Sanfte Ohrmassage Kohlrabi - Brassica oleracea var. gongylodes
Nov 17

Woher kommen sie, was löst sie aus?
Sie sind die Unfähigkeit, sich an das Leben anzupassen

Viele meiner Klienten kommen wegen Depressionen zu mir. Im Laufe der Jahre hatte ich dadurch Gelegenheit, sehr vieles über dieses Phänomen zu erfahren und zu verstehen. Einiges von dem, was ich dabei herausgefunden habe, ist sicherlich sehr hilfreich für alle Menschen, die gelegentlich unter diesem Problem zu leiden haben.

Was ist eigentlich eine Depression?
Dazu muß gesagt werden, daß es grundsätzlich zwei verschiedene Arten von Depressionen gibt, nämlich solche, die durch Ereignisse im Leben ausgelöst werden und solche, die aus dem Körper kommen.
Endogene Depressionen, die durch ein chemisches oder hormonelles Ungleichgewicht im Körper ausgelöst werden, können medikamentös behandelt werden. Wenn z.B. ein Mensch ein ruhiges und friedliches Leben führt und nichts Besonderes passiert ist, der Mensch aber trotzdem wie aus heiterem Himmel von tiefer Schwermut befallen wird, kann das sehr gut so eine endogene Depression sein. Bei der zweiten Form einer Depression ist das anders. Sie entsteht durch äußere Umstände unseres Lebens.
Um diese Form der Depression soll es in diesem Artikel gehen.

Welche Situationen lösen Depressionen aus?
So hatte ich beispielsweise einen Klienten, der nach langer Arbeitslosigkeit in Depressionen verfallen war. Eine Klientin war nach ihrer unfreiwilligen Scheidung depressiv geworden und eine junge Frau litt darunter, daß es ihr nicht gelang, ihr Studium zu beenden. Sicherlich kennt jeder den einen oder anderen ähnlichen Fall aus seiner persönlichen Umgebung.

Aufgezwungene Veränderungen können zu Chancen werden
Andererseits hören wir aber auch von Situationen, wo abgebrochene Studenten eine eigene Firma aufmachen und mehr Geld verdienen, als sie mit einer abgeschlossenen Ausbildung zum Sozialpädagogen je hätten machen können.
Und manche Frauen gehen nach ihrer Scheidung erst richtig auf das Leben los. Sie belegen Kurse und Seminare, verwirklichen sich selbst und entdecken erst jetzt ihr Lebensglück.
Auch mancher Arbeitslose schult auf einen neuen Beruf um und wird erfolgreich statt depressiv. So kenne ich beispielweise einen jungen Mann, der Forstarbeiter war, und wegen eines Arbeitsunfalls nicht mehr in seinen Beruf zurückkehren konnte. Von einem Freund ließ er sich überreden, eine Ausbildung als Vermögensberater zu beginnen. Heute verdient er mitunter über 10 000 Euro im Monat und ist begeistert von seiner Tätigkeit.

Woher kommt dieser Unterschied? Warum müssen einige Menschen tiefe Depressionen durchleiden, während andere sich einfach umorientieren? Ist das einfach Schicksal oder steckt etwas anderes dahinter?

In meinen Gesprächen mit Klienten habe ich erkannt, daß es sich um Anpassungsschwierigkeiten handelt, wenn es zu Depressionen kommt. Das will ich näher erklären. Wir alle haben in unseren Köpfen Vorstellungen von der Welt. Das ist eine ganz normale Sache. So denken z.B. viele Frauen als kleines Mädchen: „Wenn ich groß bin, dann heirate ich und lebe in einem schönen Haus und ich habe viele Kinder.“ Solche Vorstellungen bekommen wir durch unsere Erziehung, und wir machen uns auch noch eigene dazu. Die meisten dieser Vorstellungen bemerken wir überhaupt nicht. Sie sind in unserem Bewußtsein und regieren uns von dort aus unbemerkt.

Unsere Vorstellungen darüber, wie wir uns verhalten sollten, wie wir leben sollten, was wir denken und fühlen sollten und wie wir auf Unerwartetes reagieren sollten, bilden gewissermaßen die Infrastruktur unserer Handlungen.

