Richtiges Atmen Das schlägt mir auf den Magen…
Jul 15

Wir denken ununterbrochen. Ganze Überlegungen, Pläne, Erinnerungen, Bruchstücke, Eindrücke – alles fließt ohne Unterlaß durch unser Hirn

Meditation und Gedankenleere sind Urlaub vom Zwang, denken zu müssen

Können wir selbst unsere Gedankenrichtung bestimmen? Ist es vielleicht möglich, Gedanken ganz abzuschalten und einfach – nichts zu denken?

Völlige Gedankenleere ist ein Trainingsziel, das sich nicht so ganz leicht erreichen läßt

Ein besonders aktiver Mann, mit dem ich beruflich zu tun hatte, unterhielt sich einmal mit mir über seine Frau. Er wollte sie unbedingt einbinden in seine Karrierepläne. Er hätte ihrer beider Leben gerne lebendiger gestaltet. Voller Elan sollten ehrgeizige Pläne angegangen werden. Ziele waren angepeilt und könnten, würden beide Ehepartner sich „ins Zeug legen“, sicherlich Erfüllung finden.
Die Frau jedoch stand all‘ diesen Bestrebungen recht passiv gegenüber. Sie war eine besonders liebenswerte, eher stille Person, die mit ihrem Platz im Hintergrund zufrieden war.
Sie konnte gar nicht recht nachvollziehen, welche hochaktive Rolle ihr der Gatte auf den Leib gedacht hatte. Gerne zog sie mit ihm mit, war begeistert über alle seine Ideen, ergänzte auch seine Bemühungen. Aber große Eigeninitiative konnte sie nicht aufbringen.
Dafür kochte sie wunderbar, fabrizierte herrliche Kuchen und duftende Vollkornbrote, Fladen und allerhand anderes Gebäck.
War wenig Geld im Haus, begnügte sie sich damit und machte das Beste daraus. Hatte ihr Mann mal wieder hochfliegende Pläne, ließ sie ihn lächelnd gewähren.
Eine Initialzündung oder gar die Muse für seine kreativen Ideen konnte sie ihm nicht sein. Sie ruhte dafür in sich.
Ihn aber brachte ihr duldendes, eher bewahrendes Wesen schier zur Verzweiflung. Er beklagte sich:

Sie ist derart inaktiv, sie kann sogar dem Regen zusehen

Hier hakte ich nach
„Dann ist Deine Frau sicher ein sehr ausgeglichener Mensch“.
„Ja, das ist sie in der Tat. Sie ist für meinen Geschmack eher zu ausgeglichen. Nichts bringt sie aus der Ruhe. Das macht mich gelegentlich zusätzlich aggressiv.“
Ich mußte lachen. „Entschuldige“, sagte ich. Ich lache wegen der Bilder, die sich vor meine Augen „drängen“. Nun kannte ich meinen Gesprächspartner, den ich hier X. nennen möchte, schon geraume Zeit. Er war hypernervös und extrem ungeduldig. Kein Wunder, daß es zu Ausbrüchen oder Mißverständnissen kommt, wenn zwei so verschiedene Welten, wie sie durch X. und seine Frau verkörpert sind, sich verbinden. So fragte ich mein Gegenüber, ob er schon mal daran gedacht hätte, daß das Schicksal ihm genau die Frau an die Seite gestellt hätte, die er bräuchte? Als Gegenpol sozusagen?
Es wäre sicher nicht auszuhalten, wenn zwei so überaktive Leute wie er, den Alltag miteinander teilen müßten.
„Ich selbst nämlich finde es wunderbar und geradezu beneidenswert, wenn ein Mensch in aller Ruhe dem Regen zuschauen kann“

So forderte ich den empörten Ehemann auf, mit genau dieser Übung selbst zu mehr Gelassenheit zu kommen. Sich beim nächsten Regenguß ans Fenster zu stellen, und sorgfältig den Regen zu beobachten.

Durch den gleichförmigen Anblick und das natürliche Geräusch stellt sich Ruhe ein

Dies erreichen wir auch mit jedem anderen Blick in die Natur, wenn er mit entsprechendem Zeitaufwand in aller Ruhe genossen wird. Es glättet die Nerven, wenn man in der Stille des Waldes spazieren geht und bewußt Duft und Anblick von Bäumen, Gebüsch, Moos und dem Waldboden in sich aufnimmt. Es ist auch ungemein beruhigend, dem Spiel der Blätter im Wind zuzusehen.

