Haben Sie auch so große Probleme damit, Geschenke anzunehmen?
Vor einigen Wochen besuchte ich gemeinsam mit einem Bekannten, dem Heilpraktiker Oliver W., ein Weiterbildungsseminar.
Eine der Pausen dort nutze ich für ein persönliches Anliegen, das ich an meinen Bekannten richtete. Ich wußte, daß er in seiner Naturheilpraxis bevorzugt Bachblüten zur Heilung oder zur gesundheitlichen Unterstützung bei seinen Patienten anwandte. Staunend hatte ich oftmals zur Kenntnis genommen, wie hilfreich solche kleinen Maßnahmen sein können. So Behandelte haben mir selbst, oder Leuten, die ich kenne, davon berichtet.
Also sprach ich Oliver W. direkt darauf an. Etwas scherzhaft bat ich ihn, seine „Wunderblüten“ doch auch einmal bei mir anzuwenden. Leicht tadelnd erklärte er mir, daß es sich bei Bachblüten keineswegs um eine Heilweise handeln würde, die in den Bereich von Fabeln oder „Wunder“ gehören würde, wie ich mich beliebte auszudrücken. Vielmehr könne er selbst auf ernst zu nehmende Heilerfolge in seiner Praxis zurückblicken. Und das bei zwischenzeitlich unzähli-gen Patienten.
Versöhnlich versicherte ich ihm, daß ich mich ja an ihn wenden würde, weil ich mir Hilfe von ihm erhoffte. Ich litt seit geraumer Zeit sehr an Nervosität und Unruhezuständen. Ich könne abends nicht mehr recht abschalten, schrecke nachts auf, und schlafe nur noch mühsam danach ein. Morgens dann fühle ich mich wie „gerädert“.
Gleich nach meinen Ausführungen stürzte mein Bekannter hilfsbereit ans Telefon und ließ sich von seiner Frau einen ganzen Stapel (!) Fragebögen zufaxen. Diese bat er mich durchzusehen und auszufüllen. Er würde mir dann gleich von seiner Praxis aus eine Mi-schung der passenden Bachblütentropfen zusenden. „Danke, Oliver“ sagte ich, „vergiß nicht, mir eine Rechnung mitzusenden.“
„Nein Birgit, bekam ich zur Antwort, die Bachblüten will ich dir zum Geschenk machen.“
„Kommt gar nicht in Frage,“ sagte ich. „Dann mache ich das eben auf andere Weise wieder gut.“ Nachdenklich und etwas ärgerlich sah mich mein Bekannter an. Und ich ging ebenfalls etwas nachdenklich in mein Hotel. Nur zu genau wurde mir wieder einmal vor Augen geführt, was ich sehr gut als Schwachpunkt bei mir kannte.
„Du kannst nicht nehmen“, dachte ich. „Da überreicht dir jemand ein Geschenk und du weist es zurück. Wie muß er sich jetzt fühlen. Ja genau: zurückgewiesen“
Was spielt sich in uns ab, wenn wir uns genauso verhalten, wie ich es eben aus meinem Erleben geschildert habe?
Ist es Erziehung?
Ist es uns noch im Ohr: Geben ist seliger als Nehmen? Oder die mahnende Stimme der Eltern: bleibe ja niemanden etwas schuldig?
Und da das Schicksal seine Lehrstücke ja solange anwendet, bis man sie ganz verstanden hat, wurde mir mein Defizit kurz darauf gleich noch einmal vor Augen geführt.
Einer meiner Kunden machte mir ein Kompliment über mein Aussehen. Rasch wiegelte ich ab: „Ach nein, ich habe doch kaum geschlafen heute Nacht, das kann also gar nicht sein.“ Am Abend arbeitete ich dann einen Vortrag aus. Das Thema: Das Bewerten der eigenen Leistung. Plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen. „Du bist betriebsblind!“
Ja, in meinen Seminaren und bei meinen Kunden habe ich den „diagnostischen Blick“. Wie aber muß ich mich dann selbst, ganz unbewußt freilich, sehen, wenn ich finde, daß ich die Komplimente und die Geschenke nicht wert bin, die mir gemacht werden.
Seither trainiere ich ganz bewußt positiv auf Lob, Anerkennung, ja auch auf Bewunderung zu reagieren. Ich lächle jetzt sichtlich erfreut und antworte: „Danke, das freut mich!“
Ich bin dann jedesmal überrascht, wie leicht mir das von den Lippen geht. Und genauso gelingt es mir immer öfter.
Als ich endlich das versprochene Bachblütenpäckchen erhalten hatte, ohne Rechnung versteht sich, rief ich postwendend meinen Heilpraktikerfreund an. Ich entschuldigte mich für mein damals echt blödes Verhalten und sagte ihm, daß ich sein Geschenk selbstverständlich liebend gerne annehme. Er lachte und verriet mir, daß er echt sauer auf mich gewesen war. Er dachte, „sie ist stark, das weiß ich, aber ich gebe ihr keinesfalls nach“.
Man stelle sich die Situation für den Schenkenden einmal bildlich vor: Freudig wird einem das Geschenk von ihm entgegengehalten in der Erwartung, daß der Beschenkte hoch beglückt ist. Doch dieser nimmt es einfach nicht an. Peinlich und demütigend für den Menschen, der uns etwas Liebes tun wollte, nicht wahr?
Vor diesem Hintergrund ist es dringend notwendig, das Annehmen zu ü b e n
Und glauben Sie mir: Nehmen ist sehr genüßlich, weil es die Seele wärmt.
Am besten, Sie probieren das bei nächster Gelegenheit gleich einmal aus.
Autorin: Birgit Seufert
Meridian-Energie-Therapeutin
Erziehungsberatung
Ernährungsberatung nach dem Trennkostkonzept
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