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Apr 25

Das Kind in uns allen
Gerade war eine Klientin bei mir, eine Frau, die schon seit längerer Zeit unter Schlafstörungen und Depressionen leidet. Sie läßt sich gelegentlich von mir besprechen und hofft jedes Mal, daß damit ihr Problem gelöst sei. Immer wieder höre ich sie sagen: „Aber ich muß doch mal wieder gesund werden. Ich muß doch mal wieder zur Arbeit gehen. Ich muß doch auch mal wieder nützlich sein.“
Es fällt ihr sehr schwer, sich ihre Krankheit überhaupt zu gestatten.
Das eigentliche Problem dieser Frau lautet: Überpflichtbewußtsein.


Es gibt heutzutage viele Menschen, die mehr oder weniger stark unter diesem Phänomen leiden. Sie stürzen sich in ihre Arbeit und erledigen ihre Pflichten und wenn sie Freizeit haben, dann tun sie noch alles mögliche für andere, solange, bis sie keinen Funken Kraft mehr übrig haben. Mit Sicherheit gibt es mehrere verschiedene Interpretationen für diesen Zustand, aber meine lautet folgendermaßen:

Diese Klientin hat, wie viele andere auch, den Zugang zu ihrem inneren Kind verloren

Wir alle waren einmal ein Kind, und dieses Kind bleibt für immer in uns und es wird nie erwachsen. Erwachsen werden wir natürlich auch, das ist ja klar, aber ein Teil von uns bleibt immer Kind.

Jeder hat das schon einmal gesehen, wenn zum Beispiel ein Vater begeistert mit seinem Sohn mit der Eisenbahn spielt, oder eine Mutter sich den Kinderfilm mit der gleichen kindlichen Begeisterung und Freude anschaut, wie das Kleine neben ihr. In solchen Momenten vergessen wir völlig, daß wir ja Erwachsene sind und verwandeln uns wieder in spielende, staunende, begeisterungsfähige Kinder. Und das ist sehr gut für unsere Seele. Wir brauchen dieses innere Kind. In ihm steckt unsere ganze Lebensfreude, unsere Fähigkeit zu staunen und uns mitreißen zu lassen, unser Vergnügen an Bewegung und die Freude an der Natur und dem blauen Himmel und unser Mut, auch einmal „alle Fünfe“ gerade sein zu lassen.

Haben wir den Draht zu unserem inneren Kind abgeschnitten, wird unser Leben plötzlich nur noch zum Alltag

Wir können an hundert blühenden Apfelbäumen vorbeigehen und empfinden doch keine Freude daran.
Für Menschen, die sich als Erwachsene albern und vergnügt gebärden, haben wir nur noch ein mißbilligendes Kopfschütteln übrig. Wir tun unsere Pflicht, aber wir haben keinen Spaß mehr. Alles, was unser Leben bringt, scheint ohne Freude zu sein. Eine Geburtstagsparty, die wir ausrichten, besteht plötzlich nur noch aus Arbeit, kochen, backen, abwaschen, Streß. Ins Kino zu gehen, kommt uns wie eine sinnlose Geldausgabe vor und die Disco ist sowieso nur noch ein Ort des Lärms.
Nicht selten sagen Menschen, die ihren Zugang zum inneren Kind verloren haben auch, sie wollen keine Geschenke zu Weihnachten oder zum Geburtstag, sie wollen keinen Festtagsbraten und keinen Tannenbaum. Ihnen bereiten diese Dinge keine Freude und sie können nur noch an das Geld denken, das es sie kostet.
Wenn ein Mensch für zu lange Zeit ohne sein inneres Kind lebt, wird er natürlich auch mürrisch und – wie meine Klientin – oft auch krank. Denn wir Menschen brauchen die Freude. Wir können nicht ohne Freude überleben. Wir verhungern zwar nicht ganz so schnell. Es ist nicht so, als wenn wir ohne Nahrung leben sollten, aber dennoch findet ein ganz langsamer und auch grausamer Prozeß des seelischen Verhungerns statt.
Was kann man da tun?
Meine Empfehlung ist, unbedingt wieder Kontakt zum inneren Kind aufzunehmen, entweder allein oder mit Hilfe eines geschulten Menschen.

