FIBROMYALGIE Der Brottrunk
Aug 01

Manchmal haben wir eine vorgefaßte Meinung und sind nicht davon abzubringen.
Unversehens kann eine solche Meinung richtungbestimmend für ein ganzes Leben sein

„Das schaff‘ ich sowieso nicht…!“ oder „Mir gehört die Welt…!”

Wer kann sich schon vorstellen, daß beide Aussprüche wesensbeschreibend für einen einzigen Menschen sind. Dieser Mensch ist meine Tochter.
Wie das möglich ist?
Ich erzähle das am besten von Anfang an.
Seit vielen Jahren gehe ich mit großer Hingabe und Begeisterung meinem Beruf nach. Für mich ist er total von dem Wort Berufung abgeleitet. Ich arbeite heute als Unternehmensberaterin. Ich habe durch die Ausbildung dieser interessanten Aufgaben tiefe Einblicke in Zusammenhänge zwischen Erwartungshaltung und Erfolg nehmen dürfen. Aber auch die Macht der Motivation ist mir nahegebracht worden.


Oftmals kann ein einziger Satz, im richtigen Moment, auf die richtige Weise gesagt, den Weg eines Menschen verändern

Ähnliches habe ich bei meiner ältesten Tochter erlebt.
Ich bin Mutter zweier Töchter, die heute 16 und fast 12 Jahre alt sind.
Mein Teenager heißt Anna Sophia. Sie war von Anfang an ein eher stilles Kind. Zurückhaltend und pflegeleicht. Dabei hatte sie eine rasche Auffassungsgabe und lernte beispielsweise innerhalb weniger Monate das Lesen. Im August erst eingeschult, konnte sie ihrer Schwester bereits zu Weihnachten kleine Gedichte vorlesen. Die Schulzeit verlief also recht erfreulich.

Bis es zur Mitte des 2. Schuljahres plötzlich zu einem „Bruch“ kam

Nichtsahnend sprach ich beim Elternabend mit der Lehrerin meines Kindes. Diese erzählte mir von einer gänzlich anderen Anna Sophia, als wir sie in der Familie kannten.
In der Schule war sie total schüchtern, ja regelrecht verklemmt. Sie traute sich nichts zu und wirkte sehr unsicher. Ihre schulischen Leistungen verschlechterten sich zusehends. Die Lehrer legten mir sogar nahe, den schulpsychologischen Dienst in Anspruch zu nehmen. Davon wollte ich erst einmal nichts wissen. In meinem „früheren Leben“ (lang, lang ist’s her…) war ich selbst Lehrerin gewesen und wußte um Leistungsschwankungen und Krisenzeiten in einer Schullaufbahn.

Ich fragte mich auch, ob vielleicht die Trennung vom Vater der Kinder, die gerade hinter uns lag, eine Rolle spielen mochte. Bis heute ist dies meine Vermutung

Trotz einiger Grundsatzgespräche und verstärkter Hilfestellung zeichnete sich keine Besserung der Situation ab.
Vor allem in Mathe fiel das Denken und Kombinieren so schwer, daß Hausaufgaben zu einem Problem für meine Tochter und für mich wurden.
Ich rief mir pädagogische Studieninhalte in Erinnerung und tröstete mich mit der Auffassung, daß sich, wie bei vielen Kindern „der Knoten“ zum Ende des 3. Schuljahres schon lösen würde.
Nun ja, das kam in etwa so hin. Meine Tochter wurde dann eine Schülerin, die mal so gerade im Mittelfeld herumdümpelte.
Unser Glück während der gesamten Grundschulzeit war, daß mein Kind „die beste Klassenlehrerin der Welt“ hatte. Sie sorgte mit Engagement und Einfühlungsvermögen dafür, daß ihre oft unwissend erscheinende Schülerin den Anschluß nicht verpasse.
Mit Unterstützung dieser Lehrerin konnte nach der 4. Klasse sogar ein Wechsel in die Realschule stattfinden.