Sie sind wie ein Schienennetz, auf dem sich der Zug unseres Lebens bewegt, mal hierhin, mal dorthin, aber immer auf den Schienen dessen, was wir für angemessen halten. Solange sich unser Leben innerhalb dieser Infrastruktur aufhält, passiert auch nichts. Schwierig wird es erst dann, wenn Unerwartetes geschieht, auf das wir nicht vorbereitet sind. Wenn wir uns darauf vorbereitet haben zu heiraten, dann aber nie den Richtigen finden, oder wenn wir uns darauf vorbereitet haben, Lehrer zu werden, dann aber die Examensprüfung nicht schaffen, wenn wir uns darauf vorbereitet haben, mit unserem Mann alt zu werden, er dann aber plötzlich stirbt oder uns wegen einer Jüngeren verläßt, dann befinden wir uns auf einmal in einer völlig neuen Landschaft unseres Geistes, und hier haben wir keine vorgefertigten Schienen mehr.

So haben wir uns das nicht gedacht, so haben wir unser Leben nicht gewollt.

Hierfür kenne ich unzählige Beispiele. So kam zu mir einmal ein Tischler, den man schon in der Kindheit gelehrt hatte zu glauben „Handwerk hat goldenen Boden“ und „wer Arbeit will, der wird auch Arbeit finden.“ Dieser Mann war nun schon seit drei Jahren arbeitslos. Er hatte sich überall beworben und war abgelehnt worden. Darauf war er nicht vorbereitet. Als er vor drei Jahren seine Arbeit verlor, war er fest davon überzeugt gewesen, er müsse sich nur intensiv um einen neuen Arbeitsplatz bemühen, dann würde er auch einen finden. Nachdem nun aber alle Versuche fehlgeschlagen waren, erkannte er erst das volle Ausmaß seines Problems. Darauf war er einfach nicht vorbereitet und hatte auch keine neue Vorstellung parat. Seine alte Vorstellung, daß jeder, der es wirklich versucht, auch Arbeit findet, hatte sich als unwahr herausgestellt. Sie funktionierte offensichtlich nicht für ihn. Aber was dann? Er dachte ernsthaft daran, sich umzubringen. Er hatte Schwierigkeiten, sich an die Gegebenheiten anzupassen.

Die Welt, wie sie sich zeigte, paßte nicht zu seiner Vorstellung davon, wie die Welt sein sollte.

Es sollte so sein, daß der Willige Arbeit findet. Aber es war ganz einfach anders.
Ob dieser Mann seine Depressionen verliert oder nicht, entscheidet sich nun an der Frage, ob er es bewältigt, sich an das Leben, wie es sich zur Zeit für ihn darstellt, anzupassen. Auch wenn es diesem Mann sicher nicht so vorkam, in Wirklichkeit lag hierin auch eine ganz große Chance.

An unvorhergesehenen Situationen kann man wachsen, zu enge Vorstellungen vom Leben erweitern und dadurch mehr Freiheit erfahren.

Ich erinnere hier noch einmal an den Forstarbeiter, der Finanzberater wurde. Es gibt immer viele Wege und Möglichkeiten, aber um sie zu finden, müssen wir aufhören, stur und wie besessen immer weiter an unsere alten Vorstellungen zu glauben.
Dazu noch ein weiteres Beispiel. Eine junge Frau berichtete mir, daß sie in Hamburg studiert, dann aber nach Berlin gewechselt hatte. In Berlin gestaltete sich aber alles viel schwerer als erwartet. Sie fand keine Wohnung und mußte mit ihren Sachen von Freundin zu Freundin nomadisieren und auf fremden Sofas schlafen. Sie fand auch zunächst keinen Job, obwohl sie dringend einen benötigte, da ihre Studienfinanzierung ausgelaufen war. Neue Freunde fand sie auch keine und ihr Partner verließ sie wegen einer anderen.
Das war zuviel, und sie verfiel in heftige Depressionen. Als ich davon hörte, schlug ich ihr vor, Berlin wieder zu verlassen und nach Hamburg zurück zu gehen. Manchmal ist ein Ort einfach nicht der Richtige für einen Menschen. Das aber wollte sie zunächst gar nicht hören. Sie zählte mir die Vorstellungen auf, die ihr Leben bestimmten, ja diktatorisch regelten: „Man geht nicht zurück“, „ich muß mein Studium beenden“, „ich muß endlich mal etwas auf die Reihe kriegen“, „ich muß es schaffen, mich selbst zu finanzieren“.
Zu diesen Vorstellungen hatte sie noch bündelweise „gute Begründungen“ wie etwa: „Ich muß mein Studium beenden, weil ich noch nie etwas beendet habe, weil ich sonst kein Selbstbewußtsein habe, weil das wichtig ist…“. „Ich kann nicht nach Hamburg zurückkehren, weil ich dort nicht weitergekommen bin, weil ich mich in Berlin wohl fühle (!?), weil der Fachbereich in Hamburg zu klein ist…“
Daß diese Begründungen mitunter etwas absurd erscheinen, ist kein Zufall, denn die Art, wie die Menschen an ihren Vorstellungen festhalten und sie um keinen Preis loslassen wollen, hat oftmals etwas Verzweifeltes. Sie verhalten sich, als ob ihr Leben davon abhinge, daß sie ihre Vorstellungen nur nicht aufgeben. Dabei ist in der Tat nicht selten genau das Gegenteil der Fall: Ihr Leben hängt davon ab, ob es ihnen gelingen wird, sich von den Vorstellungen zu trennen.

