Angst vor Verabredung Geistheilen kann jeder
Aug 27

Das Leben währet 70 Jahr
Und wenn es hoch kommt 80 Jahr
Und wenn es köstlich gewesen ist
Dann ist es Mühe und Arbeit gewesen

Wir wissen heute nicht mehr, wer diesen Vers geprägt hat, der für unsere Vorfahren von allerhöchster Bedeutung war, obwohl er seltsam altmodisch anmutet, hat er doch seine tiefe Bedeutung nicht verloren.
Sicherlich ist er vor mehr als 100 Jahren entstanden. Anno dazumal galt es als höchstes Glück, überhaupt Arbeit zu haben. Das hat sich seither kräftig gewandelt.
Denn die heutige Jugend beharrt auf ihrem Recht, dass Arbeit Spaß machen sollte.
Oft hört man, auch in den Medien:
“Arbeite um zu leben – lebe nicht, um zu arbeiten!“


Einer solchen Einstellung begegne ich mit ziemlicher Verständnislosigkeit, denn ich war und bin durchaus der Auffassung, dass es wichtig ist, dass ein Beruf gewählt wird, der den eigenen Neigungen entspricht. Sicherlich aber wird dieser nur selten, mit nicht endendem wollendem Spaß ausgefüllt.
Das Schicksal hat bei solchen Entscheidungen auch oft ein Wörtchen mitzureden.
So finde ich die Begriffe Disziplin, Pflichterfüllung und Rücksicht auf sein Umfeld und die Gesellschaft keineswegs überholt, sondern äußerst wichtig.
Meine Töchter habe ich in diesem Sinn erzogen. Meine Älteste findet es im übrigen selbstverständlich, neben ihrem Studium regelmäßig zu jobben. Und da kann sie sich die Angebote keineswegs aussuchen, sondern muss und will alles annehmen, was zu kriegen ist.

In meiner Praxis spielen Probleme, die aus einer übertriebenen Verständnisbereitschaft und falsch verstandenen Nachsicht erwachsen, die Eltern, gegenüber ihren Kindern hegen, zunehmend eine Rolle.

Eltern sind oft nicht mehr in der Lage, die nötige Strenge aufzubringen, um ihre Kinder fit zu machen für den Lebens- und den Überlebenskampf, der ihnen bevorsteht

Dazu gehört immer und vor allen Dingen die Bereitschaft des Nachwuchses, einer regelmäßigen Arbeit nachzugehen. Fehlt der feste Wille dazu, läuft ein junges Leben leicht aus dem Ruder. Der Tag wird spät begonnen und verrinnt mit Müßiggang und warten. Warten auf was?
Arbeit hingegen gibt dem Tage einen Rahmen, um den sich das Leben und die Freizeit herum gruppieren.
Fehlt die nötige Einsicht dafür, ist weder der Betroffene glücklich, noch die dazu gehörigen Familienmitglieder.

Dazu möchte ich ein Beispiel aus meiner Beratungspraxis vorstellen:

Die unmotivierte Tochter
Eveline G. ist eine flüchtige Bekannte aus einem Nachbarort. Sie hatte von meiner Arbeit als Familiencoach gehört und bat zunächst nur um ein Beratungsgespräch, um herauszufinden, ob ich ihr bei der Bewältigung eines Familienproblems behilflich sein könnte.
Von dieser Frau G., einer aparten Frau Anfang 40, erfuhr ich dass sie als Sachbearbeiterin in einem mittelständischen Unternehmen seit vielen Jahren angestellt war. Ihre Tochter, die inzwischen 19 Jahre alt war, hatte sie alleine groß gezogen, weil der Vater die Familie verlassen hatte, als das Kind noch klein war. Die Tochter Marga, die auch schon einen Sohn von knapp zwei Jahren hat, wohnte noch bei Eveline G.. Und genau daraus ergaben sich Spannungen, die das Familienleben unerträglich gemacht hatten.
Marga nämlich dachte nicht daran, für sich und ihr Kind selbst aufzukommen. Wegen der Schwangerschaft hatte sie die Schule, auf der sie die Mittlere Reife hatte machen wollen, abgebrochen und sich danach auch keinen Ausbildungsplatz gesucht.

Jetzt war das Kind die Ausrede dafür, dass sie nicht aktiv werden kann

Andererseits war das überaus lebhafte Kind viel sich selbst überlassen, weil die junge Mutter gerne lange schlief und sich auch nicht wirklich mit dem Kleinen beschäftigte.
Wenn die berufstätige Eveline G. heimkam, musste sie meistens noch kochen, waschen und die Wohnung aufräumen.
Auf Vorwürfe reagierte ihre Tochter mit Gegenvorwürfen, wie:
„Meinst Du, ich will so ein Leben führen, wie Du? Hast Du vielleicht Zeit für mich gehabt, als ich ein Kind war? Du hast mich ja schon frühzeitig in den Kindergarten abgeschoben.“
Marga lebte in den Tag hinein, als hätte sie kein Kind und Verantwortung auch nicht. Die bürdete sie ihrer Mutter auf, denn selbstverständlich traf sie sich regelmäßig mit ihren Freundinnen und ging an den Wochenenden aus. Ihr Argument war dann:
„Ja soll ich denn immer nur daheim rumsitzen?“
Und Eveline G. fühlte sich nicht in der Lage, ihrer Tochter etwas entgegenzusetzen. Sie passte nachts auf das Kind auf, schwieg zu den gelegentlichen Ausbrüchen ihrer Tochter, um sich nicht streiten zu müssen und hatte selbst gar kein eigenes Leben mehr.
Ihr Wunsch war es, dass ihre Tochter sich eine eigene Wohnung sucht und sich um ihre Zukunft und die ihres Sohnes kümmert.
Diese jedoch dachte nicht daran. Schließlich kam sie mit dem Kindergeld und Hartz IV für die eigenen Bedürfnisse bestens aus.
Sie leistete keinen Beitrag zum Lebensunterhalt für sich und das Kind. Da die kleine Familie in einer Eigentumswohnung lebt, erübrige sich ja eine Mietzahlung nach ihrer Auffassung auch.

