Kreatives Denken heißt, Erfolgstraining zu praktizieren Familienplanung - Der Tag braucht einen Rahmen
Mrz 13

Meine kuriose Bekanntschaft mit Sport oder „Sport wider Willen“ und dem genialen Trennkostkonzept
Was ein Glück, daß es unbestritten kluge Leute waren, die mir ein so feines Alibi lieferten.
Churchills berühmter Ausspruch „no sports“ unterstützt diese meine Ideologie.
Ideologie? Eigentlich nicht. Ich war schlicht und einfach unsportlich. Und das war ich schon als Kind. Seltsamerweise gab es eine Ausnahme.
Bei uns daheim hing im Türrahmen zwischen Wohnzimmer und Küche ein Reck. Und ich pflegte daran zu hängen. Kopfüber näm-lich und sehr ausdauernd. Es fiel mir auch keineswegs schwer, mich in wundersamen Rollen und Aufschwüngen auf den schaukeln-den Stab zu befördern oder mich auf virtuose Weise wieder auf den Boden der Tatsachen zu bringen. Auf meine Füße nämlich.


Meine Großmutter befand sich immer in hellster Aufregung, wenn ich an einer Kniekehle zwischen dem Türrahmen hin- und her-schaukelte. Sie fürchtete, mein Hirn könnte Schaden nehmen. Denn gesund konnte doch der ewige Kopfstand in der Luft nicht sein.
Nein, sichtbare Schäden konnten nicht festgestellt werden. Aber glänzen konnte ich mit meinen artistischen Fähigkeiten am Reck so gut wie nie. Wo gab es in der Schule schon Arbeit am Reck.
Also galt ich weiterhin als sportlich völlig untalentiert.
Auch ich selbst war der festen Überzeugung diesbezüglich gänzlich ohne jede Fähigkeit zu sein. Das Reck im Türrahmen war für mich auch weniger ein Sportgerät, als vielmehr mein Vergnügungsinstrument!

So prangte dann auch in schönster Regelmäßigkeit auf meinem ohnehin nicht bemerkenswerten Zeugnis als schlechteste Zensur die Sportnote

Hatte ich mich damit abgefunden? Es war eben einfach so. Basta. Jeder hat so seine Schwächen. Und ich war eben unsportlich.
Später kam der Beruf, dann Familie, Kinder und Beruf und sowieso kein Gedanke mehr an Sport. Schließlich mußte ich genug umherrennen. Das war Sport genug.
So vergingen die Jahre. Ich muß nicht erwähnen, daß sie ohne Sport vergingen. Als die Kinder dann alle das Nest verlassen hatten, fiel ich, wie viele Mütter, erst einmal in ein tiefes Loch. Ich fühlte mich regelrecht entleibt. Vorher war ich als alleinerziehende Mutter der Manager des Familiengefüges. Oh, wie oft hatte ich unter dieser Last gestöhnt. Und jetzt, da sie von mir genommen war, vermißte ich sie schmerzlich.
Vor lauter Frust futterte ich mir dafür eine andere Last an. Ich fügte meinen Überpfunden noch ein weiteres ordentliches Päckchen an.
Und daran hatte ich reichlich zu tragen. Jetzt mit knapp 50 Jahren spürte ich unter dieser Last die Gelenke krachen. Rückenschmer-zen hin, Rheumabeschwerden da. Etwas Gicht in den Fingern, Halswirbelsyndrom, Magenbeschwerden, Darmprobleme. Ja, und der Blutdruck war manchmal schon beängstigend hoch.

Plötzlich hatte ich das Gefühl, es knirscht ganz heftig im Gebälk. Meldete sich jetzt das Alter? So früh schon?

Hatte ich mir in der Vergangenheit zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt? Die früher immer mal wieder aufgetretenen Warnzeichen waren wohl ignoriert worden. Ich hatte eben einfach keine Zeit.
Nun saß ich da in meinem Elend. Medikamente halfen wenig, das mußte ich bald erfahren, erst recht nicht gegen die zunehmende Traurigkeit.