Die ersten 2 Realschuljahre dort verliefen wenig erbaulich und trugen die Überschrift „Schule ist doof!“. Mutter und Tochter rieben sich aneinander auf. Lernen war Frust, Zwang und reine Pflichterfüllung. Schlechte Noten waren die Folge des unwilligen Einsatzes

Anstehende Klassenarbeiten wurden mir nicht angekündigt und somit nicht durch Lernen vorbereitet. Verheerende Zensuren mußten von mir unterschrieben werden.
Ärger und Vorwürfe auf meiner Seite erzeugten Tränen, Trotz und Resignation auf der anderen Seite.
„Ich kann das doch sowieso nicht…!“ wurde zum geflügelten Wort, das vor und nach jedem Vorwurf vor mir stand.
Wie so oft im Leben, schaukelte sich diese Situation (dem Himmel sei Dank), hoch und immer höher: Eines Nachts teilte mir meine Tochter über einen durch die Tür geschobenen Zettel mit, daß sie am nächsten Tag eine Englischarbeit schreibe; allerdings „vergessen“ habe, mir dies mitzuteilen.
Karamba – mir kochte das Blut!
Statt des üblichen Ärgers, stieg nun überraschend Mitleid in mir hoch. Wie mochte sich meine Kleine fühlen, morgen in eine Arbeit zu gehen, ohne vorbereitet zu sein.
Ihr mußte hundeelend zumute sein. Aber mir ging es auch nicht besser.

Ich müßte meinem Kind besser behilflich sein
Schließlich konnte ich so vielen erwachsenen Lernenden eine gute Stütze sein. War ich bei meinen eigenen Sprößlingen wegen der großen Nähe vielleicht betriebsblind?


So war die Nacht also nicht für mich „zum Schlafen gemacht“, sondern wurde vollständig verwandt, um neue Pläne und Strategien auszuarbeiten.
Es wäre doch gelacht, wenn es nicht gelänge, ein intelligentes und gesundes Kind zum lustvollen Lernen zu bewegen.

Meine Tochter hatte verblüffend zur Kenntnis genommen, daß ihre „Vergeßlichkeit“ keinerlei Sanktionen zur Folge hatten.
Ich war einfach zur Tagesordnung übergegangen. Dabei wartete ich nur auf die Gelegenheit für ein gutes Gespräch. Das ergab sich dann auch bald.

In diesem Zwiegespräch übergab ich meiner Tochter die Verantwortung für sich selbst

Sie sollte also künftig selbst entscheiden ob, wann und für welchen Anlaß sie lernen oder sich vorbereiten wollte.
Ich bot ihr an, mich zum Abhören von Übungsinhalten zur Verfügung zu stellen. Aber auch das wie und ob überhaupt, sollte sie ganz alleine selbst bestimmen.

Mir, und ich glaube, meine Anna Sophia, war bei diesem Gespräch etwas mulmig zumute. Konnte das Kind die Verantwortung wirklich alleine tragen? Was passierte, wenn die ganze Sache eskalierte und sie dem Leistungsdruck der Schule erst recht nicht stand hielt.
Aber dann hielt ich mir die gespannte Atmosphäre vor Augen, die unsere Beziehung, ja unser Leben überschattete. Schlimmer konnte es eigentlich nicht kommen.
Ich nahm mir also vor, genügend Geduld aufzubringen und einfach Vertrauen in die Willenskraft meiner Tochter zu haben.

Sie sollte es schaffen. Sie ganz alleine. Und das, weil sie es wollte und nicht, weil sie durch mich angetrieben wurde

Mein Durchhaltevermögen wurde auf eine harte Probe gestellt. Täglich mußte ich mich zurückhalten, um nicht ins alte Fahrwasser zu geraten.
Die Feuertaufe kam bald. Die ersten Klassenarbeiten wurden ohne meine Einflußeinnahme geschrieben. Die Noten? Na ja. Aber auch nicht schlechter, als vorher mit Streß und Frust auf beiden Seiten.
Nach und nach gesellte sich mehr Gelassenheit zu meiner Hoffnung auf Besserung.
Der Druck wich der Entspannung. Erlösend für mich und für sie.