Wenn ein depressiver Mensch sich selbst etwas antut, liegt das keineswegs daran, daß er seine Vorstellungen verloren hat, sondern ganz im Gegenteil. Er will lieber sterben, als sich davon zu trennen.

Dazu ein Beispiel: Ein Bauer aus meiner Umgebung erhängte sich im Stall. Er war sehr unglücklich verheiratet gewesen und hatte unter seiner Frau gelitten, die nicht müde wurde, ihn als Versager zu beschimpfen. Eines Tages wurde es ihm zuviel. Dabei hätte er einfach gehen können. Er hätte die Frau verlassen und ein neues, schöneres Leben beginnen können. Dazu war er nicht fähig gewesen. Er konnte sich nicht von der Vorstellung trennen, daß seine Frau netter hätte sein sollen. Ihr Verhalten war für ihn falsch, verkehrt. Sie sollte freundlicher sein. Aber das war sie nicht. Statt die Realität anzunehmen, wie sie nun einmal war, konnte er sich nicht damit abfinden, daß die Dinge sich einfach erlaubten, anders zu sein, als sie sein sollten. Das Festhalten daran machte ihn so unglücklich, daß er einen ganz anderen Ausweg wählte.
Und was ist nun das Fazit aus dem bisher Gesagten?

Wenn wir in eine Depression geraten, haben wir gerade Anpassungsschwierigkeiten. Das ist nicht schlimm. Wir müssen uns deswegen nicht verurteilen. Aber wir können uns einmal fragen, welche Realität es ist, die wir gegenwärtig nicht akzeptieren können. Wogegen rebellieren wir? An welcher Stelle stimmen unsere Vorstellungen, wie es sein sollte, nicht damit überein, wie es ist?

Wir können uns fragen, was wir eigentlich über die gegenwärtige Situation denken, vielleicht auch einen Freund oder eine Freundin bitten, uns dabei zu helfen, indem sie uns Fragen stellen und uns dadurch Klarheit darüber verschaffen, welche Vorstellungen in unserem Kopf eigentlich gerade die Herrschaft haben.
Was denke ich über die Situation? Warum denke ich das?
Dann können wir uns diese Gedanken aufschreiben, um sie vor Augen zu haben. Wir sehen unsere Gedanken dann aufgeschrieben vor uns. Das sind die Schienen, auf denen sich unser Geist bisher bewegt hat.

Wir finden es problematisch, uns damit abzufinden, daß das Leben zur Zeit nicht zu diesen Vorstellungen paßt.