Was mir dann wirklich half, war der Sport

Ja, Sie lesen richtig. Ich bin heute nämlich recht sportlich. Na gut, eher gemäßigt sportlich. Aber immerhin. Und das kam so:
Meine Kollegin Erika, von der ich wußte, daß sie einen ewigen Kampf gegen ihre Pfunde führte und absolute Expertin auf dem Diätsektor war, sprach mich eines Tages auf meine Gewichtszunahme an. Sie wollte sich gerade zu einem Aktivurlaub anmelden und dort mit Trennkost ein paar Pfunde abspecken. Sie meinte, ich sollte doch einfach mitfahren.

Aktivurlaub? Ich winkte ab. „Nichts für mich, ich bin hoffnungslos unsportlich“

Aber meine Kollegin ließ nicht locker. Sie wies mich auf die Informationsschrift hin. Da stand: „Sport für Sportliche und Ungeüb-te.“
„Na gut, dachte ich, Du wirst es schon überstehen.“ Außerdem konnte ich mich sicherlich aus dem Schlimmsten heraushalten. Aber daß auch ich etwas unternehmen mußte, war schon klar. Ich war schließlich dick und wurde immer dicker, dabei unbeweglich wie ein Nilpferd. Daß ich mich damit nicht wohl fühlte, lag auf der Hand. Vielleicht ließe sich ja tatsächlich etwas verbessern.
Also pilgerten wir los.

Angekommen in dem winzig kleinen Kurörtchen in Hessen, sollte die Marter gleich beginnen.
Es ging ja noch an, daß bei 1000 Kcal. täglich sich doch gelegentlich ein flaues Gefühl im Magen einstellte. Das jedoch verschwand nach nur wenigen Tagen.

Nur das Ächzen beim Sport, das hielt noch eine ganze Weile an

Mit meinem Vorsatz, es langsam angehen zu lassen, klappte es überhaupt nicht. Es fing vielmehr äußerst unangenehm damit an, daß das Fitneßcenter ganze 2,7 km vom Hotel entfernt lag. Also war Wandern angesagt. Hügel rauf, Hügel runter. Der erste Kilometer ging ja noch. Aber dann schleppte ich mich etwas mühsam hinter der Gruppe her. Endlich am Ziel, war eine kleine Verschnaufpau-se vergönnt. Angesagt war als erstes eine Wirbelsäulengymnastik und dann gleich die „5 Tibeter“, das sind asiatische Übungen, die Beweglichkeit und Hormonausschüttungen bewirken sollen.
Diese ganze Trainingseinheit fand mitten in einem Fitneßcenter statt. Mißtrauisch beäugte ich die uns umgebenden Geräte, Hanteln und Gewichte.
„Na, wir werden doch nicht etwa…?“
Oh ja, wir mußten! Denn nun stellte die Übungsleiterin uns an die Maschinen. Sie erklärte, welche Muskelgruppen mit den einzel-nen Gewichtszügen gestählt würden und was genau das für die Knochen, Gelenke, ja das gesamte Skelettsystem für eine Bedeutung hätte.

Eine Stunde zunächst absolvierte ich die vorgegebenen Kraftakte mit allerkleinsten Gewichten. Mir allerdings erschienen sie bleischwer. Ich hing in den Geräten wie ein nasser Sack, und genauso fühlte ich mich


