Ist das wirklich nur Zufall? Ich rieche nichts mehr
Okt 31

Schon seit 2 Stunden sitze ich hier alleine mucksmäuschenstill im Wald und warte. Worauf?
Ja ich weiß, es ist ziemlich gefährlich, aber ich wollte es mit eigenen Augen sehen, wie die Bären aus ihrer Höhle kommen und den Bär(en)lauch essen. Sie glauben mir nicht? Sie meinen ich hätte Ihnen da wohl einen Bären aufgebunden? Da kann ich sie beruhigen, der Direktor des Tierparks hat mir ganz fest zugesagt, daß die Bären jeden Tag hierher kämen, um ein wenig am frischen Grün zu knabbern. Aber wie die Dinge bei uns hierzulande liegen, kann ich wohl bis zum Skt. Nimmerleinstag auf meine Bären warten.

In freier Wildbahn nutzen die Bären die Kraft des Bärlauchs, übrigens seit Tausenden von Jahren instinktiv. Nach dem langen Winterschlaf reinigen und aktivieren sie so ihr  Verdauungssystem.


Die alten Römer und Germanen aßen auch gerne Bärlauch, denn sie glaubten, daß ihnen das Bärenkräfte verleihen würde. Ob das allerdings funktioniert hat? Ich habe da so meine Zweifel.
Fest aber steht, daß viele Heilkundige schon seit langer Zeit Bärlauch wärmstens empfehlen. Im Mittelalter wurde er gegen Würmer gegeben und einer seiner Volksnamen lautet auch Wurmlauch.
Schon zu Beginn des Mittelalters bestand Kaiser Karl der Große in seiner Landgüterverordnung auf den Anbau von Bärlauch.
Kräuter-Pfarrer Künzle lobte seine reinigende Wirkung und sagte, daß ewig kränkelnde Personen vollständig gesund würden, wenn sie nur reichlich Bärlauch essen würden.

Auch heute können wir auf vielfältige Weise vom Bärlauch profitieren. Im Volksmund wird er auch Wilder Knoblauch oder Waldknoblauch genannt und damit erklären sich schon einige Anwendungsmöglichkeiten, denn wir können Bärlauch wie Knoblauch benutzen.
Er schmeckt ganz ähnlich und riecht ganz ähnlich. Leider.
Der große Vorteil allerdings zum kultivierten und gezüchteten Knoblauch besteht darin, daß wir beim Bärlauch noch die ursprüngliche Kraft und Energie in reiner Form genießen können.

Da gibt es für mich keine Frage: Ich bevorzuge in den Monaten April und Mai eindeutig Natur pur!

Inhaltsstoffe und Anwendung
Neben vielen Spurenelementen, Vitaminen (A, B1, B2, C) und Mineralstoffen, enthält Bärlauch auch das antibiotisch wirkende Allicin, das besonders auf den Magen-Darm-Bereich wirkt. Der hohe Eisen- und Magnesiumgehalt und der grüne Pflanzenfarbstoff Chlorophyll, sind verantwortlich für blutbildende und blutreinigende.Wirkungen. Ich esse die Bärlauchblätter so oft wie möglich und stets frisch, z.B. gehackt aufs Butterbrot, über den Rohkostteller gestreut, zum Gemüseauflauf oder zur Verfeinerung der Suppe. Lecker schmeckt er auch zu Joghurt- und Quarkgerichten, zu Käse oder auch warm als Bärlauch-Spinat, zusammen mit frischen Brennesselblättern. Besonderen Pfiff gibt er Pasteten und frisch gepreßten Gemüsesäften.

