Mangold Das Handy die unterschätzte Gefahr
Mai 13

Heute möchte ich Ihnen gern etwas von mir erzählen. Ich habe vor drei Jahren ein Haus in der Altmark gekauft, um dort meine Seminare abzuhalten und meine Beratungssitzungen zu geben.

So ein Haus bringt viel Arbeit mit sich und vieles mußte renoviert werden.
Der Garten glich einer Wüste und die Wände in jedem Zimmer benötigten einen komplett neuen Putz.
Ich arbeitete so viel wie nur möglich, und immer wieder hatte ich ein neues Projekt vor Augen, von dem ich meinte, daß es unbedingt sofort verwirklicht werden mußte.
Ich trieb mich selbst an, um einen einfachen Fitneßraum zu bauen, dann eine schöne Ecke im Garten, dann ein gemütliches Fernsehzimmer, dann wieder eine andere schöne Ecke im Garten, und die ganze Zeit wunderte ich mich dabei über mich selbst.


Was war mit mir los? Warum hatte ich ständig das Gefühl, dieses neue Projekt müsse unbedingt fertig werden, warum drängte ich wie verrückt, daß ich einen Wintergarten bekäme, was war das für eine innere Unruhe, die mich so antrieb? Und dann endlich erkannte ich es:

Ich suchte die ganze Zeit nach meinem inneren Frieden, den ich seit dem Kauf des Hauses glattweg verloren hatte

Jeder, der selbst schon einmal ein Haus renoviert oder gebaut hat, kennt dieses Phänomen. Eben noch ist man ein gelassener, friedlicher Mensch und plötzlich bricht das Chaos aus und man hetzt von einer Aufgabe zur nächsten, sorgt sich wegen unerwarteter Rechnungen, nicht gelieferter Materialien oder der fehlerhaften Ausführung einer Arbeit.
Alle diese Räume, die ich immer glaubte, unbedingt sofort erschaffen zu müssen, hatten diesen einen gemeinsamen Nenner: Es sollten Räume des Friedens werden.
Ich hatte mir dafür vorgestellt, wie gut es mir gehen würde, wenn ich jeden Tag ein wenig Sport in meinem Fitneßraum treiben könnte.
Dann wieder sah ich mich in der schönen Gartenecke sitzen und Kaffee trinken.
Als nächstes erträumte ich mir ruhige Stunden im Fernsehzimmer.
Und schließlich wünschte ich mir, an einem regnerischen Herbsttag in meinem warmen Wintergarten den Regen beobachten zu können.

Es war mir gar nicht aufgefallen, aber ich hatte die ganze Zeit versucht, mir Räume des inneren Friedens zu erschaffen, in denen ich endlich wieder zur Ruhe kommen konnte

Das aber klappte nicht.
Als die Terrasse fertig war, saß ich dort voller Unruhe und plante schon wieder das nächste Projekt.
In der Gartenecke und im Fitneßraum ging es mir genauso.

Und endlich begriff ich: Der Frieden findet sich nicht in diesen Räumen, wenn ich ihn nicht in mir trage

Wie aber Frieden finden, wenn um mich herum so ein Renovierungssturm tobt?
Als ich das erkannte und mich endlich dem eigentlichen Thema widmete, nämlich genau dieser Frage, wie ein Mensch seinen inneren Frieden finden kann, da wurde mir vieles klar.
Wir Menschen werden, solange wir leben, niemals einen ruhigen Ort, sozusagen „außerhalb des Lebens“ finden, an dem es friedlich ist. Das Leben ist immer und die ganze Zeit lebendig. Es tobt um uns herum, egal, wie sehr wir uns darum bemühen, Ruhe zu erschaffen.
Telefone klingeln, Menschen kommen an die Tür, unsere Kinder fordern unsere Aufmerksamkeit, Einkäufe müssen getätigt werden, Reparaturen in Auftrag gegeben, Arztbesuche gemacht und Verwandte besucht werden.
Irgend etwas gibt es immer, das getan oder beachtet werden muß. Wenn wir unseren inneren Frieden wirklich finden wollen, dann müssen wir erst einmal damit aufhören, auf den Moment der Ruhe zu warten.
Es ist ganz wichtig, das zu verstehen.
Der Moment der Ruhe wird vielleicht niemals kommen. Wir sind lebendige Menschen inmitten einer lebendigen und wunderbaren Welt.

