Können Gedanken krank machen? Fröhlichkeit ein hilfreicher Begleiter
Feb 22

Wie glücklich dürfen wir eigentlich sein? Wie glücklich können wir denn überhaupt sein? Gibt es wirklich nur die kurzen Augenblicke, die „Momente des Glücks“, die es möglich sind zu erfahren? Oder kann man tatsächlich über lange Strecken, vielleicht gar dauerhaft, dieses wunderbare Glücksgefühl erleben?
Zumeist betrachten die Menschen Glück als ein seltenes Geschenk, das einem zu-fällt. Unverdient zumeist.
Auf keinen Fall läßt es sich offenbar bewußt oder gar gewaltsam herbeiführen.
Es stellt sich doch nun zwangsläufig die Frage, wen es trifft, dieses scheinbar so launische Gefühl, das wir alle als das intensivste Empfinden überhaupt kennen?


Unser Streben aber gilt genau diesem Höhepunkt, der ein Schicksal erst adelt.
Wir wollen es möglichst oft erleben.
Ich selbst war mir früher absolut sicher, daß Glücksgefühle ausschließlich Empfindungsblitze sind, daß sie nur Bruchteile von Sekunden ausmachen oder ein klitzekleines bißchen länger. Es kam mir nicht in den Sinn anzunehmen, man könne vollkommen glücklich etwa einen ganzen Tag erleben.
Heute weiß ich: man kann durchaus. Die Gedankenumkehr dazu vollzog sich bei mir Schritt für Schritt. Vor allem durch ein Schlüsselerlebnis, das meine bisherigen Erfahrungen gänzlich auf den Kopf stellte.
Mein Zuhause liegt in einem kleineren Dorf im Mittelgebirge. Es ist umgeben von Wiesen, Äckern und Wäldern. Die Menschen hier sind sehr fleißig und strebsam. Sehr leichtlebig und sinnenfroh sind sie dagegen in der Regel nicht. Das mag mit der harten Arbeit und mit dem Bestellen der Höfe und der hier sehr steinigen Felder zusammenhängen. So dachte ich jedenfalls, bis ich eine alte Freundin wieder traf, die so gar nicht in dieses Bild passen wollte, das ich mir aus früheren Zeiten bewahrt hatte.
Ganz sicher lag das an dem Bauern, den diese Freundin von mir geheiratet hatte.
Die beiden wohnten nur mehrere Dörfer entfernt und wir waren uns seither nicht mehr begegnet. Unverhofft traf ich dann meine ehemals so vertraute Gefährtin. Ich war überrascht, wie jung und hübsch Traute, so hieß sie, jetzt aussah. Sie erzählte mir gleich von ihrer großen Familie und lud mich zum Sonntagskaffee ein. Neugierig machte ich mich also mit meinen 2 damals noch kleinen Töchtern auf den Weg.

Noch heute, wenn ich an diesen Besuch denke, bin ich beeindruckt von meinem damaligen Sonntagserlebnis.
Ich hatte tatsächlich nie vorher eine anscheinend so rundum glückliche Familie getroffen. Um den großen, runden Holztisch, der schlicht mit einem Feldblumenstrauß, einer Kerze und einem duftenden Napfkuchen geschmückt war, saßen meine Freundin und ihr Mann, 5 Kinder und die Schwiegereltern. Alle strahlten, sprachen lachend durcheinander und nahmen mich und meine Kinder sofort freundlich in ihre Mitte. Es fiel mir auf, wie liebevoll alle miteinander umgingen und wie harmonisch die häusliche Atmosphäre war.
Nach der lärmenden Kuchenveranstaltung wurden die Kinder zum Toben nach draußen entlassen. Die Großeltern zogen sich zurück.
So hatte ich Gelegenheit, mit dem Ehepaar in Ruhe bei einem Likörchen beisammen zu sitzen.
Ich, die ich gerade eine Scheidung hinter mir hatte, fragte sehr direkt und zugegebenermaßen etwas neidvoll: „Euch schaut ja das Glück aus allen Knopflöchern.
Seid ihr immer so glücklich, oder hebt ihr euch das für die Sonntag Nachmittage auf?
Schließlich habt ihr 5 Kinder, einen Bauernhof, Kühe, Schafe, Hunde, ein großes Haus und Arbeit ohne Ende. Wie also macht ihr das? Die Beiden sahen sich lächelnd an. Andreas, so der Name des Angetrauten, sagte einen kleinen Satz, der mir seither nicht mehr aus dem Kopf geht: „Wir sind es gewöhnt glücklich zu sein und wir haben allen Grund dazu.“
Traute stimmte ihm zu und fügte an: „Und weil er immer so glücklich war, bin ich heute auch sehr glücklich. Stück für Stück habe ich schlechte Laune und Mißmut abgelegt. Ich habe mir einfach auch angewöhnt, immer glücklich zu sein.“
Nun wollte ich es genau wissen. Sollte man es tatsächlich lernen können, glücklich zu sein? Es gibt doch Tiefs im Leben und Arbeit, die einem einfach über den Kopf wächst. Und Schicksalsschlägen kann man doch auch nicht ausweichen. Ich fragte: „Wie aber geht es Euch in einem solchen Fall?