Wichtig dabei ist, daß der Mensch ganz diesem Geschehen zugewandt ist. Das dieses förmlich aufgenommen wird in Körper, Geist und Seele

Alle anderen Gedanken sollen dann ganz ausgeblendet sein. Für nichts ist mehr Raum, als für das, was mit denn Sinnen umfaßt werden kann.
Auf diese Weise wird das strapazierte Hirn beruhigt, Nerven glätten sich, die Seele heilt.
Genau aus diesem Grund wird Menschen, die völlig überarbeitet sind, zum Meditieren geraten. Die angespannten Nerven können sich wieder erholen, völlig regenerieren.


Was ist Meditation eigentlich
Es gibt zwei Versionen, die das Gehirn entlasten

A. Die Phantasiereise
Dabei lenkt der Meditierende seine Gedanken in eine bestimmte Richtung. Dafür kann eine komplette, aber unkomplizierte Geschichte mit einfachen Handlungen ausgedacht werden. Das Wesentliche dabei sind alle Details, die darin eine Rolle spielen und deutlich wahrgenommen werden. Das können angenehme Vorgänge sein, die sich in der mentalen Vorstellung abspielen. Vielfach vertieft man sich auch lediglich in die Vision, ziehenden Wolken zuzusehen, einem Vogelschwarm nachzuschauen oder die Brandung des Meeres intensiv zu hören. Je eintöniger die Vorstellungen sind, desto wirkungsvoller.

B. Die absolute Leere der Gedanken
Haben Sie schon einmal versucht, absolut nichts zu denken? Das ist immens schwer. Nichts jedoch macht den Menschen ruhiger, als wenn er seine Gedanken (vorübergehend) abschaltet. Die Übung kann zunächst sein, sich ohne zu denken, den Geräuschen der Umwelt zu überlassen. Hinhören also, ohne über Einzelheiten nachzudenken. Was anfänglich nur für Augenblicke möglich scheint, gelingt mit einiger Geduld für immer längere Momente, ja Minuten und später über eine ganze Weile.

Meine eigene, seltsame Meditationserfahrung
Meine Freundin gehört einer indischen Religionsgemeinschaft an. Sie lud mich einmal zu einer Friedensveranstaltung ein. Dort erlebte ich eine geführte Meditation, die mich noch lange danach beschäftigte. Eine sehr schöne junge Inderin, die ein ausgezeichnetes Deutsch sprach, leitete diese Zusammenkunft. Mit angenehmer Stimme forderte sie die Anwesenden auf, die Augen zu schließen und sich gänzlich von allen Sorgen, Nöten, Belastungen und Gedanken, zu lösen. Dafür sollten wir uns vorstellen, jeder von uns wäre eine Perle. Sie beschrieb genau, wie diese Perle aussieht und wie sie sich fühlt. „Die Perle schwimmt ganz alleine auf der Meeresoberfläche und schaukelt glückselig auf den warmen Wellen. Auf der Wasseroberfläche schweben weiße Rosenblätter, von denen die kleine Perle umgeben ist. Sie fühlt sich absolut geborgen und völlig eins mit dem Element, in dem sie gaukelt und taucht, sich dreht und auf den Wellen reitet.”

Ich war wunschlos glücklich. Durchströmt von einzigartigem Wohlgefühl. Es gab nichts, außer mir, dem Meer, den Himmel und dem Glück

Ich mochte den Worten der Leiterin dann gar nicht folgen, als sie uns nach diesem wunderschönen Traum wieder in die Realität zurückgeleitete.
Denn das für mich Unfaßbare war, daß ich mich innerhalb der Meditation als genau die Perle empfand, die ich sein sollte. Ich fühlte genau die absolute Glückseligkeit, die mir suggeriert wurde.

Noch erfüllt von dem Erlebten fuhr ich heim. In mir tobten viele Fragezeichen. Genau hatte ich nicht verstanden, was mir da passiert war.
Brauchte nur jemand zu kommen und auf einen bestimmten Knopf drücken, schon hat er mich genau da, wo er mich hin haben will?
Liegt in solchen Mechanismen die Macht, die Sekten, z.B. über ihre Jünger ausüben? Weshalb ist es Menschen wie Hitler so mühelos gelungen, ein ganzes Volk zu betören, so daß es ihm folgte, wie dem Rattenfänger von Hameln? Wie kann ein fanatischer Religionsführer wie Osama bin Laden es bewerkstelligen, daß er jungen Menschen suggeriert, Selbstmordanschläge wären eine heilige Handlung? Fragen stellten sich mir, die ich als ängstigend empfand.


