Mein Weg zur Trennkost Keine Zeit für Sport
Mrz 03

Im neuen Jahr wird alles anders
Was habe ich mir nicht schon alles vorgenommen. Und immer meinte ich es absolut ernst. Und was davon, wenn ich ganz ehrlich bin, konnte langfristig eingehalten werden

Also es ist wieder einmal soweit. Der Jahreswechsel naht und damit die Zeit der guten Vorsätze.
Im alten Jahr, ja, da darf noch tüchtig „über die Stränge“ geschlagen werden. Aber Punkt 24.00 Uhr an Silvester wird die große Wende eingeläutet. Dann wird alles völlig anders. Neu und wunderbar. Danach bringe ich auch die Disziplin auf, alle die lobenswerten Absichten durchzuführen, mit denen ich das Jahr beginnen will.
Jetzt noch nicht gleich. Ein wenig Schonfrist habe ich noch. Aber am Neujahrstag beginnt dann das geläuterte Leben.


So oder ähnlich erleben sich Jahr für Jahr viele Menschen: Ich sollte, müßte, könnte doch….
Aber nur selten realisieren sich die Vorstellungen auf die Weise, wie sich das alles in Gedanken abspielt. So bleibt in den meisten Fällen wieder auf der Strecke, was so fest in der Vorstellung verankert schien.

Man könnte sagen, die guten Vorsätze zerschellen wieder am Alltag

Durch meinen Beruf als Unternehmensberaterin bin ich es gewöhnt, Sachverhalte zu analysieren. So habe ich begonnen, einmal den Grund dafür zu erforschen, weshalb die Vorsätze oftmals schon im Ansatz scheitern oder längere Fristen nur höchst selten überdauern. Dabei geht es bei den meisten Menschen um ganz ähnliche Pläne.

Die typischen guten Vorsätze sind:

  • Aufhören mit dem Rauchen
  • Mehr Sport treiben
  • Mehr Zeit an frischer Luft verbringen
  • Gesünder essen, mehr selbst kochen
  • Regelmäßige Zeit der Familie einräumen
  • Freundschaft besser pflegen
  • Die Urlaubskasse rechtzeitig füllen
  • Weiterbildung nicht vernachlässigen
  • Kultur für die Seele einplanen
  • Sich selbst viel mehr Muße gönnen

Wenn ich mir so einen Wunschzettel genau anschaue, ist für mich leicht erkennbar, daß sich hier die Aufzählung genau der Werte liest, die Gesundheit und Lebensqualität ausmachen.

Berücksichtigt sind dabei gänzlich unbewußt Körper, Geist sowie die Seele

Holla, zeigen sich hier vielleicht genau die Defizite, die von den täglichen, oft hastigen Erledigungen einfach überrannt werden? Finden sich darin vielleicht exakt die vernachlässigten Nischen, für die keine Zeit bleibt, denen viel zu wenig Aufmerksamkeit gezollt wird?
Es lohnt sich durchaus, hier einmal sorgfältiger nachzuschauen und die „Mängel“, die zur Veränderung anstehen, deutlich auszuleuchten.

In vergangener Zeit hatte ich sie, wie gegen den Wind gebrüllt, die absolut ernst gemeinten Vorsätze. Und sie kamen wie ein Bumerang brav zu mir zurück. Genau so, als wollten sie keinesfalls verlassen, als wollten sie auch eingehalten werden.

„Donnerlittchen, es muß doch eine Lösung dafür geben!“ Also machte ich nach langer Überlegung aus jeder einzelnen Angelegenheit ein Projekt, das ich auf jeden Fall zum Erfolg führen wollte

Für jedes einzelne Anliegen wurde nun eine extra Bestandsaufnahme erstellt und jeweils ein passendes Konzept erarbeitet.
Fangen wir beim Vorsatz Nr. 1 an. Wohl kein Anliegen wird öfter wiederholt als der Wunsch, vom Nikotin befreit zu werden.

So kann man sich vom Rauchen verabschieden.
Die Idee für ein Projektmanagement lieferte mir meine Freundin Gabriele. Sie ist eine starke Raucherin, die unzählige, vergebliche Versuche unternommen hatte, sich von diesem Laster zu befreien.  Die wenigen Tage der Abstinenz, die sie immer mal wieder durchhielt, konnten nicht als wirkliche Erfolge bezeichnet werden.

