Jünger werden jünger fühlen Gefüllte Pellkartoffeln
Mrz 21

Die allermeisten Menschen sind davon überzeugt, daß Glücksgefühle sich auf seltene Augenblicke beschränken, die unerwartet und ohne Einflußmöglichkeit wie ein Geschenk im eigenen Schicksal vorkommen
Es heißt „flow“
Forscher in aller Welt dagegen wollen den Beweis antreten dafür, daß ein Glückszustand durchaus anhaltend sein, sich auf eine längere Zeitstrecke beziehen kann. Dieses Empfinden wird „flow“ genannt

Was aber sagen die eigenen Erfahrungen dazu?
Fakt ist, daß wir dem Glück nicht trauen. Der Mensch ist eher so geartet, daß er meint, Glücksgefühle nicht so richtig genüßlich wahrnehmen oder gar auskosten zu dürfen. Tut er es dennoch, vom Glück überwältigt sozusagen, ist im Hinterkopf, bewußt oder unbewußt, die Erwartung der Strafe gegenwärtig.


Schuld und Sühne also?

Wieviel Lebensgenuß aber darf es denn sein? Wieviel Freude darf ich mir denn gönnen? Oder gehört es vielmehr zu meinem Schicksalsprogramm, daß ich mich von meinen Problemen, die mir freilich auf meiner Lebensstrecke reichlich begegnen, niederknüppeln lasse?

Der Wissenschaftler und Glücksforscher Mihaly Csikszentmihalyi hat in diversen amerikanischen Studien belegt, daß jeder Mensch sich in seinem Leben soviel Glück nehmen kann, wie er erleben will. Ein Zuviel davon kann es gar nicht geben.

Es ist möglich, ein regelrechtes Glücksmanagement zu betreiben

Das Beste daran dürfte sein, daß es keiner großen, bedeutenden Situation bedarf, um sich Glück einfach zu verschaffen.
Vielmehr winkt es überall im Alltag, bei kleinen oder aber bei großen Unternehmungen, bei Treffen mit Vertrauten oder einfach nur netten Menschen, mitten in der Natur, beim Genuß einer köstlichen Speise oder eines bescheidenen Kaffees.

Die Natur hat den Menschen mit vielen, vielen Facetten ausgestattet, die ein intensives Er-leben ermöglicht. Es liegt an uns, ob wir sie zulassen oder abwehren.
Nehmen wir jedoch unsere Fähigkeiten nicht in Anspruch, verleugnen wir sie gar, so ist das gleichzusetzen mit dem Zurückweisen eines Geschenkes.
Die Schöpfung hat uns Menschen mit Glücksempfindungen bedacht. Und davon haben wir reichlich.

Wir brauchen uns aus diesem Zauber-Korb nur zu bedienen

Niemand ist griesgrämig, Kummer beladen, negativ, schwarzseherisch, schlecht gelaunt, vom Unglück verfolgt, vom Schicksal gebeutelt – geboren worden.
Kinder sind voll Vertrauen und Zuversicht.
Freilich, nicht immer ist beeinflußbar, was das Leben an Prüfungen bereit hält. Wie wir diese Dinge jedoch annehmen, was wir daraus machen, das alleine liegt in unserer eigenen Hand.
Wie aber ist es anzustellen, das Leben so oft wie möglich in seiner Fülle im wahrsten Sinne des Wortes zu er-leben?
Was machen die Glücklichen, was andere nicht können? Weshalb gehen die einen seelisch, zum Teil auch körperlich tief gebückt, während die anderen ihren Weg tänzelnd nehmen? Der Grund für diese Unterschiede macht eine winzige Zauberformel aus, die da heißt:

„Leben im hier und heute!“

So einfach kann es doch nicht sein. Diese Weisheit kennt schließlich jeder. Nur kann man das doch nicht so ohne Weiteres umsetzen. Oder doch?

Zwei Beispiele aus dem Kreis meiner Freundinnen verdeutlichen dieses Prinzip anschaulich.