So hilft Bärlauch beim Heilen

  • Harmonisierung von akutem oder chronischem Durchfall durch die bakterientötenden und desinfizierenden Bestandteile
  • natürliche Anregung der Darmbewegungen, Erleichterung des Stuhlgangs
  • Blähungen, krampfartige Schmerzen und Gärungsprozesse im Darm werden beseitigt
  • Würmer/Spulwürmer gehen ab, am besten wenn man 3 Tage nur Äpfel und Bärlauch ißt
  • der Appetit wird gesteigert, die Verdauung verbessert durch vermehrte Gallesaft-Produktion, die Blutfettwerte (besonders Cholesterin) werden gesenkt
  • Reinigung und Desinfektion von Blase und Nieren bei Neigung zu Blasenentzündung
  • hervorragendes Blutreinigungs- und Entschlackungsmittel für die Frühjahrskur
  • Hautunreinheiten werden beseitigt und Hautflechten können zum Ausheilen kommen
  • Anregung von Haar- und Nagelwachstum
  • macht das Blut fließfähiger, weitet die Gefäße und senkt so zu hohen Blutdruck
  • Arteriosklerose kann gehemmt werden
  • Rheumabeschwerden können gelindert werden und Schübe seltener auftreten
  • Herzschwäche mit Lungenbeteiligung (Lungenwassersucht) werden verbessert
  • schleimlösend bei Atembeschwerden und Husten
  • Bärlauchzwiebeln wirken positiv auf die Gebärmutter


Bärlauch sammeln
Bärlauch gehört zu den Liliengewächsen und hat wunderschöne weiße Blüten; die jedoch ungenießbar sind, deshalb bleiben uns nur die Monate April und Mai, um die kleinen, lanzettartigen und geschmacksintensiven Blätter zu sammeln und frisch zu essen. Die Zwiebeln können wir im September oder Oktober ausgraben. Leider eignen sich Bärlauchblätter weder zum Trocknen, noch zum Einfrieren und die einzige Art die wertvollen Inhaltstoffe auch später noch zu nutzen, ist die Herstellung von Bärlauchgeist oder Bärlauchessig.
Für die Frühjahrskur zum Entschlacken und Vitalisieren, suchen wir Bärlauch in schattigen und feuchten Wäldern oder Wiesen. Da Verwechslungsgefahr mit den giftigen Maiglöckchenblättern besteht, ist es ganz wichtig vor dem Pflücken ein Blatt zwischen den Fingern zu verreiben. Wenn es wohlbekannt nach Knoblauch duftet, dann haben wir Erfolg bei unserer Suche gehabt und können ernten.

Bärlauchwein
(jeden Tag neu zubereiten)
Eine Hand voll kleingeschnittene Blätter, kurz in 1/4 l Weißwein aufkochen, über den Tag verteilt in kleinen Schlückchen trinken, falls nötig, mit etwas Honig süßen.

Bärlauchessig
Frische Bärlauchblätter werden zusammen mit anderen Kräutern nach Wahl in Apfel-Essig eingelegt. Auf der warmen, sonnigen Fensterbank bleibt die Flasche mindestens 4 Wochen stehen. Nach weiteren zwei Monaten ist ein aromatischer Essig entstanden, der besonders die Salate verfeinert.

Bärlauchgeist
Klein geschnittene Blätter werden in eine leere, saubere, helle Flasche bis zum Rand gegeben. Mit Weingeist die Flasche auffüllen und das Ganze 14 Tage ziehen lassen, am besten auf der sonnenbeschienenen Fensterbank. Danach wird die Flüssigkeit durchgesiebt und in eine dunkle Flasche umgefüllt. Täglich 10-12 Tropfen in etwas Wasser oder Saft, beugen unter anderem Arterienverkalkung vor und erhalten ein gutes Gedächtnis.

Falls Sie übrigens den ganzen Bärlauch gegessen haben und vor lauter Begeisterung vergessen haben Bärlauchgeist herzustellen, dann gibt es noch eine andere Möglichkeit. Bärlauchtinktur “Allium ursinum” gibt es als homöopathisches Mittel in Apotheken zu kaufen.

Hier noch ein leckeres Bärlauch-Pesto-Rezept zu Nudeln, Gemüse oder Reis:
Je eine Hand voll Petersilie, Basilikum und Bärlauch (alles frisch gehackt) mit 200 ml kaltgepresstem nativem Olivenöl, 2 Knoblauchzehen und 3 EL. Pinienkernen pürieren.
Dazu paßt auch Parmesankäse.
Autorin: Hidelgard Kita
Kräuterfrau

Buchtipps zu diesem Artikel:
Dr. Küche und Dr. Gaten


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