Sentimentalität „Essenzen“ aus Karotte und Birne
Jun 19

Besseres Zeitmanagement so kann es gelingen oder Der Segen von ein bisschen Zeit für sich selbst
Bis vor kurzem war ich der Meinung, mein Leben gut im Griff zu haben. Ich habe zwei gesunde und fröhliche Kinder und mein Redaktionsbüro, mit dem ich mich vor einiger Zeit selbstständig gemacht habe, läuft auch gut. Doch als mein Mann sich immer häufiger beschwerte, dass ich „nie Zeit“ für ihn hätte und dann auch noch meine Gesundheit den Bach herunter ging, erkannte ich, irgendetwas mache ich falsch. Höchste Zeit also, meine Zeit anders einzuteilen!


Schade, dass man häufig Anstöße von außen braucht, um im Leben etwas zu ändern. Zumindest bei mir war es so. Es begann vor einigen Monaten. Ich bekam eine Erkältung. Harmlos, dachte ich. Die wirst du schnell wieder los. Doch während meine Kinder, die sich ebenfalls angesteckt hatten, nach ein paar Tagen ihre Schnief-Näschen los waren, verschlimmerte sich mein Gesundheitszustand. Plötzlich taten auch Hals, Kopf und Glieder weh. Zwar besserte sich innerhalb einer Woche der Zustand. Aber dann ging es wieder mit der laufenden Nase los. Mein schwächelnder Zustand zog sich einige Wochen (!) hin.

Ich musste mir eingestehen, mein Immunsystem ist auch nicht mehr das, was es mal war

Wenn ich ehrlich bin, ich hätte es kommen sehen müssen. Sehr wenig habe ich in letzter Zeit für meine Gesundheit getan. Es ist noch gar nicht so lange her, da trieb ich zweimal in der Woche abends Sport. Schwimmen war immer mein Hobby. Daraus wurde dann irgendwann nur noch einmal die Woche, und in den letzten Wochen habe ich es sogar ganz sein gelassen.
An Ausreden vor mir selbst war ich nie verlegen. Entweder hatte ich keine Zeit, weil ich abends noch arbeiten musste, oder ich war zu müde, weil die Kinder mich tagsüber auf Trab hielten und ich im Büro viel zu tun hatte.
Ja, und dann war ich erkältet – da hat man ja sowieso nichts im Schwimmbad zu suchen.
Ähnlich ernüchternd war meine Bilanz in puncto Ernährung. Bei der Auswahl der Speisen stand in letzter Zeit zu häufig das Motto „Hauptsache schnell“ im Mittelpunkt. Schließlich galt es, keine „unnötige Zeit“ mit dem Essen zu verlieren. Die Wünsche meines Mann, mal wieder etwas gemeinsam zu unternehmen, wurden von mir meistens mit den Worten „Später vielleicht….“ abgetan. Streit war dann vorprogrammiert.

Mein Leben war in den vergangenen Wochen, ohne dass es mir bewusst geworden war, auf zwei Bereiche geschrumpft. Meine Kinder und meine Arbeit. Für alles andere hatte ich „keine Zeit“

Erst durch meine sich häufende Infektanfälligkeit erkannte ich, wie kurzfristig das gedacht war. Im Innern weiß ich doch längst, wenn man krank ist und vielleicht sogar noch zum Arzt muss, verliert man sehr viel mehr Zeit. Da ist es doch entschieden besser, die Zeit zum Beispiel mit Sport zu verbringen, als krank im Bett zu liegen oder stundenlang im Wartezimmer einer Arztpraxis zu sitzen.

Zeit für Sport und Ernährung aufzuwänden ist also niemals verlorene Zeit. Doch wo sollte ich die Zeit hernehmen?

Weil ich aber wusste, dass etwas Entscheidendes unternommen werden musste, besorgte ich mir erst einmal einige Bücher über Zeitmanagement und las dort:
Wer langfristig gesund sein will, muss alle Bereiche des Lebens miteinander in Einklang bringen.

  • Familie, Kinder
  • Partnerschaft
  • Beruf
  • Gesundheit
  • Hobbys
  • Freunde

Alles sollte man also unter einen Hut bringen.
Denn fühlt man sich beispielsweise in seinem Körper wohl, weil man regelmäßig Sport treibt und sich gesund ernährt, wird man auch die Kraft aufbringen, ein berufliches Ziel zu erreichen oder die Gelassenheit, an der Beziehung zu arbeiten.
Das bedeutet praktisch, dass man sich genügend Zeit für jeden der Bereiche nehmen muss! Doch wie macht man das am besten?


Zeitmanagement-Guru Prof. Dr. Lothar Seiwert („Das neue 1×1 des Zeitmanagement“) empfiehlt: Man soll sich überlegen, wie viel Zeit man momentan für jeden dieser Bereiche aufwändet und wie die Aufteilung in Zukunft aussehen soll.
Die Ratschläge von Prof. Dr. Seiwert wollte ich sogleich umsetzen.
Momentan verbrachte ich meine Zeit entweder mit meinen Kindern oder mit der Arbeit. Zwar sollten diese beiden Bereiche auch in Zukunft die beiden Schwerpunkte sein.
Aber eben nicht nur! Ich nahm mir vor, fortan auch die anderen Bereiche mehr zu berücksichtigen.
Doch Halt, im Grunde war dieser Wunsch schon lange da. Sehr lange sogar. Schon seit der Geburt meiner Kinder nehme ich mir schließlich vor, entschieden mehr Sport zu treiben, um auch die überflüssigen Pfunde loszuwerden, die ich seit den Schwangerschaften leider immer noch mit mir herumtrage. Aber das „Wie“ der Durchführung schien mir absolut schleierhaft.

