Salat ist gesund Die Kraft, die von innen kommt
Sep 13

Wurzeln und Blätter – alles ist von vorzüglicher Heilkraft

Bein-well!
Woher der Namen wohl kommt? Ich glaube, das hat ursächlich mit der guten Heilwirkung auf das Ge-bein zu tun. In naivem Deutsch könnte die Pflanze also auch Bein-gut genannt werden.

Beinwell ist eine alte Heilpflanze, die aus unerklärlichen Gründen in den letzten Jahrzehnten etwas aus der Mode gekommen ist. Wo dieses Wildkraut in der Kräuterkunde erwähnt wird, stößt man oft auf unverständliche Gesichter; “Nie gehört”.
Dabei findet man es so ziemlich überall wo es feucht ist. Mit seinen Tiefwurzeln hat es so manchen Gartenfreund schon zur Verzweiflung gebracht, da es trotz vieler Entfernungsversuche immer wieder munter nachwächst.
Im Volksmund wurde es früher auch Beinheil, Wallwurz, Schwarzwurzel oder Küchenkraut genannt. Im Englischen heißt es Comfrey.


Die Nonnen der Abtei in Fulda haben sich um dieses wunderbare Wildkraut verdient gemacht. Von Alters her bis zum heutigen Tag bereiten sie daraus eine berühmte Heilsalbe, die überall hin verkauft wird.

Auch für mich sind Arzneien aus Beinwell in meiner eigenen Hausapotheke ein absolutes Muß. Meine drei, heute erwachsenen Kinder waren so richtiger “Wildwuchs”. In meinem Hexenhäuschen ohne jeglichen Komfort, ohne Nachbarn und Gegenüber, tobte die Rasselbande Sommer wie Winter im Freien. Da wurde auf Bäume gestiegen, unter Büsche gekrochen. Der Bach wurde balancierend auf wenigen Steinen überquert und mit Fahrrädern mußten weite Strecken zurückgelegt werden.
Was Wunder, daß die Schienbeine grundsätzlich mit blauen Flecken übersät waren. Prellungen, Abschürfungen, Verstauungen, Quetschungen, Umknicken, Blutergüsse gehörten zu meinem Alltag als Mutter.
Als Erste-Hilfe-Maßnahme griff ich jedesmal zu Arnika und eben Beinwellsalbe. Ich hatte dazu getrocknete Beinwellwurzelstücke, die ich in Olivenöl gesotten habe, durchziehen lassen und mit Bienenwachs zu einer Creme verrührt. Ich möchte nicht wissen, wieviel Kilogramm von dieser guten Salbe ich schon verschmiert habe.
Bei meinen Nachbarn, Bekannten und Freunden hat sich schnell herumgesprochen, daß die Hildegard eine Salbe macht, mit der Knochen und Wunden rascher heilen.

Beinwellwurzel zur Knochenheilung
So kam auch eines Tages eine Frau zu uns, die ich gar nicht kannte. Sie wohnte in einem entfernten Dorf. Über ihre Cousine, eine Bewohnerin meines Nachbarortes, hatte sie gehört, daß ich kräuterkundig sei. Sie machte sich Sorgen um ihren Sohn, einen Landwirt. Dieser hatte sich am Ellenbogen einen komplizierten Bruch zugezogen. Obwohl schon mehrere Monate vergangen waren, der Gips längst entfernt war, schmerzte der Arm noch sehr und mußte in einer Schlinge getragen werden. Ich gab der alten Dame etwas getrocknete Beinwellwurzeln mit und trug ihr auf, diese in der Kaffeemühle zu mahlen. Mit etwas Wasser zu einem dicken Brei verrührt, sollte dieser kurz erwärmt und auf den betroffenen Ellenbogen aufgestrichen werden. Bedeckt werden sollte das alles mit Beinwellblättern, die ich ihr auch mitgab. Darüber sollte sie in ein sauberes Geschirrtuch wickeln und über Nacht wirken lassen. Schon nach wenigen Tagen erhielt ich einen Anruf, daß die Knochenschmerzen schon nach der ersten Auflage nachgelassen hätten und der Ellenbogen bereits beweglicher wurde. Ich ermahnte, mit der Behandlung noch einige Zeit fortzufahren.

