rau)Lavendel Palming
Jun 18

Das Anerkennen einer Hilfeleistung fällt oft schwer
Ich bin mit Leib und Seele Heilpraktikerin. Das bedeutet, dass ich mich für jedes Patientenanliegen mit allem meinem Wissen einsetze. Das ist oftmals verbunden mit akribischer Suche nach den Ursachen für Beschwerden.
Ist dann eine passende Anwendung gefunden, hat ein natürliches Medikament gut gewirkt, ist die Reaktion des Patienten oftmals enttäuschend für mich.
Frage ich nämlich bei der nächsten Konsultation nach der Befindlichkeit, wird auf merkwürdige Weise abgewiegelt.
Ja, die behandelten Symptome sind nicht mehr spürbar, aber das hängt sicherlich damit zusammen, dass die Wunden ohnehin in der Abheilungsphase waren. Oder just zur Behandlungszeit ist ja auch die Ernährung umgestellt worden, darauf kann die Besserung doch auch zurückzuführen sein. Auch hatte es ja einen Wetterumschwung gegeben, da fühlt man sich ja allgemein besser.
Solche und andere Ausflüchte höre ich von vielen Patienten.

Was aber kann es sein, dass es Menschen so schwer fällt, die Leistung eines anderen Menschen, in diesem Fall die der Therapeutin, anzuerkennen?


Ich sprach mit dem Diplom-Psychologen Rainer Franke darüber. Er bestätigte mir meine Erfahrungen und erzählte mir eine Reihe von Begebenheiten aus seiner eigenen Praxis.
Diese ähnelten verblüffend meinem eigenen Erleben.
Auf meine Frage, ob ihn die demotivierenden Äußerungen der Patienten nicht enttäuschten, antwortete er mir, dass er sich immer sorgfältig davon überzeugen würde, ob und wie seine Behandlung dem Patienten geholfen hätte. Das sei ihm Bestätigung genug. Die Aussagen der Patienten würde er grundsätzlich nicht persönlich nehmen, da er diese sogar verstehen könne.
Ich muss wohl recht ratlos ausgesehen haben, denn solche Wahrnehmung der Patienten ist ja wirklich nicht zu begreifen.
Rainer Franke erklärte mir nun das so genannte „Apex-Problem“ (lt. Lexikon: Verdrängter Wirklichkeitsbezug).
Danach hat der Mensch grundsätzlich Probleme damit, Methoden zu akzeptieren, die ihm nicht geläufig sind. Dabei muss es nicht nur um Heilverfahren gehen, deren Wirkung noch nicht ausreichend nach unseren wissenschaftlichen Maßstäben nachzuweisen ist.
Wohl jeder Forscher kennt eine solche Skepsis seinen Erfindungen gegenüber. Dies übrigens auch dann, wenn sich jeder davon überzeugen kann, dass sie funktionieren.

„Es darf eben nicht sein, was nicht sein kann“

Jedes Verfahren, das mit dem eigenen Verstand nicht nachzuvollziehen ist und von den anerkannten Wissenschaftlern nicht eindeutig bestätigt ist, hat es erst einmal schwer, sich zu behaupten.

Für den Arzt, Heilpraktiker, den Psychologen muss es ausreichen, dass die Behandlung erfolgreich ist. Der Applaus ist nicht vorgesehen


Eine weitere Erklärung für das Abstreiten des Erfolges hängt damit zusammen, dass der Mensch gerne Situationen vermeidet, in denen er dankbar sein muss. Diese nämlich würden ihn verpflichten, sich auch dankbar zu verhalten. Im privaten Leben wären damit Gegenleistungen verbunden. Im Arzt-Patienten-Verhältnis wäre die ärztliche Leistung in einem solchen Falle ungemein aufgewertet. Das aber würde  zu einem Ungleichgewicht zwischen den Parteien führen.

Angeregt durch diese Erläuterungen ließ ich einmal meine Praxisarbeit Revue passieren. Die Erfahrung bewies tatsächlich, dass dieses „Apex-Problem“ besonders bei Heilverfahren auftritt, deren Erfolge dem Patienten rätselhaft erscheinen müssen. Dazu zähle ich auch die Behandlung mit der Homöopathie. Einige winzige Globoli, die unter der Zunge zergehen, können unter Umständen, wenn das richtige Mittel gefunden ist, buchstäblich „über Nacht“ jahrelange Beschwerden zum Verschwinden bringen. Das verblüfft ja jedes Mal neu sogar den Therapeuten, wie viel mehr erst den Patienten.

