Anwendungsgebiete für Brunnenkresse Platzen vor Wut
Jul 20

Jeder ist seines Glückes Schmied, so sagt der Volksmund. Aber manchmal kommt es uns doch so vor, als würde da ein anderer für uns schmieden, als würden sich Probleme zusammenbrauen, gegen die wir nichts unternehmen können. Und dann fühlen wir uns gar nicht wie Glücksschmiede, sondern eigentlich eher wie Leidtragende einer Situation, in der wir machtlos sind. Wenn das aber so ist, wie kommen unsere Vorfahren, die dieses Sprichwort prägten, denn auf so eine Idee? Was haben sie gemeint, als sie behaupteten, wir könnten unser Glück im Leben selber schmieden?


Ich habe darauf eine Antwort gefunden, die ich hier gern mit Ihnen teilen möchte. Doch zuvor beschreibe ich noch ein anschauliches Beispiel:

Ich habe eine Bekannte, die ist immer schlecht gelaunt. Wenn sie mich besucht, dann höre ich sie zumeist schon auf meiner Auffahrt Flüche ausstoßen. Sie öffnet ihre Autotür und etwas fällt heraus, vielleicht ihr Taschenkalender oder ihre Zigaretten. Dann pöbelt sie „Sch…“ und bückt sich danach, als wäre es eine ungeheuerliche Zumutung, dass sie das tun muss. Wenn sie wieder hoch kommt, stößt sie sich an der offenen Autotür und schimpft erst recht. Wenn sie zu mir hereinkommt, trifft sie auf eine Kaffeetafel, an der mehrere fröhliche Menschen sitzen, aber ihre Miene bleibt düster. Wenn sie gefragt wird, was denn passiert sei, dass sie so verärgert ist, dann antwortet sie nur abweisend: „Ach nichts, ich habe nur gerade Ärger“. Den hat sie allerdings immer.

Das Leben bietet uns manchmal einiges an Problemen und ungünstigen Zusammentreffen. Das lässt sich nicht ändern. Da muss plötzlich zu Weihnachten der Schornstein repariert werden oder die Waschmaschine geht kaputt. Die Lieblingstante sagt ein Treffen ab, oder der Hagel zertrümmert eine Fensterscheibe.

Solche Dinge widerfahren uns ganz einfach. Aber – wie wir darauf re-agieren, das liegt ganz in unserer Macht

Es ist nämlich gar nicht nötig und auch nicht zwingend, immer so zu reagieren, wie meine Bekannte im obigen Beispiel. Wir sind nicht verpflichtet, uns bei jeder Gelegenheit zu ärgern. Wir können uns einfach entschließen, trotzdem fröhlich zu bleiben. Auch dazu habe ich ein Beispiel:

Eines Morgens im Februar wachte ich davon auf, dass es in meinem Hause eiskalt war. Es stellte sich heraus, dass im ganzen Dorf der Strom abgestellt worden war. Offenbar war in der Nacht irgendwo eine Leitung gerissen. Kein Strom, das bedeutet, keinen Kaffee zum Frühstück, kein warmes Zimmer, kein Telefon, keine Heizung, kein Computer, also auch keine Arbeit in m einem Büro. Zuerst war ich deswegen schon ein bisschen mürrisch, ganz besondern wegen dem ausgefallenen Kaffee. Aber sobald es draußen hell wurde, kam eine junge Nachbarin zu mir herüber. Sie machte in meinem Hof ein Feuer an. Wir stellten einige Ziegelsteine so auf, dass wir einen Fußrost darüber legen konnten. Auf dem Rost kochten wir Wasser in einem Kochtopf und machten uns mit dem heißen Wasser löslichen Kaffee. Dann saßen wir in Wintermäntel und Decken gehüllt um unser Lagerfeuer herum und wärmten uns. Einige weitere Nachbarinnen kamen hinzu. Da es im ganzen Dorf keinen Strom gab, ging es ihnen ja nicht anders als uns, und so wurde eine richtige kleine Spontanparty daraus. Weil es so lustig war, kochten wir uns auch noch eine Tütensuppe auf dem Feuer und aßen sie zusammen. Wir klönten und hatten unseren Spaß. Auch wenn unsere Gesichter langsam blau wurden von der Kälte, war es doch ein unglaublich fröhlicher Tag, eine – schließlich doch – willkommene Unterbrechung unseres Alltags und unserer Arbeitsroutine.


