Der kleine Ratgeber für eine gute Nacht Feine Kartoffelsuppe
Mrz 30

Das Schöllkraut (Chelidonium majus)
Allein die unterschiedlichen Namen, unter denen Schöllkraut bei unseren Vorfahren bekannt war, bezeichnen, welch einen hohen Stellenwert dieses Heilkraut anno dazumal hatte.

In alten Kräuterbüchern heißt das Schöllkraut
Warzenkraut – Herrgottsgnade – Marienkraut – Gottesgabe – Herrgottsblätter – Blutkraut – Augenwurz – Goldwurz – Wulstkraut – gelbes Millkraut – Schwalbenwurz – Schillkraut


Und ganz genauso vielfältig wurde Schöllkraut in der Volksheilkunde eingesetzt. Es galt in alten Kräuterbüchern als eines der wichtigsten Heilpflanzen.
Völlig zu Unrecht war es in neuerer Zeit als giftig verrufen. Dieses Gerücht jedoch ist längst widerlegt und scheint eine Aussage der Arzneimittel-Industrie gewesen zu sein, die gerne die Kräuterkunde als „gefährlich“ hinstellt und dafür chemisch hergestellte Mittel mit uneinschätzbaren Nebenwirkungen propagiert.
Dennoch gilt es, genau die Anwendungshinweise zu beachten, um optimale Ergebnisse zu erzielen und um unerwünschte Nebenwirkungen, die bei unsachgemäßem Gebrauch bei jedem Mittel eintreten können, völlig auszuschalten.

Vorkommen
Die Pflanze ist 30 – 80 cm hoch mit verästeltem Wuchs und blüht vom Mai bis in den Herbst hinein. Jedoch auch im Winter kann sie ausgegraben werden, wenn man ihren Standort kennt. Sie gedeiht überall in Europa, sowie in Mittel- und Ostasien an südlichen Waldrändern, Mauern, Zäunen, Schutthalden und Hecken. Sie liebt stickstoffreiche Böden.

Ernte
Das ganze Kraut mit Stengeln und Wurzelstock wird zu Saft, Tee, Tinktur und Weinansatz verarbeitet und als Medizin eingesetzt.
Beim Pflücken tritt ein gelblich-oranger Milchsaft aus. Schöllkraut hat einen scharf-bitteren Geschmack und einen eigentümlichen, eher unangenehmen Geruch.

Inhaltsstoffe
In allen Pflanzenteilen befinden sich Alkaloide, die krampflösend wirken. Pflanzensäuren beruhigen den Magentrakt. Die Inhaltsstoffe regen den Gallenfluß an und haben schmerzhemmende Eigenschaften. Der Milchsaft bewirkt eine leichte, örtliche Betäubung. In Fertigarzneimitteln ist Schöllkraut Bestandteil von Gallemitteln und Spasmolytika.

Heilwirkungen
Die Pflanze wirkt blutreinigend und blutbildend und regt deshalb den Stoffwechsel extrem gut an. Sie gilt als eine der zuverlässigsten Mittel, sogar bei schweren Leberleiden. Besonders dann, wenn der frische Saft der Pflanze verwendet wird. Aber auch bei Gallen- und Nierenerkrankungen kann der Einsatz von Schöllkraut durchaus lohnend sein.
Es findet seine Anwendung auch bei Hämorrhoiden und schneidendem Wasser (Stechen und Brennen beim Urinieren). Sogar Ohrensausen läßt sich erfolgreich mit Schöllkrauttee behandeln.
Äußerlich empfiehlt es sich bei Hautleiden, Hühneraugen, Warzen und Flechten.
Bekannt ist es auch für das Lindern von Augenleiden und zum Bessern von Sehschwächen.


Zubereitung
Teeaufguß: 1 gestr. EL Kräuter mit 1/4 l Wasser überbrühen (nicht aufkochen), 5 Minuten ziehen lassen
Frischsaft: Gewaschene Blätter, Stengel, Blüten, evtl. auch Wurzelstücke im Entsafter auspressen. Gegebenenfalls mit warmem Wasser 1:1 verdünnen
Wein-Ansatz: 2 geh. EL Kraut samt Wurzelstücke mit 1/2 l Weißwein übergießen, 2 Stunden ziehen lassen, auspressen.
Homöopathische Tropfen: Aus der Apotheke

Anwendung

  • Leber-, Gallen-, Nierenleiden:
    Frischsaft 1:2 mit warmem Wasser verdünnt 3 Tassen den Tag über schluckweise trinken
  • Stoffwechselschwäche:
    1/4 l Wein den Tag über schluckweise trinken
  • Schneidendes Wasser:
    Saft oder Tee, 3 Tassen den Tag über schluckweise trinken
  • Ohrensausen:
    Saft oder Tee, 3 Tassen den Tag über schluckweise trinken
  • Hautleiden:
    Frischsaft unverdünnt auftragen
  • Hühneraugen:
    Frischsaft unverdünnt auftragen
  • Warzen:
    Frischsaft unverdünnt auftragen
  • Flechten:
    Frischsaft unverdünnt auftragen
  • Augenleiden wie Netzhautablösung, Grauer Star, Augenermüdungen, Sehschwäche:
    gewalkte Blätter auflegen oder Frischsaft der Blätter auf die Lider streichen
  • Geschwüre:
    gewalkte Blätter auflegen oder Frischsaft aus Stengeln und Blättern auf die Geschwüre streichen

Autorin: Hildegard Kita (Kräuterfrau)

Buchtipps zu diesem Artikel:
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