Gesund durch Farben Schlankheitskuren en gros
Mai 24

Da stand ich mal wieder im Stau. Daß eine Autobahn zu bestimmten Zeiten nur noch vom Namen her eine Schnellstraße ist, diese Erfahrung haben sicherlich die meisten Menschen schon mehr als einmal gemacht. Und dieses Mal betraf es auch mich. Auf dem Weg zum Wochenend-Seminar befanden sich einige Baustellen, wußte ich schon aus den Verkehrsnachrichten. Ich hatte mich demzufolge bereits auf Verzögerungen eingestellt.
Sicher, ich reise gerne möglichst schnell von A nach B. Ich freue mich ja auf das, was mich am Ziel erwartet.
Aber verlorene Zeit, das soll für mich die Fahrt auf keinen Fall bedeuten.
Vor Jahren war ich mit solchen Situationen noch völlig anders umgegangen. Wenn der zähe Verkehrsfluß einen sich anbahnenden Stau erahnen ließ, sträubten sich mir schon sämtliche Haare und ich überlegte fieberhaft, wie ich diesem Übel entgehen könnte. Innerlich damit beschäftigt, mir alternative Routen in Erinnerung zu rufen, setzte ich mich unter Zeitdruck. Dabei bewunderte ich insgeheim diejenigen, die mit stoischer Gelassenheit an den Stau heranfuhren, und auch nicht noch einmal schnell die Spur wechselten, in der Hoffnung, diese würde sich ein bißchen schneller bewegen. Ich sah, wie sie sich dann gemütlich räkelten und streckten und danach interessiert in die anderen Wagen schauten und mir freundlich lächelnd zunickten.


„Die haben wohl wirklich alle Zeit der Welt“, dachte ich dann oft im Stillen. Beneidenswert. Bei mir war diese Ware knapp

Auch heute ist dies ja bei vielen Menschen in helfenden Berufen der Fall. Und nicht nur dort. Der Begriff „Zeit-Streß“ ist heutzutage ein Markenzeichen geworden, mit dem die Wichtigkeit einer Person und ihr Erfolg gemessen werden.

Doch Gott sei Dank kommen wir immer wieder in Situationen, die unser bisheriges Denken in Frage stellen. Und vielleicht ahnen Sie jetzt schon, daß ich zu den Glückskindern gehöre. Ich bin wirklich unter einem günstigen Stern geboren, und das auch noch an einem Sonntag. Und so geschehen mir die rechten Dinge stets zum rechten Zeitpunkt.

Wie mein wirklich hart verdienter Urlaub im März 1995. Endlich wollte ich mir Zeit und Muße gönnen. Die sonnenbeschienenen Straßencafes und Promenaden Südfrankreichs zog ich zu diesem Zweck unserem noch recht frostigen Frühlingsstart vor. Für die etwa 12 Stunden Fahrtzeit machte ich mich noch in der Nacht auf den Weg. Belgien durchfuhr ich in der aufziehenden Dämmerung, und als ich die Ardennen überquerte, kündigte sich der Sonnenaufgang an.
Und das ist es, wovon ich Ihnen jetzt erzählen möchte. Nun braucht die Sonne ja einige Zeit, um über die Gipfel zu wandern. Mit jedem Male, wenn ich aus dem Tal wieder nach oben fuhr, war das zarte Morgenrot kräftiger und leuchtender geworden. Gleich, gleich mußte die Sonne aufgehen. Ach, und ausgerechnet da führte die Autobahn wieder talwärts. Warte noch ein bißchen, flüsterte ich, gleich bist du auf dem nächsten Hügelkamm. Ob es nun an meiner Sehnsucht nach Ruhe und Besinnung lag, die ich mir für diesen Urlaub wünschte, oder an der Kassette, die ich mir für diese Fahrt ausgesucht hatte: Vivaldi`s L`estro armonico, ich wollte diesen Sonnenaufgang nicht verpassen.