Es gibt mehr als eine Möglichkeit, sich seine Lebensfreude wieder zu holen, zum Beispiel durch eine entsprechende Visionsreise

Ich habe das einmal mit einem männlichen Klienten gemacht, der ebenfalls an Überpflichtbewußtsein litt und schon einige Krankheitssymptome dadurch bekommen hatte. Gemeinsam schickten wir seine Fantasie auf die Reise. Er stellte sich vor, wie er sein inneres Kind aus einem dunklen Verlies befreite, es tröstete, reinigte, heilte, fütterte und mit ihm spielte.
Während der ganzen Fantasiereise weinte er bittere Tränen, aber danach veränderte sich sein ganzes Leben. Er hatte selbst bereits einen Sohn, den er viel zu streng und ohne Verständnis für dessen kindliche Bedürfnisse erzogen hatte.
Erst jetzt fing er an zu begreifen, daß Kinder Spaß brauchen und Freiräume, in denen sie allerlei kindliche Abenteuer erleben wollen.
Zuvor hatte er seinem Sohn nie gestattet, sich schmutzig zu machen, aber jetzt hüpfte er sogar selbst mit ihm durch die Pfützen und lachte und kasperte mit ihm herum.
Als der Mann das nächste Mal zu mir kam, hatte er sich verändert. Er trug keine Krawatte mehr, sondern einen legeren Pullover und auch sein Gesicht hatte sich verändert. Seine Gesichtszüge, die vorher angespannt und grau gewirkt hatten, waren jetzt strahlend und offen. Er erzählte mir freimütig, daß er seine bisherige Kindererziehung als Fehler empfand und vieles nun umgestellt hatte.

Seine Symptome waren verschwunden

Ein ähnlicher Fall war eine Klientin, die seit ihrer frühen Kindheit gezwungen war, sich um ihre beiden jüngeren Geschwister zu kümmern. Da ihr schon so früh abverlangt worden war, wie eine Erwachsene zu denken hat, hatte sie verlernt zu spielen und nun, da sie eigentlich frei war zu leben und ihr Leben zu genießen, stellten sich allerlei Symptome und depressive Verstimmungen ein. Auch sie machte mit mir die Reise zum inneren Kind. Durch diese Visionsreise hatte sie die Möglichkeit, sich endlich einmal selbst genau so viel Liebe, Aufmerksamkeit und Fürsorge zu geben, wie sie es mit ihren jüngeren Geschwistern getan hatte.
Das veränderte ihre Einstellung zu sich selbst vollkommen. In all den Jahren war es ihr gar nicht aufgefallen, wie wenig Zuneigung sie selbst eigentlich bekommen hatte.

Unter Mangel an Liebe leiden wir Menschen fast alle. Kaum einer von uns hat als Kind so viel Liebe bekommen, wie er oder sie gebraucht hätte. Wir sind alle mehr oder weniger hungrig danach

Aber es hat keinen Sinn, die Eltern deswegen anzuklagen. Unsere Eltern haben so viel gegeben, wie sie geben konnten, und es führt zu nichts, wenn wir im Nachhinein verlangen, daß sie mehr hätten geben sollen, nicht wahr?
Aber wir können das selbst tun. Wir können uns selbst die Mutter sein.


Wenn Sie das gern ausprobieren möchten, habe ich hier folgende kleine Übung für Sie:
Suchen Sie sich einen Nachmittag oder einen freien Tag aus, so daß Sie auch die Zeit für diese Übung haben und ungestört sind. Machen Sie es sich in einem Sessel bequem. Es ist besser, die Übung im Sitzen zu machen, weil wir im Liegen sehr leicht dabei einschlafen könnten. Also suchen Sie sich einen schönen bequemen Sessel, nehmen Sie sich noch eine kuschelige Decke dazu und schließen Sie die Augen.
Erinnern Sie sich nun an einen Moment in Ihrer Kindheit, in dem Sie allein waren. Stellen Sie sich diesen Augenblick bildlich vor. Sehen Sie sich selbst in Ihrer Fantasie, wie Sie vielleicht in Ihrem Kinderzimmer sitzen oder auf der Straße vor dem Haus. Und dann stellen Sie sich vor, daß Sie als die erwachsene Person, die Sie jetzt sind, zu diesem Kind hingehen.