Nun las ich aber, dass bei vielen Menschen gute Vorhaben nicht so leicht Wirklichkeit werden können.

„Jedes Ziel, das Sie sich beruflich und privat setzen wollen, hat nur dann einen Sinn, wenn Sie sich einen zeitlichen Rahmen dafür setzen“, sagt Prof. Dr. Seiwert.

Wer ein Ziel erreichen will, sollte:

  • genau überlegen, welche Ziele er erreichen will
  • einen Zeitrahmen festlegen
  • alles schriftlich festhalten, möglichst detailliert
  • Schwerpunkte setzen
  • die Ziele konsequent umsetzen, sich nicht ablenken lassen
  • das Erreichte kontrollieren

Am besten macht man Tages- und Wochenpläne, in die man alles haargenau einträgt, nahm ich zur Kenntnis. Das war mir nicht fremd, denn für berufliche Angelegenheiten halte ich schon seit langem alle Termine und Pläne schriftlich fest.
Doch im Privatleben kannte ich so etwas bisher kaum. Aber ich wollte ja schließlich mein Leben besser managen. Dafür steckte ich mir diverse Ziele.
Ich beschloss zunächst das Vorhaben „mehr Sport treiben“ umzusetzen. Mein Ziel war, durch mehr Bewegung fiter zu werden.
Konkret bedeutete das: den Mittwochabend legte ich als „Schwimmtag“ fest.
Da ich in letzter Zeit immer mal wieder von „Nordic Walking“ geträumt hatte, erkundigte ich mich bei verschiedenen Vereinen, wer demnächst einen Kurs für Anfänger anbietet. Zum Glück wurde ich schnell fündig. Ich meldete mich gleich an. Nächste Woche geht’s los.

In puncto Ernährung nahm ich mir vor, wieder mehr Zeit für das Kochen gesunder Gerichte zu investieren. Konkret bedeutete das bei mir, jeweils freitagabends Rezepte herauszusuchen und die Zutaten auf dem Einkaufszettel zu notieren. Samstags findet in unserer Familie traditionell der Großeinkauf statt.
Auch für die Partnerschaft wurde konkrete Zeit frei geschaufelt. Jeden ersten Samstag im Monat wollen mein Mann und ich nun etwas zu zweit unternehmen. Auch das wurde notiert. Für diese Zeit wird eine Babysitterin engagiert, um auf die Kinder aufzupassen.

In meinem Elan wollte ich zuerst noch mehr Zeit für zusätzliche Aktivitäten verplanen, fand aber dann, einige wenige Vorhaben reichen für den Anfang völlig aus. Lieber einige Ziele richtig durchsetzen, als sich zu viel vornehmen und sich dann doch zu verzetteln, und im schlimmsten Fall aus lauter Frust gar nichts mehr zu machen.
Auch Prof. Dr. Seiwert betont: „Die Konzentration auf das Wesentliche ist das Geheimnis entspannter und gelungener Lebensführung.“

Da ich nun mehr Zeit für mein Wohlbefinden aufwändete, war ich davon überzeugt, dass ich für die Bereiche Kinder und Arbeit nun etwas weniger Zeit zur Verfügung haben würde. Sofort plagte mich schon das schlechte Gewissen, das viele Mütter heimsucht, sobald sie mal etwas für sich selbst tun wollen: Man kommt sich plötzlich egoistisch vor, obwohl man eigentlich genug für die Kinder da ist. Kürzlich las ich in einer Zeitschrift, wo es um „übertriebene Ansprüche von Müttern“ ging: „Sie geben als Mutter Ihr Bestes. Und das reicht!“ Das fand ich sehr beruhigend.

Es stellte sich heraus, dass ich eigentlich gar nicht so viel Abstriche machen musste. Im Gegenteil, ich merkte, dass ich durch die gesunde Ernährung schon nach kurzer Zeit wieder viel energievoller und konzentrierter war und mir die Arbeit deutlich schneller von der Hand ging. Noch überraschender fand ich, dass die „Mittagsmüdigkeit“, die mich in letzter Zeit gelähmt hatte, plötzlich wie weggeblasen war – alles dank der besseren Kost.
Auch mit den Kindern ging ich jetzt wieder lockerer um, regte mich nicht mehr über jede Kleinigkeit auf. Ich bezog sie übrigens jetzt stärker in die Essenzubereitung ein. So wie ich es früher immer gemacht hatte. Und siehe da, es machte ihnen sehr viel Spaß. Gemüse klein zu schneiden ist jetzt komplett ihre Aufgabe.

Ich kann nur jedem empfehlen, allen Bereichen des Lebens genug Aufmerksamkeit und vor allem Zeit zu schenken. Nur dann gelingt es langfristig, gesund und zufrieden zu sein.

Artikel: Bioline-Magazin (Gabriele Hellwig)


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