Gesund durch Sport Der innere Schweinehund
Mrz 13

Das Hausfrauendasein – ein Auslaufmodell?
Wie hatte ich mich danach gesehnt: ein eigenes Baby! Endlich nicht mehr berufstätig sein. Wie würde ich meinen Mann verwöhnen. Dem Kind eine Supermutti sein. Ich könnte kochen und putzen und uns allen ein kuscheliges Nest gestalten.
Ja, es kam ganz genauso, wie ich es mir erträumt hatte. Obwohl mich das Schicksal schon noch eine ganze Weile zappeln ließ.


Schon mit 14 Jahren begann ich eine Lehre zur Zahnarzthelferin. Mit großer Freude arbeitete ich in der gleichen Praxis, in der ich meine Ausbildung gemacht hatte. Ich hatte nette Kolleginnen, mein Chef war o.k. und ich mit meiner Arbeitsstelle hoch zufrieden. Mein Traum jedoch war eine eigene Familie.
Diesem Lebenstraum rückte ich ein ganzes Stückchen näher, als ich meinen heutigen Mann heiratete. In zog mit ihm in sein Hei-matdorf und wir übten fleißig Familienplanung, weil es gleich losgehen sollte mit dem Kinderkriegen.
Bis es soweit war, wollte ich noch ein wenig berufstätig sein und meinen Beitrag leisten zu unserem nicht sehr üppigen Haushalts-budget. Schließlich mußte noch viel angeschafft werden, und bald würde ich als Verdiener ja ohnehin wegfallen. Zahnärzte gab es bei uns am Ort nicht. Und die Praxen in erreichbarer Nähe hatten auch nicht gerade auf mich gewartet. So nahm ich, was ich kriegen konnte. Und das war eine Stelle in der Telefonzentrale einer Verpackungsfirma.
Es sollte ja nur vorübergehend sein…
Und daraus wurden dann ganze sieben Jahre.
So lange nämlich ließ unsere Annkathrin, die dann endlich geboren wurde, auf sich warten.

Endlich ein Kind!
Wir jungen Eltern waren überglücklich, und ich kündigte stehenden Fußes mein Job. Gewiß, ich würde meine Kolleginnen vermis-sen, und die Tätigkeit hatte mir auch viel Spaß gemacht.
Aber nun wollte ich meiner eigentlichen Bestimmung leben, meinem Mutterglück und dem Hausfrauendasein.

Mit Feuereifer widmete ich mich meinen neuen Aufgaben

Morgens, wenn ich meinem Mann das Frühstück gemacht hatte, kuschelte ich mich noch ein wenig an mein Baby, das warm wie ein frisches Brötchen zufrieden seufzend in meinem Arm lag, und dann schliefen wie zwei noch eine Runde.

Konnte ein Mensch glücklicher sein als ich?
Hurtig erledigte ich danach meinen Haushalt. Rasch einkaufen gehen und mittags mit Annkathrin im Garten auf dem Liegestuhl eine kleine Siesta halten. Alles war entspannt und harmonisch. Nachmittags dann besuchte ich Freundinnen, die auch Kinder hatten. Oder wir vereinbarten ein Treffen bei mir.
Wir Frauen hatten uns unendlich viel zu erzählen. Bestaunten die Entwicklung unserer Kinder, bewunderten erste Zähnchen, das erste Lachen, die ersten Schritte. Wir tauschten Haushaltstips aus und gaben uns gegenseitig Ratschläge, um nach der Geburt und den ersten Stillmonaten danach figürlich wieder „in Form“ zu kommen.
Besonders schön aber waren die Kindergeburtstage, die wir für die Kleinen ausrichteten, und die auch für die Mütter wieder Anlaß waren, bei Kaffee und Kuchen beieinander zu sitzen und zu tratschen. Abends dann kochte ich lecker.

