Höflichkeit, eine stillschweigende Übereinkunft Der Hokkaido-Kürbis
Dez 23

Ein Wurm, der Blut saugt – da ekeln sich manche Patienten
Ist das denn überhaupt noch zeitgemäß?

Heilpflanzen erfreuen sich seit alters her großer Beliebtheit; dagegen gibt es nur noch wenig Tiere, die im medizinischen Bereich eingesetzt werden.
Der medizinische Blutegel (Hirudo medicinalis) ist wohl ihr bekanntester Vertreter und das mit gutem Grund. Er kann z.B. wiederangenähte Gliedmaßen retten und von „schweren Beinen’“ befreien.

In einigen Kliniken, insbesondere in der Unfallchirurgie und der Gesichtschirurgie, hat die Blutegeltherapie ihren festen Platz gefunden.

Der Grund dafür ist die durchblutungsfördernde Wirkung. Hier werden sie erfolgreich eingesetzt nach Transplantationen. Sie bringen den Rückfluß des Blutes in Gang, ohne die schweren Nebenwirkungen abschwellender Medikamente. Schon manches angenähte Körperteil wurde so gerettet.

Blutegel in der Naturheilkunde
Heilpraktiker setzen bei einer Reihe von Krankheiten auf die „kleinen Vampire“. Sie zählt seit der Antike zu den körperentgiftenden Verfahren.
Im Unterschied zum Schröpfen oder Aderlaß wird allerdings nicht nur Blut abgelassen. Forschungen haben gezeigt, daß der Speichel des Saugers Wirkstoffe enthält, die bei seiner Mahlzeit in den Blutkreislauf gelangen. Bisher wurden 16 verschiedene Stoffe extrahiert, die nur teilweise erforscht sind.
Beinleiden und Gefäßschäden sind die größte und bekannteste Domäne der Blutegel. Thrombosen lösen sich auf, Venenentzündungen und Krampfadern werden gelindert.
Die Liste weiterer Anwendungsmöglichkeiten ist lang: Bei Arthrose, Kopfschmerzen, Gürtelrose, klimakterischen Beschwerden, Bluthochdruck und Entzündungen aller Art werden Egel mit Erfolg eingesetzt.

So sieht die Anwendung mit Blutegel aus
Etwa 4 bis 12 Egel werden pro Behandlung angesetzt. Als Regel gilt: Je chronischer eine Erkrankung, desto weniger Egel werden angesetzt, aber desto öfter erfolgt eine Wiederholung. Der Biß ist einem Insektenstich vergleichbar – ein Pieken oder Ziehen. Nach etwa 1/2 bis 1 Stunde Saugen ist der Egel gesättigt und fällt ab. Durch die gerinnungshemmenden Wirkstoffe blutet die Wunde noch ca. 12 bis 24 Stunden nach. Dieser Effekt ist erwünscht und wird nicht gestoppt, sondern mit einem Verband versorgt.
Viele Patienten fürchten durch das Ansetzen der Egel eine Übertragung von Krankheitserregern. Jedoch wird dies von Experten ausgeschlossen. Zum einen wird die Wunde durch das lange Nachbluten gereinigt, zum anderen enthält das Egelsekret ein natürliches Antibiotikum. Als Vorsichtsmaßnahme werden Egel jedoch nur einmal verwendet. Danach werden sie abgetötet, oder sie kommen in einen „Rentnerteich“ beim Züchter. Manche geheilten Patienten sind ihren Wohltätern jedoch so dankbar, daß sie sie mitnehmen und im eigenen Gartenteich aussetzen.

In einer Gesellschaft, in der die Menschen mehr an den Nebenwirkungen ihrer Medikamente leiden als an ihren Grunderkrankungen, und in der das Gesundheitssystem wegen der astronomischen Kosten zusammenbricht, wäre es eine sträfliche Nachlässigkeit, diese hervorragende Behandlungsmethode, die die Natur uns gegeben hat, nicht zu nutzen.