Stellen Sie sich dem Kind vor. Sagen Sie ihm, Sie seien gekommen, um ihm zu helfen. Gewinnen Sie das Vertrauen des Kindes

Und wenn Ihnen das gelungen ist, dann fragen Sie das Kind: „Was brauchst Du? Was kann ich für Dich tun?“
Vielleicht antwortet das Kind dann, daß es mit Ihnen spielen möchte. Dann tun Sie es, stellen Sie sich vor, wie Sie mit dem Kind, das Sie selbst einmal waren, spielen.
Vielleicht wünscht sich das Kind auch etwas anderes, vielleicht möchte es ein Eis haben. Dann stellen Sie sich vor, wie Sie dem Kind in einer Eisdiele ein riesiges Eis kaufen. Vielleicht möchte das Kind in den Arm genommen werden, oder es möchte Ihnen seinen Kummer erzählen.
Was es auch immer sein wird, gehen Sie liebevoll darauf ein.
Jede Minute, die Sie diesem Kind widmen, ist eine Minute der Selbstheilung für Sie. Jeder Tropfen Liebe, den Sie zu diesem Kind fließen lassen, ist ein Tropfen Liebe, der Ihren eigenen Hunger stillt, denn Sie und das Kind sind Eins.
Die Antworten, die das innere Kind uns gibt, kommen zu uns als plötzliche Eingebungen, Ideen oder einfach als Gefühle, die in uns auftauchen. Wir müssen unserer Fantasie ein wenig freien Lauf lassen und auf das eingehen, was uns so in den Sinn kommt.
Es ist eine schöne Übung, die meistens viel Freude macht. Es kann aber auch sein, daß ein paar Tränen fließen. Dann lassen Sie sie fließen, Es sind Tränen der Heilung, Tränen, die schon lange darauf gewartet haben, endlich geweint zu werden.
Nur auf eines möchte ich Sie gern noch aufmerksam machen, weil es sehr wichtig ist. Wenn Sie das Kind fragen, was es braucht, dann kann es sein, daß das Kind antwortet: „Mach, daß meine Mama mich lieb hat“, oder „Mach, daß mein Papa mich lieb hat.“ Das ist aber unmöglich. Sie haben keine Macht über Ihre Eltern und sollen auch keine haben. Sie haben bei dieser Übung nur die Macht über sich selbst. Sie können daher nicht bewirken, daß Ihre Mutter Sie liebt, wenn das nicht vorher auch schon der Fall war. Es bringt auch nichts, sich das einfach vorzustellen. Ich sage zu meinen Schülern immer gerne:

Nur wir selbst sind das Universum, über das wir verfügen können

Wenn Sie sich selbst Liebe geben, indem Sie das innere Kind umarmen, so wird Sie das heilen, stärken und verändern. Wenn Sie sich aber vorstellen, Ihre Mutter würde kommen und Sie in den Arm nehmen, wird das nur eine Vorstellung sein, aber keine Wirkung haben.
Trotzdem gibt es etwas, das Sie tatsächlich tun können, wenn das innere Kind so eine Antwort gegeben hat. Sprechen Sie dann mit dem Kind, sagen Sie ihm: „Ich habe keine Macht über deine Mutter. Ich kann nicht machen, daß sie sich verändert. Aber ich kann Dich an ihrer Stelle lieben. Ich kann Dir alles geben. Ich kann Dich in den Arm nehmen, trösten, Dir zuhören, Dich bewundern und Dir Anerkennung geben. Ich kann Dir auch die Welt erklären. Ich kann deine Mutter für Dich ersetzen. Möchtest Du das gerne?“
Jedes einsame Kind freut sich über so viel liebevolle Aufmerksamkeit. Das Kind wird nicht zögern, so ein Angebot anzunehmen.

Und so können Sie sich selbst heilen und den Hunger nach Liebe stillen. Zugleich stellen Sie den Anschluß wieder her an die innere Quelle der Lebensfreude

Wundern Sie sich nicht über erstaunliche Veränderungen. Vielleicht werden Sie auf einmal Lust bekommen, sich ein Eis zu kaufen oder durch den Regen zu laufen, vielleicht sehen Sie auf einmal wieder die Frühlingsblumen oder haben die Idee, in einen Kinderfilm zu gehen. Vielleicht werden Sie ein bißchen weniger arbeiten. Das kann durchaus die Folge dieser Übung sein.

Aber wenn Sie dafür mehr Freude, Kraft und Gesundheit bekommen, dann ist es das wert.
Autorin: Kim Barkmann
Lebensberaterin, Altensalzwedel
Bücher von Kim Barkmann


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