Esssucht Fenchel (Foeniculum vulgare)
Apr 28

Zunächst möchte ich die schlechte Nachricht bekannt geben:
Man verliert die Eßsucht nie! Sie bleibt (latent) immer vorhanden. Der Betroffene ist lediglich, vergleichbar mit dem Alkoholkranken, „trocken“.
Aber es gibt auch eine gute Nachricht:
Man kann es üben, mit der Eßsucht so zu leben, daß sie ihre Gefahren weitgehend verliert.

„Ich bin eßsüchtig!“
Der Weg aus der Sucht-Abhängigkeit beginnt exakt mit diesem Satz. Genauso wie es für die anonymen Alkoholiker ein Selbstverständnis ist, sich auf diese Weise zu offenbaren:
„Ich bin Alkoholiker!“ Dieses Bekenntnis beinhaltet, daß ich es erkannt habe, daß ich dazu stehe, nichts verschleiere.
Und es heißt auch: „Ich weiß den Weg!“ und der ist unlösbar verbunden mit totaler Offenheit und Ehrlichkeit. Gegenüber meinem sozialen Umfeld – aber vor allen Dingen mir selbst gegenüber.
Ist das einmal ausgesprochen, kann die Arbeit an der Überwindung beginnen.
Nur zu gerne verniedlicht man ja, bagatellisiert oder macht die (bösen) Mitmenschen verantwortlich.

Jeder kennt die Ausreden:

  • Ich nehme schon vom Hinsehen zu
  • Ich bin eben ein guter Futterverwerter
  • Eigentlich esse ich nicht viel
  • Die Anderen überreden mich immer
  • Wenn nur die vielen Einladungen nicht wären
  • Die paar Pfündchen nehme ich schnell wieder ab
  • In meiner Familie ist das Übergewicht erblich bedingt

Es stimmt, ein paar Pfündchen sind wirklich kein Problem. Ein Problem wird erst daraus, wenn der Kampf gegen viele oder wenige Pfündchen ein ganzes Leben lang dauert.
Wer ausdauernd gegen viel oder wenig Übergewicht kämpft, ist vermutlich eßsüchtig. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob die Überpfunde 5 kg oder 50 kg betragen. Will man den Kampf dagegen aufnehmen und für immer gewinnen, ist ein gutes Konzept erforderlich, das langfristig anwendbar ist.
Eine normale Diät mit FDH, Pülverchen oder Fasten hilft nach meinen Erfahrungen nur vorübergehend. Anschließend ist man schlimmer dran als zuvor. Denn der Körper hat nichts Eiligeres zu tun, als das „verlorengegangene Gewicht“ rasch wieder aufzuholen. Um das zu erreichen, signalisiert er Hunger und Appetit.
Auf diese Weise führt der/die Betroffene oft ein Leben lang einen schier aussichtslosen Kampf gegen Lust und Genuß zu Gunsten von Verzicht, Frust und eiserner Disziplin.

Die Hintergründe der Sucht
Die Aufnahme von Neuem führt zur Bewußtseinserweiterung. Der Ersatz von geistiger Nahrung durch stoffliche Nahrung führt zur Körpererweiterung. Hier stellt sich die Frage, wo man sich nicht öffnen kann, wo man nicht hineinlassen kann, wo uns das Urvertrauen fehlt.
Der Eßsüchtige sucht einen Ausweg. Er ersetzt die geistige oder seelisch notwendige Nahrung durch Essen. Dadurch vergrößert sich nicht der geistige Horizont, sondern nur die Ringe um Bauch und Hüften.
Zuviel essen ist immer eine Ersatzhandlung. Der Eßsüchtige lebt die Liebe nur im Körper, da er es ins Bewußtsein nicht schafft.

Man „frißt“ alles in sich hinein. Das Resultat wird „Kummerspeck“ genannt

Die Suche nach Liebe, Bestätigung, Belohnung wird auf der falschen Ebene versucht zu befriedigen. Sehen wir uns einmal an, wie und was wir essen, wenn die Eßgier uns überkommt:

Süß, sahnig, schmelzend
Süßes ist ein Trost. Man will möglichst nicht kauen, keine Herausforderung annehmen, keine Arbeit damit haben. Schönes, Tröstendes aufnehmen in sich, ohne daß es Anstrengung kostet. Weich soll es sein, im Mund zergehen. Man will sich nicht stellen, sondern etwas erhalten, für das keine Gegenleistung (kauen) zu erbringen ist.

Scharfes Essen
Ohne es zu wissen, ist man auf der Suche nach neuen Lebensinhalten und neuen Reizen, nach dem Motto: „Mir ist langweilig!“. Die Überlegung läge nahe, diese nicht aus dem Kühlschrank zu befriedigen, sondern sich neuen Aufgaben zu stellen, sich umzuschauen nach neuen Herausforderungen, Lernstoffen, Hobbys, neuen Menschen. Nur haben wir es verlernt, neuen unerwarteten Problemen neugierig und offen entgegenzusehen, dieses im Bewußtsein der eigenen Kraft. Wir fürchten, plötzlich konfrontiert zu werden mit Dingen, die man vorher nicht abschätzen kann. Da geht man lieber auf Nummer Sicher. Die Bedürfnisse werden auf einer Ebene befriedigt, die bekannt (ungefährlich) und überschaubar ist. Statt der spannenden und neuen Lebensinhalte, mit denen man Reiz und Abwechslung in den Alltag bringen könnte, weicht man aus auf einen Reiz für Gaumen und Zunge.