Erika nimmt das Angenehme nicht wahr
Ich kenne Erika seit etwa 15 Jahren. In dieser Zeit begleitete ich sie durch zwei Scheidungen hindurch und bei vielen Hochs und Tiefs in ihrem Leben. Erika ist sozusagen mit einem „goldenen Löffel im Mund“ geboren worden. Um materielle Dinge mußte sie sich noch nie kümmern.
Im Gegenteil. Alles, worauf sich ihr begehrlicher Blick bislang richtete, konnte auch gekauft werden. Sie besitzt schicke Wohnungen, 2 Ferienhäuser, ein Segelboot, 2 Autos und eine unglaubliche Garderobe. Alle großen Modemacher dieser Welt zeichnen für ihr Outfit verantwortlich. Alle wichtigen Bälle werden von dieser, meiner Freundin besucht, viele bedeutende Namen zu ihren Festen eingeladen. Wohl bemerkt – Erika ist eine kluge und warmherzige Person, die freigiebig auch durchaus für andere sorgt. Ihre diversen sozialen Engagements belegen das.
Auf mein Befragen, ob sie glücklich sei, antwortet sie mir aber: „Es geht so!“
Vielmehr höre ich oft, allzu oft, worüber sie sich bitter beklagt. Langeweile stellt sich schnell in diesem Leben ein.
Es muß immer etwas passieren. Sie rast praktisch von einem Geschehen zum anderen. Es bleibt keine Zeit, etwas wirklich zu genießen.
Erika versteht durchaus, interessant zu plaudern. Durch vielseitiges Wissen ist sie eine gesuchte Gesprächspartnerin.
Doch nach der einen gelungenen Geselligkeit wird gleich schon das nächste Treffen geplant.
Etwas verständnislos betrachtet mich meine Freundin, wenn ich mich z.B. begeistert über ein herrliches Essen auslasse. Ich genieße dann jeden einzelnen Bissen und gebe meine Freude darüber kund. Sie aber findet es selbstverständlich, daß etwas schmeckt. Allenfalls würde sie eine kurze Bemerkung darüber machen. Eher wäre es für sie Anlaß zur Diskussion, wenn ein Gericht nicht gelungen wäre.
Erika konsumiert ihr wirklich schönes und inhaltreiches Leben – von wirklichem Genuß darin kann keine Rede sein


Viola genießt jede Minute
Das Leben ist für sie als alleinerziehende Mutter von 3 Kindern wirklich kein Honigschlecken. Immerzu fehlt etwas, ist dies oder jenes knapp. Das Geld reicht hinten und vorne nicht. Aber selten habe ich meine Freundin Viola, die ich schon seit der Schulzeit kenne, mit schlechter Laune erlebt. Verzagt ja, aber immer nur vorübergehend, das war sie schon mal gelegentlich.
Dennoch – das Zusammensein mit ihr war eigentlich immer ein reines Vergnügen.
Warum? Weil meine Freundin vollkommen im „Jetzt“ lebt. Man hat nie das Gefühl, das ihr irgend etwas zur Last wird. Alle ihre Pflichten erledigt sie mit großem Engagement. Und die wenigen Stunden der Muße macht sie zu einzigartigen Erlebnissen. Trotz ihres kleinen Haushaltsbudgets lädt sie z.B. sonntags am Abend Gäste ein, und das Woche für Woche.
Sie sagt ihren Freunden vorher, was sie kocht und bittet darum, den passenden Wein mitzubringen.
Wie sie gesteht, war es manches Mal ein Kunststück, ein festliches Menü für so wenig Geld auf den Tisch zu bringen. „Mit ein wenig Überlegung schaffe ich das heute sogar für zwanzig Mark“, lacht sie.
Die Abende mit ihr sind berühmt. Es wird immer köstlich geschmaust, geredet und viel gelacht. Ja, so ist sie, meine Freundin. Sie freut sich an dem, was sie hat, und verschwendet nicht einen einzigen Gedanken an das, was sein könnte.
Für sie kann eine Tasse Kaffee absolut beseligender Genuß sein. Oder eine einzige Praline, ein Spaziergang im Regen, Sonne auf dem Gesicht oder ein gutes Gespräch.
Durch sie habe ich eigentlich erst begriffen, daß es wenig braucht, um Glück zu erleben.

Was nun macht den Unterschied zwischen den beiden beschriebenen Frauen aus.
Die eine eilt von Event zu Event, um möglichst viel zu erleben. Sie erwischt immer nur Splitter vom Glück. Allenfalls kurze Momente.
Die andere hält das Glück fest, wo sie ihm begegnet. Und das passiert ihr pausenlos. Sie kostet es dann in vollen Zügen aus. Dazu gehört natürlich, daß sie es sich immer wieder vollends bewußt macht.

Csikszentmihalyi verheißt, daß es im Laufe der Zeit immer leichter wird, Glücksgefühle für sich „abzurufen“, wenn man Glück öfter bewußt er-lebt hat.
Glück kann dann mit dem ganzen Körper gefühlt werden. Vom Scheitelpunkt bis in die Fingerspitzen und bis zu den Zehen.

Glück kommt zu uns in dem Maße, wie wir es willkommen heißen

Welches aber sind die Gelegenheiten, die uns Glück spüren lassen?
Dazu sagt Mihaly Csikszentmihalyi daß Glück völlig unabhängig ist von materiellen Voraussetzungen.
Vielmehr hängt es ab von der Intensität einer Situation, eines Tuns.
Wir erleben das sogenannte „flow“, wenn wir z.B. einer Arbeit ganz zugewandt sind. Oder einer Tätigkeit, die uns gänzlich erfüllt, die keinen anderen, in diesem Falle ablenkenden oder störenden Gedanken zuläßt.
Chirurgen berichten von anhaltendem Glücksgefühl in der vollen Konzentration auf die Operation. Sie sind dabei trotz oftmals viel zu wenig Schlaf hellwach in absoluter Aufmerksamkeit.
Ein Bergsteiger denkt an nichts anderes als an seinen Weg. Der berühmte österreichische Extremkletterer Bubendorfer wurde mal nach seinen Gedanken beim Steigen befragt. Seine Antwort war: „Meine Aufmerksamkeit ist nur auf den nächsten Schritt gerichtet.“
Ein Maler ist versunken in sein Bild, die Leinwand, die verwendeten Farben. All seine Sinne sind gerichtet auf das Motiv, das er im Kopf hat, und das nach Verwirklichung drängt.
Der Gärtner (auch Schrebergärtner) beschäftigt sich voller Inbrunst mit Erde und Pflanzen, mit Hacke und Spaten. Die Vision von der blühenden, grünen Pracht ist der Motor.
Die Akkordarbeiterin am Band ist voll in ihre Aufgabe versunken. Sie denkt an nichts anderes, als an die Produkte, die durch ihre Hand gefertigt werden.

