Es scheint Menschen zu geben, die das Unglück regelrecht anziehen.
Sie sind unfallgefährdeter als andere. Sie stolpern leichter. Sie werden viel öfter von Mitmenschen enttäuscht und betrogen. In ihrem Leben sind viel mehr Katastrophen enthalten als in dem anderer Leuten.
Woran aber liegt das?
Ist das Schicksal tatsächlich so ungerecht? Gibt es „die Lieblinge der Götter“? Das sind die Leute, die sich auf der Sonnenseite des Lebens befinden, denen alles zufällt. Ihnen scheint nie etwas zu geschehen. Und wenn, dann stehen sie lachend wieder auf, schütteln die Federn und sind augenscheinlich nicht wirklich und schon gar nicht dauerhaft beschädigt. Wie Phönix aus der Asche eben.
Was aber ist mit den Schattenkindern? Stiefkinder des Schicksals vielleicht? Die, die so richtig gebeutelt werden vom Leben? Scheinbar keine Sonne kennen? Beim ersten zaghaften Versuch, den Kopf zu heben, gibt es jedesmal gleich „was auf die Mütze“, und wie ein begossener Pudel wartet der so Gestrafte lieber gleich mit eingezogenem Geweih auf den nächsten Schlag. Den nächs-ten Schicksalsschlag nämlich.
Was passiert hier? Sind wir selbst es, die solche Kettenreaktionen auslösen, die uns so niederknüppeln? Oder sind wir einer fremden Macht ausgeliefert, die willkürlich verfährt, und der man nichts entgegensetzen kann?
Was wird mir jetzt wieder zustoßen?
Vor Jahren gehörte zu einer Kurgast-Gruppe, die ich betreute, eine nette Dame. Sie mochte damals etwa 50 Jahre alt gewesen sein. Sie war mir bereits bei ihrer Anreise aufgefallen. Erlesen in feine Pastellfarben gekleidet, war sie mit ihrer zarten Haut und dem hellen, etwas farblosen Haar durchaus ein netter Anblick. Sie gab sich jedoch äußerst zurückhaltend und etwas ängstlich. Ihre Stimme war leise, kaum zu hören. Bereits am zweiten Tag erzählte sie in unsere fröhliche Runde hinein von dem Mißgeschick, das sie wieder einmal mit ihrem Hotelzimmer habe. Das Wasser in ihrer Dusche lief nicht ab und die Toilettenspülung funktionierte nicht. Der Installateur sei schon dagewesen, aber die Reparatur dauerte etwas länger, weil die Außenwände aufgeklopft werden mußten. Unser Gast konnte auch kein anderes Zimmer bekommen, weil das Hotel komplett ausgebucht war. Nun saß sie völlig deprimiert in unserem Kreis und war den Tränen nahe. Sie sagte dann noch einen denkwürdigen Satz, der (vielleicht) die Erklärung für die ärgerliche Begebenheit sein konnte. „Als ich meinen Urlaub antrat, mit meinem Auto losfuhr, dachte ich: Was wird nur diesmal wieder passieren …“. Sie fügte noch an, daß ihr solche Dinge immer geschehen würden. Angstvoll wartet sie jedesmal schon darauf.
Alles ging immer schief
Ein Freund von mir hatte sich ein älteres Haus in südlichen Gefilden gekauft. Von Anfang an erzählte er mir, wie kompliziert es im Ausland sei, alle Genehmigungen zu erhalten. Auch die Handwerker seien so unzuverlässig und unehrlich. Man müsse höllisch aufpassen, damit man nicht laufend „über den Tisch gezogen“ würde. Und genauso geschah es ihm. Ich möchte jetzt nicht Einzel-heiten beschreiben, das würde ein Buch füllen. Tatsächlich passierten meinem Bekannten die haarsträubendsten Geschichten. Er hat für seinen Umbau, der in 6 Monaten abgewickelt sein sollte, sage und schreibe 3 Jahre gebraucht. Und – er hat darüber buchstäblich weiße Haare bekommen. In der gesamten Bauzeit, und lange danach, war er kaum für eine interessante Unterhaltung, so wie in früheren Zeiten, zu gewinnen. Alle Gespräche mündeten immer sehr schnell wieder in seine bitteren Erfahrungen und darin, was er von den Menschen allgemein hielt.