Es überrascht mich immer wieder, wie vielfältig die Heilwirkung einer Arzneipflanze oftmals ist. So wende ich Beinwell auch sehr erfolgreich bei juckenden Exzemen an. In Verbindung mit Ringelblume kann man regelrecht darauf warten, wie Schmerz und Juckreiz nachlassen. So habe ich es häufig erlebt, daß ich Müttern von Neurodermitis-Kindern mit diesem Rat helfen konnte. In einem solchen Fall allerdings muß man ausprobieren, ob es hilfreicher ist, die quälenden Stellen mit einem Tee zu betupfen, damit Umschläge zu machen, oder ob ein Öl oder eine Salbe besser hilft. Das Fett allerdings verträgt nicht jede betroffene Haut. Kann Salbe aber angewandt werden, nehme ich zu Beinwell und Ringelblume auch noch Borretschöl dazu. Es versteht sich, daß Neurodermitisbehandlungen auch Ernährungsumstellung und psychologische Betreuung einbeziehen muß. Doch ist erst einmal schon sehr geholfen, wenn der wahnsinnige Juckreiz nachläßt, der diesen Kindern das Leben vergällt.

Mir ist noch ein anderer interessanter Fall in Erinnerung, bei dem Beinwell auf spektakuläre Weise geholfen hat.


Beinwell bei Nagelpilz
Eine Freundin von mir, die Beinwell als Hausmittel schon lange kannte, erlebte in einem Wanderurlaub auf diversen griechischen Inseln, Inselhopping genannt, wie schmerzhaft ein Nagelpilz unter dem großen Zehnagel sein konnte. Sie hatte keine Ahnung, wie dieser “erworben” sein mochte. Wie also schnell wieder wandertüchtig werden, das war hier die Frage. Denn eine medizinische Fußpflege für entsprechende Präparation war weit und breit nicht auszumachen. Also war Selbsthilfe angesagt. So überlegte meine kluge Freundin in Windeseile. Mit der Nagelfeile feilte sie den Fußnagel an der betroffenen Stelle hauchdünn. Die mitgeführte Beinwellsalbe wurde dick aufgetragen, ein Pflaster drüber geklebt und die Prozedur 2 mal täglich wiederholt. Gegen alle Erwartung war der Urlaub gerettet. Und danach? Von Nagelpilz keine Spur mehr.

Beinwell-Überzeugung bei einer Skeptikerin
Unbedingt möchte ich auch noch erzählen, wie ich Ingrid Schlieske, der Chefredakteurin dieser Zeitung, die Qualitäten von Beinwell nahebrachte. Vor etwa 9 Jahren, ich hatte sie gerade kennengelernt, erzählte sie mir, daß eine ihrer Kurgäste leider nicht an den Wanderungen teilnehmen konnte. Frau Schlieske hatte sie gerade zum Arzt gefahren, weil die Dame plötzlich einen rotglühenden, juckenden und scheußlich schmerzenden kleinen Zeh hatte. Der Arzt konstatierte Fußpilz. Die Patientin hatte sich diesen wohl zugezogen, als sie kurz vor dem Kururlaub Wanderschuhe in einem Geschäft ausprobiert hatte. Nun erhielt sie eine stark wirkende Salbe verschrieben. Der Arzt rechnete mit ca. 10 Tagen, bis der Spuk vorbei sein sollte. Ich lachte und sagte mehr nebenher “In so einem Fall lege ich frische Beinwellwurzeln auf und die Sache ist am Folgetag erledigt.” Frau Schlieske sah mich ungläubig an. Wir vergaßen das Gespräch wieder, bis Ingrid Schlieske mich wenig später wieder darauf ansprach. “Guck mal meinen kleinen Zeh an. Rot und glühend. Genauso wie bei meinem Kurgast neulich. Ich weiß auch, woher ich das habe. Leichtfertigerweise bin ich barfuß auf dem Teppichboden im Fitneßcenter gelaufen”. Rasch fuhr ich die 7 km zu mir in meinen Garten. Beinwellwurzeln ausgegraben und wieder zurück. Nur ein kleines, frisches Stück klemmten wir zwischen die Zehen, Pflaster drüber und sogleich, ja auf der Stelle, ließen die Beschwerden nach. Am nächsten Tag erneuerten wir die “Einlage”, obwohl gar nichts mehr zu erkennen war.
“Wahnsinn!” Das war der Kommentar meiner Patientin. Seitdem gehört Beinwell grundsätzlich zu ihrer Basisaustattung, mit der sie zwischenzeitlich auch ihre vielen Mitarbeiter versorgt.