Aus meiner Praxis
„Kann ich sofort kommen?“
Der Mann hat es wirklich eilig, dachte ich bei mir. Immerhin war es ein Samstag, und ich war gerade aufgestanden, weil ich heute keine Sprechstunde hatte. Hoffentlich hat er einen guten Grund dafür. Den hatte er. Seine Frau brachte ihn zu mir, denn er konnte nicht Auto fahren, und auch das Laufen war beschwerlich. Als er in der Praxis saß sah ich, warum: Der große Zeh war dick und rot, absolut berührungsempfindlich und bereitete nach Aussage meines Patienten „höllische Schmerzen, von denen ich heute nacht aufgewacht bin.“ „Was haben Sie denn gestern gemacht, waren Sie aus?“ Es stellte sich heraus, daß das Ehepaar am Freitag eingeladen gewesen war, man hatte gegrillt, und auch Bier und „Kurze“ waren reichlich geflossen. Nach unserem Gespräch ist mir die Sache ziemlich klar – ein typischer Gichtanfall. Verständlich, daß der Mann solche Schmerzen kaum aushalten kann. „Ich setze Ihnen Blutegel an den Fuß, dann werden Sie bald Erleichterung haben.“ „Muß das denn wirklich sein? Gibt es keine Medikamente dagegen?“

Solche Einwände sind mir nicht neu. Die meisten Menschen, denen ich diese Behandlung vorschlage, empfinden erst einen gewissen Ekel vor „den Würmern, die da auf mir rumkriechen.“

Meinem Notfallpatienten und allen anderen erkläre ich, daß das schnellste Mittel mit den wenigsten Nebenwirkungen der Egel ist. Das gilt nicht nur in diesem Fall, sondern auch bei allen anderen akuten Entzündungen – ja sogar bei akuter Nebenhöhlenvereiterung, Bronchitis, Sehnenscheiden- und Schleimbeutelentzündung, Furunkel und Karbunkel, Gürtelrose, Mittelohr- und Mandelentzündung, sowie bei Entzündungen von Rippenfell und Gallenblase.
Das ist für die meisten Menschen neu, denn da diese Methode wegen des Zeit- und Materialaufwandes nur noch von wenigen Behandlern angewandt wird, erinnert man sich von früher höchstens noch an ihre Hilfe bei Krampfadern und Hämorrhoiden.

Ich räume auch auf mit dem Vorurteil, die Egel würden nach Belieben auf dem ganzen Körper spazieren gehen.

Mein kleiner Helfer wird von mir punktgenau angesetzt, genau wie eine Spritze oder eine Akupunkturnadel. Dort saugt er sich fest, der Patient empfindet jetzt einen leichten Stich, und dann wird sich das Tier nicht mehr von der Stelle bewegen, bis es sich dick und vollgesogen abfallen läßt. So geschieht es auch bei meinem heutigen Patienten, und nach einer Stunde verläßt er strahlend meine Praxis. Bereits während der Sitzung haben die Schmerzen nachgelassen, und er kann das Gelenk schon wieder etwas bewegen.
„Wenn ich gewußt hätte, daß das so unkompliziert ist…“

Allen Zögernden kann ich nur Mut zusprechen. Es lohnt sich, auf diese bewährten Helfer zurückzugreifen. Oft nehmen Patienten zugunsten einer raschen Hilfe gefährliche Nebenwirkungen in Kauf, ohne in Betracht zu ziehen, daß langfristiger Gesundheitsschaden daraus entstehen kann.

Möchten Sie einmal ausprobieren, wie erstaunlich die Egel-Therapie wirkt? Fragen Sie beim Heilpraktikerverband nach einer Behandlungsmöglichkeit mit Egeln in Ihrer Wohnnähe.

Mit großem Erfolg werden Blutegel eingesetzt bei:

  • Krampfadern
  • Hämorrhoiden
  • akuten Entzündungen – Ohren, Augen, Lunge, Rippenfell
  • Wechseljahrsbeschwerden
  • großen Blutergüssen
  • frischen Operationswunden zur Unterstützung der Heilung

Artikel: Bioline-Magazin (Birgit Buer)


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