Sie lernte immer die gleichen Typen kennen
Eine frühere Kollegin, mit der ich über die Jahre einen losen Kontakt halte, ist heute ziemlich enttäuscht, weil es ihr nicht gelingen will, einen netten, passenden Mann zu finden. Sie hat die Hoffnung darauf zwischenzeitlich nahezu aufgegeben. Dabei ist sie eine hübsche, warmherzige und sehr charmante Frau, mit der ein charaktervoller Mann die beste Chance hätte, glücklich zu werden. Nur mit dem Charakter war das immer so eine Sache in den Verbindungen, die meine Bekannte einging. Sie zog geradezu genau die Typen an, von denen sie eigentlich schon vorher wissen mußte, wie es ausgeht Diese waren gewalttätig und brutal. Das Erstaunliche war, daß sich die Erfahrung mit Männern, die so geartet waren, wie ein roter Faden durch ihr gesamtes Leben zog. Sie hatte tatsächlich noch nie einen „normalen“ Freund gehabt. Sie ist jetzt so weit, daß sie auf Partnerschaft lieber verzichtet, als das Risiko wieder einzugehen, krankenhausreif geprügelt zu werden, oder ins Frauenhaus flüchten zu müssen. Übrigens war der Vater meiner Bekann-ten von ähnlicher Art, wie später alle ihre Weggenossen.
Was passiert hier?
Meine Großmutter sagte immer: „Kind beschrei‘ es nicht“. Man sprach auch davon, etwas nicht „herbeizureden“. Unsere Altvordern waren peinlich darauf bedacht, sich negative Situationen nicht auszumalen. In allen drei beschriebenen Fällen jedoch ist die Situation regelrecht erwartet worden. Und sie trat dann auch prompt ein. Immer und immer wieder. Und das wird so lange weiter-gehen, wie der Betroffene es genauso voraussetzt.
Bedenkt man einmal, daß 85 % aller Unfälle nur 15 % der Menschen passieren, so muß es doch einen Zusammenhang zwischen Denken und Geschehen geben.
Immer wieder kann ich beobachten, wie schnell sich ein Schicksal verändern kann, ändert der Betreffende seine Denkweise. So hatte ich vor einiger Zeit einmal ein Gespräch mit einem jungen Mann, dessen destruktive Gedankengänge mir aufgefallen waren. Er sah sich als Opfer seines Schicksals. Seine Kommentare darüber waren die reinste Anklage: „Ich habe ja doch keine Chance …“, „die Umstände erlauben das nicht“, „es sorgt schon jemand dafür, daß ich nicht …“, da komme ich ohnehin nicht dran“, das ist nur wenigen vorbehalten“ und so ging es immer weiter.
Neulich aber berichtete er mir, daß er zur Zeit eine Glückssträhne habe. Dann stutzte er, sah mich an und grinste keß. „Na, um ehr-lich zu sein, ich wollte mal ausprobieren, ob Du recht hast, und ob es wirklich an mir und meinem Denken liegt, wenn es mir dre-ckig geht. So habe ich mich zu einer positiven Dankweise gezwungen. Alles klappt plötzlich. Es scheint bisher zu funktionieren.
Ich habe es meinem jungen Freund gegönnt, daß er das vorsichtige bisher noch eingebaut hat. Ganz traut er seiner eigenen Courage nämlich noch nicht.
Gäbe es denn auch eine Lösung für meine drei geschilderten Problemfälle?
Ich bin fest davon überzeugt. Die Betroffenen haben ihre negative Erwartungshaltung derart fest manifestiert, daß sie nun regelrecht unter „Erfüllungszwang“ stehen. Sie suchen förmlich nach Menschen und nach Gelegenheiten, um ihrer eigenen, stabil verankerten Vorstellung zu entsprechen, und die dazu passenden Menschen begegnen ihnen auch. Immer und immer wieder. Gleichsam als zögen sie sie magnetisch an.
Solche Muster lassen sich auflösen
Dafür ist erforderlich, daß man sich bewußt macht, wie es zu der angestammten Einstellung kommen konnte. Zumeist liegt das Erlebte, das dafür verantwortlich ist, weit zurück in der Kindheit.
Wie aber kann herausgefunden werden, wo der Knackpunkt zu finden ist?
- Befragungen von Familienangehörigen und Bekannten können dafür hilfreich sein.
- Empfehlenswert für eine solche Forschungsreise in die Vergangenheit ist eine „Familienaufstellung nach Hellinger“. Dabei wird die Stellung aller Familienmitglieder zueinander beleuchtet und geklärt.
- Gute Ergebnisse können durch Affirmationsübungen erreicht werden. Man setzt den negativen Gedankenmustern praktisch positi-ve Formulierungen entgegen.
- Aber auch symbolische Handlungen wie Briefe schreiben und verbrennen oder zerrissen in alle Winde verstreuen, ermöglichen Auflösung.
Für welchen Weg man sich auch entscheidet: Es ist wichtig zu wissen, daß niemand seinem Schicksal ausgeliefert bleiben muß.
Wenn die feste Absicht besteht, das Leben grundlegend zu verändern, gelingt dies auch
Autorin: Birgit Seufert
Meridian-Energie-Therapeutin
Familiencoach
Dozentin am Seminarhaus Hoher Vogelsberg
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