Alfalfa (Medicago sativa) Champignon-Pfanne
Apr 07

Um unausgewogene Partnerschaften zu „heilen“, bedarf es weit mehr, als den Beteiligten eine Veränderung ihres Verhaltens zueinander anzuraten.
Sämtliche Paar-Therapien bleiben letztendlich ohne anhaltenden Erfolg, werden die wirklichen Ursachen für gelebte Muster nicht einbezogen.

Der Therapeut Bert Hellinger schreibt alle Schicksalsverstrickungen der Herkunftsfamilie zu.
Seine Methode des Familienstellens beleuchtet die „Wurzeln“ der Teilnehmenden.
Hier wird die Familienkonstellation geklärt. „Familien-Geheimnisse“ können aufgedeckt werden und Verstrickungen sich lösen lassen.


Meine persönlichen Erfahrungen mit dem systemischen Familienstellen
Voller Interesse hatte ich mich vor Jahren zu einem Seminar angemeldet, das da verhieß: „Ins Reine kommen mit den Eltern.“
Schließlich hatte ich schon von Bert Hellinger gehört und von seinen Thesen. Danach sei es Grundvoraussetzung für ein glückliches und gesundes Leben, die Beziehungen zur Herkunftsfamilie zu klären, Haß loszulassen und von Schuldzuweisungen abzusehen.
Das verlängerte Wochenende, an dem ich nun teilnahm, wurde von einer Schweizer Therapeutin geleitet. Und ich muß sagen, diese Tage mit ihr gehörten zu den beeindruckendsten meines Lebens.

Eine Gruppe von 12 Teilnehmern hatte sich zusammengefunden, um wie in einem Theaterstück zu agieren. Jeweils einer der Anwesenden durfte seine Familie „aufstellen“.
Dafür wählte er aus dem Kreis jeweils eine Person, die eines seiner Familienmitglieder darstellen sollte. Das waren Vater, Mutter, Geschwister und ggf. Großeltern, die dem Haushalt angehörten, oder Verwandte, wenn sie eine wichtige Rolle gespielt hatten. Auch Verstorbene, selbst wenn der Betroffene sie nicht gekannt hatte, konnten zu dem aufgestellten Kreis gehören. Zu den Ausgewählten zählten oftmals sogar uneheliche Väter oder gar ungeborene oder früh verstorbene Kinder.
Aber auch ein Stellvertreter/eine Stellvertreterin für die Hauptperson wurde bestimmt.

Diese Familienmitglieder wurden nun so zueinander gestellt, wie der Betroffene dies nach seinem Gefühl bestimmte. Die Hauptperson begab sich wieder zurück in den Kreis und beobachtete das Geschehen von außen.

Schon aus der getroffenen Anordnung konnte der Therapeut viel von der Familiensituation ablesen

Erst recht, wenn er die „Stellvertreter/in“ befragte oder die Akteure miteinander kommunizieren ließ.
Die Zuschauer waren seltsam gebannt.
Sie verstanden plötzlich.
Zusammenhänge wurden klar, vielen fiel es wie Schuppen von den Augen.
Das Seltsame war, daß die Akteure miteinander sprachen, als seien sie die Personen selbst, die sie doch nur darstellten. Sie „wußten“ um Ängste, Nöte und um Schicksale, als hätten sie sie selbst erlebt.

Bei späterem Befragen waren alle Beteiligten selbst erstaunt, „was aus ihnen heraussprach“

Die vermutete Erklärung ist eine nonverbale Kommunikation. Das Unterbewußtsein des Aufstellers hat seinen Darstellern genau die Fakten vermittelt, die ihm selbst gar nicht bewußt waren, die er für sich selbst auf diese Weise nicht hätte formulieren können. Und genau darin liegt die große Chance einer solchen Therapie.

Es wird mit Hilfe des Nachstellens der Familiensituation geklärt, wie es zu Blockaden und Verstrickungen im eigenen Leben kommen konnte. Zu Schicksalsknoten, die sich auch negativ auf Partnerschaften auswirken können

Der Therapeut korrigiert behutsam diese frühere Familienordnung, indem er die Darsteller an den ihnen gebührenden Platz stellt.
Der Hauptdarsteller nimmt dann wieder seinen eigenen Platz in der Familienrunde ein, der Vertreter setzt sich.
Auflösende Formulierungen, die von ihm nun aufgesagt werden, helfen, Problembeziehungen zu heilen.

So lernt er Haß und Vorwürfe loszulassen und ein eigenbestimmtes Leben zu führen.

Besonders beeindruckt hat mich die Stimmung während dieser Sitzungen. Jeder Anwesende spürte eine gespannte Aufmerksamkeit und war gleichzeitig tief bewegt. Alle nahmen voll Mitgefühl am Schicksal des anderen teil. Alle fühlten sich seltsam tief verbunden.
Dabei erlebte ich, wie für die Teilnehmer die Anschauung fremder Problematik mindestens genauso lehrreich war wie das Durchleiden des eigenen Familienschicksals.


Meine eigenen Erfahrungen mit dieser Methode fand ich ausgesprochen befreiend
So habe ich aus diesem Erleben mitgenommen, daß Eltern ihr eigenes Schicksal haben, das Kinder nichts angeht. Und Kinder dürfen, ja sollen ihren gänzlich eigenen Weg gehen.
Der Respekt für die Verstrickungen des anderen hilft, sich selbst zu lösen und das eigene Leben zu gestalten.


Familienstellen hilft auch Partnern

Mit dem Buch „Spielregeln der Partnerschaft“ hat Otto Brink ein hilfreiches Buch verfaßt.
Er beschreibt darin, wie durch Familienstellen nach Hellinger für Partner ein neues Verständnis füreinander entstehen kann. Das Erkennen der prägenden Muster kann helfen, das Verhalten des Anderen plötzlich zu begreifen.
Gemeinsam kann man daran arbeiten, Hemmungen und immer wiederkehrende Situationen aufzulösen und in harmonische Strukturen zu verwandeln.

Otto Brink ist ein erfahrener Arzt und seit fast 45 Jahren als Psychotherapeut tätig. Er hat in dem systemischen Familienstellen nach Hellinger eine Methode gefunden, die Betroffene oftmals innerhalb weniger Tage von quälenden Ängsten und Blockaden befreit. In der Psychoanalyse müssen dafür nicht selten Jahre aufgebracht werden.
Auf die Frage, ob eine solche Methode nicht ein wenig zu einfach wäre, antwortete Otto Brink lächelnd:
„Weshalb einen umständlichen und zeitraubenden Weg gehen, wenn eine einfache Methode das Ziel ebenfalls erreicht.
Und – Lösungen dürfen einfach sein.“

Autorin: Ingrid Schlieske

Buchtipps zu diesem Artikel:
Spielregeln der Partnerschaft
Vitamine für die Seele


Verwandte Beiträge:
  • Wirksamkeit von Geistigem Heilen
  • Geistiges HEILEN
  • Können Gedanken krank machen?
  • Heilpraktiker
  • Fallbeispiele Familienstellen

  • \\ tags: , ,

    Kommentar abgeben

    Bitte Einloggen um einen Kommentar abzugeben.