Eine ganze lange Weile fehlte mir nichts zu meinem Glück

Bis mich eine alte Freundin, die ich noch aus Kindertagen kannte, einmal für ein Wochenende besuchte. Sie registrierte lächelnd mein Mutterglück. Stolz kochte ich für sie ein Festmenü. Ich wollte schließlich mit meinen Hausfrauentalenten glänzen. Erfreut heimste ich von ihr, aber auch von meinem Mann, dafür ein großes Lob ein. Mit einer guten Flasche Wein ließen wir den Abend ausklingen.
Mein Göttergatte schien sich etwas zu langweilen mit uns zwei Frauen, denn nachdem wir Freundinnen Erinnerungen ausgetauscht hatten, war es mir ein Herzensbedürfnis, von unserer kleinen Tochter zu erzählen. Sie war aber auch zu herzig. Meine liebsten Men-schen sollten unbedingt teilhaben an der Freude, die mich erfüllte.
Geduldig hörte sich meine Freundin an, was ich ihr haarklein von vielen, vielen Mutter-Kind-Erlebnissen zu berichten hatte.
Am nächsten Morgen dann, mein Mann hatte sich nach dem Frühstück dezent zu einem Kumpel zurückgezogen, hatten wir so rich-tig Zeit für einander, meine Freundin und ich. Das Baby war immer dabei. Natürlich.
Beschämt vermerkte ich, daß die Gespräche bisher eigentlich nur von mir bestritten wurden. Meine Freundin war fast nicht zu Wort gekommen. Nun aber wollte ich alles von ihr wissen.
Ihr Leben unterschied sich von meinem völlig. Sie war längst geschieden und lebte mit ihrem 6-jährigen Sohn in Frankfurt. Dieser ging in einen Ganztagskindergarten. So war es für meine Freundin möglich, berufstätig zu sein. Dank ihrer Mutter, die an Wochen-enden oder abends gelegentlich einsprang, konnte sie sogar gelegentlich mal für 2 oder 3 Tage verreisen. Sie hatte den Kleinen auch deshalb nicht mit zu uns gebracht, um sich ganz auf unser Wiedersehen konzentrieren zu können.
Ja, und dann sprach sie von ihrem Leben. Spannend, interessant und beneidenswert verlief ihre berufliche Karriere. Als Mutter dagegen mußte sie manches Kunststück vollbringen, um die Kinderbetreuung während ihrer Abwesenheit lückenlos zu organisieren. Mit Kindergarten und gelegentlichem Babysitter war das einigermaßen zu schaffen.

Dennoch – sie schien diese Zweifachbelastung nicht nur zu verkraften, sondern sogar zu genießen


Auch der Freundeskreis war dem Vernehmen nach zuverlässig und aktiv. Verabredungen, Einladungen, Ausgehen gehörten zum selbstverständlichen Leben.
Ja, und dann stellte sie mir die Gewissensfrage. „Sag mal Roswitha, wie sieht es bei Dir aus. Bleibst Du selbst vor lauter Kind und Familie nicht ein wenig auf der Strecke? Was tust Du für Dich und Dein Weiterkommen? Willst Du jetzt immer nur daheim blei-ben? Kann es Dir denn genügen, nur noch für Mann und Kind zu leben? Du hattest doch früher so viele Interessen. Wie willst Du Dich denn hier weiterentwickeln? Auch habe ich Dich in Erinnerung als modisch immer auf dem neuesten Stand.“
Da hatte meine Freundin einen wunden Punkt bei mir getroffen. Ich wohnte aber schließlich auf dem Lande. Irgendwie hatte es sich erübrigt, sich chic zu kleiden. Leggins und T-Shirt, das war meine praktische „Mutti-Uniform“. Ja, ich hatte mich tatsächlich etwas vernachlässigt. Durch die viele Zeit, über die ich verfügte, aß ich auch mehr als gewohnt und hatte deutlich zugenommen. Meine frühere Top-Figur, auf die ich immer so stolz gewesen war, geriet echt in Gefahr. Meinen Mann schien das nicht zu stören.
Oder doch?
Ich versuchte am Abend, als unser Besuch abgereist war, mit ihm darüber zu reden. Auch darüber, daß ich, wenn unser Töchterchen mich nicht mehr so nötig bräuchte, gern wieder einige Stunden täglich berufstätig sein wollte.
Es ergab sich dann auch bald, daß ich zunächst auf Abruf für ein Versicherungsbüro arbeiten konnte. Das war mir längerfristig nicht ausreichend. Dann durfte ich in einem Altersheim als Beschäftigungstherapeutin tätig sein. Diese Teilzeitaufgabe übernahm ich mit viel Freude und großem Engagement. Nach nur einem Jahr aber kündigte ich über Nacht. Ich konnte es einfach nicht länger aushal-ten, wie man mit den alten Menschen umging. Hätte ich bleiben müssen, würde ich entweder selbst schwer krank werden, oder ich hätte nicht umhin gekonnt, die Betreiber des Hauses anzuzeigen. Also saß ich wieder daheim.