Nun lässt sich natürlich nicht aus jedem Problem eine Party machen, aber dennoch behaupte ich, dass das weitaus öfter geht, als man annehmen würde

So entstand zum Beispiel auf meinem Hof eine ähnliche Partysituation, als mir während des Hochwassers vor einigen Jahren der Heizungskeller vollgelaufen war. Als mich am Morgen jemand darauf aufmerksam machte, war ich nicht bereit, deswegen in schlechte Laune zu verfallen. Man kann auch während eine Problems fröhlich und gelassen bleiben.
Unverdrossen fingen meine Freundin, die gerade zum Kaffee gekommen war, und ich an, mit Eimern den Keller ausschöpfen zu wollen. Bei der Wassermenge war das eigentlich ganz unmöglich, aber die Feuerwehr hatte mir gesagt, ihr Einsatz würde sehr teuer werden, ich solle es lieber selbst versuchen.
Einige Nachbarn kamen hinzu, um zu sehen, was wir da machten. Sie schüttelten ihre Köpfe, als sie unsere naiven Bemühungen sahen.
Und dann kam auf einmal Hilfe von allen Seiten. Pumpen und Schläuche wurden gebracht, junge Männer machten sich an die Arbeit, und es gab plötzlich viele hilfreiche Hände. Ich verzog mich daraufhin aus dem Krisengebiet in meine Küche und kochte für alle Helfer Kaffee. Ich sorgte für ständigen Nachschub und so konnten sich immer einige ausruhen, während andere sich mit Pumpen und Schöpfen beschäftigten.
Es wurden viele Witze gemacht, Geschichten über ähnliche Ereignisse erzählt und Erfahrungen ausgetauscht. Auch wenn es hier um ein Problem ging, es war trotzdem interessant, spontan, witzig und stärkend für den Gemeinschaftssinn, wie gemeinsam an dessen Lösung gearbeitet wurde.

Der Trick ist, dass man sich nicht unterkriegen lässt. Der Autor Dale Carnegie hat einmal den großartigen Satz geprägt:

„Wenn das Leben dir eine Zitrone reicht, sieh zu, ob du nicht eine Limonade daraus machen kannst“

Wenn das geling, dann hat man einfach viel mehr vom Leben, als jene Menschen, die auf alles mit Wut, Frustration und Ärger reagieren.
Gewiss, anfangs will immer ein bisschen Ärger hochkommen, wenn uns wieder mal etwas daneben geht, aber das muss ja nicht die einzige Reaktion bleiben. Wir sind frei, selbst darüber zu entscheiden, wie wir reagieren wollen. Wir haben es in der Hand.
Hier noch einige Beispiele dazu:

Ein Klient erzählte mir, er habe ein Grillfest mit seinen guten Freunden geplant, aber es regnete wie aus Eimern. Spontan beschlossen sie, den Geräteschuppen auszuräumen und dort zu feiern. Sie ließen die Tür offen und konnten so sehen und hören, wie der Regen in den Garten herabrauschte. Und die Gruppe saß lustig im Holzschuppen und feierte. Das war eine besonders gelungene Party, an die sich jeder gerne erinnert.