Die Schlußfolgerung also ist wohl unbestreitbar, daß Gedanken lenkbar sind. Worte können ihnen die Richtung angeben. Sie folgen ihnen willig auf alle erdachten Wege

Ich begriff langsam die faszinierenden Möglichkeiten. Jedoch war mir auch die Gefahr bewußt, setzt man sich einem solchen Einfluß durch andere, starke Persönlichkeiten aus, die das vielleicht für ihre egoistischen Zwecke ausnutzen könnten.
Ich hatte mit der soeben erlebten Suggestion eine Variante der Hypnose kennengelernt.

Nein, fremd bestimmt wollte und will ich nicht sein. Zu jeder Zeit möchte ich lieber selbst über meine Gedanken, Gefühle und Wege entscheiden

So stand für mich fest, daß ich mich einem solchen massiven mentalen Einfluß durch eine andere Person künftig nicht mehr aussetzen wollte. Zu sehr hatte mich die Kraft erschreckt, die plötzlich von mir Besitz ergriffen hatte.

Dafür meditiere ich seither regelmäßig in meinem stillen Kämmerlein
Anfänglich hatte ich Schwierigkeiten, mich entsprechend zu konzentrieren. Von Übung zu Übung jedoch fällt es leichter, ganz loszulassen, damit Ruhe ins Gemüt einkehren kann.

So hilft Meditation
Ob Gedankenleere oder Phantasiereise. Beide Übungen sind Meditation. In unserer heutigen hektischen Zeit ist es fast überlebensnotwendig, der Stille Platz in den unermüdlich ablaufenden Denkprozessen einzuräumen. Wir sind einer ungeheuren Reizüberflutung ausgesetzt. Von morgens bis abends tost, hupt, klingelt, dröhnt, rattert, summt, knallt, tuckert, bohrt, hämmert und donnert es um uns herum. Auch des nachts müssen die meisten Menschen einen gewissen oder sogar heftigen Geräuschpegel ertragen.
Die Nerven sind oft zum Reißen gespannt, die Aggressionen nehmen zu. Depressionen häufen sich. Erkrankungen, besonders chronische Krankheiten, sind oftmals eine Folge des Ungleichgewichtes zwischen Spannung und Entspannung.

Zum Entspannen aber gehört die Gedankenstille

Oder aber die sanfte Vorstellung schöner, beruhigender Bilder.
Das wirkt so, als würden gesträubte Haare glatt gekämmt, Entzündungen gesalbt. Die in Unordnung geratenen Dinge kommen wieder ins Lot.

Kann man Meditation erlernen?
Wie alles andere, kommt es auch hier einzig auf das Üben an. Geben Sie nicht auf, wenn Sie zunächst nicht abschalten können. Sehr hilfreich dafür ist übrigens Autogenes Training. Dafür werden Kurse an der Volkshochschule oder in anderen Institutionen angeboten. Durch dieses Training wird das Loslassen trainiert.
Mir selbst haben Auto-Suggestions-Kassetten sehr geholfen, meine Richtung zu finden, und mich von der Außenwelt gedanklich abzuschotten.
Wichtig ist es, sich dafür einen ganz speziellen Platz einzurichten, auf dem man sich zurückziehen kann, wenn die eigene Ruhe gesucht wird. Das kann ein schöner Sessel sein zum Zurücklehnen. Das kann aber auch die Liege sein, auf der man entspannt ruht. Eine leichte Decke zum Wärmen kann bereit liegen.
Leise, ruhige Musik hilft ebenfalls, die Gedanken in die Wolken zu entlassen und ihnen entspannt nachzuschauen.
Alleine das immer wiederkehrende Ritual, wenn man diesen Ruheplatz einnimmt, läutet das Abschalten schon ein.
Ach übrigens:
Es macht glücklich, Gedanken einfach öfter aus dem Kopf zu fegen, und sich nur auf seine Sinne zu besinnen
Legen Sie also immer mal eine DENKPAUSE ein!

Artikel: Bioline-Magazin


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