Es ist gar nicht unsere Aufgabe, aus dieser Welt auszusteigen, um uns außerhalb zu erholen. Es gibt einen Weg, den Frieden mitten im Sturm zu finden

Das soll nicht heißen, daß wir keinen Urlaub machen sollen. Urlaub ist durchaus wünschenswert. Wir wissen allerdings, daß es auch im Urlaub eine Menge Streß und Aufregung geben kann: Hotelzimmer, die gebucht aber trotzdem nicht frei sind, laute Nachbarn, Sonnenallergien, Liebeskummer am Strand.
Ja, auch der Urlaub ist ein Teil unseres bewegten Lebens.
Die Tatsache, daß wir im Urlaub nicht arbeiten müssen, bedeutet nicht notwendigerweise, daß wir uns wirklich erholen.
Um echte Ruhe und Erholung zu finden, müssen wir den Frieden schon in uns tragen. Dann werden wir auch in tiefer Entspannung in der Sonne liegen und Kraft tanken.
Aber wie fangen wir das am besten an?

Dazu brauchen wir uns nur eines deutlich zu machen: Der Sturm unseres Leben ist das Normale

Viele Bauherren, die immerwährenden Ärger auf ihren Baustellen haben, klagen darüber, wie schlecht alles läuft. Dabei gehen sie unbewußt von der Vorstellung aus, daß die Dinge gut laufen sollten und das ist eben der Irrtum. Anstatt von dieser Vorstellung auszugehen, können wir ebenso gut auch von der Realität ausgehen. Realität aber ist, daß alle Baustellen Ärger machen und zwar die ganze Zeit über.
Das ist das Normale.
Und so ist es auch mit den Störungen in unserem Leben.
All die unerwarteten Telefonanrufe, die Schulschwierigkeiten der Kinder, die Betriebsprobleme unseres Partners, der Ärger mit dem Nachbarn, alles das sind gar nicht die Störungen unseres normalen Lebens, sondern all diese Dinge sind unser Leben.
Wenn wir es erst einmal geschafft haben, das anzuerkennen, verändert sich sofort unsere Einstellung dazu.
Denn dann warten wir nicht mehr darauf, daß die Normalität eintritt, damit wir uns endlich erholen können.
Wir wissen nun, daß wir einen Weg finden müssen, uns innerhalb dieses Sturms zu entspannen. Dazu benötigen wir auch keine besonderen Terrassen, Gartenecken, Wintergärten, Fernsehräume und was ich sonst noch alles zu brauchen glaubte. Sie werden sehen, Sie haben schon alles, was Sie für Ihre Entspannung mitten im Lebens-Sturm brauchen.

Meditation zur Ruhe im Sturm

Setzen Sie sich einfach hin, schließen Sie die Augen und stellen Sie sich vor, um Sie herum würde ein heftiger Orkan toben. Alle Ereignisse wirbeln um Sie herum, Ihre Gedanken zu den Ereignissen wirbeln ebenfalls in Ihrem Kopf herum und ebenso auch Ihre Gefühle, die Sie mit diesen Themen verbinden. Stellen Sie sich vor, wie das alles um Sie herum kreist und stürmt.