Fleisch, Salat, knackiges Gemüse, herzhaftes Brot, Nüsse, Chips
Hier spielt der Wunsch eine Rolle, sich durchsetzen, sich durchzubeißen und etwas zu leisten. Widerstände einfach zu zermalmen. Aber auch hier wird eine Ersatzhandlung bevorzugt. Statt mutig auch einmal eine Gratwanderung in Kauf zu nehmen, Widersachern die Stirn zu bieten, selbstbewußt ein Ziel anzustreben, sich nicht ins Bockshorn jagen zu lassen, Konkurrenten durch Leistung und Durchsetzungsvermögen einfach hinter sich zu lassen - hier wieder statt dessen der Griff zu Steak.
Die Zähne zermalmen Salat und Karotten, statt daß der Intellekt die Gegner aus dem Feld räumt…
Da bleibt man lieber auf dem gefahrlosen Terrain des Tellers und kämpft die Schlachten mit Messer, Gabel und Zähnen.

Fetthaltige Nahrung
Fett ist der Hauptgeschmacksträger aller Genüsse. Alles auskosten, ohne es sich mühsam „verdienen“ zu müssen, ist hier die (unbewußte) Motivation für denjenigen, der seine Mahlzeiten mit viel Fett bereitet.

Der Sucht nachgehen ist Feigheit vor dem Leben

Statt die Bedürfnisse der Seele adäquat zu befriedigen, wird dem Körper ein „statt dessen“ angeboten. Es liegt auf der Hand, daß man bei diesem Versuch, eine Befriedigung zu erlangen, mehr und mehr essen muß und nie wirklich satt wird. Wie kann man auch glauben, daß man seelischen Hunger materiell befriedigen kann?

Bietet Fettleibigkeit Schutz?
Eßstörungen haben in unserer Gesellschaft beängstigende Formen angenommen.
Auffällig ist, daß vor allem Frauen daran leiden. Da liegt doch auch die Frage nahe, weshalb sich eine Frau denn freiwillig so „verstümmelt“!
Eine dicke, fettsüchtige Frau grenzt sich körperlich durch ihren Schutzwall ab. Durch ihre „Häßlichkeit“ hält sie sich die Leute buchstäblich vom Leib.
Sie wird von Frauen geliebt, weil sie in ihr nicht die Konkurrenz sehen, sondern die Person, die sie ist. Von Männern wird sie nicht als Sexsymbol taxiert, sondern als Mensch. Diesem kann man auch nicht so sehr weh tun, wie das einer Frau geschieht, die die Liebe leben will. Angst vor dem Enttäuschtsein, vor dem Sich-bekennen-müssen zu einer Attraktivität, der man – vielleicht – nicht gewachsen ist. Und – so ein Fettwall bietet, so hofft man unbewußt, auch Schutz vor anderen Widrigkeiten des Lebens. Nur – diese Hoffnung realisiert sich eben nicht so.
Hinzu kommt die panische Angst, daß jemand diesen Schutzwall durchschaut und die Wirklichkeit dahinter sieht.

Eine alte Volksweisheit sagt:
Gefahr erkannt – Gefahr gebannt!
Tatsächlich gilt das auch für das Suchtverhalten. Insbesondere für die Eßsucht.
Wir können erst „loslassen“, wenn analysiert ist, wo genau das Problem angesiedelt ist, woher genau es kommt.
Soll es überwunden werden, muß es durch eine konkrete Maßnahme ersetzt werden.
Ich empfehle dazu meinen Seminarteilnehmern die psychische und die körperliche Seite gleichermaßen zu berücksichtigen. Kann hier der enge Zusammenhang gesehen werden, ist es zumeist nicht mehr weit bis zur endgültigen Lösung des quälenden Problems.

Muster müssen umgeschrieben werden
Dazu eignen sich Affirmationen. Das sind gelenkte Gedanken, die mit bestimmten Formulierungen oft und oft wiederholt werden
Eß-Gewohnheiten müssen verändert werden
Falsche Ernährungsgewohnheiten müssen erkannt werden und durch bessere, richtige, gesundheitsförderliche Ernährungspläne ersetzt werden. Körperliche Bewegung fördert geistige Beweglichkeit. Einfache Dehnübungen oder Laufen, können der Ausgangspunkt für Veränderung sein.

Erfolg stellt sich rasch ein, wenn die feste Absicht besteht, die Eßsucht zu besiegen. Ich erlebe das Woche für Woche in meinen Seminaren.
Die Teilnehmer erkennen plötzlich die Diät-Fehler der Vergangenheit. Und sie begreifen, weshalb sie bisher mit allen Bemühungen so erfolglos waren. Die wichtigste Erkenntnis daraus ist, daß es im Prinzip recht leicht ist, den Erfolgsweg zu gehen und Ergebnisse zu erreichen, die für immer bleiben.
Eßsucht muß für niemanden ein unentrinnbares Schicksal sein

Jeder kann es schaffen, die Eßsucht zu besiegen, wenn erkannt ist, worin die eigenen Gründe für die Suchtentwicklung zu finden sind.
Und - ein gutes Ernährungskonzept gehört untrennbar dazu. Dazu empfehle ich die Trennkost.

Buchtip:
So wirst Du schlank für immer” (von einer Eßsüchtigen für Eßsüchtige geschrieben)

Artikel: Bioline-Magazin (Ingrid Schlieske)


Verwandte Beiträge:
  • Esssucht
  • Was zeichnet eine gesunde Ernährung eigentlich aus?
  • Süßes genießen trotz Diabeteserkrankung?
  • Viel zu viel Getreide
  • Übersäuerung

  • \\ tags: ,

    Kommentar abgeben

    Bitte Einloggen um einen Kommentar abzugeben.