Aber ich wußte jetzt, daß ich beides wollte, ein intaktes Familienleben und die Berufstätigkeit

Denn schon begann der Haushaltstrott von Neuem. Ich ließ mich hängen, vernachlässigte mein Äußeres und landete wieder bei Leggins, T-Shirt und Co. So konnte es nicht weitergehen. Also begab ich mich wieder auf die Suche. Das ist in unserer Region schwer, denn viele Firmen gibt es hier nicht. Zwischenzeitlich war mir auch recht egal, was sich mir bot. Die Hauptsache war, re-gelmäßig wieder unter die Leute zu kommen. So fand sich eine Stelle als Backwaren-Verkäuferin. Nach wenigen Wochen hatte die Filialleiterin meine Chefin überzeugt, wie ungeeignet ich doch für den Verkauf sei. Ich nahm also meine Schürze ab und ging trä-nenüberströmt nach Hause. Wohl selten habe ich mich so nutzlos, so minderwertig gefühlt.
Und wieder fing die Sache an, Sie wissen schon, Leggins, T-Shirt und andere Schlabber-Klamotten.
Bewerbungen hier, Vorstellungen dort. Die Auswahl an Arbeitsplätzen bei uns war wirklich nicht so prall. Endlich ergatterte ich eine Halbtagsstelle als „Mädchen für alles“ in einer kleinen Firma in der Nähe. Die Chefin freute sich, daß ich Sprechstundenhilfe war. „Dann kennen Sie sich ja auch in Büroarbeit aus.“ Nun bin ich schon 7 Jahre in dieser Firma, die zwischenzeitlich mächtig gewachsen ist. Ich freue mich, daß ich der Telefonzentrale dort ein liebenswürdiges Image verleihen konnte. Das tut meinem Ego, das bei all den früheren Erfahrungen mächtig gelitten hatte, doch recht wohl.

Noch immer bin ich gerne Hausfrau und Mutter. Doch ganz genauso gerne gehe ich morgens aus dem Haus und komme in „meine Firma“. Chic gekleidet, mit flottem Haarschnitt und dezentem Make-up, versteht sich.
Gerne erinnere ich mich an ein Gespräch, gleich zu Beginn meiner Tätigkeit in dieser Firma. Als ich meiner Chefin von meinen Nur-Hausfrauen-Erfahrungen berichtete, sagte sie einen Satz zu mir, der mir noch oftmals in den Sinn gekommen war:

“Ja, der Tag braucht einen Rahmen!”

Es ist schon erstaunlich, wie sehr ich mich verzettelt hatte, als ich nichts weiter erledigen mußte als eben den Haushalt. Ich wurde eigentlich nie fertig.

Der Tag rann mir regelrecht durch die Finger!

Jetzt habe ich alles streng durchorganisiert – und es bleibt mir durchaus noch Zeit.
Obwohl meine Tochter, die jetzt im Teenageralter ist, mich reichlich in Anspruch nimmt. Ich bin jetzt für ihre vielen Dates in Sachen Sport, Hobbys, Ausgehen, Treffen Mama Chauffeur.

Aber auch diese Zeit wird einmal zu Ende gehen. Danach habe ich neben meinen Pflichten und Hobbys noch immer meinen Beruf. Und den habe ich für mich ganz alleine. Ich bin froh, daß er zu meinem Leben gehört. Denn durch ihn habe ich mir einen gänzlich eigenen Lebensraum und ein ganzes Stück Unabhängigkeit geschaffen. Mein Selbstbewußtsein ist gestiegen und ich manage mein Leben mit leichterer Hand.

Dafür habe ich mir einen ganz eigenen Rahmen geschaffen

Artikel: Bioline-Magazin (Roswitha Appel)


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