Sie wollte so furchtbar gerne aufhören mit dem schädlichen Rauchen. Sie schaffte es einfach nicht

Dabei litt sie oft an schlimmem Husten und sah manchmal ziemlich grau und fahl aus. Eigentlich ist meine Freundin eine starke Frau, die genau weiß, was sie will, die sich im Beruf durchsetzt und sich auch sonst die Butter nicht vom Brot nehmen läßt. Aber gegen die Qualmerei kam sie einfach nicht an. In den Stunden der Einsicht beschimpfte sie sich dann selbst als haltlos und schwach. Als einen Menschen, der keine Konsequenzen einhalten könne. Zu anderer Zeit war sie echt verzweifelt und sich darüber  im klaren, daß sie nicht das Rauchen hatte, sondern daß vom Rauchen sie selbst in Besitz genommen war.

Die Abhängigkeit von den Glimmstengeln war perfekt. Sie bestimmte den Tagesablauf und war eindeutig eine Sucht, der Gabriele regelrecht ausgeliefert war

Irgendwie gingen mir die ständigen Diskussionen um das leidige Thema auf die Nerven. Zumal sich seit Jahren nicht der Schimmer einer Veränderung abzeichnete. Ich dachte über das ganze Dilemma nach und kam zu dem Schluß, daß ich die Angelegenheit in die Hand nehmen mußte. Ich wollte meiner Freundin vorschlagen, das Ganze als Herausforderung zu betrachten, als würde es sich um eine Firma handeln, die in eine geschäftliche Krise geraten sei, aus der sie herausgeführt werden sollte..

Das genau war mein Metier. Als Krisenmanager habe ich Erfahrung. Dafür würden wir nun in die Planung gehen

Wir setzten uns also zusammen und ermittelten gemeinsam das Erfahrungspotential.

Bestandsaufnahme für Raucher:

  • Bei welchen Gelegenheiten wird eine Zigarette angezündet?
  • Wann ist der „Jap“ auf Nikotin am größten?
  • Bieten Zigaretten Trost?
  • Was passiert, wenn keine Zigarettenvorräte im Hause sind?
  • Werden andere Leute um Zigaretten gebeten?
  • Was genau bedeutet dem Raucher die Zigarette?

Das Ergebnis war keine Überraschung. Meine Freundin benutzte die Zigarette als Kompensationsinstrument gegen Streß, Frust, Langeweile, Kummer, Traurigkeit, um sich Wohlgefühl zu signalisieren, um Warten zu überbrücken und besonders, um sich eine bestimmte Atmosphäre zu schaffen.

Kurz gesagt, sie hielt sich am Glimmstengel fest, als wäre er ihr Rettungsanker. Unbewußt zumeist, aber gewohnheitsmäßig fast ohne Unterlaß

Nach dieser Schlußfolgerung trugen wir gemeinsam Ideen zusammen, aus denen wir eine Strategie entwickeln wollten.
Die ersten Monate mußten so ausgefüllt werden, daß die Anwenderin weder zum Nachdenken kommen konnte, noch Zeit hätte, pausenlos zur Zigarette zu greifen.

3 Maßnahmen waren dafür angesagt. Diese richteten sich gegen die Sucht als solche, gegen Langeweile und gegen den Streß

Nun hört sich das etwas widersprüchlich an, denn Gabriele litt überhaupt nicht an Inaktivität. Wo sollte die Langeweile aufkommen? Vielmehr waren die Tage bisher randvoll angefüllt gewesen mit Hektik und Erledigungen.


Es ging jedoch jetzt darum, Beruf und Freizeit so zu gestalten, daß für die Glimmstengel wenig Zeit übrig war und dennoch der Tagesablauf in Harmonie kam.

Die Sucht
Ersatzloses Streichen kam nicht in Betracht. Also wurden Nikotinpflaster besorgt. Wir ermittelten einen Heilpraktiker in unserer Nähe, der Akupunkturnadeln in die Ohrmuscheln setzte. Bachblüten halfen durchzuhalten, und beim Japanischen Heilströmen fanden wir Punkte, die nun täglich zur Unterstützung geströmt wurden. Rauchsucht ist auch eine Handlungssucht. Es mußte demnach eine Ersatzhandlung her, die die Stelle des Raucher-Rituals einnahm.
Morgens gleich bereitete sich Gabriele dafür ein großes Glas mit rohem Gemüse zu, das sie in Portionen geteilt, in luftdichten Gefäßen überall in Büro, Haus und Auto plazierte. Immer dann, wenn die Regung aufkam, nach der Zigarette zu greifen, wurde eine Karotte (o.a.) gekaut.
Das klappte perfekt.