Nun, da ich ja ein Glückskind bin, wartete die Sonne doch tatsächlich auf mich

Als ich auf dem oberen Plateau ankam und die dichten Tannen den Blick auf die Gipfelkette im Osten freigaben, da ging sie auf in ihrer ganzen Pracht und Herrlichkeit. Wie schön, daß ausgerechnet dort auch eine Parkbucht an der Seite war. Und so genoß ich dieses unbeschreibliche Farbenspiel mit Vivaldi als Begleitmusik. Haben Sie dieses Konzert je bei einem Sonnenaufgang gehört? Immer wenn ich diese Musik wieder genieße, habe ich den Sonnenaufgang in den Ardennen vor Augen. Als nach geraumer Zeit die Berglandschaft von klarem Licht durchflutet war, atmete ich noch einmal tief durch. Die Hand schon am Zündschlüssel des Wagens, kam mir plötzlich ein ganz unvermuteter Gedanke. Sie hat wirklich auf mich gewartet, die Sonne, auf mich kleines Menschlein. Dabei hätte ich doch ebenso gut auf sie warten können. Ich hätte mir diesen Wunsch, den Sonnenaufgang über den Ardennen als besonderes Schauspiel zu genießen, doch viel einfacher erfüllen können, wenn ich schon beim ersten Ankündigen dieses Ereignisses auf einem Gipfel angehalten und in Muße zugesehen hätte, wie das Farbenspiel sich entfaltet.
Auch wenn ich die Wärme und Ruhe in Südfrankreich wirklich genossen habe und mich noch lange voll Freude an diese schönen Tage erinnerte, so stand in diesem Urlaub doch ein ganz anderes Thema im Vordergrund: meine Einstellung zur Zeit. Selbst auf ein Glückskind würde die Sonne nicht jedes Mal warten. Aber ich bin ja frei in meiner Entscheidung, wie, wann und wie oft ich mir solche Momente der erfüllten Ruhe gönne.
Seitdem hat der Begriff der Zeit für mich eine andere Qualität. Sicher erledige ich alle notwendigen Dinge immer noch mit angemessener Schnelligkeit, um denn auch ein genügendes Kontingent an Muße tagtäglich zur Verfügung zu haben. Doch wenn es dann mal nicht so schnell geht, wie ich es mir wünsche, dann gönne ich mir eine Atempause.

Verloren ist diese Zeit nie. Nein, im Gegenteil, sie ist eher geschenkt. Eine Pause, um innezuhalten, in Ruhe durchzuatmen, mich auf mich besinnen und einen schönen Gedanken zu pflegen. Die so konzentrierte Muße wirkt aufbauend und erfüllend

Doch Sie müssen jetzt nicht bis zum nächsten Stau auf der Autobahn warten, um den wahren Zauber der Zeit zu erfahren. Jeder Tag bietet mir und auch Ihnen einen großzügigen Rahmen, sich immer wieder einmal Zeit zu schenken. Fünf Minuten genügen vollauf. Die können wir alle irgendwann im Laufe des Tages erübrigen. Eine meiner Freundinnen nutzt die Zeit des täglichen Abwaschens dazu. Einige meiner Patienten schenken sich Zeit, indem sie die Treppe statt des Fahrstuhls benutzen. Und geht es bei manchen ein wenig langsamer voran, so bedeutet dies ja gleichzeitig ein bißchen mehr geschenkte Muße-Zeit. Das ist doch schön.
Ob Sie sich diese erfüllte Ruhe gleich nach dem Aufwachen oder direkt vor dem Einschlafen schenken möchten, sie läßt sich in jeden Tagesablauf einbauen. Und täglich sollten Sie diese Kraftquelle pflegen. So macht sich bald die wohltuende Wirkung bemerkbar.
Ist es nicht schön, Zeit für Muße und Ruhe wieder im Alltag zu finden, anstatt sich ständig nur auf das kommende Wochenende oder gar erst den ersehnten Urlaub freuen zu müssen.
Und wer jetzt immer noch meint, daß sein irdisches Zeitkontingent so knapp bemessen sei, daß auch die Zeit für Ruhe strikt dezimiert werden müsse, den möchte ich kurz an ein naturwissenschaftlich festgestelltes Phänomen erinnern.

Die Sonne braucht für ihren täglichen Gang von Ost nach West durchschnittlich 24 Stunden. Die Sterne jedoch ziehen etwas schneller ihre Bahnen und brauchen demzufolge für diesen Weg nur 23 Stunden und 56 Minuten. Jeden Tag aufs Neue trennt sich der Zyklus der Sonne von dem der schimmernden Sternenwelt um ganze vier Minuten voneinander. Jeden Tag bleiben vier Minuten im kosmischen Raum.
Wenn selbst das Universum es seit Jahrtausenden gelassen hinnimmt, daß täglich 4 Minuten als zeitlicher Freiraum im Kosmos bleiben, dann sollte uns dies als Anregung genügen. „Sternenzeit“ nennen wir dieses Phänomen.

Horchen Sie einmal hin, ist das nicht ein wunderschöner Name, ein Wort zu Träumen.

Haben Sie vielleicht gerade in diesem Augenblick fünf Minuten Zeit, sich der Muße hinzugeben und diesem Wort in Ruhe nachzuspüren? Dann nutzen Sie diese doch jetzt gleich für Ihre erste kleine Übung, sich selber Zeit zu schenken.
Ich wünsche Ihnen viel Freude dabei.

Autor: Margot Sistig-Kummer
Kogn. Verhaltenstherapeutin und Heilpraktikerin


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