„Doch, Glücklichsein kann man schon üben.“ „Wir erzählen uns z. B. täglich, weshalb wir Anlaß haben, glücklich zu sein. Da sind die Kinder, die gesund sind und fröhlich. Wenn eines mal krank ist, sind wir dankbar, daß es wieder genesen ist. Und wir haben ein schönes Haus. Beide Schwiegereltern sind sehr nett. Auf die Geschwister können wir zählen. Das herrlichste Essen können wir kochen. Die Landschaft um uns herum ist einzigartig. Der Sonnenuntergang berührt die Seele immer wieder neu, genauso wie ein Sonnenaufgang. Wenn es regnet freuen wir uns, daß es trocken und warm ist in unserem Haus. Die Arbeit geht uns leicht von der Hand. Ach es gäbe so viel aufzuzählen, worüber wir uns jeden Tag freuen können.
Wichtig aber ist: Wir sagen uns das ganz regelmäßig und bewußt, damit wir nicht vergessen, wie schön und erfüllt unser Leben ist. Und wir sind glücklich darüber, daß sich die Freude durch das gemeinsame Erleben noch verstärkt.
Beschämt schwieg ich.
Ich begriff urplötzlich, wie wenig ich bislang über die guten Zeiten in meinem Leben nachgedacht hatte.
Dafür räumte ich den beklagenswerten Dingen bisher viel zu viel Platz ein. Ja, ich kam schon sehr ins Grübeln. Es ist sicher nicht übertrieben, wenn ich heute behaupte, daß dieses schlichte Gespräch mit meinen Freunden, und das sind sie heute, mein Denken über das Glücksempfinden vollkommen verändert hat.
Seitdem betreibe ich sogar eine Art von Glücksforschung.
Das Gebet hat seither zum Beispiel eine gänzlich andere Bedeutung für mich. Heute weiß ich, daß es wichtige Signale an das Unterbewußtsein gibt.
Ich danke heute täglich für das Essen auf meinem Teller z.B. Ja, ich mache mir auf diese Weise bewußt, daß es nicht selbstverständlich ist, daß ich mir täglich meinen Bauch fülle. Und ich nehme auf diese Weise viel intensiver wahr, was mir gerade Leckeres aufgetafelt ist.

Danken und Wahrnehmen aber ist untrennbar mit dem Begriff Genießen verbunden.
Buddhisten üben es, den Duft von Tees ganz in sich aufzunehmen. Sie fühlen das Porzellan der Tasse, sie sinnen dem Schluck …. nach, sie genießen das köstliche Aroma. Sie setzen also alle Sinne für diese eine Handlung ein. Sie lernen und üben, ganz bei der Sache zu sein und sie vollkommen wahr – zu nehmen.
Bewußtmachen ist also das Geheimnis?
Wer die Dinge des Alltags bewußt und voller Freude zur Kenntnis nimmt und bereit ist sie zu genießen, wird bald für sich erkennen, wieviel Freude sie ihm machen.
Wie war das mit dem erst kürzlich lang ersehnten Auto? Bescherte es Ihnen andauerndes Glück? Es war dann da und eigentlich verschwendete man dann kaum noch einen Gedanken daran. Es war zum gewohnten Selbstverständnis geworden.
Es geht aber auch ganz anders und ich garantiere Ihnen, wenn Sie es bewußt angehen, freuen Sie sich über Ihren PKW noch viele Jahre.
Nehmen Sie doch jedes Mal wahr, wenn Sie einsteigen. Richten Sie Ihre Augen auf die schöne Farbe, auf den glänzenden Lack, auf die wohlgeformten Armaturen. Streichen Sie über das Material der Sitze, hören Sie auf den Klang des Motors, nehmen Sie den Fahrtwind wahr und – lächeln Sie. Ich höre schon Ihren Einwand: „Aber das ist doch nur Blech…!“
Ja klar, aber das Auto ist nur ein einziges Beispiel von unzähligen alltäglichen Möglichkeiten. Wir sind umgeben von Dingen und Menschen, die wir als selbstverständlich „konsumieren.“ Statt dessen können wir sie durchaus genießen. Doch Genuß hat das Bewußtmachen zur Bedingung. Es bedarf schon einiger Trainingseinheiten, bevor es ganz leicht fällt, sich immer, oder ganz oft sehr glücklich zu fühlen. Je öfter man dieses Hochgefühl jedoch hereingelassen hat in sein Leben, desto einfacher ist es, es bei jeder Gelegenheit abzurufen.

Glück kann man mit dem Herzen und vom höchsten Scheitelpunkt bis in die Zehenspitzen spüren.
Mit der Seele also und mit dem ganzen Körper. Aber eben nur dann, wenn man dieses gute Gefühl zuläßt und wenn man Glücklichsein gewöhnt ist.
Ist Glück also trainierbar? Auf jeden Fall!
Wer Glücklichsein nicht zum festen Bestandteil seines Lebens macht, hat das versäumt.

Wer dagegen sein Glück trainiert, erwartet vom Leben das Beste für sich. Die Belohnung ist großer Reichtum (innerer und äußerer übrigens auch).

Buchtip: Flow: Das Geheimnis des Glücks

Ein Glücksgefühl ist tatsächlich Gewohnheitssache und von Glückserfahrung zu Glückserfahrung leichter erreichbar. Es kann regelrecht installiert werden und wird so zum andauernden Glücklichsein führen.
Vergleichbar ist dieses System umgekehrt z. B. mit dem Schmerzgedächtnis des Körpers. Laufend erfahrener Schmerz führt zu Gewohnheitsschmerzen, die sich sogar fortsetzen, wen wenn die Schmerzursache entfällt. Der Körper ist es gewöhnt, Schmerzen zu haben. So entstehen oft chronische Schmerzen.
Durch Schmerztraining lassen sich diese Zustände unter Umständen ausschalten oder zumindest bessern. Die Systeme der Menschen sind also trainierbar. Sie lassen sich durchaus verändern, wenn man bereit ist, eine entsprechende Trainingsstrecke zu gehen. Dazu empfehlen sich z.B. Seminare für positives Denken.

Artikel: Bioline-Magazin.de


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