Kapern (capparis spinosa) Herpes
Aug 16

Ächzt …, stöhn …, knurr …
“Morgenstund hat Gold im Mund“ sagt so nett der Volksmund. Was damit wohl gemeint ist?
Ich jedenfalls fühle mich an jedem Morgen ganz fürchterlich. Immer führe ich den gleichen Kampf mit mir. Aufstehen? Jetzt sofort? Unvorstellbar!
Ich bleibe lieber noch ein wenig liegen, rühre mich nicht und höre nur meinem leisen Atem zu.
Was ich daneben allerdings so fühle, erfreut mich ganz und gar nicht: Mein Rücken schmerzt von den Schulterblättern bis hinunter zum Po, meine Augen sind dick und geschwollen, meine Füße fühlen sich eiskalt an, mein Nacken und meine Finger sind wie steif.
War wohl doch alles ein bißchen zuviel für mich in der letzten Zeit.
Eine neue Arbeitsstelle, der Umzug von einem Wohnort zum anderen.
Und dann auch noch der Wasserrohrbruch.


„Ich kann nicht mehr“, denke ich. Aber das nützt mir auch nicht viel, denn ich muß aufstehen und zur Arbeit gehen

Während ich noch unentschlossen daliege erwacht meine auf der Kommode schlafende Katze Shima und schnurrt mir ein fröhliches „Guten Morgen“ entgegen.
Nach einer ausgiebigen Putzrunde geht es los – das Katzenstretching.
Ich beobachte gebannt die Bewegungen und entschließe mich es ihr nachzumachen.
Zuerst einmal streckt sie sich und wird immer länger und länger.

Das kann ich auch

Ich strecke die Arme über dem Kopf soweit ich kann, dazu dann noch die Fußspitzen und jetzt werde auch ich länger und länger von einem tiefen Gähnen begleitet.

Oh das tut gut!

Ich will nun mehr und strecke mein rechtes Bein und dazu den linken Arm so weit wie ich kann. Oh, wie herrlich, dazu auch gar nicht anstrengend, denn ich liege ja immer noch platt auf der Matratze.
Meine Katze hat mittlerweile ihre Übungen wieder eingestellt und sich so klein wie möglich zusammengerollt, um noch ein Schlaf-Viertelstündchen dranzuhängen.
Ich mache es ihr nach, aber natürlich kann ich nicht mehr weiterschlafen.

Also erstmal zusammenrollen

Ich bin nun so klein wie ein Päckchen und dann wieder strecke ich mich so lang wie möglich und noch mal von vorn.
Ich recke nun meine Arme und Beine weit zur Decke und strampele ein wenig herum.
Dabei zappele ich wie ein Käfer, der auf dem Rücken liegt.
Die Bewegungen gehen plötzlich ins Fahrradfahren über. Meine Füße rudern, die Arme auch, mal in die gleiche Richtung, mal gegeneinander.
Uff, ich lasse Arme und Beine aufs Bett fallen. Das war doch etwas anstrengend. Aber langsam merke ich, wie meine Glieder beweglicher werden.
Ich drehe mich auf den Bauch und strecke mich wieder so lang wie es geht, dann stütze ich die Hände neben meiner Schulter auf und stemme meinen Oberkörper langsam nach oben. Am Anfang geht das nicht allzu weit, denn es ziept in meinem Rücken, aber ich merke nach ein paar Atemzügen, daß das Ziehen weg geht. Ich drücke mich ein bißchen höher und atme ruhig ein und aus, und noch ein wenig höher und noch ein wenig.


Na ja, für einen Zirkusauftritt bin ich ganz offensichtlich zu steif, aber ich merke doch, daß da noch Hoffnung ist – Übung macht ja bekanntlich den Meister

„Miau, miau“ höre ich ein etwas vorwurfsvolles Maunzen. Ja, ja mein Kätzchen hat Hunger und wundert sich sehr über das, was ich da gerade mache.
Ich lasse mich noch einmal inspirieren und kniee auf allen Vieren in meinem Bett und übe einen Katzenbuckel. Genauso, wie es meine Mieze auch immer macht.
Mein Kinn ist dabei fest an den Körper gedrückt und mein Rücken wird runder und runder. Ich verharre ein bißchen und atme tief ein. Ein komisches Gefühl, denn ich meine fast zu spüren, wie mein Rücken sich noch weiter dabei ausdehnt, ich versuche es noch einmal und wieder spüre ich dieses feine Dehnen, das mir jetzt schon leichter fällt.
So, jetzt aber raus aus den Federn, morgen mache ich vielleicht noch ein bißchen mehr, aber jetzt ist wirklich keine Zeit mehr.

Interessant finde ich, daß mir beim Aufwachen jede Bewegung erst einmal absolut unzumutbar scheint. Habe ich mich zur ersten Dehnung entschlossen, mag ich gar nicht wieder aufhören

Probieren Sie es doch auch einmal aus, das Katzenstretching. Es ist ganz leicht und bestimmt fallen Ihnen auch noch selber Übungen dazu ein. Sie werden sehen, es tut wirklich gut und braucht nur 5 Minuten einer gemütlichen Aufwachzeit.

Der Lohn ist ein energievolles Aufstehen, als Start für das Tagestempo

Während des Schlafes liegen wir nicht einfach nur schlaff da, sondern drehen uns viele Male herum. Wir träumen und verarbeiten das Tagesgeschehen. Es kann durchaus sein, daß wir auch mal die Fäuste zusammenballen, mit den Zähnen knirschen, oder in einer verrenkten Haltung daliegen. So können sich Spannungen manifestieren.
Innere Organe wie z.B. die Leber werden nachts besser durchblutet, wir atmen ruhiger und gleichmäßiger und wenn wir morgens aufwachen und direkt aus dem Bett springen, dann kann es vorkommen, daß uns schwindelig wird oder sich die Muskeln noch etwas steif anfühlen.
Besser ist es also, wenn wir nach dem Aufwachen noch einige Minuten bewußt daliegen. Die Dehnübungen können dabei helfen die Muskeln gut zu durchbluten und beweglicher zu machen.
Der Kreislauf wird langsam angekurbelt.
Einen kurzen Moment an der Bettkante zu sitzen, hilft, das Gehirn langsam vom Liegen wieder an die aufrechte Position zu gewöhnen.
Zu guter Letzt lohnt es sich auch, in Gedanken den neuen Tag zu begrüßen, frei nach dem Motto:
- „Ein neuer Tag, ein neues Glück“ – oder „Carpe diem“ = Nütze den Tag

Die Freude auf einen schönen Tag, bestimmt seinen Verlauf

Artikel: Bioline-Magazin (MariaGabriela Thy)


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