Gesundheit Einsamkeit muß nicht sein
Apr 14

Malva silvestris
Diese wunderhübsche, pinkfarbene Wildpflanze gehört zur Familie der Malvengewächse.
Sie wird etwa 90 cm hoch und hat einen aufrechten, behaarten, eckigen Stengel. Die Blätter sind langgestielt, ebenfalls behaart und meist fünflappig gezähnt. Die Blüten zeigen fünf rosa- bis lilafarbende Blütenblätter, die jeweils mit drei dunkleren Streifen versehen sind.
Die Malve wächst an Feld-, Wiesen- und Wegrändern, Böschungen, ja sogar auf Schuttplätzen und an steinigen Hängen und Mauern. Man findet sie fast überall auf der Welt.
Von den Malven gibt es zahlreiche Arten, von der Gartenmalve bis zur Königsmalve, der Krausmalve, der Moschusmalve, bis hin zur Feldmalve und anderen mehr.
Die Malve wird auch Käsepappel oder Käsekraut genannt. Dies ist auf ihre käseförmigen Früchte zurückzuführen.


Schon von den Völkern der Antike wurde die Malve als Gemüse, gleichzeitig aber auch als Heilkraut geschätzt

Auch Karl der Große ordnete seinerzeit an, sie in allen kaiserlichen Gärten zu ziehen.
Die Heilige Hildegard von Bingen empfahl sie gegen unzählige Krankheiten, beginnend bei Schläfrigkeit und ständigen Kopfschmerzen, bis hin zu Nierenbeschwerden, Blutergüßen, Harnverhalten und Vergiftungen.
Für die Ärzte des 16. Jahrhunderts war die Malve ein so wichtiges Heilkraut, daß sie empfahlen, davon täglich ein Getränk zu sich zu nehmen, um den ganzen Tag vor jedem Krankheitsangriff geschützt zu sein.
Zwar mag diese Einschätzung etwas übertrieben sein, aber es trifft schon zu, daß die Malve auf alle entzündlichen Krankheiten eine einzigartig heilende Wirkung ausüben kann. Sie lindert oft so gut wie kaum eine andere Pflanze und beschleunigt die Genesung.
Dabei findet sie Verwendung in Aufgüssen, Bädern, Salben, Kompressen, Einläufen, Breiumschlägen oder sogar in Augentropfen.
Ob innerlich oder äußerlich angewandt, Anwendungen mit Malven beruhigen und befreien von allen Giftstoffen.
Kindern sollte man Malvenwurzeln zum Kauen geben, damit sie vor Infektionskrankheiten geschützt sind und um ihr Zahnfleisch zu stärken.

Überhaupt ist die Wurzel ein vorzügliches Zahnpflegemittel und verhindert Mundinfektionen sowie Mundfäule.

Zwar ist die Malve ein wunderbares Mittel, um bei Erkrankungen der Bronchien und des Atmungsapparates Besserung zu erzielen, jedoch fördert sie nicht das Abhusten. Dafür sollten andere Mittel genommen werden wie beispielsweise Spitzwegerich und Thymian.

Die Ernte
Blätter und Blüten werden direkt vor dem vollen Aufblühen, also zwischen Juni und August, gepflückt.
Dahingegen gräbt man erst im Herbst die Wurzel aus.
Blätter und Blüten werden im Schatten an einem luftigen Platz rasch getrocknet. Die dabei entstehende sehr hübsche blaue Farbe der Blüten bewahrt sich nur, wenn diese vor Licht geschützt sind. Auch muß die trockene Pflanze vor Feuchtigkeit geschützt werden, da sie leicht fault. Die Wurzel selbst darf nur sorgsam abgebürstet werden, damit ihr wichtigster Wirkstoff, der Pflanzenschleim, nicht verloren geht.

Anbau im eigenen Garten
Malven kann man auch im Garten ziehen. Dazu lassen sich die Samenkörner aus der Natur gewinnen. In einer kleinen Frucht findet man Dutzende davon. Dann werden sie in mittelfeuchtem Boden ausgesetzt, den die warmen Sonnenstrahlen gut erreichen.

Die Inhaltsstoffe der wilden Malve
Die Malve enthält reichlich Schleimstoffe, ätherische Öle und Gerbstoffe.

Verwendung in der Küche
Junge Malvenblätter können auch als Gemüse zubereitet werden.
Die käseförmigen Früchte hingegen werden in einen Essigsud eingelegt und als deutsche Kapern bezeichnet.

Heilwirkung der Malve
Malve hilft bei einer Reizung des gesamten Verdauungssystems. Sie lindert Husten und Katarrh, wirkt bei entzündlicher Angina, Bronchitis und Rippenfellentzündung, aber auch auf das Harnsystem, wenn Steine und Harnverhalten Probleme bereiten. Malve lindert Entzündungen aller Schleimhäute, auch bei Masern und Scharlach. Weiter wird sie eingesetzt gegen Verstopfungen.
Äußerlich angewendet kann sie Juckreiz auf der Haut beruhigen sowie Furunkeln und Geschwülste abklingen lassen. Aber auch bei Gicht- und Rheumaanfällen wirkt Malve von außen und innen hervorragend. Malve verhilft zu einer reinen Haut, dies insbesondere, wenn Akne und verstopfte Poren Probleme bereiten.


