Die Aubergine ENTSPANNUNG total
Mai 10

Die Jahreszeit trägt viel zum Glücklichsein bei, wenn, ja wenn man die Signale wahr-nimmt…
Mir ist so unruhig und kribbelig. Eigentlich weiß ich gar nicht so recht warum. Irgendwie fühle ich mich so leicht, so aufgekratzt, so flatterig.
Ob das die berühmten Frühlingsgefühle sind, von denen alle Welt spricht?
Ich frage meine Arbeitskollegin Tatjana, aber von der kriege ich als Antwort nur einen „Bist Du noch ganz dicht?-Blick“.
Na ja, nach Frühling sieht es wirklich nicht direkt aus. Leichter Nieselregen klopft ans Bürofenster, die Wolken zeigen sich seit Tagen in einem langweiligen Grauton, und überhaupt hat dieses trübe Wetter ja wohl nur wenig mit Frühling zu tun.
Trotzdem, aus unerklärlichen Gründen sticht mich anscheinend der Hafer.


Ich fühle mich glücklich, übermütig und könnte Bäume ausreißen

Als ich anfange leise zu summen, ertappe ich mich plötzlich dabei, wie ich ein (mir damals sicherlich verhaßtes) Gedicht aus meiner Schulzeit vor mich hin murmele:

Frühling läßt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte;
süße, wohlbekannte Düfte streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon, wollen balde kommen.
Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja Du bist’s! Dich hab ich vernommen!”
(E. Möricke)

„Das ist ja nicht auszuhalten, kannst Du mal die Klappe halten, so kann ja kein Mensch arbeiten“, dröhnt Tatjana ungehalten zu mir herüber und verschwindet ärgerlich in die Frühstückspause.
Einen Moment lang bin ich ein wenig betroffen über diese unfreundliche Reaktion, jedoch wische ich meine trüben Gedanken gleich weg und treffe eine fröhliche Entscheidung. Wenn ich doch ganz sicher bin, daß der Frühling schon da ist, auch wenn man ihn noch nicht recht sieht, dann soll Tatjana auch ein wenig davon haben.
Ich würde sie ganz einfach frühlingshaft überraschen. Ich schlüpfe also in meine Wolljacke, die Kaffeepause fällt heute für mich aus, es gibt Wichtigeres zu tun.
Ich gehe zu meinem Marktstand um die Ecke. Die Blumenfrau Silvie begrüßt mich mit ihrem strahlendsten Lächeln. Ja, hier ist der Frühling wirklich schon ausgebrochen, wie soll ich mich denn da entscheiden, bei solcher Blumenpracht: Tulpen, Osterglocken, Krokusse, blühende Kirschzweige,… Ich nehme einen Strauß mit bunt gemischten Tulpen, eingepackt in orangenes Seidenpapier – ein Traum.
Dann kaufe ich noch schnell zwei Kanapees mit Frühlingsquark und Radieschen beim Feinkoststand, frisch gepreßten Orangensaft und zwei sündhaft teure belgische Pralinétörtchen.

Mal sehen, ob der Frühling nicht doch endlich seinen Einstand in unserem Büro geben kann

Ich habe Glück, Kollegin Tatjana ist noch nicht da. Schnell schiebe ich einige Papiere zur Seite, dekoriere unseren Schreibtisch um in eine Frühlingsfesttafel und verschwinde noch mal kurz zur Toilette.
Als ich nach einigen Minuten wieder in unser Büro komme fällt mir eine lachende Kollegin um den Hals. „Jetzt verstehe ich, was du verrücktes Huhn meinst mit Frühlingsgefühlen“ sagt sie. Dann lassen wir es uns erst mal schmecken. Wir spinnen ein wenig herum und erzählen uns gegenseitig, was uns zum Thema Frühling einfällt.
Das Fazit dieser Unterhaltung ist:

Es reicht nicht, daß der Frühling im Kalender steht – man muß ihn auch freudig zulassen…!


Frühling ist’s
Die Tage werden länger, die Sonne scheint, die Temperaturen steigen langsam an, der Himmel zeigt ein strahlendes Blau, die Natur erwacht zu neuem Leben. Wir fühlen uns plötzlich wie Teenager, schwärmen für verrückte Dinge, ziehen uns farbenfroh und durch-aus auch ein wenig sexy an. Wer Single ist, bekommt vielleicht das untrügliche Schmetterlings-Gefühl und Sehnsucht nach einem Liebes-Partner. Wissenschaftler erklären das damit, daß vermehrtes Tageslicht in unserem Körper einige chemische Prozesse aus-löst. Durch ein Absinken des Melatoninspiegels im Blut z.B. erhöht sich die Funktion der Geschlechtsdrüsen.
Wer sich davon nicht beeindrucken lassen will, lenkt diese Energien vielleicht um, flitzt mit den Rollerblades durch die Parks, geht joggen oder macht einfach einen langen Spaziergang.
Wer aber dem Ruf der Hormone folgen will, der sei vorbereitet, denn hier ist der erste Schritt getan für eine weitere Veränderung der Chemie. Der Körper schüttet weitere Stoffe aus. Dann aber heißt es aufpassen, denn nicht umsonst sagt der Volksmund: „Liebe macht blind…“, „der ist verliebt und sieht alles durch die rosarote Brille…“, „die schweben im siebten Himmel…“

Das ist schon so eine Sache mit der List der Natur. Da wird eine winzig kleine Portion Hormone ausgeschüttet und peng, ist es passiert…

Artikel: Bioline Magazin (MariaGabriela Thy)


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