ein. Schon bei der Begrüßung sah ich am Gesichtsausdruck der Mutter, daß sie wieder an Lebenslust und Energie gewonnen hatte und ihr Mädchen die Erkältung und Weinerlichkeit verloren hatte.  Bis das Kind mich während der Konsultationen beachtete, dauerte es allerdings noch ein Weilchen.

Zwei homöopathische Mittel hatten wieder ins Lot gebracht, was der Alltag immer wieder kippen kann

Erst durch eine bessere Wahrnehmung für eigene Bedürfnisse hat  diese Mama die Möglichkeit, ein zu starkes Leerlaufen und Auslaugen zu  vermeiden. Sie muß nun lernen, rechtzeitig Aufgaben zu delegieren bzw. andere (Papa, Oma, Opa, Freundin, Tagesmutter, Krabbelgruppe) in die Kinderbetreuung einzubeziehen. Dadurch kann ihr Kind eigenes Selbstvertrauen bilden und den Rockzipfel der Mutter loslassen.

Im Laufe der nächsten beiden Jahre konnte das Mädchen genau diese Energie entwickeln und grenzte sich zum Teil sogar recht heftig gegen die Mutter ab

Dafür war ihr Eintritt in den Kindergarten viel leichter als die Mama sich das vorgestellt hatte.

Auch für mich ist es immer wieder faszinierend zu erleben, wieviel diese winzig kleinen Kügelchen im Leben eines Menschen verändern können

Anm. der Autorin:
Homöopathische Mittel sind nicht für die Eigenbehandlung geeignet. Da sie oft einen tiefen Einschnitt in die körperlichen und seelischen Regelkreise bewirken, sollte grundsätzlich ein erfahrener Homöopath / eine Homöopathin zu Rate gezogen werden. Von mir vorgestellte Fälle beziehen sich auf die jeweils von mir sorgfältig untersuchten Patienten und deren Persönlichkeit. Sie können nicht verallgemeinert werden.

Artikel: Bioline-Magazin (Dr. med. Heike Häfner-See)


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