Zubereitung
Tee: Diesen kann man mit Blütenblättern oder zerstoßenen Wurzeln herstellen.
2 geh. EL Blüten (oder Blätter, oder zerstoßene Wurzeln) werden mit 1 l kochendem Wasser übergossen, 5 Minuten ziehen lassen. Hilft bei Husten, Katarrh und Bronchitis.
3 bis 4 Tassen täglich.
Bäder: 1 Handvoll Blütenblätter oder Wurzeln, oder Blätter, oder ein Gemisch davon, werden mit 1l kochendem Wasser übergossen, 5 Minuten ziehen lassen. Davon morgens und abends jeweils Hand- und Fußbäder.
Absud: 2 Handvoll ganzer Pflanzen werden mit 1 l kochendem Wasser übergossen, 5 Minuten ziehen lassen. Wirkt bei Brandwunden, Akne, Neurodermitis, Hautflechten, Scheidenentzündungen, Abschürfungen.
Kaltaufguß: 1 Handvoll frischer Blätter und Stengel werden grob zerstoßen und mit 1 l  kaltem Wasser übergossen und etwas stehen gelassen. Das gelierte Wasser wird schluckweise den Tag über getrunken. Hilft bei Magen-Darm-Entzündungen, bei Heiserkeit und angegriffenen Stimmbändern.
Pulver: aus zerstoßenen Wurzeln kann als Zahnpasta und Desinfektionsmittel für den Mund verwendet, aber auch in Cremes und Salben eingerührt werden.


Erfahrungsberichte

Beispiele aus meiner Pflanzen-Praxis:
Für mich ist die Malve eines der Heilkräuter, die einen festen Platz in meiner Hausapotheke haben. Schon unzählige Male habe ich mir, meiner Familie, meinen Nachbarn und Freunden damit behilflich sein können.

Entzündete Magenschleimhaut

Eine meiner Nachbarinnen klagte ständig über Magenschmerzen. Untersuchungen durch den Hausarzt und durch eine Magenspiegelung hatten ergeben, daß sie eine entzündete Schleimhaut hatte. Bei Aufregungen, wenn sie etwas Falsches gegessen hatte, bei säurehaltigen Getränken und auch, wenn sie Medikamente einnahm, hatte sie oftmals solche Schmerzen, daß sie sich mit beiden Händen den Magen halten mußte.
Alle verschriebenen Mittel nutzten nichts oder nur für kurze Zeit. Sie hatte das Gefühl, das Medikamente ihre Beschwerden nur verschlimmerten. Ich setzte für sie einen Malven-Kaltaufguß an, der sich zu einem grünschleimigen Gelee verdickte. Diese Gelee-Flüssigkeit nahm meine Nachbarin nun den Tag über schluckweise ein, bis der ganze Liter aufgebraucht war.
An den Folgetagen wiederholte sie die Prozedur. Schon nach einem Tag wurde mir berichtet, daß die Beschwerden deutlich gemildert und am zweiten Tag schon ganz verschwunden waren.
Heute erzählt mir meine Nachbarin, daß sie bei den geringsten Magenbeschwerden sich sofort einen Kaltaufguß angesetzt, der ihr besser helfen würde, als jede andere Medizin, die sie vorher versucht hatte.

Zahnfleisch
Für meine Kinder gehörte es zum Selbstverständnis, daß immer wieder Malvenwurzeln gekaut wurden. Das war für mich als Kräuterfrau das beste Zahnfleisch- und Mundraumpflegemittel, das mir bekannt war. Der Erfolg war, daß bei meinen Kindern so gut wie nie, Zahnbeschwerden auftraten und sie von Mundfäule gänzlich verschont blieben.

Halsentzündungen
Die drei Kinder meiner Freundin litten immer wieder an Halsentzündungen und eitriger Angina. Mehrfach hatte ich ihr schon angeboten, für sie einen Malvenabsud herzustellen, damit sie bei den ersten Anzeichen ihre Kinder damit gurgeln lassen könnte. Meine Freundin allerdings hielt nicht allzuviel von den Mitteln aus der Natur. Sie kamen ihr zu harmlos vor, deshalb konnte sie an eine deutliche Heilwirkung nicht wirklich glauben. Erst als ihr Jüngster einmal am Wochenende von einer heftigen Angina heimgesucht wurde und ärztliche Hilfe nur schwierig zu erreichen war, erinnerte sie sich an mein Angebot.
Der Junge gurgelte also mit Malvenabsud und trank danach schluckweise den Kaltaufguß. Dazu allerdings mußte er erst überredet werden, da so ein glibbriges Gelee nicht vertrauenserweckend aussieht. Allerdings schmeckt es überraschend gut. Irgendwie blattfrisch und nach Frühling. Schon am nächsten Tag nach der Anwendung war von geschwollenen Mandeln und Entzündungen kaum noch eine Spur vorhanden. Rein vorsorglich leerte der Kleine auf unser Anraten noch brav den letzten Kaltansatz.

Heiserkeit
Einem Referenten, der fast vollständig seine Stimme verloren hatte, konnte ich mit Malve auf der Stelle helfen. Er war sehr in Sorge, da ein für ihn beruflich wichtiger Vortrag anstand und er kaum ein Wort herausbringen konnte. In nur einem einzigen Tag kam die Stimme dadurch zurück, daß er den Tag über schluckweise einen Malven-Kaltaufguß trank. Diese rasche Wirkung konnte ich schon oft in einem solchen Fall beobachten.

Autorin: Hidelgard Kita (Kräuterfrau)

Buchtipps zu diesem Artikel:
Dr. Küche und Dr. Gaten


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