Da verwundert es nicht, dass dieser  Patient nach ganz anderen Erklärungen sucht, denn den kleinen Zuckerkügelchen kann doch eine solche „Macht“ nicht eingeräumt werden

Eine Berufskollegin, mit der ich neulich über dieses Thema redete, bestätigte mir lachend meine Beobachtungen. Sie erzählte mir von einer ihrer Patientinnen, die sie kürzlich mit Bachblüten behandelt hatte. Die Frau war zu ihr in die Praxis gekommen, weil sie völlig am Boden zerstört war. Sie hatte gerade ihren Job verloren, der Freund hatte sich von ihr getrennt, Geldsorgen quälten sie und eine riesige Angst vor der Zukunft raubte ihr den Schlaf. Das hatte allerlei körperliche Beschwerden zur Folge.
Meine Kollegin stellte für ihre Patientin sorgsam drei passende Bachblüten-Essenzen zusammen, die diese regelmäßig einnehmen sollte. Das Ziel war, das aufgeregte Gemüt zu beruhigen, dabei Körper und Seele wieder in Harmonie zu bringen. Wäre das erfolgt, fänden sich Lösungen für alle anderen Probleme ganz von selbst.
Die Patientin versprach, die Tropfen anweisungsgemäß einzunehmen.
Nach einigen Monaten erschien sie erneut in der Praxis, um Hilfe gegen Darmbeschwerden zu finden. Auf die zurückliegende Behandlung angesprochen äußerte sie, die Bachblüten-Essenzen hätten ihr nicht geholfen. Nähere Befragung nach den damaligen Problemen ergab, dass die junge Dame wieder einen Job ausübte, einen Partner kennen gelernt hatte und von den damaligen körperlichen Beschwerden nichts mehr vorhanden war. Auch von depressiven Stimmungen würde sie überhaupt nicht mehr gequält.
Meine Kollegin war erst einmal sprachlos.

Ganz augenscheinlich hatte das Medikament auf allen Ebenen erfolgreich gewirkt. Die Patientin jedoch konnte das nicht anerkennen

Ganz tief in ihrem Herzen jedoch wusste sie genau, was ihr geholfen hatte. Schließlich wäre sie bei anderen Beschwerden nicht wieder zur neuerlichen Behandlung gekommen. Sie hatte sogar schon einige ihrer Bekannten in die Praxis meiner Kollegin geschickt.

Seit über einem Jahr habe ich die Behandlung meiner Patienten bevorzugt auf Meridian-Energie-Techniken (M.E.T.) umgestellt. Ganz neu war mir dieses Verfahren nicht, kannte ich doch seit Jahren das Japanische Heilströmen, das auf ähnlichem Prinzip beruht. Dort werden auf bestimmte Energiepunkte des Körpers die Fingerspitzen gelegt, die einen heilenden Strom auslösen. Bei M.E.T. hingegen werden Meridianpunkte auf der Körperoberfläche beklopft und lösen Ängste, Traumen, Phobien, Einsamkeitsgefühle, Panik, Enttäuschungen, Bitterkeit und andere negative Gemütserregungen oftmals in einer einzigen Sitzung auf.
Sogar Schmerzzustände lassen sich mit dieser Methode, mit verblüffendem Erfolg, behandeln. Auch Allergien, Asthma, Frigidität, Potenzprobleme und anderes konnte ich mit diesem Verfahren häufig lindern oder ganz auflösen.

Aber – obwohl die Erfolge augenscheinlich sind, suchten manche Patienten, völlig verunsichert von der raschen Wirkung, nach anderen, handfesten Erklärungen für die Ergebnisse, die erzielt werden konnten

Auch wenn einige meiner Patienten lieber den „Kommissar Zufall“ bemühen bei dem Versuch zu verstehen, Patienten schicken sie mir alle. Und diese kommen oft von weit her, weil sich längst herumgesprochen hat, wie effizient so eine einfache Meridianbehandlung sein kann und wie schnell es oft zu einem völligen Verschwinden des Beschwerdebildes kommt.

Nein, heute enttäuscht es mich nicht mehr, wenn erfolgreich behandelte Patienten die Ergebnisse lieber auf andere Einwirkungen zurückführen wollen. Ich weiß ja jetzt, weshalb sie das tun

Im Übrigen begegnet uns auf Schritt und Tritt das Apex-Problem. Gerne schreibt ein Mensch beispielsweise seine Erfolge eigenen Ideen zu, auch wenn diese augenscheinlich von einem anderen stammen.
Das tut er nicht in der Absicht, unerlaubt zu profitieren, sondern weil sein Gehirn die Ereignisse so umgebastelt hat, dass sie für ihn nun leichter anzunehmen sind.