Langeweile und Frust
Dafür mußte nun der Terminkalender mit verschiedenen Aktivitäten gefüllt werden. Anmelden zum Fitneßcenter, Verabreden zu Wanderungen, zum Schwimmen, zum Bowlen, zum Joggen. Mit jeder Verabredung geht man schließlich eine Verpflichtung ein.
Meine Freundin stöhnte…!

Streß
Damit ein gesundes Gleichgewicht hergestellt würde zu der geplanten Körperertüchtigung, durfte die Besinnlichkeit nicht zu kurz kommen. Gemütliche Fernsehabende waren wegen „hoher Gefahrenquote“ vorläufig gestrichen. Dafür buchten wir Theaterabende oder mal einen Kinobesuch. Für Verabredungen langer Spaziergänge und Picknick am Wochenende blieben im Kalender Termine reserviert, die noch genau festgelegt werden mußten.
Alles wurde getan, um so einen Gegenpol zu dem anstrengenden Berufseinsatz zu installieren. Ablenkung, Kultur und schöne Gespräche sowie Aufenthalt in der Natur boten sich dafür an.
Wohlgemerkt: Für alles gab es feste Verabredungen, damit die Pläne nicht umgeworfen werden konnten.

Ob unsere Bemühungen von Erfolg gekrönt waren? Und wie!

Meine Freundin wollte ja unter allen Umständen von der Zigaretten-Sucht befreit werden. Da alle früheren (vagen) Versuche kläglich gescheitert waren, ließ sie sich, zunächst durchaus skeptisch, dann zunehmend engagierter, auf unser Konzept ein.
Als letzten Versuch sozusagen. Meiner Unterstützung dafür konnte sie sicher sein.
Ja, es gab auch Krisen. Aber durch gute Gespräche waren diese jedesmal zu überwinden.

Das ist jetzt etwa eineinhalb Jahre her. Gabriele raucht noch immer nicht. Sie fühlt sich wie neu geboren. Und nicht nur, weil es ihrer Gesundheit zuträglich ist, ihre Lungen nicht mehr mit Gift zu füllen. Sie ist super stolz, weil sie sich nun selbst überwunden hat.
Sie durfte feststellen, daß ausschließlich sie es war, die Entscheidungsfreiheit hatte. Das gibt ihr bis heute ein ungeheures Selbstbewußtsein.

Die Schlußfolgerung aus diesem Erlebnis ist, daß wir uns generell die guten Vorsätze schenken können, wenn nicht gleichzeitig eine Strategie erarbeitet wird, die das Gelingen ermöglicht

Beleuchten wir andere Beispiele

Ich sollte mehr Sport treiben…
Lassen Sie es nicht bei den Vorsätzen. Nehmen Sie sich ein Stündchen Zeit und überlegen genau, was Sie gerne machen würden. Suchen Sie sich engagierte Mitstreiter unter den Kolleginnen, Freunden oder per Zeitungsanzeige. Ermitteln Sie Adressen von Fitneßcentern, Sportvereinen, Gymnastikgruppen. Besorgen Sie sich Veranstaltungspläne von Volkshochschulen und Wandergruppen u.a.m.. Sie werden überrascht sein, wie vielfältig das Angebot für Sportliche, aber auch für gänzlich Ungeübte mit guten Vorsätzen ist.
Aber werden Sie jetzt gleich aktiv. Greifen Sie zum Telefonhörer und machen Sie sofort den Anfang, bevor der „innere Schweinehund“ Ihnen wieder einen Strich durch die Rechnung macht.

Jeder andere Vorsatz
kann auf die gleiche Weise Erledigung finden. Alles beginnt immer mit einer Bestandsaufnahme über Zeit, finanzielle Einsatzmöglichkeiten und vorhandene persönliche Voraussetzungen. Erst dann werden alle Ideen zu Papier gebracht, die sich anbieten, um die endgültige Strategie festzulegen. Dazu gehört auch die Suche nach geeigneten Helfern und Mitstreitern.
Es ist heutzutage für jeden jungen Menschen eine Selbstverständlichkeit, den eigenen Berufsweg zu planen und dafür viele Jahre zu investieren. Aber es geht dabei schließlich um den Lebensplan.

Jeder „kleine Plan“ jedoch bedarf ebenfalls einer deutlichen Zielsetzung und genau definierter Stationen, um realisiert werden zu können. Die Wunschäußerung alleine hat noch niemals eine Veränderung bewirkt.

Überlegen Sie also genau, welche Wünsche Ihnen wichtig sind. Machen Sie jeden von ihnen zu einem interessanten Projekt, auf diese Weise setzen Sie diesmal Ihre guten Vorsätze in die Tat um.

Artikel: Bioline-Magazin (Birgit Klüber)


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