Bleiben Sie ein paar Minuten bei dieser Vorstellung – und auf einmal merken Sie, daß Sie ruhig geworden sind, daß Sie sich im Auge des Hurrikans befinden. Dann haben Sie es geschafft


Wir können den Sturm unseres Alltags weder unterdrücken noch abstreifen. Aber indem wir ihn anerkennen als einen normalen Teil unseres Lebens, können wir seinen ruhigen Punkt in unserem Innern finden und ansteuern. Probieren Sie es ruhig einmal aus. Es funktioniert prima, auch wenn Ihr Streß vielleicht seelischer Natur ist.
Vielleicht ist ein geliebter Mensch im Krankenhaus und Sie machen sich große Sorgen um ihn. Das läßt Sie gar nicht mehr zur Ruhe kommen, immerzu müssen Sie an ihn denken. Dann schließen Sie die Augen, lehnen Sie sich gemütlich an und stellen Sie sich vor, daß Ihre Sorgen wie ein Sturm sind. Dieser Sturm wirbelt durch Ihren Kopf. Die Sorge und die Liebe stürmen in Ihrem Innern. Stellen Sie sich das ganz plastisch vor.
Geben Sie der Sorge eine Farbe, beispielsweise rot. Sie sehen die Sorgen wie einen roten Wind, der in Ihnen herum weht. Und Ihre Liebe zu dem Menschen im Krankenhaus bekommt auch eine Farbe, vielleicht blau. Sehen Sie nun auch den blauen Wind sich besänftigend unter den roten mischen.
Durch diese Vorstellung bekommen Sie eine gewisse Distanz zu Ihren Sorgen. Und auf einmal merken Sie selbst, daß es in Ihnen wieder ruhiger wird. Dann haben Sie das Auge des Hurrikans erreicht, dann finden Sie Momente des Friedens. Diese Momente werden Sie stärken, so daß Sie, sobald Sie wieder aktiv werden, auch die Kraft finden, mit all dem umzugehen, was das Leben Ihnen zur Zeit gerade aufgeladen hat.
Das gleiche funktioniert auch mit unserer Arbeit. Wenn Sie sehr viele Arbeiten in kurzer Zeit erledigen müssen, stellen Sie sich all diese Arbeiten wie bunte Stürme vor, die in Ihnen herumwirbeln. Wenn Sie das öfter tun, wird es Ihnen sogar mit der Zeit gelingen, das Auge des Hurrikans inmitten der Arbeit zu erreichen. Dann können Sie Ihre Arbeiten in einem Zustand des inneren Friedens erledigen. Das ist sehr hilfreich und auch gesund. Ich habe es ausprobiert und ich kann Ihnen versichern, eine innerlich ruhige Chefin kommt sowohl bei den Klienten als auch bei den Mitarbeitern weitaus besser an als eine hektische Persönlichkeit.

Unsere Hektik erzeugt nur Streit, die Ruhe aber ermöglicht es uns, all das zu bewältigen, was das moderne Leben uns auferlegt

Mit der Zeit wird es immer leichter und einfacher, in das Auge des Sturms zu kommen und damit wesentlich entspanntere Abende und Wochenenden zu erleben.
Es ist doch zu schade, wenn man am Wochenende und zur Feierabendzeit nur über die Arbeit nachdenkt. Und ehe man sich versieht, ist es schon wieder Montag und an Erholung war nicht zu denken.

Es lohnt sich, diese einfache kleine Meditation zu erlernen. Ich nenne sie „Ruhe finden inmitten des Sturms“.

Wenn der Frieden in unserem Innern ist, geht es einem überall gut, in der Arbeit, im Streß und natürlich auch im Wintergarten. Seit ich das erkannt habe, verwende ich diese Methode regelmäßig für mich und – stellen Sie sich vor – auf einmal geht alles viel leichter und schneller.

Es tauchen plötzlich viel weniger Probleme und Widerstände auf. Und – wie von Geisterhand beginnt die Wüste hinter meinem Haus sich langsam in einen Garten zu verwandeln.
Es bleibt trotzdem noch viel zu tun, aber eines ist sicher: Wenn man den Frieden in sich trägt, ist alles viel leichter und schöner.

Autorin: Kim Barkmann
Lebensberaterin, Altensalzwedel
Bücher von Kim Barkmann


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