Jeder kennt Situationen, die sich abgespielt haben, wie folgende Beispiele:
- Die Ehefrau bat ihren Mann, im Garten einen Platz zu überdachen, damit man im Sommer im Schatten sitzen und auch die Wäsche an regnerischen Tagen im Freien trocknen könne.
Der Mann wies solche Pläne weit von sich und „bewies“ ihr wörtlich, dass die Idee absurd sei. Einige Wochen später sagte er beiläufig: „Du, ich habe mir überlegt, dass man doch vielleicht ein Stück Garten überdachen könnte. Wir müssten dann die Gartenmöbel nicht mehr ins Haus räumen.“
Dabei wäre es nett von diesem Mann gewesen, wenn er der Bitte seiner Frau gleich zugestimmt hätte. So „verkauft“ er ihr ihre eigene Idee als die seine.

- Eine interessante Ansicht bietet auch die Quizshow von Günter Jauch, in der das Publikum befragt werden kann. Ist die Frage richtig beantwortet, kann der Kandidat dafür eine große Summe einstreichen. Dieser nimmt das ganz selbstverständlich.
Dabei wäre es logisch gewesen, sich beim Publikum zu bedanken. Das aber bleibt in den allermeisten Fällen aus. So sagt der Kandidat stattdessen: „Das hätte ich auch so entschieden“.

- Ich selbst erlebte neulich auch einmal eine Apex-Situation, die mich erst einmal sprachlos machte. Ich hatte einem Heilpraktiker-Kollegen, der sein erstes Seminar halten sollte, eine aufwändige Hilfestellung gewährt. Dafür hatte ich ihm bei der Konzeptentstehung geholfen und ihm die Angst vor „großem Publikum“ genommen. Denn ursprünglich war er der Auffassung, die Gruppe sollte 8 bis 10 Teilnehmer nicht überschreiten, weil er sonst nicht auf jeden einzeln eingehen könne. Ich überzeugte ihn davon, dass die Anwesenden weitaus mehr von der Gruppendynamik profitieren würden, wenn der Seminarraum bis auf den letzten Platz besetzt wäre. So wagte es der junge Mann also, vor mehr als 30 Leuten aufzutreten. Begeistert erzählte er mir nach der Veranstaltung, welch ein Unfug es sei, sich auf kleine Gruppen zu beschränken und welche Vorteile es brächte, großräumig zu denken und zu handeln. Er „bewies“ mir praktisch dieses Konzept.
Keine Rede davon, dass ich es ja war, die ihn erst darauf gebracht hatte.

Erst das Erörtern dieses Themas und das Nachdenken darüber hat mich auf den Gedanken gebracht, dass auch mir es sicherlich öfter unbewusst passiert war, das Apex-Verhalten.
Heute achte ich sorgfältig darauf, dass ich mit der Anerkennung der Leistungen meiner Mitbürger nicht geize.
Es ist doch wirklich ganz leicht zu sagen:
„Erst seitdem du mich darauf gebracht hast, wende ich das mit großem Erfolg an“,
oder „Du hast mich vor Jahren sehr ermutigt, deshalb habe ich mich getraut … zu machen“,
oder „Wenn ich nicht gesehen hätte, wie du dieses Problem bewältigst, wäre mir selbst das gar nicht gelungen“.

Freilich wird uns eine solche Anerkennung versagt, will der andere uns dadurch nicht abwerten, sondern vielmehr sich selbst ein wenig aufwerten.
Durchbrechen wir aber das Eis und zollen den Leistungen unserer Lieben oder anderer Mitmenschen die nötige Achtung und entsprechendes Lob, öffnen sich wie durch Zauberhand die Seelen und es kommt zu ganz erstaunlichen Resonanzen.

Es lohnt sich also darüber nachzudenken, wo überall eine Anerkennung der Leistungen platziert werden kann

Der Lohn für diese an sich kleine Aufmerksamkeit ist eine dankbare Sympathie des derart gelobten Menschen, die gar nichts kostet, nicht einmal Mühe und eine so riesige Wirkung hat.

Autorin: Conny Fies
Heilpraktikerin, Meridian-Energie-Therapeutin

Buchtipp:
Japanisches Heilströmen
CranioSacral-Therapie: Sanfte Hände lösen Schmerzen


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