Ja, und nun saß Eveline G. ratlos in meiner Praxis und fragte, ob ich ihr beistehen könnte

Gemeinsam mit ihr analysierte ich die Sachlage.
Ich will mir hier sparen, im einzelnen zu beschreiben, wie die einzelnen Schritte ausgesehen haben, die wir festlegten.
Interessant für andere Therapeuten und auch für Selbstanwender ist vielleicht, dass wir insgesamt 12 Sitzungen benötigten, bis meine Klientin in der Lage war, die nötige Konsequenz aufbringen konnte, um wieder zu einem eigenen, einem selbstbestimmten Leben zu kommen.
Ihre Tochter ist inzwischen tatsächlich ausgezogen, wohnt mit ihrem Kind in einer kleinen Wohnung. Sie hat für den Jungen eine Krabbelstube gefunden und besucht wieder die Schule, um ihren Abschluss nachzuholen. Dabei wird sie von einer netten Dame vom Jugendamt beraten und begleitet. Das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter ist noch nicht ideal, aber harmonisiert sich zunehmend.


Unser Behandlungskonzept
Die Gründe für die Planlosigkeit der Tochter

  • Die Klientin hatte ihrer Tochter in der Kindheit zu wenig abverlangt und ihr alle Wünsche erfüllt, weil sei wegen des Zeitmangels ständig eine schlechtes Gewissen hatte. Auch wollte sie ausgleichen, dass die dem Kind kein richtiges Familienleben bieten konnte
  • Bei Streit hatte die Mutter meistens nachgegeben, um die Familienharmonie nicht zu gefährden
  • Oft fehlte es an Kraft, Hausaufgaben zu überwachen und Disziplin konsequent einzufordern. Verbote wurden nicht aufrecht erhalten, weil die Zeit für Kontrollen fehlte
  • Mutter und Kind verbrachten wenig Zeit miteinander, weil Berufstätigkeit, der Haushalt und eigene Weiterbildungsmaßnahmen ein ständiger Stressfaktor waren
  • Mithilfe im Haushalt wurde nicht nachhaltig eingefordert, die Verweigerung der Tochter wurde hingenommen
  • Erziehung wurde nicht konsequent durchgeführt, es mangelte insgesamt an Organisation
  • Die Mutter hatte ihre Wünsche hinter denen der Tochter immer zurückgestellt. Diese hatte sich daran gewöhnt und forderte diese „Leistung“ weiterhin ein

Das Ziel der Behandlung

  • Die zuvor fehlende Konsequenz sollte unbedingt eingehalten werden
  • Die Mutter sollte regelmäßig für eigene Aktivitäten aus dem Haus gehen
  • Betreuung des Enkelkindes sollte nur noch an bestimmten Tagen nach vorheriger Absprache übernommen werden
  • Es sollte nur mehr an bestimmten Wochentagen gekocht werden
  • Die Tochter sollte darüber verständigt werden, dass sie Einkäufe für sich und das Kind selbst erledigen musste
  • Eveline G. sollte sich einen eigenen Wäschekorb anschaffen und nicht mehr die Wäsche von Tochter und Enkelkind waschen
  • Es sollten keine Vorwürfe mehr geäußert werden, der Ton zur Tochter sollte freundlich und knapp gehalten sein
  • Die Schuldgefühle der Mutter ihrer Tochter gegenüber, sollten aufgelöst werden
  • Das Gefühl „es nicht verdient zu haben, dass es ihr gut geht“, sollte aufgelöst werden

Viele solcher Gefühle, Glaubenssätze, Ängste und Erwartungen wurden von uns nacheinander bearbeitet und ggf. umkonstruiert.
Nach anfänglichem Geschrei und Türenschlagen beruhigte sich die Situation zwischen Mutter und Tochter.

Mit Hilfe des Meridianklopfens und auch Surrogatklopfens (Stellvertreterklopfen), war meine Klientin zunehmend in die Lage versetzt, ruhigen Gemütes diese erste schwierige Zeit durchzuhalten und tatsächlich so konsequent zu bleiben, wie sie es in der Kindheit ihrer Tochter gegenüber schon hätte sein müssen

Sie selbst war erstaunt darüber, dass die Situation bei ihr daheim nicht eskalierte, obwohl der Tochter doch Stück für Stück alle Privilegien entzogen wurden, die diese sich selbst genommen hatte. Vielmehr beruhigten sich die Gemüter. Mutter und Tochter kamen über die Wochen zu einem besseren Verständnis füreinander und reagierten nicht mehr gleich gereizt, wenn etwas geäußert wurde.

Eveline G. kann jetzt wieder an eine gute Zukunft für ihre Tochter glauben. Diese hat nun verstanden, dass es dazu gehört, einen guten, einen sicheren Beruf zu haben, um für ihre kleine Familie sorgen zu können.
Sie weiß jetzt, Arbeit ist wichtig und gehört zum Leben.

Artikel: Bioline-Magazin (Ingrid Schlieske)


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