Und dann kommt der schwierige Schritt. Dann müssen wir uns nämlich fragen:
Wenn ich das nun nicht mehr für richtig halte, was kann ich denn statt dessen glauben?
Wenn ich geglaubt habe, ich muß als Tischler Arbeit finden, was kann ich statt dessen glauben? Wenn ich immer geglaubt habe, meine Frau sollte mich besser behandeln, sie es aber nicht tut, was kann ich denn dann statt dessen glauben? Wenn ich bisher überzeugt war, daß ich mein Studium in Berlin beenden muß, was kann ich statt dessen tun? Wenn ich immer geglaubt habe, ich würde mit meinem Mann alt werden, er mich aber nun verlassen hat, wie kann ich nun ein neues, womöglich noch schöneres Leben anfangen? Wenn ich stets der Ansicht war, mein Bruder sollte sich häufiger waschen und sich besser pflegen, er aber weiterhin verwahrlost und sich nicht helfen läßt, zu welcher neuen Ansicht kann ich jetzt kommen?

Es gibt immer eine Möglichkeit, über die Situation noch etwas ganz anderes zu denken, als wir bislang geglaubt haben.

Hier einige Beispiele zu den oben stehenden Fragen:

  • Wenn ich als Tischler keine Arbeit finde, könnte ich eine Umschulung machen, in einen anderen Ort ziehen, mich selbständig machen, auswandern, Aussteiger werden, eine Hühnerfarm aufmachen…
  • Wenn meine Frau mich nicht so gut behandelt, wie sie sollte, könnte ich sie verlassen, eine Eheberatung aufsuchen, Sitzungen bei De Wise Fru nehmen, mir eine Geliebte suchen, in einen Aschram oder ein Kloster gehen, mit meinem Bruder zusammen eine Imbißbude aufmachen, mich scheiden lassen und sie vom Hof jagen, sie mehr lieben und so ihre Frustration überwinden, das Gespräch mit ihr suchen, aufrichtig an meinen Fehlern arbeiten…
  • Wenn ich in Berlin nicht zurechtkomme, könnte ich nach Hamburg zurückgehen, mein Studium in Israel beenden, oder auf den Balearen eine Arbeit suchen, Schreibkraft auf einer Bohrinsel oder Stewardeß auf einem Luxusdampfer werden, Küchenhilfe auf einem U-Boot sein, meine Mutter um Geld anpumpen und eine große Reise machen, einen reichen Mann heiraten, eine eigene Firma gründen, in einen Wohnwagen ziehen und Gemüse anbauen…
  • Da mein Mann mich verlassen hat, kann ich mich endlich selbst verwirklichen und eine Weltreise machen, mir einen Guru suchen und Saris tragen, ein Buch schreiben, ehrenamtlich für ein Waisenheim arbeiten, zu meiner Mutter ziehen, mit anderen verlassenen Ehefrauen eine WG aufmachen und jeden Abend Partys feiern, mir per Zeitungsanzeige einen Partner suchen…
  • Da mein Bruder keine Anstalten macht, sich häufiger als alle drei Monate zu waschen, könnte ich mir eine eigene Wohnung suchen, lernen ihn zu respektieren, auch wenn mir nicht gefällt, was er tut, ihm kein Essen mehr kochen, wenn er sich nicht wäscht, zwei kräftige Kerle anheuern, die ihn ab und zu unter die Dusche stellen, ihm mit dem Gartenschlauch auflauern, oder einfach erkennen, daß es mich nichts angeht.

Ich habe diese Beispiele absichtlich so gewählt, daß sie ein wenig aus dem Rahmen fallen. Ich wollte dadurch deutlich machen, daß diese Welt groß und bunt ist, daß es so viel mehr in ihr gibt, als nur den kleinen Ausschnitt, den wir kennen. Es gibt andere Länder, andere Menschen, andere Berufe, andere Religionen und viele, viele andere Denkweisen. Wir sind nicht gezwungen, sklavisch an den Mustern festzuhalten, mit denen wir groß geworden sind, und an ihnen zugrunde zu gehen. Wir können sie überschreiten und unseren Horizont gewaltig erweitern.
Passen wir uns an die neue Situation an.

Erkennen wir doch einfach, daß unsere Vorstellungen nicht zu den Umständen passen.

Und anstatt darüber zu grübeln, warum es so ist, werfen wir sie doch einfach über Bord und finden wir ganz neue Vorstellungen, die viel größer sind, die mehr Raum lassen, und die besser zu dem passen, was mit uns passiert.

Wenn Sie sich entschließen, das zu tun, dann wünsche ich Ihnen von Herzen viel Erfolg und ein frohes, depressionsfreies Leben.

Artikel: Bioline-Magazin (Kim Barkmann)


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