Sitztanz-Fitness Der Umgang mit der Esssucht
Apr 28

Sucht hat immer eine Ursache. Und genau diese Ursache gilt es zu finden, um erlöst zu sein von der Suche nach irgendwas
Noch nie hat es so viele Süchtige gegeben, wie das heute der Fall ist. Es gibt Alkoholsucht, Drogensucht, Tablettensucht, Schlafsucht, Arbeitssucht, Kaufsucht, Putzsucht, Jugendlichkeitssucht und einiges mehr.
Alle diese Süchte werden sehr ernst genommen und von Wissenschaftlern akribisch erforscht.
Man spricht bei den Betroffenen von erkrankten Menschen, die nicht anders können, als ihrer Sucht zu folgen.

Sind „Eßsüchtige“ disziplinlos?
Ganz anders geht es dem Eßsüchtigen. Seine „Sucht“ ist von der Medizin ganz und gar nicht als solche anerkannt.
Noch immer wird von den allermeisten Menschen der Übergewichtige als disziplinlos und charakterschwach eingeschätzt.
So kann es leicht passieren, daß der Hilfesuchende von seinem Arzt zu hören bekommt: „Nun reißen Sie sich mal zusammen. Praktizieren Sie mal FDH, dann schmelzen auch die Pfunde.“

Selbst Experten können sich irren…
Ich wohnte einmal einer Diskussion von namhaften Ernährungswissenschaftlern bei. Dabei ging es um das Thema „Eßsucht“. Selten einmütig kam man zu dem Schluß, daß sogenannte Eßsucht keine Sucht sei. Es fehle hier das typische Merkmal der Entzugserscheinung…

Eine solche Ignoranz ist mir ein Rätsel. Ich selbst kenne von mir auch kaum Neigung zur Eßsucht und dem damit oft verbundenen Übergewicht.
Studiere ich jedoch die Ernährungswissenschaften, ist für mich damit ein Interesse an den Menschen selbstverständlich, die ich beraten will.
Die Voraussetzung für eine effiziente Berufsausübung ist das Erkennen der Probleme meiner Klienten. Und eines der Hauptprobleme bei Übergewicht ist ganz offensichtlich die Eßsucht.

Eßsucht – was ist das?
Ein unkontrolliertes Eßverhalten, bei dem die Sättigungsgrenze fehlt und der Betroffene der Sucht folgen muß, immer weiter zu essen, ohne sich durch Gewohnheit oder Vernunft bremsen zu können

Beispiele aus meinen Ernährungsseminaren

  • Ein Teilnehmer erzählte mir, er würde grundsätzlich eine Tafel Schokolade auf einmal essen. Wolle er innehalten, müsse er sie schon aus dem Fenster werfen.
  • Eine Dame berichtete, sie hasse Nutella. Wenn sie jedoch „Sucht“ nach Schokolade hätte, aber keine greifbar wäre, könne sie ein Glas Nutella gänzlich leer essen, auch wenn ihre Zunge brennen würde wie Feuer und obwohl sie sich selbst echt ekele. Vor der Nutella und vor ihrem Tun.
  • Ein Student fährt nachts 15 km bis zur nächsten Tankstelle, um sich eine 300 g Tafel Schokolade zu kaufen. Wenn die aufgegessen ist, würde er am liebsten gleich wieder losfahren, um noch eine zu besorgen.
  • Ein junges Mädchen aß regelmäßig eine Literpackung Vanilleeis auf. Sie konnte einfach nicht vorher aufhören, obwohl sie das jedes Mal versuchte.
  • Eine junge Frau aß abends vor dem Fernseher grundsätzlich mehrere Tüten Kartoffelchips. Schon oft hatte sie sich vorgenommen, keine zu kaufen. Abends wurde sie dann wieder schwach und lief noch ins nächste Geschäft, um sich mit den Chips zu versorgen.
  • Eine Mutter aß regelmäßig die Reste vom Teller ihrer Kinder auf, obwohl sie längst durch eine eigene Portion hätte satt sein müssen. Sie erklärte dieses Verhalten mit einem „Zwang“, der sie regelrecht erfaßte.

Solche Aussagen höre ich jeden Tag. Was ist los mit diesen Menschen? Sind sie alle willensschwach?
Sie tun hier eindeutig etwas gegen ihr besseres Wissen. Gegen alle Vernunft.
Und sie sind diesem Tun hilflos ausgeliefert. Sie können nichts dagegen tun.
Was ist das für eine Macht, die so offensichtlich mächtiger ist, als wir selbst.

Es ist Sucht!
In diesem Fall ist es Eßsucht!

Wie kann es zum Suchtverhalten kommen?
Sucht kommt von Suchen. Alle Süchtigen suchen nach etwas. Oftmals kennen sie das Ziel dieser Suche nicht einmal, oder sie haben es aus dem Auge verloren.
Es kann jedoch durchaus sein, daß sie gar nicht wahrhaben wollen, worum es bei der Suche wirklich geht.
Es wäre vielleicht auch zu anstrengend, zu unbequem, den Weg zu Ende zu gehen. Und sie erfordert ein hohes Maß an Selbsterkenntnis.

Aber nur das Finden würde den Suchenden erlösen
So macht man unterwegs halt und versucht den „Hunger“ mit einer Ersatznahrung zu befriedigen. Diese jedoch stillt den Hunger nicht. Man braucht mehr und mehr und ist unversehens süchtig geworden.
Sucht ist Feigheit vor neuen Erfahrungen, Feigheit vor dem Leben. Sie ist ein Festhalten an materiellen Dingen wie Speisen, Alkohol oder Drogen, um sich nicht mit der manchmal beängstigenden Wirklichkeit auseinandersetzen zu müssen. Statt die Bedürfnisse der Seele zu befriedigen, bietet man dem Körper ein „statt dessen“ an. Es liegt auf der Hand, daß man bei dem Versuch auf diese Weise eine Befriedigung zu erlangen, mehr und mehr essen muß und nie wirklich satt wird. Seelischer Hunger allerdings ist auf diese Weise niemals zu befriedigen und wird deshalb zur Sucht.

Artikel: Bioline-Magazin (Ingrid Schlieske)


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