Passivrauchen schädigt Majoran
Jun 04

Verbascum densiflorum Bertol

Ihren Namen hat diese großblumige Pflanze, die bis zum 3 Meter hoch wachsen kann, gewiss wegen ihres geraden, königlichen Wuchses.
Sie gedeiht hierzulande auf steinigen Böden, das heißt an sonnigen Böschungen, auf Bahndämmen, Brachflächen oder Schuttplätzen.

Geschichtliches
Ursprünglich stammt die Königskerze aus Mittel-, Ost- und Südeuropa. Sie ist aber auch in Kleinasien, Nordafrika und Äthiopien zuhause. Importiert wird die Teedroge derzeit aus Bulgarien oder der Tschechoslowakei, oder aus Ägypten.


Bei unseren Vorfahren war die Heilkraft der Königskerze wohlbekannt. So benutzte der berühmte Arzt Dioskurides (verfasste griechische Arzneikunde) die Wurzeln und Blätter, um Durchfälle zu behandeln, setzte sie auch bei Magenkrämpfen, Wunden, Geschwüren und Schwellungen ein. Aristoteles (384 vor Zeitwende, Kunst, Geschichte, Pflanzen) nutze den Samen zum Fischfang. Dies gleicher Weise wegen der nervenlähmenden Wirkung des Inhaltsstoffes Saponine. Die Heilige Hildegard von Bingen verschrieb den schwermütigen Patienten, dass sie Blätter und Blüten, zusammen mit Fleisch, Fisch oder Mehlspeisen gekocht, zu sich nehmen sollten, um wieder ein starkes und freudiges Herz zu bekommen.
Lonicerus (1528 bis 1586, Frankfurter Arzt mit Kräuterwissen) verwendete die Königskerze bei Brustverschleimung, Herzschwäche und Fieber, bei Wunden und Geschwülsten. Als Öl rühmt er ihre Wirkung zur Förderung des Haarwuchses.

In der Volksheilkunde galt die Königskerze als gutes Mittel gegen Krankheiten der Atemwege.
Der Pflanze wurde auch Zauberkraft zugeschrieben und ihre Wurzeln, als Amulett getragen, sollte vor Krankheiten schützen.
In Niederbayern stand diese Pflanze unter dem besonderen Schutz der Jungfrau Maria und wurde bei Kirchenfesten vielfach als Schmuck für Altare und bei Prozessionen verwendet.

Ernte
Die Blütezeit ist Juni bis Oktober. Bei der mehrere Wochen dauernden Ernte werden morgens die völlig geöffneten Blüten mit der Hand von den Blumenkronen gepflückt. Das Sammelgut wird sofort sorgsam in dünner Lage auf ein Backblech ausgebreitet und rasch bei 50° C bis 60° C getrocknet. Die sehr empfindliche Droge muss vor Feuchtigkeit und Licht geschützt aufbewahrt werden.
Blätter werden gesammelt, wenn die Pflanze nicht in Blüte steht. Es muss jedoch darauf geachtet werden, dass genügend Blätter am Stiel bleiben, damit das Gedeihen der Pflanze nicht gefährdet wird.

Inhaltsstoffe
Die Wirkstoffe der Königskerze sind
Saponine: senken Cholesterin, unterstützen Verdauung und wirken gegen Magenerkrankungen.
Schleim: fördert den Hustenauswurf.
Ätherische Öle: wirken antiseptisch.
Flavonoide: entzündungshemmend, durchblutungsfördernd, antiallergisch.
Der Duft erinnert an Honig, der Geschmack ist süßlich. Die getrockneten Blütenblätter werden gerne anderen Teesorten beigegeben, um diesen Duft und Farbe zu verleihen.


Achtung!
Königskerzen können in wenigen Fällen allergische Hauterscheinungen hervorrufen.
Da die Unbedenklichkeit nicht ausreichend erforscht ist, empfiehlt es sich, diese Droge nicht während einer Schwangerschaft oder der Stillzeit anzuwenden.

Anwendung
Tee: 2 geh. EL Blüten mit 150 ml kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen, durchsieben. Täglich vier Tassen trinken. Bei Husten, Heiserkeit, besonders Keuchhusten
Teekonzentrat: 4 Handvoll Blüten mit 1 l kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen, durchsieben, in Badewasser geben. Zur Bekämpfung von Juckreiz bei Hauterkrankungen wie Allergie und Ekzeme und bei Rheuma
Umschläge: Die Blätter werden gewalkt und als Umschläge auf betroffene Stellen gelegt. Das wirkt gut bei Geschwüren und Rheuma, sowie bei schmerzenden Gelenken

Beispiele aus meiner Kräuterpraxis:

Half gegen ständiges Räuspern
Bei einem Referenten, der auf der gleichen Veranstaltung wie ich, Vorträge hielt, war mir aufgefallen, dass er sich während seiner Ansprache oft räuspern musste. Ich sprach ihn daraufhin an. Auch unsere Unterhaltung wurde von seinem ständigen Räuspern unterbrochen. Meinen Rat, gegen seine angegriffenen Stimmbänder täglich mehrere Tassen Königskerzen-Tee zu trinken, nahm er gerne an. Viel später, als ich ihm wieder begegnete, erzählte er mir, dass das Räuspern wie durch einen Zauber verschwunden sei. „Das war nur Ihr Tee“ lobte er meinen Rat. Von Zeit zu Zeit wiederholt er nun seine Kur und ich bin sicher, die Beschwerden tauchen nicht mehr auf.

Zartes Kind war erkältungsanfällig
Der Mutter eines ewig erkälteten, kleinen, zarten Mädchens riet ich, ihr eine Hustenteemischung aufzubrühen. Diese sollte zu gleichen Teilen aus Königskerzenblüten, Huflatteriechblättern und Spitzwegerichblättern bestehen. Diesen Tee sollte das Kind während der kalten Jahreszeit regelmäßig trinken. Die Mutter berichtete mir, dass die Überempfindldichkeit weg sein, ihre Kleine hätte jetzt gelegentlich Husten und Schnupfen, wie andere Kinder auch, könne das aber jedes Mal innerhalb weniger Tage überwinden.

Stimme einer Opernsängerin
Eines Tages erhielt ich den Anruf einer Opernsängerin. Mein Rat war ihr von einem gemeinsamen Bekannten empfohlen worden. Sie berichtete mir, dass ihre Stimme so empfindlich auf jeden Kältereiz und erst recht auf Zugluft reagiere. Selbst bei warmem Wetter müsse sie meistens mit einem Schal herumlaufen. Sie fragte mich, ob ich ihr nicht etwas zur Stärkung ihrer Stimmbänder anraten könne. Seither schwört sie auf Blütentee von der Königskerze, abwechselnd mit Malventee getrunken. Die Dame rief mich einige Monate später wieder an, um sich zu bedanken. Ihre Stimme sei nun deutlich weniger empfindlich.

Die Königskerze ist praktisch überall zu finden und leistet gute, kostenlose Hilfe bei allerhand Alltagsbeschwerden.
Immer wieder stelle ich fest, dass solche überlieferten Weisheiten, die schon für unsere Vorfahren nützlich waren, den heutigen schweren Medikamenten in ihrer Wirkung oftmals durchaus ebenbürtig, wenn nicht überlegen sind.

Autorin: Hidelgard Kita (Kräuterfrau)

Buchtipps zu diesem Artikel:
Dr. Küche und Dr. Gaten


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