Drei ganze Wochen sollte ich mich täglich einer solchen Quälerei unterwerfen? Nein, das konnte ich nicht schaffen. Ich würde passen. Nur zu gerne hätte ich auf der Stelle auch alle anderen guten Vorsätze über Bord geworfen. Aber da war schließlich Erika. Sie mühte sich gerade eifrig an einer Beinmaschine ab, die die Oberschenkel kräftigen sollte.
Und danach wieder der ellenlange Heimweg.
Auch danach gönnte man uns keine Ruhe. Die Trainerin scheuchte die Truppe gleich ins warme Sole-Bewegungsbad, damit der gefürchtete Muskelkater uns nicht zu schaffen machte. Ein kärgliches Mittagessen konnte auch wenig Trost bieten, und dann end-lich, endlich - Mittagsruhe.
Nach einem Schläfchen, das länger als erwartet dauerte, fühlte ich mich seltsam gut. Ich streckte meine Glieder. Kaum Muskelkater. Am Folgetag pilgerte ich dann schon etwas weniger verdrossen in Richtung Sportstätte.

Was soll ich sagen. Nach einer Woche freute ich mich auf den Sport von morgen. An den Wochenenden vermißte ich direkt die Exkursionen

Ich spürte bei den gymnastischen Übungen, wie von Tag zu Tag meine Gelenkigkeit zunahm. Nie und nimmer hatte ich damit in meinem (hohen) Alter gerechnet.

Von wegen unsportlich

Mit Bravour erledigte ich bald alle Kraftübungen an den Maschinen. Ich konnte gar nicht genug davon bekommen. Oft war ich sogar versucht, viel zu hohe Gewichte zu bewegen. Die Seminarleiterin machte uns immer wieder klar, daß es darauf gar nicht an-käme. Vielmehr würden große Gewichte dem Ungeübten nur schaden, ihm keinerlei Nutzen bringen. Aber ich war doch schon geübt, oder?
Na ja…!
Interessant ist für mich nun heute, daß ich die Körperertüchtigung jetzt so gerne betreibe, und das bei diesem “kuriosen” Einstieg!

Sicherlich wird aus mir keine Sportlerin mehr. Nicht wirklich.
Aber sportlich fühle ich mich seither

Bis heute haben gemäßigte sportliche Betätigungen einen festen Platz in meinem Leben.
Ich habe drei wichtige Dinge gelernt in meiner Kur:
1. Es ist tatsächlich nie zu spät, um noch mit dem Sport zu beginnen.
2. Ich erfahre durch sportliche Aktivitäten ein Körpergefühl, das ich so intensiv vorher nicht kannte.
3. Sport nutzt meiner Gesundheit auf allen Ebenen
So durfte ich dann nach 3 Wochen, von denen ich geglaubt hatte, sie würden mir viel zu lang werden, überglücklich heim reisen. Ganze 10 kg hatte ich durch Ernährungsumstellung abgenommen. Aber das Beste war, daß ich mich jetzt so gut fühlte, wie viele, viele Jahre nicht mehr.

Ich hatte verstanden, daß Medikamente eine gesunde Ernährung und sportliche Bewegung nicht ersetzen können

Zugegeben, auch jetzt zwickt und zieht es manchmal in meinem Knochengerüst. Wenn ich das spüre, stelle ich aber heute grund-sätzlich die erste Frage an mich selbst: “Genug Bewegung? Richtig gegessen?” Oftmals lassen sich die entstandenen Defizite durch die Regulierung dieser zwei Punkte rasch beheben.
Meine persönliche Schlußfolgerung aus eigenem Erleben sieht so aus:

Es ist ganz und gar nicht so, daß es unsportliche Leute gibt. Viele halten sich für unsportlich und lernen ihre Möglichkeiten nicht einmal kennen, weil sie diese für ausgeschlossen halten

Übrigens gehe ich heute zweimal wöchentlich regelmäßig in ein Fitneßcenter für Frauen. Dort habe ich nicht nur nette Mitstrei-terinnen gefunden, sondern auch genau die kleine Verpflichtung, die man so braucht, um den inneren Schweinehund in der Regelmäßigkeit zu überwinden, wie ich mir das für meine Gesundheit vorgenommen habe

Sport macht Spaß. Probieren Sie‘s doch auch mal aus

Artikel: Bioline-Magazin (Susi Ischl)


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