Eine Freundin berichtete, dass ihr Mann über Weihnachten auf eine Geschäftsreise gefahren war. Zunächst fühlte sie sich sehr verlassen, dann aber lud sie zwei Freundinnen ein, die auch allein waren und sie hatten nicht nur ein sehr schönes Fest, sondern es wurde ihr auch bewusst, dass ihr übliches Weihnachten zu einer langweiligen Routine geraten war. Sie nahm sich vor, von nun an jedes Weihnachtsfest anders zu feiern, und sie hatte die Größe zu erkennen, dass ihr Mann mit seiner Weihnachtsflucht ihr eigentlich ein Geschenk gemacht hatte. Wäre er geblieben, hätten sie vielleicht noch viele Jahre ihr immer gleiches, routiniertes, leeres Fest gefeiert.

Eine andere Freundin berichtete, wie sie und ihr Freund mit ihrem Auto liegen geblieben waren. Der ADAC brauchte mehrere Stunden, um zu ihr zu gelangen, weil es an diesem Tag wohl sehr viele Unfälle gegeben hatte. Die beiden waren auf dem Weg zu seiner Mutter und hatten einige Geschenke für sie im Wagen. Spontan veranstalteten sie ein Picknick im Auto. Sie klappten die Sitze herunter, machten es sich gemütlich und aßen genüsslich die Pralinen auf, die sie für die Mutter gekauft hatten.

Nun gut, so kann man mit solchen Situationen umgehen, aber wie reagiert man auf die anderen Schwierigkeiten, die sich nicht so fröhlich umwandeln lassen, etwa, wenn die Waschmaschine kaputt geht oder jemand krank wird.
Meine Empfehlung lautet: Genießen Sie immer den Ausbruch aus der Routine. Wenn Ihre Waschmaschine kaputt geht, hatten Sie doch bestimmt etwas anderes vor, als stundenlang den Fußboden aufzuwischen. Aber nun müssen Sie genau das tun. Genießen Sie die Unterbrechung. Wir haben die Tendenz, uns mit unseren Tagesplänen einzumauern. Solche Ereignisse bedeuten auch ein Stück weit eine Befreiung daraus. Halten Sie einfach nicht mehr an Ihren Plänen fest, erlauben Sie dem Leben, Sie in eine andere Richtung zu schieben und schauen Sie sich an, was diese Richtung zu bieten hat.
Das Gleiche gilt übrigens auch, wenn jemand krank geworden ist. Das Leben schenkt Ihnen die einmalige Chance, in Ihre Liebe zu gehen. Besuchen Sie den Kranken, bringen Sie etwas Schönes mit, geben Sie ihm Liebe, Trost und Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit.

Niemand fühlt sich schlecht, wenn er Liebe geben kann

Das gehört zu den schönsten Dingen, die uns widerfahren können. Der andere ist krank, okay, das ist eine Tatsache, die sich auch mit Wut und Trauer nicht verändern lässt, und ihm ist auch nicht damit geholfen, dass Sie ebenfalls unter seiner Krankheit leiden. Aber Sie, die Sie gesund sind, haben die einmalige Chance, Ihre Liebe zu verschenken.

Und wie ist es mit plötzlichen Geldausgaben? Sie wollten in Urlaub fahren, aber nun müssen Sie statt dessen eine Reparatur durchführen lassen. Ja, das ist nicht schön. Aber lassen Sie sich auch hier nicht unterkriegen. Sie hatten doch freie Tage eingeplant. Lassen Sie sich Ihren Urlaub einfach nicht nehmen. Gehen Sie in den Park, ins Schwimmbad, auf den Sportplatz, in die Sauna, ins Fitnessstudio, ins Kino, ins Theater, besuchen Sie Sehenswürdigkeiten Ihrer eigenen Stadt, brechen Sie während dieser Urlaubstage aus der Routine aus und machen Sie es sich nicht nur schön, sondern anders, anders als gewohnt.

Es gibt immer eine Möglichkeit, positiv zu bleiben und positiv zu reagieren. Gelingt Ihnen das, sind Sie ein glücklicher Mensch.
Und alles Glück, das von dieser unerwarteten Art ist, das haben Sie selbst geschmiedet!

Artikel: Bioline-Magazin (Kim Barkmann)


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