Familienplanung - Der Tag braucht einen Rahmen Das Immunsystem „hört aufs Wort“
Mrz 13

Von Überwindung, Wandern zum Forellenteich, Meditation im Wald und heilsamen Erkenntnissen
wald-natur.jpgDen ganzen Vormittag habe ich geschrieben. Ein Ende ist nicht abzusehen. Mir raucht der Kopf. Irgendwie brauche ich eine Denkpause. Zum Essengehen mit Freunden ist keine Zeit. Zu viel ist zu tun. Also koche ich mir Pasta. Nicht die gesündeste Entschei-dung, ich weiß, aber Kohlenhydrate beruhigen schließlich. Es wird weiter gedacht, notiert, formuliert und wieder verworfen. Bis, ja bis – es geht nichts mehr! Ich spüre, ich muß raus an die frische Luft. Eine kleine, stramme Wanderung bei dem kühlen Wetter wäre die Rettung.

Und genau jetzt setzt das mir allzu bekannte Spielchen ein:
„ Aber du sitzt doch hier ganz gemütlich und schreibst. Du kannst dir ein Käffchen kochen, es ist kuschelig und warm. Das Wetter draußen ist doch eher trübe. Und laufen strengt an. Außerdem muß du dich erst zünftig ankleiden. Bleib hier. Bald ist es dunkel und wer weiß, wer dir unterwegs begegnet.“
Aber so schnell lasse ich mich nicht abbringen von meinen Ideen. Erst recht nicht, wenn ich sowieso gerade ein black out habe und die Schreiberei ins Stocken geraten ist.
Also wacker pelle ich mich an. Hundeleine vom Haken, einen der beiden Wach-Doggis eingesammelt und los geht es.
Bei der ersten Steigung dann beginnt die Nörgelei wieder: „Kehr um! Der Weg ist anstrengend. Was ist, wenn dir ein Wanderer begegnet und dein Hund fällt ihn an? Kannst du ihn rechtzeitig zurückhalten? Und im Wald erst. Was ist, wenn ein Wild im Unterholz raschelt? Dein Jagdtier folgt seinem Instinkt und du stehst hilflos da. Vielleicht springt der Förster aus dem Gebüsch, legt an und rächt sein gejagtes Reh.“

Ja, ich muß schon zugeben, mein innerer Schweinehund ist manchmal ein richtiger Spaßverderber

Eigentlich, wenn ich es mir recht überlege, will er mich von allem abhalten, was meine inaktive Trägheit gefährdet. Aber so schnell unterliege ich ihm nicht.
So stapfe ich denn tapfer den Berg hoch. Hinter einigen Wegbiegungen dann liegt die allerschönste Landschaft vor mir, die man sich erträumen kann. Ein Pfad zwischen Feldern schlängelt sich sanft talwärts auf einen Wald zu, der als ganzes aufsteigendes Pano-rama vor mir staunendem Wanderer liegt. Ich bin mutterseelenalleine mit meinem Hund auf weiter Flur. Von einigen Kühen abge-sehen, die auf einer entfernten Weide das Bild des Friedens vollenden. Der Wald mit seinen unterschiedlichen Baumsorten hat die Farbe der Stille. Von Ferne gehen sie von lichtem Graugrün über in Violettöne. Seltsam und wunderschön. Mein Weg führt mich an Weidezäunen und einem Pappelweg vorbei zu meinem Ziel. Am Waldesbeginn wartet ein kleiner See, in dessen nahezu schwarzer Wasseroberfläche sich die weit überhängenden Zweige dunkler Nadelbäume spiegeln. Dazwischen glitzern silbrige Äste einiger weniger Laubbäume. Ein magischer Ort, der mich bei jedem Besuch neu in seinen Bann zieht. Ich wage nicht, den kleinen Steg zu betreten, der auf den kleinen See ragt. Zu unheimlich scheint mir die düstere Wassertiefe, unheimlich und anziehend zugleich. Unter meinem Wanderweg hindurch führt auf die andere Seite des Waldes der Überlauf des Sees. Der daraus stürzende Mini-Wasserfall schießt einen Hang hinunter und mündet in mehrere kleine Bäche, sie sich silbrig durch dicht bemooste Baumgruppen schlängeln. Einfach bezaubernd.
Ich nehme Platz auf einer Bank, die vor einem Blockhäuschen auf die müden Wanderer wartet. Hier genau finde ich immer wieder meine Quelle der Kraft. In dieser ruhigen Waldatmosphäre ist mein Kopf frei, ist meine Seele heil. Hier kann ich der Stille lauschen, die laut erfüllt ist von dem wunderbaren Lärm der Natur. Das Wasser rauscht, das Unterholz knistert und knackt, Vögel zwitschern. Hier hören meine Gedanken dem Wesentlichen zu. Hier können sie nachsinnen, dem Lauf des Wassers, dem Lauf der Dinge. Und ich lasse los …

Meditation der natürlichen Art also

Es ist ganz leicht, einen solchen Wunder-Ort aufzusuchen. Weshalb mache ich das nicht jeden Tag? Oder wenigstens jeden zweiten Tag? Ein ganzes Stück zufriedener, frisch im Kopf, mit klaren Gedanken begebe ich mich wieder auf den Heimweg. Etwas er-schöpft, mit glänzenden Augen und hochmotiviert greife ich gleich zu meinem Schreibzeug.
Ich war nur zwei Stunden weg.
Aber alles hat sich in diesen zwei Stunden verändert. Ist wieder zurechtgerückt.
Beinahe hätte ich (freiwillig) auf diese wunderbaren zwei Stunden verzichtet. Mein verführerischer innerer Schweinehund hat Schwerstarbeit geleistet, um sie zu verhindern.
Weshalb bloß muß er sein, der ewige Kampf, und weshalb setzt er mir immer wieder Bedenken in den Weg?
Das ist ganz einfach zu beantworten.

Mein innerer Schweinehund ist mein Trainer,
der immer wieder versucht, mir durch Einflüsterungen mein Lebenssteuerrad aus der Hand zu reißen. Wehe aber, ich höre auf ihn. Er hält mich ab von allem, was Leben ausmacht. Vom Erleben nämlich.
Vielleicht mag ich ihn deshalb, den rüden Gesellen, der den täglichen Kleinkrieg mit mir führt.
Oder brauche ich ihn vielleicht?
Also genau betrachtet, will ich ihn eigentlich nicht missen. Er zeigt mir immer wieder neu, daß Leben Auseinandersetzung ist. Er gibt mir dabei die Gelegenheit, meine Stärke zu erfahren. Und das Gefühl, gewinnen zu können. Ich brauche die Entscheidung.
Meine Entscheidung!

Und das ist es, was ich erkenne. Ich bin der Meister – und nur ich bestimme die Wegstrecke.
Auch dann, wenn es (nur) eine kleine Wanderung zu mir selbst ist.

Artikel: Bioline-Magazin (lngrid Schlieske)


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