Alle diese Menschen erleben während ihres Tuns ein Hochgefühl. Sie sind voller Erwartung auf das Gelingen.
Die Bedingung für dieses „flow“ ist die absolute Hingabe an das Tun.
Dabei ist es völlig gleichgültig, ob Quittungen sortiert, Kartoffeln geschält, Rennen gefahren oder Obst gepflückt wird.

Ich kann also selbst entscheiden, ob ich Glück erleben will, oder ob ich es vorübergehen lasse.
Alles was ich gerne und innig tue, wird mit Glücksgefühlen belohnt. Erst bei der Ausübung, später durch die Befriedigung über das Ergebnis.

So ist Glück zu erleben
Es gibt auch hier ein Entweder/Oder

  • Ich kann ein Glas Wein trinken und nehme eben nur zur Kenntnis, daß es schmeckt.
  • Ich kann mir aber auch bei jedem Schluck bewußt machen, wie köstlich dieser Wein mundet. Dann setzt Genuß ein.
  • Ich kann ein wohlschmeckendes Essen kochen, damit alle satt werden.
  • Ich kann aber auch jeden Handgriff bei der Zubereitung zelebrieren. Freue mich über die Farben der Karotten, den Duft der Petersilie, stelle mich ganz auf die Mahlzeit ein. Als Krönung des Kochens serviere ich ein Menü, das „mit Liebe gekocht“ ist. Es wird mich und die Gäste begeistern.
  • Ich kann spazieren gehen, weil es gesund ist und ich Bewegung brauche.
  • Ich kann aber auch beglückt durch die Natur gehen. Hören, riechen, sehen: ein einziges Geschenk. Und ich spüre, wie mein Blut schneller fließt, meine Laune sich hebt – ich bin eins mit dem Universum, eben glücklich.

Sie sehen, ein wenig Überlegung ist schon nötig, will man sich ein großes Stück von dem Glückskuchen abschneiden, der so reichlich vorhanden ist.

Dazu gehört also in allererster Linie, daß ich alles, was ich künftig tue (ja auch, was ich tun muß), gerne erledige.
Denn: Kämpfe ich mit der Materie, kämpft die Materie auch mit mir.
Arrangiere ich mich statt dessen mit meinen Pflichten, erledige sie mit Liebe, statt mit Haß, dafür voll konzentriert und interessiert, werde ich erleben, daß mir absolut nichts mehr als Fron erscheint.

Der wichtigste Rat allerdings ist eine Frage, die den ganzen Tag über gestellt werden muß: “Befinde ich mich jetzt gerade in einer Situation, die ich eigentlich genießen könnte, würde ich mir die Möglichkeit dazu bewußt machen?“
Sehr schnell werden Sie feststellen, wieviel Glücksmomente, glückliche Zeiten, glückliches Erleben in der Vergangenheit einfach an Ihnen vorübergegangen sind – weil Sie es nicht bemerkt haben.

Sicher nehmen Sie von nun an öfter bewußt zur Kenntnis, wie wundervoll Sie sich fühlen, z.B.

  • nach einem heißen Bad
  • nach einer kalten Dusche
  • nach dem Joggen
  • in einem frisch bezogenen Bett
  • mit einer Wärmflasche an den kalten Füßen
  • wenn Sie bei Durst ein ganzes Glas Wasser trinken
  • wenn Sie in die weite Landschaft schauen
  • wenn Ihr Kind Sie anstrahlt
  • wenn Ihnen eine schöne Formulierung gelungen ist
  • wenn ein Erlebnis Ihre Seele wärmt
  • wenn Sie den heißen Kakao mit Rum trinken
  • und bei anderen wundervollen Gelegenheiten.

Glück braucht nur einen kleinen Anlaß, darf aber auch einen großartigen Grund haben.
Aber zum „sich glücklich fühlen“ bedarf es nur des festen Entschlusses, sich dieses Gefühl in Kopf und Körper zu holen, sich Glück in jedem Augenblick bewußt zu machen

Machen Sie die ersten Schritte dazu. Glücklichsein ist reine Trainingssache und fällt von Übung zu Übung immer leichter.

Dazu wünsche ich Ihnen „viel Glück“,

Autorin: Ingrid Schlieske


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