Inhaltsstoffe des Beinwell, die für ihre Heilwirkung bekannt sind

  • Gerbstoffe
  • Allantoin
  • Schleimstoffe

Beinwell und seine Heilwirkung
Bei Verrenkungen, Verstauchungen, Lähmungen, Gichtknoten, Muskelschmerz, Geschwülsten, Amputationsschmerzen, Knochenhautentzündungen, Rheuma

  • Breiauflagen oder Auflagen von überbrühten Blättern
  • Geschnittene, getrocknete Wurzeln im Ofen erhitzt auf die betroffene Stelle gehäuft???, abgedeckt
  • Salbe, Tinktur, Umschläge aus konzentriertem Tee
  • Bei Abschürfungen, Wunden, Blutergüssen, Knochenbrüchen
  • Salbe, Tinktur, Teeumschläge, Breiumschläge, überbrühte Blätter
  • Bei Bronchialbeschwerden, Rippenfellentzündungen, Magenbeschwerden, Magengeschwüren
  • Wurzeltee
  • Wurzeltee mit 1/4 Ringelblume und 1/4 Vogelkräuterrich

Zubereitung der Beinwellarzneien
Tee aus Wurzeln - 1 geh. EL kleingeschnittene Wurzeln über Nacht in 1/4 l kaltem Wasser angesetzt, leicht erwärmt und durch ein Sieb gegossen. Schluckweise warm über den Tag verteilt trinken
Breiauflagen - Die getrockneten Wurzeln zu einem groben Mehl mahlen. Mit sehr heißem Wasser und einigen Tropfen Olivenöl zu einem geschmeidigen Brei verrühren. Warm auf die betroffene Stelle streichen, mit einem Leinentuch abdecken und über Nacht einwirken lassen
Wurzelauflagen - Die getrockneten und geschnittenen Wurzeln mit wenig Olivenöl vermischen und im Ofen auf Backpapier einige Minuten erhitzen. Den Brei noch warm auf die betroffenen Stelle häufen und mit einem Leinentuch zubinden
Blattauflagen - 1. Beinwellblätter werden kurz mit kochendem Wasser überbrüht und noch warm aufgelegt. 2. Die frischen Blätter werden mit einem Küchenholz (ersatzweise einer Flasche) geschmeidig gewalkt und aufgelegt
Tinktur - Frische, geschälte Wurzeln werden klein geschnitten und in ein Glas/Flasche mit weitem Rand gefüllt. Mit gutem Obstbrand befüllen, so daß alle Stücke bedeckt sind. 14 Tage an einem warmen Ort stellen (Sonne, Herd). Dann durch ein Sieb geben. Die Tinktur soll dunkel und kühl aufbewahrt werden.
Öl - 100 g getrocknete, geschnittene oder 250 g frische, geschnittene Beinwellwurzel wird in 300g Olivenöl erhitzt, dann bei kleinster Flamme 5 Minuten köcheln. Über Nacht stehen lassen und durchsieben

Abschließend möchte ich noch darauf hinweisen, daß Beinwellöl oder -salbe eine der besten Naturarzneien für Gelenkbeschwerden ist. Hiermit werden sowohl Ursachen als auch Schmerzen überaus wirkungsvoll bekämpft.

Autorin: Hidelgard Kita
Kräuterfrau

Buchtipps zu diesem Artikel:
Dr. Küche und Dr. Gaten


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