Die Kartoffel, des Deutschen liebste Knolle Ich passe wieder in einen BISTRO-Stuhl
Apr 05

„Worum es geht, ist mir schnuppe – mehr als zwei sind eine Gruppe –
merke: im Verein wird keiner alt!“

Diesen Song von Reinhard Mey fand ich als 15-Jährige einfach Klasse! Das bedeutete Individualismus! Das war Spitze!
Aufgewachsen in einer Familie von Vereinsmenschen – beide Eltern engagiert in der Jugendarbeit des Sportvereins – hatte ich viel mitbekommen an Vereinsmeierei und auch Vereinsproblemchen!
Jetzt singt dieser Mey mitten in meine Pubertät hinein, daß „Mensch“ keine lange Lebenserwartung hat, in der Masse versinkt, wenn er einem Verein angehört.

Das war eine Aussage nach meinem Geschmack und ich versuchte nunmehr, feste danach zu leben.
Ab sofort war die Turn-Gruppe, die ich vorher eifrigst besucht hatte, pure Luft für mich.
Außerdem fand ich es so richtig spießig, daß meine Eltern und der Großvater abends auch noch zum Gesangsverein marschierten und so ganz andere Töne anschlugen als dieser von mir so verehrte Reinhard Mey.
Überhaupt grenzte ich mich von nun an von all‘ dem Gruppen-Gehabe ab. Auch die viele Feierei ging mir mächtig auf den Senkel. Sollten die ihre Vereins-Meierei nur alleine betreiben.
Um mich wurde es danach allerdings ein bißchen einsam. Ich saß mit meiner gesamten pubertierenden Individualität vor dem Fernsehapparat – aber alleine.
Ich hatte damals viel Zeit, über meine Einstellung zu Vereinen und anderen Organisationen nachzudenken. Und das tat ich dann auch gründlich!

„Vielleicht ist er doch nicht so übel – der Verein!“

Solche Gedanken meldeten sich zaghaft. Wenn man ein Ziel erreichen will – sportlicher, kultureller, künstlerischer Natur – und es nicht alleine schafft, wohin wendet man sich schließlich?
An einen Verein!
Kann man sich so in einen Verein einbringen, daß man sich nicht nur unterordnen, anpassen muß und seine eigene Persönlichkeit erhält?
Kann man seinen Nutzen aus einer Vereinsmitgliedschaft ziehen und dennoch sein eigener Mensch bleiben?
Jawohl, und meine damalige trotzige und störrische Haltung habe ich dann auch rasch wieder aufgegeben.

Zuviel Angst hatte ich, das Leben zu versäumen.

Denn allzuviel spielte sich schließlich ab in meinem Sport-Verein.
Was hatte ich die Wettkämpfe vermißt und den fröhlichen Austausch. Mein eigener Ehrgeiz fand ohne den Verein gar kein Ziel mehr. Gegen wen sollte ich antreten?
Aber auch Tanz und Vergnügen sollten nicht weiter ohne mich stattfinden. Wie spannend waren all die Vorbereitungen gewesen, wenn wir die Schweizer Fußballspieler zu Gast hatten. Oder welches Erlebnis, wenn ein ganzer Bus voll mit Vereinsmitgliedern zu einem Turner-Treffen fuhr.
Und all dem hatte ich freiwillig den Rücken gekehrt?
Dennoch – die Auszeit war sehr lehrreich gewesen. Ich wußte nun ganz sicher  – ohne Verein wollte ich nie mehr sein.

Was täte ich ohne meinen Theater-Verein?

Jahre später hatte ich den brennenden Wunsch, auf den Brettern, die die Welt bedeuten, zu stehen. Dafür habe ich dann selbst einen Verein gegründet, einen Theater-Verein, das Laientheater Steinheim.
Nächstes Jahr haben wir 25jähriges Jubiläum. Viele Anfangsschwierigkeiten hatten wir zu überwinden. Aber heute sind wir eine Institution, die niemand der Mitglieder und erst recht nicht unsere Fangemeinde missen möchte.

Heute weiß ich: Ein Verein ist der Rahmen, innerhalb dessen sich seine Mitglieder entwickeln können. Hier entstehen Freundschaften, die ein ganzes Leben lang halten können

Die Basis dafür sind die gemeinsamen Interessen. Das jeweils angestrebte Ziel bietet unerschöpfliche Gesprächsthemen. Die fruchtbaren Diskussionen brechen praktisch niemals ab. Der Gesprächsfaden reißt nicht. Und nach dem zusammen erreichten Ziel vereint uns das schönste Gefühl der Welt:
Das haben wir gemeinsam geschafft! Wir können uns aufeinander verlassen!

Wo sonst finden wir ein solches Erleben? Ganz sicher nicht vor dem Fernsehapparat oder beim Computerspiel. Ganz sicher auch nicht in der Disko. Und schon gar nicht, wenn wir beim Kaffeeklatsch zum x-ten Mal über die Nachbarn ablästern.

Aber der Marathon-Läufer, der für seinen Verein das Letzte aus sich rausholt, der hat es, dieses herrliche Gefühl! Aber genauso auch der Zuschauer, der ihn anfeuert.
Auch der Sänger im Gesangsverein, der alleine vielleicht nur eine kleine Stimme hat, mit seinem Verein jedoch kann er eine gewaltige Weihnachtskantate aufführen.
Welch ein Gemeinschafts-Glücks-Gefühl.
Oder die Frau im Krankenpflege-Verein, die es durch ihre Fürsorge einem hilflosen Mitmenschen ermöglicht, in der Geborgenheit seines eigenen Heimes zu sterben. Auch sie erlebt ein einzigartiges Gefühl des Gebraucht-Werdens.

Was? Wie? Wo? Wann?
Wollten Sie nicht immer schon…?
Mehr erleben schon. Aber muß es gleich ein Verein sein?
Muß es nicht. Aber kann.
In Vereinen bieten sich für Menschen, die in ihr Leben mehr Umtrieb lassen wollen, unzählige Möglichkeiten.

  • Fehlen vielleicht die richtigen Gesprächspartner, um sich auszutauschen?
  • Sollen dem eintönigen Leben wieder Glanzlichter aufgesetzt werden?
  • Müßte man sich nicht doch wieder sportlich betätigen?
  • Wäre es nicht schön, regelmäßig ins Theater zu gehen?
  • Neue Freundschaften könnten entstehen
  • Bräuchten die Kinder einen verläßlichen Umgang?
  • Sollte man nicht wieder einmal ein schönes Fest besuchen?

Es gibt genug Gründe, einem Verein beizutreten. In Deutschland gibt es davon mehr als genug. Praktisch jede Interessengemeinschaft ist dort vertreten. Und ganz gewiß hat jeder verschiedene, nette Vereine direkt in seiner Nachbarschaft.

Wer einem Verein angehört, hat wahrlich keine Chance, einsam zu sein

Vereine
In Deutschland alleine gibt es sage und schreibe 545.000 Vereine laut Meldung im Magazin „Stern“, Ausgabe 41, 02.10.02 (Wirtschaft).

Sport-Vereine
„Turnvater“ Ludwig Jahn war der Vorreiter für die heutigen Sport-Vereine. Er erfand das Motto „frisch-fromm-fröhlich-frei“. Er eröffnete 1811 in Berlin den ersten Turnplatz zur Ertüchtigung der Jugend.

Autor: Conny Fies
Heilpraktikerin, Meridian-Energie-Therapeutin


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