Nun erst konnte ich mein Wissen um das positive Denken einsetzen. Ich vermittelte meinem Kind, wie man sein Denken konstruktiv für seine Ziele verwendet. Sie konnte jetzt ohne inneren Widerstand Affirmativen nutzen wie „Ich lerne gerne und leicht“. Und genauso erlebte sie das Lernen. Alles fiel ihr leicht, wenn sie übte. Die früheren Leistungseinbrüche hatte sie ja nicht auf mangelndes Training, sondern auf die böse Schule zurückgeführt.
Es war einfach wunderbar, daß ich meine Anna Sophia plötzlich wieder erreichen konnte.

Sie vertraute mehr und mehr der Kraft der Gedanken und hatte bald kaum noch Zweifel in Bezug auf eigene Fähigkeiten

Von Klassenarbeiten erfuhr ich nur dann, wenn ich für eine Übungsstrecke frequentiert wurde.
Sie bereitete sich völlig eigenständig vor und die Noten verbesserten sich rasant.
In der Familie waren ihre schulischen Leistungen längst kein Diskussionsthema mehr.
Dafür entwickelte meine Tochter einen ungewohnten Ehrgeiz. Wo vorher Desinteresse und „Null Bock“ rangierten, stellte sich mehr und mehr die Entscheidung für Erfolg ein.
Ein einziges Gespräch dann (beim Autofahren) genügte, um gemeinsam den Entschluß zu fassen, daß Anna Sophia nach dem mittleren Bildungsabschluß von der Realschule in die gymnasiale Oberstufe wechseln wollte, um das Abitur anzustreben.

Und jetzt ging es erst richtig los. Mit Engagement, Fleiß und Ausdauer setzte sie ihre Entscheidung in die Tat um. Alles unter dem Motto „Lernen macht Spaß“. So brachte sie ständig verbesserte Zensuren heim

Unglaublich, daß dieser gleiche Mensch früher mit einer solchen Unlust die Schule besuchte.
Heute beschäftigt sie sich sogar in der Freizeit mit Geographie, weil sie einfach wissen will, wie die Welt beschaffen ist. Sie bittet andere Gymnasiasten und Lehrer um Material für Chemie und Physik, weil sie Zusammenhänge besser verstehen will. Sie entdeckt für sich die Philosophie und mag klugen Überlegungen folgen. Sie hat jetzt ein Auge für die alten Meister und ihre Arbeiten in den verschiedensten Epochen.
Besonders interessiert aber zeigt sich meine Tochter an der Macht des Geistes und der Kraft positiv ausgesandter Gedanken. So steht es für sie fest, daß sie ihr Abitur mit einer hervorragenden Note besteht.

Anna Sophia hat keine Angst mehr vor dem Tag, vor ihrer Zukunft, vor ihrem Leben. Sie ist heute selbstbewußt, eigenständig und voll Vertrauen in ihre eigenen Möglichkeiten

Der wichtigste Schritt dazu war sicherlich mein eigener Entschluß, sie loszulassen und ihr die Chance zu einer eigenen Entwicklung einzuräumen. Unter meinen „Fittichen“ wäre sie immer nur Ausführende gewesen und hätte sich nicht wirklich entwickeln können.

Aus diesem Beispiel habe ich noch viel mehr gelernt als meine Tochter. Ich habe hautnah erleben dürfen, wieviel durch Motivation und bloße Gedankenumkehr zu erreichen ist, wo vorher Ärger und selbst errichtete Blockaden den Blick trübten und für die eigene Familie – betriebsblind machten

Artikel: Bioline-Magazin


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